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Was hat euch zu Glorantha gebracht?
Grubentroll:
Ich habe leider selber irgendwie nie einen Zugang zu Glorantha gefunden, und wunder mich sogar, wie man den Einstieg schafft in diese doch etwas verschlossene eigene Welt.
Es gab bei mir irgendwie nie dieses spezielle Momentum, wo ich mir dachte "Ja, wow, das will ich spielen.". Und wenn, dann eigentlich nur der Name "RuneQuest", den ich irgendwie cool finde. Aber das eigentlich Spiel hat ja nu nicht soooo extrem viel mit nordischem Zeugs zu tun.
Plus, etwas alberne Sachen wie die Enten taten ihr übriges, mich eher von RQ/Glorantha fernzuhalten.
Wie war das bei euch, was hat euch im speziellen dazu geführt, wieso hat euch das Setting begeistert, wieso seid ihr dabeigeblieben, und wieso spielt ihr es eventuell auch heute noch?
Freu mich auf eure Antworten....
Xemides:
Ich kaufte mir in den 90ern die deutsche Ausgabe des Runequestregelwerkes, und da ich schon immer lieber ein mitgeliefertes Setting wollte statt eines selber zu bauen, und auch Glorantha bald ins deutsche Übersetzt wurde (zumindest Götter und Monster und eizelne Szenarien wurdenja übersetzt) kam ich zu Glorantha.
Mich fesselte sofort das Einzigartige an Glorantha. Die Verbundenheit der Charaktere mit der Welt und den Göttern, die Vielschichtigkeit des Settings, das die Götter nicht überall einheitlich angebetet wurden, sondern es regionale Unterschiede gibt, das die Charaktere keine Abziehbilder sind sondern Teil ihrer Kultur und Religion, die Geschichte Gloranthas mit etlichen ungeklärten Fragen, das die Heortlinge keinen Kelten oder Schotten sind sondern sich von diesen durch vieles unterschieden.
Die Einzigartigkeit der nichtmenschlichen Rassen: Die Aldryami als Pflanzenwesen: die Mostali als technische Wesen; die Trolle nicht als Bösewesen sondern als fremde Wesen der Dunkelheit die stets Hunger haben. Dazu der Fluch der Trolle von Gbaji, so das 90 Prozent der Trolle Mißgeburten sind. Die Ents, die sich als wirklich böse Wesen mit allem kreuzen können und untersciedliche Gestalten haben. Das moralisch flexible Lunare Imperium.
Die 12 Wüstenstämme, mit den intelligenten Morokanten und ihren menschlichen tierischen Sklaven.
Die Enten sind letztendlich ein so kleiner und vor allem örtlich begrenzter Teil, den kann man bequem ignorieren.
Bei mir kommt allerdings hinzu, daß ich in der Runequestgesellschaft war und auf deren Cons viele Liebe Menschen kennengelernt habe aus aller Welt, die mich noch tiefer in Glorantha und seine Feinheiten hineingezogen haben. Details, die mir sonst wohl entgangen wären.
Jed Clayton:
Wenn es jetzt speziell nur darum geht, wie ich zum Lesen und Bespielen der Welt Glorantha gekommen bin, kann ich das relativ leicht beantworten:
Ich habe vor 20einhalb Jahren, irgendwann im Frühjahr 1992, das erste Mal von RuneQuest gehört und bekam damals von einem Mitarbeiter unseres alten örtlichen Spieleladens das Regelwerk und das Kreaturenbuch als Referenz gezeigt - unter anderem mit dem Bild, auf dem auch ein "Duck" zu sehen war.
Der Händler hatte damals nur gutes über RQ zu sagen und ich war an einem großen Fantasy-Rollenspiel interessiert, das nicht DSA, Rolemaster oder D&D war. Ich war damals schon jemand, der bewusst gegen den Strom schwamm. :)
Kurz darauf war ich zum Schüleraustausch in Frankreich und erfuhr dort sehr schnell, dass eine französische Fassung von RQ existierte und las in einem Rollenspielprospekt auf Französisch das erste Mal den Namen "Glorantha". Ich bin dann mangels anderer Informationen davon ausgegangen, dass RQ grundsätzlich Glorantha als Spielwelt hätte.
Gekauft habe ich mir RQ dann aber ironischerweise erst volle 5 Jahre später, im Oktober 1997 als gelangweilter Student. Ich erwarb in demselben Laden, in dem ich fünf Jahre vorher dieses eine Bild mit der Ente gezeigt bekommen hatte, eine etwas staubige Original-Box RQ3 von Avalon Hill und damit fing sozusagen alles an. Ich wollte, dass meine neuen Charaktere auf der Welt Glorantha lebten. Die RQ3 Box enthielt ja auch das "Fantasy Europe" als neues Default-Setting, das fand ich aber ziemlich doof. Ich wollte absichtlich von einem realen Europa weg und deshalb auch nur erfundene Namen, Orte, Länder und Götter. (Fantasy Europe hat sich wohl in der RQ-Fan-Szene nie durchgesetzt bzw. habe ich nie jemanden getroffen, der es je gespielt hat.)
Heute verbindet mich eher eine Art frustrierte Hassliebe mit Glorantha. Hero Wars und HeroQuest waren für mich vor zehn Jahren mal trendig und toll, aber heute mag ich sie nicht mehr besonders und kann alles, was ich dort las, besser mit anderen Systemen machen. Seit kurzem spiele ich wieder RuneQuest, aber in einem freien, inoffiziellen Antike-Setting, dem ich noch nicht mal einen Namen gegeben habe.
Weltengeist:
Mich hat bisher noch gar nichts nach Glorantha gebracht... ;D
Ich habe mir zwar mal einige PDFs geholt (gibt es ja derzeit quasi geschenkt), aber mein Eindruck war eher "naja, ganz nett". Verglichen mit den vielen "boah, wie cool!"-Settings, die es inzwischen sonst so gibt, stehen Gloranthas Chancen, von mir bespielt zu werden, daher nicht so gut. Was aber nicht heißt, dass man keine Ideen plündern könnte... ;)
Jed Clayton:
Ich denke, die Hauptkriterien, die mir an Glorantha von Anfang an aufgefallen waren, sind immer noch diese:
- Jeder kann Magie lernen. Es gibt keine "spellcaster" und "non-spellcaster"!
- Alles ist magisch, Magie lauert hinter jeder Ecke, hinter jedem Busch und hinter jedem Stein.
- Es gibt unterschiedliche Formen bzw. Interpretationen der Magie, passend zu verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen.
- Es gibt einen fließenden Übergang von sterblichen (heldenhaften) Menschen zu Halbgöttern und Göttern.
- Die üblichen Verdächtigen aus Fantasy-Settings sind anders oder eben anders beschrieben und anders definiert: Zwerge aus Stein, Elfen aus Pflanzen, Trolle aus der (Ur-)Dunkelheit, aber nicht böse usw.
- Religionen sind wichtig und bringen auch in-game-Vorteile!
- Es gibt für jeden kleinen Bereich einen Kult oder eine Organisation.
- Naturgesetze sind irrelevant (siehe "alles ist magisch").
- Chaotisch ist dort keine Gesinnung, sondern eher eine Plage, eine Seuche, die an der Welt frisst.
Es kommt aber sehr stark darauf an, wer dir Glorantha erklärt und wie und mit welchen Quellenbüchern. Meine früheren Spieler fühlten sich allein schon aufgrund mancher Illustrationen in den Büchern abgetörnt und haben manche verbalen Beschreibungen und Begriffe einfach nicht verstanden oder ständig verwechselt. Wie auch immer...
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