Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20
Glaube verpflichtet...?
Falke359:
--- Zitat von: Feuersänger am 16.05.2013 | 18:13 ---Wie gesagt halte ich das in Settings, in denen die Götter tatsächlich und leibhaftig präsent sind, für nicht praktikabel. Wenn die Gottheit mit einer vertretenen Lehre nicht d'accord geht, wird sie schon von sich hören lassen ehe es zu einem Schisma kommt.
--- Ende Zitat ---
Ich würde schon sagen, dass man auch in solchen Settings mit Göttern arbeiten kann, die eher verborgen bleiben und die man eben primär über die durch sie verliehene Macht erlebt. Dass die Gottheit unzufrieden ist, merken die Anhänger dann eben dadurch, dass Kräfte versagen, Opfer nicht mehr angenommen werden etc.
Spannend daran finde ich, dass es mehr Spiel lässt für die Frage, was der Wille der Gottheit ist. Die Götter würden in solche einem Setting dann eben nicht bei jeder Kleinigkeit eingreifen (was kümmert mich das auch als Gott, bin ich der "Dienstleister" der Kleriker?), sondern mit einer gewissen Bräsigkeit, Trägheit oder Verzögerung.
Muss man natürlich weder so spielen noch so auslegen, klar.
Und gerade zu einer Paladin-Gottheit würde das auch nicht unbedingt passen. :)
--- Zitat von: Feuersänger am 16.05.2013 | 18:13 ---Als Alternative böte sich vielleicht an, dass eine feindlich gesonnene Gottheit die fragliche Kirche durch Spione infiltrieren lässt. Da wäre dann die Aufgabe der Inquisition, diese Spione ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen.
--- Ende Zitat ---
An so etwas dachte ich z.B. auch.
--- Zitat von: Tudor the Traveller am 16.05.2013 | 17:58 ---Also Generierung spannender Plots ist jetzt keine Hinreichende Begründung für die Rücknahme von Settingplausibilität ;) Auch wenn man hier und da natürlich Augen zudrückt, um solche spannenden Plots zu ermöglichen.
--- Ende Zitat ---
Und reine Settingplausibilität ist für mich keine hinreichende Begründung für die Rücknahme spannender Plots oder von Player Empowerment, aber da will ich natürlich nicht in andere Gruppen hineinreden ;)
--- Zitat ---Die Problematik ergibt sich ja auch grundsätzlich, weil es ein sehr spezieller Gott ist, nämlich ein Paladin-Gott, und da auch einer mit sehr bestimmten "Ansichten" (Grundsätzlich bin ich durchaus der Meinung, dass Paladin nicht gleich Paladin ist und da ein Spielraum existiert). Bei diesem hier spielt Aufrichtigkeit, sowohl im Sinne von Ehrlichkeit als auch von Unnachgiebigkeit / Standhaftigkeit, eine zentrale Rolle (in etwa vergleichbar zu Torm). Ebenso die weiteren Punkte des Codex, wie Gehorsam gegenüber Vorgesetzten. Man muss vielleicht einfach einsehen, dass zu solch speziellen Gottheiten nicht jede Klasse, wie z.B. der Inquisitor, passt. Heimliches Herumschnüffeln, ein Aspekt des Inquistiors, beißt sich eben mit der Aufrichtig- und Geradlinigkeit, die diesen Glauben kennzeichnet. Daher sehe ich es so, dass wenn es Inquisitoren (also die Klasse) in dieser Kirche gibt, diese etwas vom normalen Schema abweichen müssen, um dem Glaube gerecht werden zu können.
--- Ende Zitat ---
Ich finde, dass sich Inquisitoren geradezu hervorragend als Diener einer Paladin-Gottheit anbieten, weil es ein Inquisitor doch in erster Linie als seine Aufgabe sieht, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Was du als "Herumschnüffeln" bezeichnest, kann doch eine geradlinige, offene Untersuchung von Missständen sein. Und wir sollten nicht vergessen, dass zum einen im Mittelalter die Folter ein probates und anerkanntes Mittel der Wahrheitsfindung war und zum anderen das Bestrafen und sogar Töten böser Wesen in D&D-Settings für gute Charaktere nicht nur erlaubt, sondern sogar gefordert sein kann.
--- Zitat ---Zumal der Codex schon existiert und nicht erst für den Spieler erschaffen wurde, um diesem Regeln in den Weg zu schmeißen. Der Unmut kam ja erst auf, weil ich nicht direkt darauf hingewiesen habe, dass der Codex allgemein von den Klerikern (inklusive andere Klassen) einzuhalten ist, eben weil es ein sehr strenger Glaube ist.
--- Ende Zitat ---
Vielleicht hätte ich als Spieler damit ein Grundproblem: Für mich sollte eigentlich alles, was die Welterschaffung betrifft, dem Ziel untergeordnet sein, den Charakteren ein gutes und zufriedenstellendes Charakterspiel zu ermöglichen. Wieso ich als SL dann im Zweifelsfall meine Welt nicht den Spielerwünschen anpassen sollte, erschließt sich mir dabei nicht, auch wenn ich großes Verständnis dafür habe, wenn jemand etwas, das man als SL geschaffen hat, bewahren möchte. :)
Feuersänger:
--- Zitat von: Tudor the Traveller am 16.05.2013 | 18:29 ---Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie so eine RG Inquisition aussehen könnte, ohne dass sie zu sehr die Prinzipien des Gottes verletzt. Dass Aufrichtigkeit und Geradlinigkeit bei Ermittlungen gegen Spione nicht die Mittel der Wahl sind, ist ja offensichtlich...
--- Ende Zitat ---
Da wären wir wieder an dem Punkt, wo die Inq mehr Freiheiten benötigt, und da ist es dann wieder gut, dass es die 1SR gibt. Da könnten die Inquis einer LG Kirche eben auch LN sein. Und nichtmal das muss sein. Stell dir einfach einen scharfen Hund von Kommissar vor - der kann ja trotzdem Gut sein, ohne deswegen seine Arbeit schlechter zu machen.
That said, bin ich kein Freund der Inquisitor-Klasse aus PF. Meine Kritik daran habe ich glaub ich schonmal anderswo geäußert. Aber unter anderem stört mich halt da das Gschmäckle, dass die mit ihren Judgements halt kreuz und quer in der Gegend ruminquirieren, und quasi beliebige Kreaturen dafür bestrafen, dass sie nicht der Gottheit des Inquisitors folgen. Blöd. Davon abgesehen wirkt es auf mich so, als hätten die Designer zuerst die Mechanik erstellt ("Boah ey, wir machen son Typen wie in Hellsing, mit Armbrüsten und so") und sich hinterher was aus den Fingern gelutscht, was sie dem dann fürn Anstrich verpassen sollen.
--- Zitat ---Eine andere Sache, die mich noch beschäftigt, ist dieser Mutter Theresa-Vorwurf aufgrund des Codex. Ich begreife nicht, wie dieses Bild entsteht. Im Prinzip fängt der Codex imo lediglich klassische ritterliche Aspekte ein, und Paladine und Rittertum sind ja direkt verwandt; der klassische Paladin ist auch ein idealer Ritter. Oder irre ich mich da?
--- Ende Zitat ---
Das sind so die Vorurteile, mit denen LG Chars im Allgemeinen und Paladine im Besonderen zu kämpfen haben. Ich hab die früher auch als "Lawful Stupid" angesehen, und hatte das Bild von einem anal retentiven Zeloten vor Augen, der dem Rest der Welt seine Ansichten aufzudrücken versucht. Genau so werden sicher auch viele Paladine gespielt, aber das ist beschuckt.
Inzwischen ist bei mir der Knoten geplatzt, seit ich mal vor Jahren einen Char gespielt habe, der zwar kein Paladin war, aber aus settingspezifischen Gründen Gut und aus regelmechanischen Gründen Rechtschaffen sein musste. Also habe ich mich mal genauer damit auseinandergesetzt, was LG nun ausmacht und bedeutet. Und was soll ich sagen, seitdem ist es in D&D quasi meine Lieblingsgesinnung geworden. Und ich behaupte mal, ich kann inzwischen ziemlich gut LG spielen. ^^
kalgani:
ihr dürft pathfinder inquisitoren nicht mit katholischen inquisitoren vergleichen!
feinde des glaubens gibt es in einem polytheistischen setting das dazu noch von massig intilligenten Monster bevölkert wird hundertfach mehr als bei uns in der realen welt.
für einen guten inquisitor gibt untote, goblinoide, orks, dämonen, teufel uvm. was eine reale gefahr für den glauben darstellt.
im endeffekt ist der inquisitor ein monsterjäger, mit einer bestimmten aufgabenausrichtung. für mich steht er spieltechnisch auch in konkurrenz zum ranger.
"kleriker/inquisitor" sehe ich ähnlich wie "druide/waldi"
bei der 4e könnte man das wohl noch um pala vs warden ergänzen.
Tudor the Traveller:
--- Zitat von: Feuersänger am 16.05.2013 | 19:01 ---Aber unter anderem stört mich halt da das Gschmäckle, dass die mit ihren Judgements halt kreuz und quer in der Gegend ruminquirieren, und quasi beliebige Kreaturen dafür bestrafen, dass sie nicht der Gottheit des Inquisitors folgen. Blöd. Davon abgesehen wirkt es auf mich so, als hätten die Designer zuerst die Mechanik erstellt ("Boah ey, wir machen son Typen wie in Hellsing, mit Armbrüsten und so") und sich hinterher was aus den Fingern gelutscht, was sie dem dann fürn Anstrich verpassen sollen.
--- Ende Zitat ---
Ja, da ist was dran. Dass sie quasi alles und jeden per Judgement zum Feind des Glaubens erklären können, stört mich auch. Da fehlt es an einer entsprechenden Regel, die das in Einklang mit dem Glaube bringt. Sowie Smite Evil halt auch nur bei evil funzt...
Die Frage ist, ob man da dann per Kräfteentzug durch den Gott einen Riegel vorschiebt. Das ist alles schön und gut, solange der INQ tatsächlich das tut, was er soll, nämlich gegen besagte Feinde vorgehen. Aber was ist z.B. wenn ihm einfach jemand in die Quere kommt, z.B. die Stadtwache, die ebenfalls nur ihrer Aufgabe nachgeht? Da wäre ein Judgement in meinen Augen verfehlt.
Falke359:
--- Zitat von: kalgani am 16.05.2013 | 19:11 ---ihr dürft pathfinder inquisitoren nicht mit katholischen inquisitoren vergleichen!
--- Ende Zitat ---
Hatte ich auch nicht vor, ich wollte nur betonen, dass man die Feinde des Glaubens auch ohne "Herumschnüffelei", sondern ebensogut ehrlich, geradlinig und offen bekämpfen kann, was in meinen Augen zu einem Pala-Gott passen würde.
--- Zitat von: Feuersänger am 16.05.2013 | 19:01 ---Aber unter anderem stört mich halt da das Gschmäckle, dass die mit ihren Judgements halt kreuz und quer in der Gegend ruminquirieren, und quasi beliebige Kreaturen dafür bestrafen, dass sie nicht der Gottheit des Inquisitors folgen. Blöd.
--- Ende Zitat ---
Ich denke auch, dass da in einem polytheistischen Setting mit einer Vielzahl real existierender Götter ein Riesenproblem besteht. Ich habe einmal vor Jahren versucht, den fanatischen Anhänger eines Eingottglaubens zu spielen, der Char war natürlich unspielbar.
--- Zitat ---"kleriker/inquisitor" sehe ich ähnlich wie "druide/waldi"
--- Ende Zitat ---
Ein guter Vergleich, man müsste nur eingrenzen, auf wen es ok ist Jagd zu machen und auf wen nicht.
Den Van Helsing-Vergleich fand ich in dem Zusammenhang sehr einleuchtend.
Eingrenzen könnte man die Inquisitionstätigkeiten also entweder innerhalb des eigenen Glaubens oder z.B. bezogen auf die Anhänger einer einzelnen konkurrierenden Gottheit oder Gesinnung.
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