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[Science-Fiction] Weltraum-Kolonisation

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Thot:

--- Zitat von: Fantomas am 18.08.2011 | 11:32 ---Du verwechselst Eigentum und Besitz. [...]

--- Ende Zitat ---

Die Formulierung "im Besitz des Volkes" war also nicht von Dir?  ;D

Egal, zurück zum Thema:

--- Zitat ---[...] Ein SF-Setting erlaubt es ja grundsätzlich, solche Gesellschaften zu entwickeln. Eine kleine, verschworene Gemeinschaft von Kolonisten/Pionieren, die eine neue Welt erschließen will, kann realen Kommunismus/Sozialismus praktizieren, weil die Zahl ihre Angehörigen überschaubar ist. Jeder kennt jeden, als ist auch jeder jedem gegenüber verantwortlich und die situationsbedingt beschränkten Mittel lassen wenig Raum für Privateigentum (nicht zu verwechseln mit persönlichem Besitz). Sobald die Gesellschaft anonymer wird, wird der innere Schweinehund stärker, weil man weder bei Unterschlagung noch bei Ausbeutung dem Geschädigten in die Augen schauen muss.

--- Ende Zitat ---

Eine große, tatsächlich sozialistische Weltaumkolonie dürfte mit viel direkter Demokratie auch in Wirtschaftsdingen sowie relativ wenig Datenschutz einhergehen... da wäre Betrug und Unterschlagung sicher nicht einfach. Sie hätte dann aber andere Probleme... "warum arbeitest Du nicht als X, da werden Deine Fähigkeiten nach Meinung der Mehrheit besser gebraucht?"

Yerho:

--- Zitat von: Thot am 18.08.2011 | 11:57 ---Die Formulierung "im Besitz des Volkes" war also nicht von Dir?  ;D
--- Ende Zitat ---

Ich schrieb wörtlich "... sie befinden sich nominell in Volkseigentum, was sich praktisch darin äußert, dass sie in Besitz des Volkes sind ...". Nee, mein Gutester, die Verwechslung liegt ganz allein bei Dir. :P


--- Zitat ---Eine große, tatsächlich sozialistische Weltaumkolonie dürfte mit viel direkter Demokratie auch in Wirtschaftsdingen sowie relativ wenig Datenschutz einhergehen... da wäre Betrug und Unterschlagung sicher nicht einfach. Sie hätte dann aber andere Probleme... "warum arbeitest Du nicht als X, da werden Deine Fähigkeiten nach Meinung der Mehrheit besser gebraucht?"
--- Ende Zitat ---

Dass sich eine Minderheit (oder das Individuum) einer Mehrheit beugen muss, ist doch ein zentrales "Problem" von Demokratie, auch ohne Sozialismus oder Kommunismus; dort entscheidet in den bisherigen Vorbildern eher das allmächtige Zentralorgan. Das Abwägen von gesellschaftlichen Pflichten und freier Entfaltung der individuellen Persönlichkeit hat jede Staatsform.

SF-Settings drücken sich um solche Dinge meistens.

Feuersänger:
Besitz hat aber auch etwas mit Verfügungsgewalt zu tun. Es bringt mir nichts, mich _in_ einer Fabrik zu befinden, wenn ich nicht bestimmen kann, was dort produziert wird. Und diese Verfügungsgewalt hatte nicht das Volk inne, sondern diverse Planungsbüros und Wirtschaftsministerien.

Yerho:

--- Zitat von: Feuersänger am 18.08.2011 | 23:00 ---Besitz hat aber auch etwas mit Verfügungsgewalt zu tun. Es bringt mir nichts, mich _in_ einer Fabrik zu befinden, wenn ich nicht bestimmen kann, was dort produziert wird. Und diese Verfügungsgewalt hatte nicht das Volk inne, sondern diverse Planungsbüros und Wirtschaftsministerien.
--- Ende Zitat ---

Was sich wiederum mit Deinem vorherigen Aussagen beißt, nach denen ja irgendwie doch jeder macht, was er will, also auch in der Fabrik - besonders dann, wenn der gesellschaftliche Tenor dahin geht, dass sie ja allen gehört. Nun auseinander zu nehmen, ob es schief geht, weil die falschen Leute die Kontrolle haben oder deshalb, weil sie nicht genug Kontrolle haben, ist relativ müßig. Die Wahrheit dürfte wie immer irgendwo dazwischen liegen. Der Spruch "Russland ist groß und der Zar ist fern." lässt sich 1:1 auf "Die Sowjetunion ist groß und das Zentralkomitee ist fern." oder eben auf "Der Weltraum ist groß und XYZ ist fern." ummünzen.

Auch in der DDR gab es übrigens das Motto "Aus unseren Betrieben ist noch mehr herauszuholen!" - Nun ratet mal, wie einzelne Leute das verstanden haben ... ;)

Aus der Historie wissen wir, dass Kommunismus in überschaubaren Gemeinschaften gut funktioniert und teilweise sogar die einzig Möglichkeit ist. Jäger- und Sammlergruppen, kleine oder auch größere Dorfgemeinschaften oder eben junge Kolonien auf noch zu erschließenden Planeten haben noch gar keinen Überschuss, der zu verteilen wäre, sondern tendenziell eher Subsistenzerscheinungen, die zu verwalten sind und die den Zusammenhalt stärken. Man muss dann sehen, wann ein Wechsel des Gesellschafts- oder Wirtschaftssystems nötig oder einfach nur sehr intensiv gewollt ist.

Wechsel an sich scheint ohnehin der kleinste gemeinsame Nenner zu sein, der sich durch die Menschheitsgeschichte zieht. Gesellschaften entwickeln oder verwenden immer das System, dass gerade nötig/gewollt und mit den existierenden Mitteln zu etablieren ist und behalten dieses so lange bei, bis es nicht mehr tragbar ist und seinerseits abgelöst wird. Das wird in der Zukunft anzunehmenderweise nicht anders sein.

Feuersänger:
Nachdem dieser Thread damals gestorben ist, weil er sich in einer völlig irrelevanten Richtung verzettelt hatte, möchte ihn jetzt mal wiederbeleben und das Pferd von einer anderen Richtung aus aufzäumen.

Ich habe auch gesucht, ob es vielleicht einen noch _passenderen_ Thread gäbe, bin aber nicht fündig geworden. Wenn jemandem ein besserer Thread einfällt, sagt bescheid, dann verlegen wir das dahin.

Also: erstmal sollte man sich vielleicht überlegen, welche Eigenschaften eine neue Welt haben muss, um überhaupt für eine Kolonisation in Frage zu kommen. Ich rede hier freilich von extrasolaren Planeten, da wir die heimischen ja sowieso schon kennen. Mir fallen da folgende Punkte ein:

- erstmal muss der Stern eine relativ hohe Metallizität aufweisen, damit sich überhaupt erdähnliche Planeten bilden können. Soweit ich gelesen habe, wäre die Untergrenze bei etwa 60% der Metallizität unserer Sonne. Ob eine zu hohe Metallizität schädlich wäre, weiß ich nicht.
- die Lebensdauer des Sterns muss hoch genug sein, damit sich Planeten bilden können; er darf also nicht zu groß sein, da Riesen extrem schnell ausbrennen.
- insgesamt sollte die Spektralklasse ähnlich der Sonne sein, also vorzugsweise G (ein "Guter" Stern), maximal noch F oder K. Er darf weder zu wenig sichtbares Licht noch zuviel UV ausstrahlen.
- interessant finde ich hier noch den Sonderfall eines Sterns, der gerade im Begriff ist, die Hauptreihe zu verlassen: diese Phase kann zig Millionen Jahre dauern, man mss sich also keine Sorgen machen, dass der Stern einem vor der Nase wegplatzt.

- der Planet wiederum muss selbstredend in der habitablen Zone liegen, d.h. in einem Bereich, in dem so viel Sonnenenergie ankommt, dass es flüssiges Wasser an der Oberfläche geben kann. Dieses "Band" ist gar nichtmal so schmal; der Mars z.B. liegt nur relativ knapp außerhalb.
- bei Roten Zwergen, die ca. 70% aller Sterne ausmachen, läge diese Zone so nah am Stern, dass der Planet zwangsläufig rotationsgebunden wäre. Hier ist die Frage, inwiefern das ein Showstopper wäre. Nach der gängigen Theorie muss z.B. ein Planet rotieren, um ein Magnetfeld besitzen zu können, das ihn vor der kosmischen und solaren Partikelstrahlung abschirmt.
- auf der anderen Seite muss es vielleicht nicht unbedingt ein eigenständiger _Planet_ sein. Auch Monde um Gasriesen können alle Bedingungen erfüllen. Sie könnten das Magnetfeld ihres Hauptplaneten schmarotzen, oder sie könnten ungebunden rotieren wenn nur der Abstand groß genug ist.

- es wird aber noch vertrackter: da Terraforming extrem viel Energie schlucken und generell zu lange dauern würde, wäre es mehr als wünschenswert, dass dieser Planet bereits eine eigene Sauerstoffatmosphäre besitzt. Es reicht ja, wenn der Partialdruck auf Andenniveau liegt.
- das führt uns aber zum Knackpunkt: da Sauerstoff so extrem reaktionsfreudig ist, wird er sich in einem statischen System gar nicht halten. Es muss also bereits einen Sauerstoffkreislauf geben - und das wäre in erster Linie: Stoffwechsel, also Leben.
Dieses darf allerdings auch sehr primitiv sein, Einzeller würden bereits ausreichen. Aber natürlich gibt es eine Menge Implikationen.

- nebenbei sollte auch die Schwerkraft nicht zu hoch sein. Generell niedriger als auf der Erde. Unter anderem aus logistischen Gründen: es ist sauschwierig, hier vom Erdboden aus ins All zu gelangen, weil die Erde ein so tiefer steiler Schwerkraftbrunnen ist. Wäre die Oberflächenfallbeschleunigung nur 0,5 bis 0,7G, könnte man bequem mit einstufigen chemischen Raketen ins All gelangen.

Nochmal zurück zum Thema gebundene vs freie Rotation:
ob ein Himmelskörper rotationsgebunden ist, hängt von drei Faktoren ab: Masse des Hauptkörpers, Dichte des Satelliten, und Alter des Systems. Selbst die Erde wird irgendwann mal rotationsgebunden sein -- allerdings erst in ungefähr 1000 Milliarden Jahren, also hundertmal länger als die Lebensdauer der Sonne als Hauptreihenstern. Da müssen wir uns also nicht nass machen. ;)
Die Formel ist:
R = 0,0483*((T*M^2)/rho)^(1/6)
(R = Halbachse in Metern; T = Dauer in Erdjahren bis zur vollständigen Bindung der Rotation; M = Masse in kg; rho = Dichte des Satelliten in t/m³)

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