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Spieldesign (Weibliche Charaktere, Umgang mit Minderheiten / Rassismus)

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Nocturama:
Ich fände eine Studie zu Männerbildern und deren Konstruktion in Computerspielen auch ziemlich spannend. Leider scheint da das Interesse nicht so groß zu sein - zugegeben, die Forschungstradition ist längst nicht so ausgeprägt wie im Feminismus, aber trotzdem.

Ich fordere jetzt aber nicht, dass Anita Sarkeesian das macht.

Und wenn man sich anschaut, was diese echt harmlosen Videos mit total etabliertem Inhalt zu Gender Studies schon ausgelöst haben, will ich mir gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn eine Frau (*schock*) was zu Männerbildern sagt.

Bluerps:

--- Zitat von: Crimson King am 13.07.2012 | 11:50 ---Ich persönlich fände es ja großartig, wenn eine solche Studie sich um die Analyse sexistischer Rollenbilder beider Geschlechter bemühen würde.

--- Ende Zitat ---
Klar, aber ich denke es ist schon legitim sich nur auf die Frauen zu konzentrieren, zum einen weil die Dame auch nur begrenzt viel Zeit hat, und zum anderen weil da das Problem größer ist.


Bluerps

Nocturama:

--- Zitat von: Bluerps am 13.07.2012 | 12:27 ---Klar, aber ich denke es ist schon legitim sich nur auf die Frauen zu konzentrieren, zum einen weil die Dame auch nur begrenzt viel Zeit hat, und zum anderen weil da das Problem größer ist.

--- Ende Zitat ---

Ich finde es auch völlig in Ordnung, dass sie sich mit Frauenbildern beschäftigt - sie ist halt Spezialistin für Feminismus, da liegt das einfach nahe.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob das Problem tatsächlich größer ist. Klar, Frauenbilder in Computerspielen beinhalten meist Entmachtung und Instrumentalisierung der weiblichen Figur, während die dort konstruierten Männerbilder Machtfantasien sind. Das _ist_ eine unterschiedliche Form von Sexismus.

Aber schauen wir uns mal an, was die Kritiker von Anita so für Männerbilder vertreten: die sind so unerträglich in Machismo getränkt und so furchtbar reaktionär-konservativ, dass ich eine kritische Hinterfragung für ziemlich wichtig halte. Diese Bilder kommen ja ebensowenig von irgendwo her wie die Frauenbilder, sondern sind genauso kulturell konstruiert - zum Beispiel in Filmen und Videospielen.
Männerbilder werden immer noch stillschweigend als "Norm" gesehen und Frauenbilder als das "Spezielle", das gesondert behandelt werden sollte.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Ich erinnere mich noch, wie ich für meine Magisterarbeit Studien zu chinesischen Männerbildern gesucht habe. Frauenbilder? Jede Menge Material vorhanden. Queer Studies, vor allem männliche Homosexualität? Kein Problem. Aber was zur Konstruktion von Männlichkeit? Mager, sehr mager.
Entsprechend würde mich auch interessieren. Wie viele männliche Charaktere in Videospielen fallen euch ein, die nicht auf klassischen Männerklischees basieren (am typischsten der grimmige Macho-Held, aber das ewige Prinzessinenretten fällt auch drunter)?

Crimson King:

--- Zitat von: Bluerps am 13.07.2012 | 12:27 ---Klar, aber ich denke es ist schon legitim sich nur auf die Frauen zu konzentrieren, zum einen weil die Dame auch nur begrenzt viel Zeit hat, und zum anderen weil da das Problem größer ist.

--- Ende Zitat ---

Ich bin der absoluten Überzeugung, dass man das Problem der Ungleichbehandlung der Geschlechter niemals in den Griff bekommt, wenn man es nur von einer Seite beleuchtet und zu lösen versucht, anstatt von allen.

Im Zentrum der Probleme liegen tradierte Rollenbilder, die unter anderem durch die Popkultur weiter vermittelt werden. Um eine Änderung zu bewirken, muss man die männlichen Rollenbilder genauso hinterfragen wie die weiblichen.

Aus meiner Sicht gehören hier nicht nur Geschlechterbilder, sondern alle Rollenbilder ins Rampenlicht. Die Popkultur transportiert auch rassistische, klassistische und was sonst noch für Botschaften.

Agent_Orange:
Geistesblitz: Als es mit "der" Frauenbewegung (tm) losging, waren die Reaktionen damals nicht ähnlich intensiv, wie sie jetzt bei Anita Sarkeesian auftreten? In der Zwischenzeit ist die Diskussion über die Geschlechterrollen bzw. unter dem Label "Feminismus"/ Gleichbehandlung längst nicht mehr so aufgeladen. Deshalb ist die Reaktion eines Teils der Web-Community/ der Gamer-Szene eben so beeindruckend krass und meines Erachtens schwer nachvollziehbar.

Logisch: Männerbilder sind auch stereotypisiert. Knackpunkt hierbei aber ist: In aller Regel wird der Mann aber nicht instrumentalisiert, um ihn als Opfer, Schwächling, Sexobjekt darzustellen, sondern als Identifikationsfigur, die im jeweiligen Kontext zum Held/ Retter/ Gewinner aufsteigt. Durch dieses Identifikationselement wird die Objektivierung des Mannes auf (übertriebene) männliche Merkmale (Stärke, Ausdauer, Dominanz, Unbezwingbarkeit) letztlich zu einem Subjektivierungselement, indem dem jeweiligen Spieler eine Projektionsfläche für sich bzw. seine Vorstellung (ich bin der Held; ich bin der, der das Spiel lenkt und den Sieg/ Erfolg herbeiführt) gegeben wird.
Ich bin in gender studies nicht involviert; aber diese "Argumentationslinie" findet sich regelmäßig als Antwort auf die Forderung, bei der Diskussion der Objektivierung der Frau die Objektivierung des Mannes nicht zu vergessen. Und deshalb sehe ich den Schwerpunkt der Betrachtung und Bewertung tatsächlich eher dort, wo Frauen letztlich 'deskriminiert' werden. Allerdings darf es eben bei der Betrachtung und Bewertung nicht bleiben; vielmehr müssen die Ergebnisse auch in das Bewusstsein derjenigen vordringen, die einerseits den Markt bestimmen (der Konsument) und andererseits die Produkte anbieten. Und dabei ist, wie oben schon beschrieben, schon sehr bemerkenswert, wie sich "Geschichte wiederholt", indem Teile der Gamerszene eben einen Shitstorm sui generis lostreten, wie es das in dieser Intensität in der Gender-Debatte wann das letzte Mal gab?

Ich bin jedenfalls ziemlich angefasst. Und seit ich das Thema näher verfolge, tue ich mich sehr schwer damit, unvorbehalten Dinge einfach nur zu konsumieren.

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