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[Cortex+] Marvel Heroic Roleplaying Game wurde eingestellt

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La Cipolla:

--- Zitat ---Naja... was ich an Rueckmeldungen gehoert habe scheinen hauptsaechlich "erfahrene" Rollenspieler mit dem System Probleme gehabt haben waehrend Leute die vorher nie gespielt haben den Kram fast schon intuitiv "richtig" gespielt haben
--- Ende Zitat ---

Meine Wahrnehmung war in der Hinsicht etwas komplexer, vorrangig durch das Internet (zugegegebenermaßen ^^').
Du hattest, wie üblich bei "großen" Rollenspielen, viele Neulinge, die enttäuscht von den ganzen Regeln waren. Das ist ja normal, auch bei ganz klassischen Dingern wie Dragon Age; könnte man wohl höchstens durch ein meeeega-simples System verhindern, also anderes Thema. Bei MHR kam aber noch dazu, dass man doch schon ein gewisses Gefühl für Comics und deren Inszenierung braucht, und zwar nicht nur als SL. Die neuen Spieler, die das hatten (und sich darauf eingelassen haben), waren tatsächlich ziemlich oft geflashed und dementsprechend laut.
In der Rollenspielszene gab es ebenfalls diese sehr laute Front, die es revolutionär und passend und wunderbar fand, sofort eigene Inhalte entwickelt und das Ding auf einen mächtigen Hype-Zug geschubst hat, mit allen Konsequenzen in unserem Hobby. Dann gab es aber auch viele Leute, die einfach nichts damit anfangen konnten (aber, Notiz am Rande, bemerkenswert wenige Hater - hat man ja selten!). Ich denke mal, dass die zweite Fraktion größer war, nicht zuletzt wegen dem speziellen Thema.
Eine seltsame Konsequenz aus diesen beiden Punkten war, dass du scheinbar nicht diese starke Symbiose aus bestehenden Rollenspielstrukturen und Neulingen hattest - die wirklich überzeugten Rollenspieler schienen mir schon wieder so herzhaft dabei zu sein, dass sie das Spiel auf einen Level gehoben haben, auf dem du kaum noch mit Anfängern darüber reden kannst, inkls. Rollenspieltheorie, BESSERES ROLLENSPIEL und ähnlichem Kram. Von den "stumpfen", "alten" Rollenspielern, die das Ding einfach nehmen und spielen, die sich bei erfolgreichen Spielen wie Pathfinder oder Dragon Age für die Neuzugänge einsetzen, hattest du hier aber zu wenige.
Was bleibt, waren zu wenige begeisterte, laute Fans. Daher, so meine Theorie, auch die Überraschung gerade überall.

Das Nicht-Rollenspieler das Ding potenziell besser spielen, würde ich aber nicht mal per se abstreiten wollen. ;D
Ich hab mich selbst auch schwer getan, weil es nicht unbedingt meine Vorlieben bedient hat.

Jed Clayton:

--- Zitat von: knörznichtbrotbot am 26.04.2013 | 20:28 ---Meine Bemerkung bezog sich hauptsächlich auf die von alexandro erwähnten Verkaufszahlen. Für Marvel ist ein Marvel-RPG Werbung und Geld das ein Lizenznehmer zahlt, mehr nicht. Das RPG an sich ist Marvel völlig egal. Aber Margaret Weis Productions hat wahrscheinlich zu blauäugig kalkuliert, was die Verkaufszahlen angeht. Und da hätte man vom Erfolg des MURPG lernen können.

--- Ende Zitat ---

Also, keiner von uns, der nicht selbst in dieser Firma gearbeitet und Einsicht in bestimmte Daten und Tabellen gehabt hat, kann genau sagen, was der Spieleverlag für die Lizenz hingeblättert hat, an welche Konditionen er sich zu halten hatte, und mit welchen Verkaufszahlen man in der Tat gerechnet hatte.

Soweit ich das sehe, war doch kein Marvel-Rollenspiel seit MSH mehr wirklich erfolgreich. Marvel Saga, Marvel Universe RPG, und nun Marvel Heroic. Aus und vorbei. Nicht zu ändern.

Ich habe aber aus verlässlicher Quelle gehört, dass der Verlag Marvel an sich fast ausschließlich durch Lizenzeinnahmen weiterexistiert. Anders formuliert: Wenn Marvel zu Geld kommt, dann durch Lizenzprodukte. Sicherlich nicht durch die Comics. Für mich als echten Comicleser ist das unglaublich traurig und deprimierend, aber nicht zu ändern. Es laufen z.B. wesentlich mehr Kinder mit einem Spider-Man-Basecap oder einem Spider-Man-Schulrucksack herum als tatsächlich die Spider-Man-Comichefte lesen. Abgesehen davon, dass in den Comicshops heute die 30- und 40-jährigen Vollnerds herumhängen und nur sehr wenige Leute unter 30. Und einen großen Kinofilm wie Spider-Man, Iron Man, X-Men, Avengers und so weiter sehen Millionen im Kino und auf DVD, doch wie viele Leute kaufen sich denn tatsächlich die Comics?
Also verdient Marvel immer dann Geld, wenn es jede Menge T-Shirts, Spielzeugfiguren, Sammelbildchen, Videospiele und so weiter mit den Marvel-Helden darauf gibt. Und T-Shirts und Videospiele haben einfach einen höheren Absatz als ein Rollenspiel.

knörzbot:

--- Zitat von: Jed Clayton am 26.04.2013 | 21:39 ---Also, keiner von uns, der nicht selbst in dieser Firma gearbeitet und Einsicht in bestimmte Daten und Tabellen gehabt hat, kann genau sagen, was der Spieleverlag für die Lizenz hingeblättert hat, an welche Konditionen er sich zu halten hatte, und mit welchen Verkaufszahlen man in der Tat gerechnet hatte


--- Ende Zitat ---
Wenn man dem Link im ersten Post folgt, dann steht da ganz klar, dass die Verkaufszahlen zu niedrig waren um sich die Marvel-Lizenz weiter leisten zu können.

Mir ist jetzt auch nicht so ganz klar warum wir hier über Marvel diskutieren. Das RPG wurde von MWP eingestellt und nicht von Marvel. Marvel interessiert nur die Lizenzabgabe von MWP. Die Verkaufszahlen des Rollenspiels braucht Marvel überhaupt nicht zu interessieren. Das ist das Problem von MWP.

alexandro:
@Selganor: Nein, keine neuen Aussagen. Aber scheint sich nicht geändert zu haben.

Die Frage ist, was MWP dagegen machen kann. Die einzige Möglichkeit, die ihnen in diesem Fall zur Verfügung steht, wäre KEIN
Marvel-Rollenspiel herauszubringen. Ist halt eine lose-lose Situation, kann man nichts machen.

@Cipolla: Ich habe da komplett andere Erfahrungswerte. Von allen Spielern denen ich das MHR vorgestellt habe, war (max.) 1/3 Comic-Fans. Der Rest hatte idR keinen Bezug zu Superhelden (einige nicht einmal in Form aktueller Kinofilme, viele hatten nicht einen einzigen dieser Filme gesehen - und wenn, dann nur Sachen wie "Watchmen" oder den neuen Batman, keine "bunten" Superhelden). Trotzdem waren 100% der Spieler vom Spiel begeistert. So eine Resonanz hatte ich noch bei keinem System. Ein paar der Spieler haben mich sogar gebeten, eine regelmäßige MHR-Runde, damit sie ihre Charaktere weiterspielen können, solchen Spaß hatten sie mit dem System (und dem Setting, über welches sie kaum etwas wussten).

Da ist es deutlich schwerer Spieler die mit Intrigen-Filmen oder moralischen Dilemmata nichts anfangen können eine Runde "Vampire:the Masquerade" zu spielen oder mit Zivildienstleistenden eine Runde taktisches Shadowrun.

Oberkampf:

--- Zitat von: La Cipolla am 26.04.2013 | 20:55 ---
Eine seltsame Konsequenz aus diesen beiden Punkten war, dass du scheinbar nicht diese starke Symbiose aus bestehenden Rollenspielstrukturen und Neulingen hattest - die wirklich überzeugten Rollenspieler schienen mir schon wieder so herzhaft dabei zu sein, dass sie das Spiel auf einen Level gehoben haben, auf dem du kaum noch mit Anfängern darüber reden kannst, inkls. Rollenspieltheorie, BESSERES ROLLENSPIEL und ähnlichem Kram. Von den "stumpfen", "alten" Rollenspielern, die das Ding einfach nehmen und spielen, die sich bei erfolgreichen Spielen wie Pathfinder oder Dragon Age für die Neuzugänge einsetzen, hattest du hier aber zu wenige.
Was bleibt, waren zu wenige begeisterte, laute Fans. Daher, so meine Theorie, auch die Überraschung gerade überall.

--- Ende Zitat ---

Naja, erstmal bleibt ja Cortex+ in verschiedenen Ausprägungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten als Regelsystem erhalten. Wahrscheinlich wird auch die Neuauflage von Firefly als Cortex+ veröffentlicht werden. Insofern ist es wohl prinzipiell nicht das dahinterstehende "Indie-System" (was ich für meine Bedürfnisse noch konventionell genug finde), welches das Problem ausmacht, sondern die schlichte Tatsache, dass sich eine kostspielige Lizenz nicht mit den Absatzmöglichkeiten des RSP-Marktes verträgt. Wenn man dagegen noch andere Spiele, Brett- und Kartenspiele, unter der Lizenz veröffentlichen kann, wie es vielleicht Fantasy Flight Games mit Starwars macht, kann man sich eine teure Lizenz leisten und nebenher ein RSP herausbringen. Das kann dann so konventionell oder "indie" sein, wie es will, es ist nur Teil des Lizenzbündels und lohnt sich, selbst wenn das im Rollenspiel-Mainstream nicht zum Verkaufsschlager wird.

Interessant wäre der Vergleich zwischen MHR und dem auf Mutants & Masterminds beruhenden Rollenspiels DC-Adventures, das ja an D&D3/Pathfinder/D20 angelehnt ist und somit wesentlich stärker die traditionelle Rollenspielerszene bedient, aber auch an einer starken Lizenz hängt. Ich vermute, Green Ronin konnte aufgrund seiner Erfahrungen mit M&M gut abschätzen, was an Verkauf im RSP-Superhelden-Sektor zu erwarten ist, und hat sich bereits einen Kundenkreis geschaffen. Vielleicht sind sie deswegen mit realistischeren Zielsetzungen an die Lizenz herangegangen?


--- Zitat von: Jed Clayton am 26.04.2013 | 21:39 ---Es laufen z.B. wesentlich mehr Kinder mit einem Spider-Man-Basecap oder einem Spider-Man-Schulrucksack herum als tatsächlich die Spider-Man-Comichefte lesen.

--- Ende Zitat ---

Schmerzlich, aber wahr. Allerdings: Sind die Comics nicht z.T. zu kompliziert für Kids, die einfach ein bisschen Action wollen?

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