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Hochliteratur vs. Fantasy

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condor:
Warum gibt es eigentlich in der zeitgenössischen Buchproduktion <Achtung: Behauptung> keine Bücher im Fantasy-Genre, die als große Literatur ernst zu nehmen wären?

In früheren Epochen war das Fantastische, Märchenhafte wenigstens z.T. noch Stoff der Weltliteratur; zuletzt vielleicht am stärksten in der Romantik. Heute gibt es zwar große postmoderne Autoren, deren Romane in Richtung Mystery oder Urban Fantasy gehen (ich nenne nur stellvertretend Haruki Murakami und Mario Vargas Llosa), aber Elfen, Zwerge und Drachen findet man durchweg nur in der Trivialliteratur.

Schon bei Klassikern des Genres (Tolkien, Leiber) fällt auf, dass sie z.T. unglaublich fantasievoll waren, aber schriftstellerisch gesehen über reine Gebrauchsprosa kaum hinauskamen und selbst da einige klare Defizite aufweisen.

Ist es das Schicksal der Fantasy, Bahnhofsliteratur zu sein? Oder wird Fantasy von der Kritik grandios unterschätzt? Oder ist die Kombination von Hochliteratur und Fantasy einfach nur unverkäuflich?

Pyromancer:
Behauptung: Hochliterarische Fantasy-Werke haben nicht das Etikett "Fantasy" aufkleben und steht in der Buchhandlung auch nicht neben den Vampir- und Drachen-Büchern. Das ist bei SciFi nicht anders.

Stonewall:

--- Zitat von: condor am 16.03.2013 | 10:55 ---aber Elfen, Zwerge und Drachen findet man durchweg nur in der Trivialliteratur.
--- Ende Zitat ---

Richard Wagner would like to have a word with you.  ;D

Als interessierter Laie habe ich da kein ganz klares Bild. Man müßte wohl auch zwischen literaturwissenschaftlicher Betrachtung und feuilletonistischer Literaturkritik unterscheiden?

Ich würde meinen, daß sich da die zwei Tendenzen verstärken: Der Großteil der "Fantasy" ist schematisch-trivial. Einerseits erwartet die Kundschaft das so. Andererseits befestigt das das Bild der highbrow-Kritiker von Fantasy als "unwürdigem" Genre. Das macht es dann Autoren mit "Willen zum Hohen" schwer, in dem Genre zu schreiben, wenn sie ernstgenommen werden wollen.

Wahrscheinlich grenzt sich die "Fantasy im engeren Sinne" auch unnötig selbst thematisch und stilistisch ein. Das allgemeinere Feld der "Phantastik" hat nämlich durchaus anerkannte Autoren: E.T.A. Hoffmann, Edgar Allan Poe, Franz Kafka, Jorge Luis Borges etc...
MWn gilt zB HP Lovecraft im anglophonen Raum mittlerweile durchaus als modern classic. Ähnlich wie der vor einem halben Jahrhundert noch generell als trivial gehandelte Kriminalroman mit seinen eigenen Klassikern (zB Chandler, Hammett) jetzt literarisch etabliert ist.
Vielleicht hat "man" in den anglophonen Länder da auch tendenziell weniger prinzipielle Genrevorurteile als im deutschsprachigen Raum.

condor:
@Stonewall: Um noch mal zu präzisieren: Ich beziehe mich auf zeitgenössische Autoren. Von den von dir genannten ist Borges noch der jüngste, und der hat wirklich großartige Sachen geschrieben, z.T. sogar in Richtung Phantastik, aber Fantasy... bin mir nicht sicher. Lovecraft sehe ich wie Tolkien oder F. Leiber: überwältigende visionäre Phantasie, aber als sprachlich und erzählerisch schon eher Bahnhofskiosk (so sehr ich ihn schätze).

@Pyromancer: "Fantasy" im Buchladen ist sicher eine negative Vorauswahl, wenn es um Hochliteratur geht (genau wie "Historischer Roman"). Wo sollte ich denn schauen, bzw. nach welchen Autoren?

Pyromancer:

--- Zitat von: condor am 16.03.2013 | 17:52 ---@Pyromancer: "Fantasy" im Buchladen ist sicher eine negative Vorauswahl, wenn es um Hochliteratur geht (genau wie "Historischer Roman"). Wo sollte ich denn schauen, bzw. nach welchen Autoren?

--- Ende Zitat ---

Das letzte hochliterarische Werk mit Fantasy-Einschlägen, das ich gelesen habe, war "Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten" von Christian Kracht. Wenn es nicht ganz zeitgenössisch sein muss würde ich mal bei Thomas Mann und Ernst Jünger nachschauen.

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