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Darf ich bitten? - Eine Alternative zu Konfliktsystemen
Lord Verminaard:
Hast du schon mal Polaris gespielt? Das ist ein Tanzsystem, mit allem, was dazu gehört.
Deinen Ansatz finde ich nicht uninteressant, sehe aber die Gefahr wie bei dem von dir ja auch erwähnten DitV, dass letztendlich das Pacing darunter leidet, eine bestimmte Anzahl von Würfeln "verbrauchen" zu wollen bzw. der Einsatz von Würfeln zu stark im Vordergrund steht und dann durch beliebiges/belangloses fiktionales "Beiwerk" ergänzt wird. Dein System wird nämlich von der Regelseite, und nicht von der Fiktionsseite, getrieben.
ArneBab:
Soweit ich deine Idee verstanden habe, geht es grundlegend darum, gemeinsam ein Ergebnis erzielen zu können, ähnlich wie bei kooperativen Proben. Und das finde ich eine sehr schöne Idee.
Die Mechanik wirkt für mich aber zu schwergewichtig.
Ich versuche das Beispiel der Verführung zu nutzen.
Eine Schwäche, die ich hier in vielen Systemen sehe, ist, dass es keinen Wert dafür gibt, was es bedeutet, verführt worden zu sein.
Das müsste also als erstes geändert werden. Zum Beispiel könnte jeder Charakter temporäre Merkmale ansammeln können, die durch Erfolge bei Proben an Kraft gewinnen.
Wenn dann ein Charakter einen anderen verführen will, gibt es 3 mögliche Handlungen:
[*] Der andere Charakter will das nicht. Damit würfeln beide einen Wettstreit. Wenn der Verführende verliert, erhält er das temporäre Merkmal „abgeblitzt“, das ihm weitere Verführungsversuche erschwert (oder vielleicht Proben verlangt, bevor er es nochmal versuchen darf→traut sich nicht mehr). Wenn er gewinnt, hat der verführte Charakter das Merkmal „interessiert an …“.
[*] Dem anderen Charakter ist es egal. In dem Fall würfelt der Verführende eine Probe gegen einen passenden Mindestwurf. Deren Ergebnis wird bewertet wie im ersten Fall (gibt also temporäre Merkmale).
[*] Der andere Charakter sympathisiert. In dem Fall kann er entweder dem Verführenden direkt Boni geben, oder er kann eine Probe würfeln, mit der er dem anderen Boni gibt. Im Extremfall könnte er versuchen, sich selbst zu verführen. Dann könnte der Effekt beider Proben addiert werden.
Gerade der letzte Punkt ist allerdings eine Abkehr der vollkommenen Kontrolle der Spieler über die Psyche ihrer Charaktere, da hier der Charakter nicht einfach entscheidet, nun verführt zu sein, sondern sich aktiv selbst zu ändern versucht - und dabei auch scheitern kann.
Es wäre ein Tanz
[*] Gegeneinander,
[*] Alleine, oder
[*] für ein gemeinsam erreichbares Ziel.
EDIT: Ich denke, dein recht komplexes System könnte sehr gut laufen, wenn es in den Hintergrund eigebettet ist. Eine ganze Region, die nach diesen Prinzipien strukturiert ist. Wenn die Prosa diese Struktur beschreibt, bildet das System einen essenziellen Teil des Spiels.
Delagur:
Hey
Ich bin grad ein wenig angeschlagen also moege man mir bitte Ueberlesenes verzeihen...
Was mir auffaellt, da ich gestern eingehend ueber eine Art "Konfliktsystem" nachgedacht habe. Eher habe ich ueber die Art und Moeglichkeit sowie jeder moeglichen Endsituation einer Auseinandersetzung nachgedacht, sicherlich nicht vollstaendig.
Es gibt verschiedene Endsituationen nach einem "Konlflikt":
- eine Partei verliert (absolut)
- eine Partei gewinnt (absolut)
- keine Partei gewinnt (absolut)
- jede Partei gewinnt (absolut)
- keine Partei gewinnt und verliert wirklich (Kompromiss)
- Mischungen aus den beiden ersten
Ich finde die Aufzaehlung vollstaendiger. Und denke auch, dass ein "Konfliktsystem" oder meinetwegen auch Tanzsystem.
Die Mechanik hab ich mir nun nicht durchgelesen, da es mir momentan schwerfaellt mich in soetwas hineinzudenken.
gD
Delagur:
Jetzt hab ichs durchgelesen.
Was mir bei den Vorstoessen fehlt ist eine Begrenzung der Moeglichkeiten, damit niemand auf die Idee kommt ganz fiese derbe Dinge veranstalten zu wollen obwohl er das gar nicht koennte.
Irgendwie fehlt mir der Rueckschluss auf die Faehigkeiten der Charaktere. Nicht jeder kann alles.
Was mir auch fehlt ist die Information wie oft, wann und wie lange man Vorstoesse schaffen kann?
Ich vermute solange bis meine Wuerfel alle sind fuer wie oft und wie lange, immer wenn der Gegner keine weiteren Vorstoesse beeinflussen will fuer wann..
Ausserdem kann das Tanzsystem meines Erachtens nicht den Zustand: keiner gewinnt abbilden, da doch irgendwie immer jemand am Gewinnen ist.
Desweiteren sind gerade in der Politik zwischen vielen Parteien und Ansichten besonders Kompromiss oder keine Einigung vertreten. Dies funktioniert mit dem System scheinbar auch nicht.
Nur so Gedanken :)
gD
Nørdmännchen:
Vielen Dank für die Rückmeldungen, ich lese jetzt mal folgende Nenner heraus:
1.) Die Grundidee ist gut (danke @ArneBab für die schöne Benennung: "gemeinsam ein Ergebnis erzielen können"). :d
2.) Das Beispiel-Experiment ist ziemlich (bzw. zu) komplex.
@Verminaard: Du könntst recht haben, dass das Pacing in Gefahr schwebt. Und Du hast definitiv recht, dass ich erstmal nur eine Regelseite als Motivation hatte. Ob die Erzählung leidet wäre gegebenen Falls zu erproben (bis jetzt ist das ganze System nur ein Gedankenspiel...) Ich persönlich halte DitV-Konflikte für extrem erzählfreundlich.
Polaris ist beim Versuch einer objektiven Betrachtung (glaube ich) sehr gut, trifft aber irgendwie so gar nicht meinen Geschmack (liegt vielleicht am Duktus der Schlüsselsätze).
@ArneBab: Sehr schön analysiert und ein geiler Vorschlag mit dem "Verführt"-Wert
@Delagur: Ich stelle mir selbst die Frage, ob es sich eher um ein Kompromiss- denn um ein Tanzsystem handelt (also: jeder SC erhält potentiell Teilerfolge und Teilniederlage). Unter diesem Gesichtspunkt trifft Dein letzter Punkt (irgendwie gewinnt immer jemand) zu.
Zur Begrenzung der Vorstöße: Ich hätte vielleicht explizit klarstellen sollen, dass die Würfelpools eine Ressource sind. Traditioneller Weise für eine Szene. (Dies erschließt sich eher aus dem von mir erwähnten DitV.) Sie werden aufgebraucht und begrenzen so die Möglichkeit der Vorstöße. Eine Konsequenz die einem Charakter "Schaden" zufügt, wäre natürlich immer von den Würfeln abhängig (nach einer näher zu definierenden Regel XY). Eine Kopplung von Fähigkeit an Konsequenz halte ich hingegen für unkompliziert. (Insofern dies, über die Natur des Konflikts hinaus, gewünscht wird.)
Zum Abschluß: Ich sehe auch, dass das spezielle System recht komplex wird und werde, angesichts des zu erwartenden Arbeitsaufwands, erstmal nicht daran arbeiten. (Hatte ich bis jetzt auch nicht wirklich vor.) Da die Grundidee aber Anklang findet, denke ich weiterhin über das Thema nach. Vielen Dank an den Hobbit und ArneBab für die alternativen Ansätze.
Viele Grüße, Henning
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