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Hochliteratur vs. Fantasy

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Stonewall:

--- Zitat von: condor am 16.03.2013 | 17:52 ---@Stonewall: Um noch mal zu präzisieren: Ich beziehe mich auf zeitgenössische Autoren. Von den von dir genannten ist Borges noch der jüngste, und der hat wirklich großartige Sachen geschrieben, z.T. sogar in Richtung Phantastik, aber Fantasy... bin mir nicht sicher. Lovecraft sehe ich wie Tolkien oder F. Leiber: überwältigende visionäre Phantasie, aber als sprachlich und erzählerisch schon eher Bahnhofskiosk (so sehr ich ihn schätze).
--- Ende Zitat ---

Bei zeitgenössischen Autoren fehlt mir einfach der nötige breite Überblick.
Und: Wie grenzt Du Fantasy von allgemeinerer Phantastik ab? Ist Fantasy für Dich wirklich nur der "Elfen-Zwerge-Drachen-Kram"? Wenn man ein Genre bewußt extrem einengt, wird halt der Kandidatenpool eben auch recht klein.

Bei HPL hindert mMn seine gesuchte "Altertümlichkeit" daran, ihn rundweg in eine Gebrauchsprosa-Ecke zu schieben, auch wenn man sicher hinterfragen kann, wieweit er seinen künstlerisches Intentionen gerecht wurde. Ähnlich bei Tolkien mit seiner Orientierung am Saga-Stil.

condor:
Gute Frage - wie grenzt man Fantasy sinnvoll von anderen Genres ab. Als Versuch:

Fantsy = Erzählungen, die in einer erdachten Welt spielen. Geschichten, die von der realen Welt ausgehen, sind lediglich in dem Maße "Fantasy" wie sich ihre Bewohner, Gesetzmäßigkeiten etc. von der Realität unterscheiden (z.B. Urban Fantasy, Mystery, Realismo Magico, Historische Fantasy).

Stonewall:
Ich würde zur erdachten Welt das märchenhafte/übernatürliche Element ergänzen wollen. Es sind ja auch Andersweltgeschichten denkbar, die sich exakt an realweltliche Naturgesetze halten. Diese wären, finde ich, je nach Sujet evtl eher der Science Fiction zuzuordnen. Und gerade bei "Klassikern" der Fantasy wie Howard und Tolkien findet sich die Prämisse, daß das fantastische Setting eine legendäre vorgeschichtliche Epoche der realen Welt darstellen soll.

BTW habe ich gegen den Begriff "Mystery" meine Bedenken, da das Wort im Englischen für den "normalen" Detektivroman ohne übernatürliche Elemente verwendet wird. Evtl könnte man das gemeinte wie Urban Fantasy unter Contemporary Fantasy subsumieren. Wenn man Wikipedia glauben darf, ist im Englischen wohl supernatural drama als Bezeichnung dafür gängig.

Skele-Surtur:
Ich behaupte, dass das am Snobbismus der selbsternannten Hochliteraten liegt. Wer hohe Literatur schreiben will, schreibt kein Fantasy, weil er genau weiß, dass er von der selbsternannten Literaturelite damit nicht ernst genommen würde und für den Rest der Welt wäre das ganze eh zu hoch, was im Klartext bedeutet, dass er weder die Anerkennung der Literaturwelt, also kulturellen Erfolg, wenn man so will, noch kommerziellen Erfolg hat. Und ein Hohlbein sein, dessen Werke verissen werden, der sich aber eine eigene Häuserzeile leisten kann, ist besser als ein... unbekannter Typ zu sein, dessen Buch von den einen nicht ernstgenommen und von den anderen nicht gelesen wird.

Niniane:
Tolkien wollte niemals Fantasy schreiben, auch wenn er als Vater der modernen Fantasyliteratur gilt, btw. Und zur Phantastik hat Stonewall eigentlich schon alles sehr gut beschrieben und gesagt.  :d

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