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Literarische Primär- und Sekundärwelten; war: Einfach so
Skele-Surtur:
Das Konzept der Sekundärwelt geht auf Tolkien zurück, wurde später aber erweitert. Es gibt in der phantastischen Literatur drei "Sekundärwelt"-Konzeptionen.
Die Primärwelt ist die Welt, in der der Leser verortet ist und die entsprechend unserer Normen und Regeln funktioniert, also eine "realistische Welt".
Als Geschlossene Sekundärwelt bezeichnet man es, wenn die Handlung des Buches in einer geschlossenen Welt stattfindet und es zu keiner Konfrontation mit der Primärwelt kommt, etwa Mittelerde oder Erdsee. Als offene Sekundärwelt bezeichnet man eine Sekundärwelt, die mit der Primärwelt kolidiert, indem der Protagonist aus der Primärwelt in die Sekundaärwelt wechselt, etwas in der Unendlichen Geschichte, bei Harry Potter (der aber wieder ein Zwischenfall zwischen offener und implizierter Welt ist), Käthe Recheis' der Weiße Wolf oder die ersten Narnia-Bücher.
Eine implizierte Sekundärwelt ist dann gegeben, wenn das phantastische in der Primärwelt verortet ist, aber es zu einer abrupten konfrontation kommt, z.B. bei Unterland, wo der Protagonist plötzlich, ohne in dem Sinn die Ebenen zu wechseln, mit Ghoulen, Trollen und Zauberern konfrontiert wird. Ein anderes Beispiel für eine implizierte Sekundärwelt sind z.B. auch die Twilight-Romane.
Wichtig ist im letzten Fall, dass das phantastische nicht als "normal" dargestellt wird.
Edit: Zu "déjà vu" fällt mir noch ein Satz aus einem meiner Didaktiktexte zur phantastischen Jugendliteratur ein: "Die repetativen Handlungsmuster sind gerade für leseschwache Jugendliche eine willkommene Lesehilfe" Hohlbein ist einfach nur ein guter Didaktiker. >;D
Feuersänger:
Also ist z.B. sowas wie Neil Gaiman's Neverwhere eine implizierte Sekundärwelt, oder?
Und wie ist das beispielsweise bei Bartimäus, wo die Welt sozusagen eine Parallelwelt zu unserer ist: die Wesen (wie Djinn, Kobolde etc) kennen wir aus unserer Mythologie, es geht um Länder wie Großbritannien, das Heilige Römische Reich usw, und es kommen legendäre und historische Personen vor die wir kennen, z.B. König Salomon. Und es spielt so ungefähr um das Jahr 2000 rum.
Gleichzeitig aber gibt es keine "normale" Welt wie wir sie kennen, und es gibt keinen Protagonisten, der aus der Primärwelt in die Bartimäus-Welt versetzt wird. Der einzige, der mit diesem "Bruch" konfrontiert wird, ist der Leser, da sich die Umstände des Settings erst so nach und nach erschließen. (Zu Anfang glaubt man als Leser noch, es sei eine Art Harry-Potter-Universum mit "geheimer" Magie in einer mundanen Welt, aber irgendwann erkennt man, dass es einfach eine komplette Parallelwelt ist.)
Jedenfalls kann ich das in deinem Schema irgendwie nicht so richtig verorten.
Skele-Surtur:
Das ist auch ein echt schwieriger Zwischenfall, ich würde es aber als geschlossene Sekundärwelt einordnen. Manche Sachen passen halt nicht so 100% ins Schema.
Barbara:
Worunter fällt eigentlich "Die Geheimnisse der Spiderwicks"?
Skele-Surtur:
--- Zitat von: Barbara am 25.04.2013 | 23:54 ---Worunter fällt eigentlich "Die Geheimnisse der Spiderwicks"?
--- Ende Zitat ---
Die hab ich nicht gelesen, dem Wiki-Eintrag nach aber eine implizierte Welt, da die Haupthandlung in der Primärwelt stattfindet. Die Frage wäre für mich danach zu beurteilen, ob die Sekundärwelten, also z.B. das Reich der Zwerge, dimensional getrennt oder räumlich in der Primärwelt zu verorten sind.
Unterland von Hohlbein ist ja daher keine offene Welt, weil Unterland eben "nur" unter der Erde liegt, wärend im Vergleich dazu z.B. Phantasien wirklich eine ganz andere Welt ist, in die man nur mit phantastischen Mitteln wechseln kann.
Aber wie gesagt: Es ist nicht immer so eindeutig, darum ist es auch nur ein Schema zur Kathegorisierung.
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