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Star Wars EpVII Spoilerparty
Shield Warden:
--- Zitat von: YY am 3.02.2013 | 12:57 ---Ep. 1-3 sind einfach handwerklich schlecht.
--- Ende Zitat ---
Welche Fachkenntnis befähigt dich zu dieser Aussage?
Yerho:
--- Zitat von: Shieldkröte am 3.02.2013 | 13:24 ---Welche Fachkenntnis befähigt dich zu dieser Aussage?
--- Ende Zitat ---
Man muss weder eine Kuh noch Milchproduzent sein um zu erkennen, wenn die Milch sauer ist. ;)
Allerdings würde ich hier auch widersprechen: Episode I bis III sind nicht handwerklich schlecht, sie unterscheiden sich in ihrer Machart nur maßgeblich von den früheren Filmen, womit man die meisten Alt-Fans (und generell ältere Semester) schon gehörig verschrecken kann.
Das Handwerkliche spielt m.M. nach nur insofern eine Rolle, wie ich stellenweise den Eindruck habe, dass es den Filmen nicht gut bekommen ist, dass so vieles durch ausgereifte Technik und massiven Geldeinsatz möglich war. Der Charme der alten Filme basiert eben auch darauf, dass nach außen eben nicht alles perfekt und geschniegelt wirkte und dahinter kreative Köpfe standen, die noch nach Lösungen suchen mussten, die eben nicht darin bestanden, einigen Animationsstudios noch ein paar Tage und ein paar 100.000 Dollar extra zu geben.
Sprich, der "handwerkliche Fehler" ist, dass das Umsetzen von Visionen inzwischen wirklich nur noch Handwerk ist und keine Pionierarbeit mehr. Denn Pioniere stecken in ihrer Arbeit (Was sich nicht mit der Absicht beißen muss, ordentlich Geld damit verdienen zu wollen ...), Handwerker setzen lediglich um und das im Regelfall gut. Dass die visuelle Umsetzung von Visionen inzwischen einfacher ist wirkt sich dann positiv aus, wenn man sich dadurch auf andere Dinge konzentrieren kann, beispielsweise die Entwicklung eines komplexen Handlungsbogens. Und was passiert, wenn die Macher das entweder nicht können oder ein bestimmter Film gar keine komplexe Gestaltung abseits des Visuellen braucht?
Mal ehrlich, die Handlung der Episoden I bis III hätte man ungekürzt locker in einem einzigen anderthalbstündigen Film erzählen können, lediglich durch Subtraktion der "Schau mal, wie schnell und bunt!"-Sequenzen. Und diese sind eben heute, wo sie mit entsprechenden Budget jeder produzieren kann und sie daher nicht mehr wegweisend sind ohne sonderlichen Charme für viele Zuschauer. Die Episoden IV bis VI hatten auch solche Sequenzen, aber diese waren im Vergleich zum ganzen Film kürzer. Ich will mir nicht anmaßen zu entscheiden, ob damals einfach Leute mit einem besseren Gespür für das Tempo eines Films bzw für Tempowechsel am Start waren oder ob sie die Filme einfach nicht abwerten konnten, weil ihnen die technischen Möglichkeiten dafür fehlten, aber das Ergebnis ist schon recht eindeutig und jeder, der ein wenig Ahnung von Kino hat, wird dem beipflichten, wenn er ehrlich ist.
Aber Ehrlichkeit funktioniert in alle Richtungen. Als - weniger am Lebensalter als am Rezeptionsverhalten festgemacht - "alter" Zuschauer muss man nämlich ebenso zugeben, dass man inzwischen einfach nicht mehr das richtige Publikum ist, dass also der Film nicht per se schlecht, sondern sich an ein ganz anderes Sehverhalten einer ganz anderen Generation von Zuschauern richtet. Anders ist es nicht erklärlich, dass die jüngeren Episoden einem jüngeren Publikum ausgesprochen gut gefallen haben - was man auch auf den jüngsten Star-Trek-Film übertragen kann. Mir war der zu hektisch, mit zu vielen redundanten Actionszenen und/oder Klamaukszenen überfrachtet, ich weiß aber auch, dass gerade das anderen Zuschauern gut gefallen hat.
Wo das insgesamt hinführen wird, weiß ich nicht. Die Studios müssen inzwischen genau überlegen, welche Zielgruppe(n) sie anpeilen, damit das Ergebnis die Geldgeber zufrieden stellt und ich bemerke eine Tendenz dazu, es allen recht machen zu wollen, wodurch halbgare Filme entstehen. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wären das verschiedene Cuts desselben Films, eine Vorgehensweise, über die inzwischen ja nun schon mehrere Produzenten laut nachgedacht haben. Der Umstand, dass das Rohmaterial heutzutage digital gedreht wird und mit viel geringerem Aufwand bearbeitet werden kann, lädt ja eigentlich dazu ein, verschiedene Editionen des selben Films zu produzieren. Dann sind die Geldgeber zufrieden, weil die Kasse klingelt, die Studios und Regisseure haben wieder mehr gestalterische Freiheit und Zuschauer bekommen eine auf ihr Sehverhalten zugeschnittene Edition.
YY:
Mit "handwerklich schlecht" meinte ich nicht die Spezialeffekte u.Ä., sondern vor allem die Plotgestaltung und die Charakterentwicklung.
Ich bin mal wieder faul und zitiere/verlinke mich selbst.
Kurz: Verzettelt und schlecht erzählt.
Als kleiner Widerspruch zu Fantomas sei noch angemerkt, dass mir das Star Trek-Remake ganz gut gefallen hat.
Es fällt mir auch schwer, mich in Sachen Sehgewohnheiten klar einzuordnen zwischen genüsslich-gemütlicher Erzählweise und Wackelkamera-Chaos Cinema.
Dazu fallen mir aus beiden Extrembereichen zu viele Beispiele ein, die ich jeweils gut oder schlecht finde.
Gibt es denn so viele Leute, denen automatisch/zwingend alles aus einer Ecke eher gefällt und das jeweils andere eher nicht?
Beides kann doch immer noch gut oder schlecht umgesetzt sein.
Yerho:
--- Zitat von: YY am 3.02.2013 | 14:17 ---Gibt es denn so viele Leute, denen automatisch/zwingend alles aus einer Ecke eher gefällt und das jeweils andere eher nicht?
--- Ende Zitat ---
Es sind eben nicht einzelne Faktoren der selben Kategorie eines Films oder deren Summe, die den Unterschied ausmachen, sondern das Zusammenspiel. Letztendlich schaut doch jeder Filme und führt eine unterbewusste Pro&Contra-Liste, aber damit ist es nicht getan - man kann am Ende auch mit einem Film unzufrieden sein, der mehr Licht als Schatten hatte, wenn der Schatten ungünstiger und/oder einprägsamer verteilt wurde. Die geistige Pro& Contra-Liste ist ja nicht etwa statisch und wird sauber chronologisch mit dem gleichen Stift geführt, sondern da werden besonders beeindruckende oder nervende Stellen besonders fett notiert und bleiben auch stehen, während beispielsweise leichte Störungen durch eine nette Wendung wieder gelöscht werden. Und was, wenn gerade zum Abschluss ein besonders fettes "So'n Scheiß aber auch ..." steht oder irgendwo in der Liste ein schlagzeilengroßes "Miiiiieeeeees!" auftaucht, das selbst 100 kleinere "Gut so!" nicht ausgleichen könnten?
Ich bin beispielsweise bereit, eine Szene zu vergessen, in der sich die Helden in einer Asteroiden-Höhle verstecken, die sich als gigantischer Weltraum-Wurm entpuppt. Die Sequenz ist zwar höchst überflüssig, passt nicht in den Ablauf und dient der Handlung nicht, da sie nirgendwo hin führt - aber sie ist wenigstens schnell vorbei. Da dauert die Episode mit den Ewoks schon wieder länger, aber die verwandeln sich wenigstens nicht von Waldschraten zu "Michse-Duse-superheftigen-Generälen", die plötzlich in Heeresstärke und mit Semi-Hightech-Kriegsgerät gegen alabasterfarbene Roger-Roger-Droiden antreten, die wie Meerschweine quietschend umfallen, wenn sie getroffen werden. Es gibt auch keine ausufernden Pod-Rennen mit nervenden Bälgern am Lenker und Gegnern aus der Muppet-Show oder Prinzipessinnen, die mal eben ohne erkennbare Ursache abkratzen, weil das halt für den Anschluss an Episode IV nötig ist.
Sprich, man kann gewisse Nerven bestimmter Zuschauer mit bestimmten Dingen strapazieren oder sogar überstrapazieren, ohne dass diese den Film dadurch abwerten. Aber wenn es eine Formel gäbe um objektiv zu ermitteln, wem man was in welchem Umfang und welcher Länger an welcher Stelle anbieten oder zumuten kann, gäbe es abseits der "Gewollt und nicht gekonnt"-Kategorie nur gute Filme. ;D
--- Zitat von: YY am 3.02.2013 | 14:17 ---Als kleiner Widerspruch zu Fantomas sei noch angemerkt, dass mir das Star Trek-Remake ganz gut gefallen hat.
--- Ende Zitat ---
Das ist gar kein Widerspruch, denn das Star-Trek-Remake wird bei mir unter "rettbar" verbucht. Man kann zumindest auf DVD einfach über Szenen/Abschnitte hinweg springen, die einen nerven; man verpasst nichts und es bleibt noch genug Film übrig, der sehenswert ist. Auch hilft es, dass man quadrantengroße Logiklöcher, die aber zu den für Star Trek typischen Handwedeleien und Inkonsistenzen gehören, dem Film nicht negativ anrechnen kann.
Lord Verminaard:
--- Zitat ---Die Studios müssen inzwischen genau überlegen, welche Zielgruppe(n) sie anpeilen, damit das Ergebnis die Geldgeber zufrieden stellt und ich bemerke eine Tendenz dazu, es allen recht machen zu wollen, wodurch halbgare Filme entstehen.
--- Ende Zitat ---
Das erklärt aber m.E. nur unzureichend die in vielen heutigen Action-Blockbustern für meine Begriffe wirklich erschreckend schwachen Drehbücher, die eigentlich nur dazu dienen, die größer-schneller-lauter Actionsequenzen aneinander zu reihen, mit unfassbar einfallslosen Dialogen und Charakteren, und Plausibilitätslücken so groß wie Scheunentoren. Offensichtlich hat sich da teilweise die Ansicht breit gemacht, dass den Zuschauern das egal ist, was ich einen ganz, ganz furchtbaren Trend finde. Disney hingegen tut sich doch oft durch überraschend gute Drehbücher hervor, mir zuletzt z.B. wieder aufgefallen bei Rapunzel. Es besteht also Hoffnung! ;)
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