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Vollständiger Verzicht auf soziale Fertigkeiten - Nachteile

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Holothuroid:
OK. Dann bräuchtest du also wenn überhaupt nur Regeln für diese beiden Bereiche. Die meiste Kritik über Sozialregeln bezieht sich meiner Erfahrung nach auf solche Situationen, wo andere Charaktere befreundet werden sollen, weniger auf Einschüchtern oder Lügen bzw. Lügen Durchschauen.

Stimmst du da zu oder erstrecken sich deine Sorgen auch auf jene Themen?

CokeBacon:
Ja, im Prinzip sind das die großen Bereiche der sozialen Interaktion in meinem Spiel.

"Lügen zu durchschauen" ist ja im Spiel recht einfach darzustellen. Ein gelungener Wurf gibt Hinweise über die Glaubhaftigkeit des Gesprächspartners.

Ich habe halt eher Probleme mit den sozialen Fähigkeiten, die ein Ergebnis vorschreiben, welche von der Erzählebene möglicherweise nicht abgedeckt werden. Lügen ist dafür ein gutes Beispiel. Wenn man das in Form einer Probe abwickelt, entscheidet der Wurf letztendlich nur darüber, ob eine Lüge erfolgreich ist oder nicht, sagt jedoch nichts über den Inhalt der Lüge aus. Wenn sich also ein Spieler eine schlechte Lüge ausdenkt und erfolgreich würfelt, haben wir eine unglaubwürdige Situation. Gleiches gilt für das Gegenteil: Eine gute Lüge und ein verpatzter Wurf. Natürlich könnte man erst den Wurf abwickeln und dann spielt der Spieler das Ergebnis aus, dies hängt jedoch von der Kreativität und Sponatität des Spielers ab.
Für Einschüchtern oder Drohen gilt im Prinzip das Gleiche, da der Spieler auch dort Kreativität und Spontanität zeigen muss. Wenn er das nicht kann, muss immer der Spielleiter oder ein anderer Spieler in die Bresche springen, damit das Geschehen im Spiel und das Ergebnis der Würfel übereinstimmen.

Ich hoffe, ich konnte dir meine Sorgen verständlich machen.

Teylen:

--- Zitat von: CokeBacon am 10.10.2012 | 17:21 ---Doch soziale Proben beantworten ja meistens nur, ob und wie erfolgreich eine soziale Interaktion war, aber nicht, was genau der Inhalt der sozialen Interaktion war. Soziale Fertigkeiten umschiffen also den Methad acting Anteil im Spiel. Ohne dieses Regelelement bleibt jedoch nur ein Kampf- und Aktionsystem übrig, was durch fehlende Werkzeuge wenig zur sozialen Interaktion anregt... ein Teufelskreis^^
--- Ende Zitat ---
Das sehe ich anders.
Selbst wenn man ausbaufähige respektive ausbaubedürftige Regeln für soziale Fertigkeiten und Handlungen hat ist das, meines Erachtens, wesentlich besser als auf den Anteil des Spiels zu verzichten und sich (auf imho krude) Impro-Theater Sachen zurück zu ziehen.

Eine soziale Fertigkeitsprobe hat durchaus einen Informationsgehalt was nun der Inhalt respektive das Thema der sozialen Interaktion war (lügen, schmeicheln, ablenken, einschüchtern, einfühlen etc. pp).
Nicht-soziale Fertigkeitsprobe sagen auch nicht zwingend etwas darüber aus wie sich die Fertigkeitsprobe konkret gestaltet hat. Also wie genau ein Dieb mit einem Dietrich nun das Hightech Zahlenschloss repariert hat, wie genau der Arzt den aufgerissenen Bauch wieder zugenäht hat und ob das überhaupt möglich wäre, wie genau der Charakter nun den Motorblock des Autos repariert hat, wie er das Auto frisierte etc.


--- Zitat ---An sich wäre das ja kein Problem, wenn jeder Spieler damit einverstanden ist und soziale Elemente im Spiel tatsächlich immer ausgespielt werden...  leider verleitet das Regelsystem dabei jedoch schnell zur guten alten Holzhammermethode und dadurch habe ich auch nichts gewonnen.
(Das hat sich sogar in dem Testspiel gezeigt, was ich bereits gemacht habe. Ein Spieler war so begeistert von seinen Fähigkeiten im Umgang mit automatischen Waffen, dass dieser Skill Problemlöser #1 wurde.)
--- Ende Zitat ---
Das Problem ist doch das es in dem von dir skizzierten Szenario kein ausspielen gibt.
Es gibt keine Spiel-Mechanik mit der man die Herausforderung lösen könnte.
Es hat nichts respektive überaus wenig mit dem Charakter zu tun und es ist vollkommen der Willkür des Spielleiters überlassen ob die Lüge nun glaubhaft war oder nicht.


--- Zitat ---Unter dem Begriff Freeform für ein Rollenspiel kann ich mir zwar ungefähr was vorstellen, würde mich jedoch über eine genaue Definition freuen. Ich bin mit vielen dieser theoretischen Begriffe nicht wirklich vertraut.
--- Ende Zitat ---
Es gibt einen Wikipedia-Artikel über Freeform.
Ich bezeichne damit Rollenspiel-Arten die ohne respektive mit einem absoluten minimal Satz an Regeln gespielt werden.

ArneBab:
Grundlegend finde ich den Ansatz interessant. Ich denke aber auch, dass er das Spiel eher auf die physische Ebene einschränkt.

Soweit ich es verstehe ist dein Grund für die Änderung, dass die Darstellung des Spielers der Beschreibung des Charakters widerspricht.

Soziale Fähigkeiten zeigen das deutlich, weil sie oft eine starke Beschreibung des Charakters liefern. Das müssen sie aber nicht.

Vielleicht könntest du statt soziale Fähigkeiten zu entfernen sicherstellen, dass Fähigkeiten keine Beschreibung der Darstellung liefern.

Charisma ist eine klare Beschreibung: Leute mögen dich, wenn du willst. Was bringt es dem Charakter abgesehen davon? Er kann Leute dazu bringen, etwas zu tun, das sie eigentlich nicht wollen. Und er kann Informationen aus ihnen herausholen.

Wenn das Charisma genannt wird, nimmt es die Methode des Spielers vorweg (er ist irgendwie sympathisch).

Stattdessen könnte letzteres „Informationsgewinnung“ genannt werden. Allerdings fehlt mir eine Bezeichnung dafür, wie man Leute dazu bringt, etwas zu tun, das er eigentlich nicht will.

Das ist beides sozial, aber es beschreibt nicht, wie ein Charakter es tut. Man kann jemanden dazu bringen, etwas zu tun, das er nicht will, ohne nett zu sein. Genug nerven kann reichen.

Alternativ könnten soziale Fähigkeiten nutzbar sein, um Mittel in die Hand zu bekommen, eine soziale Situation effektiver zu lösen. Ich habe mal ein Beispiel dafür geschrieben: Soziale Fertigkeiten nutzen

Kurz: Soziale Fähigkeiten als etwas, das Spieler nutzen können, statt als etwas, das die Darstellung des Charakters bestimmt.

Naldantis:

--- Zitat ---Ich fand es nämlich immer störend, wenn Spieler ihre Charaktere entgegen ihrer Eigenschaften dargestellt haben z.B. eine hohe Intelligenz haben und sich wie der letzte Hohlkopf verhalten oder ein hohes Charisma haben und ihre Charaktere wie furchtbare Nervensägen darstellen.

--- Ende Zitat ---

...wäre nix für mich: mal wen anderes zu spielen ist der Reiz an der Sache.
Wenn ich immer nur mich selbst spielen sollte, könnte ich gleich zuhause bleiben...

Zudem glaube ich nicht, daß es viel nutzt, denn die ganze Situation wird ja ohne den Maßstab der begrenzten Zufallsverteilung und der Targetnumber noch willkürlicher und von der Tagesform abhängiger.
Und wer einen Deppen oder eine NErvensäge, einen Ron Stoppable spielen möchte, kann das doch immer noch tun.


--- Zitat ---Dinge wie Lügen, Überzeugen oder Diplomatie sind damit im Verantwortungsbereich des Spielers und hängen nur von seiner Glaubhaftigkeit und seinen Argumenten ab.

--- Ende Zitat ---

Also exakt den Fertigkeiten, die man so alltäglich trainert - wer als Vertriebler täglich lügt und verhandelt landet also ('zumindest beim koperativen Gruppenspiel) auch am Spieltisch in derselben Position.
Für Verfechter der 'Spielbalance' und von 'Kompetenzzonen' kommt noch hinzu, das der bester Sozialcharakter auch der beste Kämpfer sein kann.
 
Deine Bedenken hinsichtlich des 2. Punktes sind berechtigt, wenn Du Spieler hast die sozial gehemmt sind oder nicht so gerne frei reden, Du aber die sozialen Komponenten im Spiel haben möchtest.

Nachtrag: ein weiteres Problem hatte ich vergessen, und das ist die fehlende Methode zur schnellen Auflösung von Aktionen.
Ein Spieler, dessen Char nun z.B. undercover in einer Firma nach einem Maulwurf sucht oder Dutzende Mitarbeiter in einer Kantine sukkzessive in Gespräche verwicklen möchte um ihnen auf den Zahl zu fühlen, oder in einschlägigen BArs nach Dealern, Waffenschiebern oder einem One Night Stand Ausschau hält, würde normalerweise nach einer spezifizierung seiner Ziele einige Würfe auf die entsprechenden Skills machen und man hätte ein Resultat; wie geht es mit Dinem System?
Muß er eine pauschale Anzahl an Kontakten ausspielen, und der SL extrapoliert dann hieraus das statistische Gesamtresultat?
Oder wie stellst Du Dir hier eine Auflösung vor?

 

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