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Nachteile beliebter als Vorteile?
Grey (away):
Beim Schreiben meiner Eigenentwicklung bin ich auf eine interessante Frage gestoßen: kann es sein, daß Spieler bei der Charaktererschaffung lieber Nachteile einkaufen als Vorteile?
Meiner Erfahrung nach kann z.B. bei WoD der durchschnittliche Spieler endlos vor den regulären Attributen, Fertigkeiten etc. sitzen und massenweise Nachteile "einkaufen", um sich das alles noch leisten zu können, ist aber kaum bereit, von dem knappen Punktekontingent dann auch noch was in spezifische Vorteile zu stecken.
Kommt das nur mir so vor, oder würdet ihr diese Beobachtung bestätigen?
Deviant:
Wundert mich so jetzt nicht. Da Attribute und Skills immernoch sehr konkret sind, und selbst die Skills noch vergleichsweise vielseitig. Wohingegen Vorteile wieder eine ziemlich spezielle Geschichte sind, die sich häufig auf bestimmte Situationen beziehen.
Wobei das wohl auch Systemabhängig ist und manchmal eine Frage der Eingrenzung. Und eben auch wie das ganze miteinander interagiert bei der Char-Erschaffung. Kurz um: Es schwankt. Aber die Punkte werden oft gerne für handfestes ausgegeben anstatt für Vorteile.
Zwart:
Das ist ziemlich systemabhängig, würde ich sagen. Mir fallen spontan Gegenbeispiele ein.
Bei Savage Worlds werden immer die Vorteile bevorzugt eingekauft und die Attribute/Skills werden vor allem gesteigert um die Voraussetzungen zu erfüllen.
Bei DSA und Shadowrun werden ebenfalls eher Vorteile gekauft, weil man sie später im Spiel nicht mehr kaufen kann. Das macht sie sehr wertvoll.
Pyromancer:
--- Zitat von: Grey am 25.06.2012 | 12:13 ---Kommt das nur mir so vor, oder würdet ihr diese Beobachtung bestätigen?
--- Ende Zitat ---
Sowohl für GURPS als auf für Savage Worlds kann ich diese Beobachtung nicht bestätigen. Da ist es aber auch so, dass es harte Grenzen gibt, wie viele Nachteile man überhaupt nehmen darf, UND es gibt so viele coole Vorteile, dass man eigentlich gar nicht genug davon haben kann.
Skele-Surtur:
Das hängt vom System ab. Es gibt Systeme, da sind Nachteile richtige Nachteile und werden eher ungern genommen, während in anderen Systemen Nachteile eher eine Quelle billiger Charakterpunkte sind. Besonders unbeliebt sind Nachteile, die die Trefferpunkte/Zähigkeit reduzieren oder Attribute reduzieren (etwa bei L5R 3rd Edition hab ich noch nie erlebt, dass jemand "Weakness" als Nachteil genommen hätte und das hab ich lang gespielt). Beliebt sind entweder "Rollenspiel"-Nachteile wie "Arrogant", "Jähzornig", "Ehrlich", "Ehrenkodex", wenn sie Eigenschaften repräsentieren, die der Spieler sowieso ausspielen wollte oder Nachteile, die Skills betreffen, die der Spieler eh nicht einzusetzen gedenkt. Das trifft besonders dann zu, wenn man Fachidiotencharaktere machen will.
Bei manchen Systemen sind Vorteile auch einfach immer zu speziell auf bestimmte Situationen ausgelegt. Wer kauft sich schon einen Vorteil, mit dem er im eigenen Versteck Boni auf die Würfe bekommt, wenn er 90% der Zeit auf Einsatz in Fremdgebieten ist?
Es kommt also darauf an, dass das Preis-Leistungsverhältnis von Nachteilen und Vorteilen zueinander stimmt.
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