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Hochliteratur vs. Fantasy
Sun Wukong:
Natürlich gibt es eine ganze Menge tatsächlicher Trivialliteratur innerhalb des Fantasybereichs (die Definition von Metal King ist schonmal eine Richtung, würde ich sagen), aber ich halte auch das allgemein Selbstverständnis von Feuilleton und universitärer Literaturelite für das größere Problem. Deutlich wurde das bei der letzten Verleihung des Literaturnobelpreis an Mo Yan und die Debatte um den so genannten "magischen Realismus".
Ich bin ziemlich davon überzeugt, dass das nur ein bescheuerter, verschleiernder Begriff ist, der im Grunde genommen Fantasyliteratur beschreibt, anders ausgedrückt, damit die Eliten sich nicht mit diesem so trivial klingenden Wort herumschlagen müssen. Und damit bin ich nicht der Einzige, wenn man sich mal anguckt, was im Bezug dazu so alles schon gesagt wurde. Fakt ist, dass Yans Literatur (was man von dem Mann und seinem Werk sonst auch halten mag) im Grunde ziemlch viele Kriterien für die Umschreibung "Fantasy" umfasst, daneben auch für Märchen und Parabeln, was im Grunde recht nah im Raum des allgemein Phantastischen anzusiedeln ist.
Einer meiner Dozenten in der Germanistik versucht übrigens seit Semestern einen entsprechenden "Phantastik-" beziehungsweise Fantasyschwerpunkt in Form von Hauptseminaren durchzusetzen. Entweder er wird auf entsprechend weniger in die Tiefe gehende Proseminare vertröstet, oder es wird ihm frechweg offen gesagt, dass man das in der Fakultät nicht für universitär-diskutablen Forschungsstoff hält. Daher wehen die Pestwinde, wenn ihr mich fragt.
Yerho:
Auch wenn die Trennung von Hoch- und Unterhaltungsliteratur eine über weite Strecken gekünstelte ist, muss man sich keine Illusionen darüber machen, dass das, was in der Breite an Fantasy konsumiert ist, tatsächlich reine Unterhaltungsliteratur darstellt, der nun einmal das - wenn auch im Idealfall handwerklich einwandfreie - Wiederkäuen der immer wieder gleichen Motive, Elemente und Stilmittel darstellt.
Der größte Teil des hochliterarischen Kanon hingegen besteht aus ollen Kamellen, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung nur haarscharf am Kolportageroman vorbei geschrammt sind und die mit der Zeit durch bloße Alterung und/oder den Local-Hero-Status ihres Verfassers und/oder durch besondere Befindlichkeiten der Rezipienten einer bestimmten Epoche sozusagen geadelt wurden.
Neue Vertreter der Hochliteratur sind sogar noch strittiger. Von der Schickeria im eigenen Glanz vergoldete oder von Avantgardisten (Kraft eigener Arroganz) erhobene Werke können ebenfalls der größte Murks oder doch zumindest kurzlebige Vertreter augenblicklicher Trends sein.
Daneben gibt es noch Dauerbrenner mit Anwartschaft auf den Grad der Hochliteratur, allen voran die unsägliche Betroffenheitsprosa, die jedes beliebige Kritikerrudel schon seit Jahrhunderten immer wieder reflexartig in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt. Auch sehr beliebt sind Sprachexperimente, deren Qualität weniger durch Originalität, als durch pubertär-hormornelle Störungen und/oder exzessiven Alkohol- und sonstigen Drogenkonsum befeuert werden.
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich halte die Unterteilung von vornherein für schwachsinnig und wäre - wenn überhaupt - eher für eine Trennung anhand der Intention des Verfassers (und der Vermarkters). Qualitative Unterscheidungen in gute oder schlechte [jeweilige Kategorie einsetzen]-Literatur kann man dann immer noch vornehmen und begründen, haben jedoch mit der vorangegangenen Kategorisierung nicht zwingend etwas zu tun.
Oberkampf:
--- Zitat von: Sun Wukong am 3.04.2013 | 12:06 ---Natürlich gibt es eine ganze Menge tatsächlicher Trivialliteratur innerhalb des Fantasybereichs (die Definition von Metal King ist schonmal eine Richtung, würde ich sagen), aber ich halte auch das allgemein Selbstverständnis von Feuilleton und universitärer Literaturelite für das größere Problem.
--- Ende Zitat ---
Genau das ist die Sache: es geht hier um Elitenliteratur und um Abgrenzung. Fantasy ist einfach nicht als Distinktionsliteratur geeignet, zumindest nicht in Deutschland. Genausowenig wie Comics, und eigentlich auch Sci-Fi. Die meisten von Haderlump aufgeführten Dinger würden entweder nicht als Sci-Fi bezeichnet werden, oder nicht als Hochliteratur (mit Chabon habe ich genau diese Erfahrung gemacht, dass es "nur" als Spannungsliteratur abgetan wird).
Meine Definition von Hochliteratur ist folglich auch: Was Eliten als Literatur definieren, ist Literatur.
Pyromancer:
Und umgekehrt. Viele Fantasy-Leser würden ja ein "ernsthaftes" Buch nicht mit der Kneifzange anfassen, selbst wenn Zwerge und Orks drin vorkämen.
Science Fiction hat es da ein bisschen einfacher, weil es die großen Dystropien gibt, die ganz klar, offensichtlich und mit dem Holzhammer gesellschaftlich relevant sein wollen, und deswegen, sofern sie dem linken Zeitgeist entsprechen, durchaus auch von der Literaturelite gewürdigt werden.
Oberkampf:
--- Zitat von: Pyromancer am 3.04.2013 | 16:56 ---
Science Fiction hat es da ein bisschen einfacher, weil es die großen Dystropien gibt, die ganz klar, offensichtlich und mit dem Holzhammer gesellschaftlich relevant sein wollen, und deswegen, sofern sie dem linken Zeitgeist entsprechen, durchaus auch von der Literaturelite gewürdigt werden.
--- Ende Zitat ---
Welche linke Sci-Fi?
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