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Unsere Mütter, unsere Väter
6:
--- Zitat von: Zauberelefant am 27.03.2013 | 22:18 ---- die taz ist eine dezidiert linke Zeitung. Ohne das werten zu wollen, die Kritik sticht im Resumee (da gehts aber um die Rezipienten, nicht ums Werk), verfehlt aber das Thema des Films. Dieses Thema sind nicht fünf reale Biographien (das wäre auch selten dämlich), sondern eine ganze Generation von jungen Leuten, die so ähnlich waren.
--- Ende Zitat ---
Äh. Nee. Das Thema wird von der Kritik genau getroffen. Die 5 Hauptcharaktere stehen ja laut Artikel eben gerade nicht für die damalige Generation. Genau das ist ja die wesentliche Kritik des Artikels.
Btw. wenn Dich die politische Richtung der Zeitung, in der der Artikel steht, stört, kann ich hier noch einen anderen Artikel liefern.
Darius der Duellant:
--- Zitat von: 6 am 27.03.2013 | 23:06 ---Btw. wenn Dich die politische Richtung der Zeitung, in der der Artikel steht, stört, kann ich hier noch einen anderen Artikel liefern.
--- Ende Zitat ---
Daraus:
--- Zitat ---„Unsere Mütter, unsere Väter“ setzt neue Maßstäbe in der massenmedialen Verharmlosung deutscher Schuld im Zweiten Weltkrieg
--- Ende Zitat ---
--- Zitat ---„Unsere Mütter, unsere Väter“ zeigt genausowenig wie diese genannten Werke ‚reale‘ Geschichte, sondern verdreht sie, verharmlost sie, setzt deutsche Täter und jüdische Opfer mittels platter dramaturgischer Kniffe und parallelisierender Schnitte für die Rezipientenwahrnehmung immer wieder gleich.
--- Ende Zitat ---
Ach du jemine ::)
Ich sehe in den Filmen ja eine Ebene die zeigt, dass Krieg Menschen verändert und zu echten Arschlöchern macht, weswegen Krieg auch ein ziemlicher Mist ist.
Das scheint der Rezensent aber mMn auszublenden. Da wird das ganze dann schlicht zu einer versuchten Geschichtsrevision umgedeutet, wenn ein Frischling sich nicht schon von beginn an wie ein blutsaufendes Monster benimmt, sondern erst im zuge des Krieges zu einem kaputten Arschloch wird.
Dazu passt dann auch die moralische Besserstellung von Stalins Truppe und der traurige Versuch, den Antisemitismus in Osteuropa, speziell in Polen, wegzureden.
Der ganze Artikel schreit beinahe "Schuldkult" und erweist der (von mir vermuteten) Intention des Autors, seine Leserschaft für Revisionismus und Weisswaschung zu sensibilisieren, einen Bärendienst.
Folgt man der Meinung Süselbecks, müssten der Film in der braunen Ecke ja auch eigentlich ganz gut ankommen.
Komischerweise wird er in den üblichen Ecken aber auch wieder als antideutscher Käse abgetan...
Immerhin, wer lernen möchte wie man krampfhaft das negativste was irgendwie möglich ist in ein Medium hineinliest, hat mit dieser Rezension ein durchaus taugliches Anleitungswerk.
Zauberelefant:
Nun, man kann natürlich auch die eigene moralische Überlegenheit wie eine Monstranz vor sich hertragen.
Was die taz denkt, und was der Film wirklich liefert, muß ja nun auch nicht das Gleiche sein - in der Tat verriete die taz ihr Weltbild, würde sie eine andere Denke als "Böse Täter - gute Opfer" auch nur ansatzweise in Betracht ziehen.
Die Kritik auf literaturkritik entpuppt sich im Übrigen als wertlos, wenn der Autor über eine Szene spricht, die er offenbar selbst nice gesehen oder verstanden hat. Das Rauchen der Zigarette ist ein Fanal des Lebensmüden, der das russische Flugzeug auf die eigenen Stellungen aufmerksam machen will - wofür er später fast von den eigenen Kameraden totgeprügelt wird, während der Bruder und Vorgesetzte wegschaut - DER Wendepunkt der Figur, aber dafür hätte man ja den Film gesehen haben müßen...
Ein weiteres Beispiel für Kritik, die sich an ideologischen, nicht aber an künstlerischen Gesichtspunkten abarbeitet, und damit die eigene Überflüßigkeit eklatant zur Schau stellt.
Wer sich einmal mit einem Kriegsteilnehmer (und ich spreche hier von jüngeren deutschen Abenteuern) unterhalten hat, begreift schnell, daß Krieg die Grenze zwischen Täter und Opfer verwischt.
Wer eindimensional in Kategorien "deutscher Schuld" denkt, banalisiert den gesamten Krieg. In der Folge wird ausgeblendet, was Menschen anderen Menschen seit jeher anzutun imstande sind. Seit 1945 gab es noch den ein oder anderen Fall, für den sich auch Wehrmachtssoldaten geschämt hätten - Srebrenica, Ruanda, und 75 andere Konflikte. Eine Zuschreibung von Singularität macht, davon bin ich überzeugt, blind gegenüber allen anderen Greueltaten.
Im Umkehrschluß soll man übrigens nicht meinen, das hätte etwas mit Relativierung zu tun. Weder der Vernichtungskrieg, noch der Holocaust, oder überhaupt der deutsche Angriffskrieg lassen sich rechtfertigen oder relativieren, geschweige denn verharmlosen. Das waren scheußliche Verbrechen, wobei sich noch ein jeder der Beteiligten die Hände schmutzig gemacht hat. Schon durch wegschauen.
Aber es ist, und das mag den gemeinen linksliberalen, aber weder linken noch liberalen sondern vielmehr spießbürgerlichen, dem Konsens verhafteten, zu eigener gedanklicher Leistung offenbar unwilligen Feuilletonisten überraschen, daß aus Rußland an Körper und Seele schwer verwundete Menschen heimkehrten. Daß nicht jeder, der eine Uniform trug, überzeugt Verbrechen begangen hat, sondern daß sich da eine ganze Bandbreite an Motiven, Taten und auch Schuld auftut.
Insofern halte ich es für das künstlerische Verdienst des Films, glaubwürdige Figuren, mit denen eine Identifikation und ergo auch die Frage "was hätte ich getan" möglich ist.
"Der Untergang", als anderes Beispiel, stellt alles als Schuld Hitlers dar. Das ist ein apologetischer Film.
Callisto:
Eure Diskussion macht mich langsam neugierig.
6:
@Callisto:
In der ZDF-Mediathek ist er leider nicht mehr zu sehen. Du kannst ihn aber als DVD kaufen.
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