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Märchenhafte Fantasy - wie?

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Tudor the Traveller:
Hallo  :T:,

ich denke seit geraumer Weile darüber nach, was ein Setting haben müsste, damit es sich märchenhafter anfühlt. Alle Fantasy-Settings, die ich kenne, und mögen sie noch so phantastisch sein, lassen den Zauber des Märchenhaften irgendwie doch vermissen.

Wodurch zeichnen sich Märchen also aus? Im Prinzip bietet die Fantasy alles, was man braucht - Hexen, Könige, Zauberer, Zwerge, Elfen usw. aber es kommt imo kein Märchen zustande. Woran liegt das bzw. was müsste man machen, damit man das bekommt?

Als Beispiele denke ich da u.a. an:

die Unendliche Geschichte
der Dunkle Kristall
Stardust
(oder auch Shrek)

Ein "Problem" könnte sein, dass sich die Fantasy zu ernst nimmt. Wenn man versucht, alles logisch bzw. kausal zu erklären, nimmt man dem "Zauber" den Raum...

Eulenspiegel:
In Märchen gibt es hauptsächlich Klischees:
- der gute und weise König
- die unschuldige und gutaussehende Prinzessin
- der edle Prinz
- die böse Stiefmutter

Desweiteren hat die Hauptperson einen Namen. Alle anderen Figuren werden nicht mit Namen sondern mit ihrer Funktion angesprochen (König, Stiefmutter etc.)

Ein Märchen hat immer eine ziemliche schwarz-weiß Moral. Entweder die Hauptfigur handelt die ganze Zeit moralisch, oder aber die Hauptfigur handelt am Anfang falsch, sieht ihren Fehler ein und handelt daraufhin richtig (Beispiel Froschkönig).

Sex findet nicht direkt statt sondern wird verklausuliert.

Märchen erzählen nicht von Kriegen sondern entweder vom Leben am Hof oder vom Leben der normalen Dorfbevölkerung. Daher kann in einem Märchen zwar durchaus ein tapferer Ritter auftauchen. Seine Heldentaten werden aber nicht thematisiert: Es wird gesagt, er hat Heldentaten vollbracht. Welche das sind, bleiben dem Zuhörer/Mitspieler aber verborgen.

Naldantis:
IMHO ist das hauptsächliche Abgrenzungsmerkmal von Märchen zur 'normalen' Fantasy der Verzicht auf kausalität, der Mangeln an Information, die Beschränkung auf ein einziges Ereignis und schließlich die Reduktion der Charaktere auf einen Aspekt.

Darum halte ich Märchen für kein erstrebenswertes Genre (oder nur in dem ontext, in dem man 'Kleine Ängste' oder 'Smurfs' Speilen würde).



Blizzard:

--- Zitat von: Tudor the Tudorian am 31.10.2011 | 11:23 ---Ein "Problem" könnte sein, dass sich die Fantasy zu ernst nimmt. Wenn man versucht, alles logisch bzw. kausal zu erklären, nimmt man dem "Zauber" den Raum...

--- Ende Zitat ---
Ich sehe das Problem eher darin, dass es bei Märchen gewisse Punkte gibt, die vorgegeben sind, und deswegen mit der Offenheit von normaler Fantasy kollidieren. Märchen spielen stets in einer fiktiven Welt, Märchen haben stets ein Happy End, Märchen haben oft etwas mit Familie zu tun und nicht selten enthalten sie noch einen sozialen Aspekt (der arme Bauerssohn, der zum reichen Prinzen wird). Nicht zu vergessen, dass Märchen für Kinder geschrieben bzw. adaptiert wurden-und diese kindgerechte Sprache ist ja auch ein Merkmal von klassischen Märchen. Dieses eher kindhafte(nicht zu verwechseln mit naiv!)beisst sich vermutlich auch mit der normalen und ansonsten eher ernsten und düsteren Fantasy, die wir zumeist in Rollenspielen haben.


--- Zitat von: Tudor the Tudorian am 31.10.2011 | 11:23 ---Alle Fantasy-Settings, die ich kenne, und mögen sie noch so phantastisch sein, lassen den Zauber des Märchenhaften irgendwie doch vermissen.
--- Ende Zitat ---
Hast du dir schonmal Castle Falkenstein angesehen?

Eulenspiegel:

--- Zitat von: Blizzard am 31.10.2011 | 12:48 ---Märchen spielen stets in einer fiktiven Welt, Märchen haben stets ein Happy End, Märchen haben oft etwas mit Familie zu tun und nicht selten enthalten sie noch einen sozialen Aspekt (der arme Bauerssohn, der zum reichen Prinzen wird).
--- Ende Zitat ---
Nope. Es muss nicht immer ein Happy End geben.
In der Original-Version des Froschkönigs sieht der Prinz, wie egoistisch die Tochter war und verlässt sie, um alleine zum Schloß zurückzukehren.

Bei der französischen Version von Rotkäppchen (Le Petit Chaperon rouge) endet das Märchen damit, dass Rotkäppchen vom Wolf gegessen wird.

Das Happy End wurde jeweils nachträglich hinzugefügt, um das Märchen kindgerechter zu gestalten. Die Originalmärchen sind überhaupt nicht kindgerecht sondern sind Erzählungen von Erwachsenen für Erwachsene.

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