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[nWoD] Skill Computer und Technische Entwicklung im Jahr 2000
Nin:
Ah, was für geniale Ideen ... bitte weiter machen ... ich bekomm allein schon vom Lesen total Lust so'ne Gang mal zu bespielen.
killedcat:
Oh, da kann ich noch mit einigem aufwarten:
Im Jahr 2000 waren Monitore noch Röhrenmonitore, die selbst in Banken nicht immer richtig abgeschirmt waren. So war es z.B. mit Bipol-Antennen möglich, den Bildschirminhalt auf die Entfernung auf den eigenen Bildschirm zu bringen. Distanzen von 15m waren hier afaik leicht möglich. Auch über das Stromnetz konnten schlecht abgeschirmte Bildschirme ausgelesen werden, wenn auch in schlechterer Qualität. Eine Wohnung tiefer an die Steckdose gegangen war mit entsprechendem Equipment nichts mehr geheim.
Sicherheitsprobleme entstehen meist von innen. Mitarbeiter, die einen Groll gegen die Firma oder auch nur den Vorgesetzten haben, haben gerne mal Geheimnisse verraten oder Inhalte gelöscht. Nicht ohne Grund werden in vielen Firmen gefeuerte Mitarbeiter inzwischen von kräftigen Rausschmeißern "hinausgeleitet", die peinlichst darauf zu achten haben, dass dieser keine Tastatur mehr in die Finger bekommt.
Um 2000 rum kam auch der USB 2.0-Standard auf den Markt und damit eines der größten Risiken. Nicht nur, dass Mitarbeiter nun große Datenmengen auf kleinen Datenträgern stehlen oder austauschen können. Eine wichtige Lücke entsteht durch das einstecken. Ein echter Fall: ein unbekannter Hacker hat auf dem Parkplatz vor einer Firma einen USB-Stick plaziert, den ein Mitarbeiter finden und einstecken soll. Der hilfsbereite Mensch will ja wissen, wer den Stick verloren hat. Leider holt er sich damit einen Trojaner an Board. Noch besser funktioniert das, wenn er den Stick dem Admin gibt und dieser nicht aufpasst, weil dann mit Adminrechten Unfug getrieben werden kann.
Hier eine kleine Anekdote am Rande: als USB-Sticks betriebsystemseitig gesperrt werden konnten, wurden auch die Hacker erfinderischer. Sie bauten einen USB-Stick, der gar keiner ist, sondern eine Tastatur. Wird der Stick eingesteckt, wird er als Tastatur erkannt und so schnell wie keiner schauen kann werden ein paar Kommandos ausgeführt. Da Tastaturen nicht gesperrt werden, funktioniert das praktisch immer.
Manchmal kommen sie zweimal: in einen Baumarkt wurde eingebrochen, augenscheinlich aber nichts gestohlen. Eine Woche später wurde erneut eingebrochen. Die Diebe hatten die Kartenlesegeräte manipuliert und konnten so die Daten EC-Kartendaten von Tausenden von Kunden stehlen. Heutzutage ist das aber gar nichts mehr: ein Wachmann in einem Kaufhaus stellte fest, dass sein Funkgerät immer wieder von Handies gestört wurden. Mitten in der Nacht im Einkaufsbereich. Er wurde stutzig und man stellte fest, dass die Kartenlesegeräte bereits mit Mobilfunk-Geräten ausgestattet geliefert wurden, die die Kartendaten inklusive PIN per Handy an unbekannte Kriminelle geschickt haben. Man vermutete, dass die Täter in China saßen, von wo die Geräte kamen.
Zu guter letzt ein sehr unterhaltsamer Beitrag der DefCon 18. Das ist schon Comedy pur, aber es ist auch sehr informativ, auch wenn der Bericht schon etwas neueren Datums ist.
Viel Vergnügen
Scimi:
--- Zitat von: killedcat am 21.05.2013 | 12:29 ---Inzwischen gibt es einen Handel im Internet mit sog. 0-Day-Exploits, also Sicherheitslücken, die frisch entdeckt und noch nicht geschlossen sind. Die Geheimdienste zahlen dabei viel Geld für solche Listen. Ich denke, früher geschah sowas bestimmt auch schon über entsprechende Netze (z.B. Darknets)
--- Ende Zitat ---
Das Austauschen von Sicherheitslücken gab es immer, aber früher war das eher eine Community mit persönlichen Kontakten als ein Markt, bei dem jeder Depp Hacking-Tools bekommen kann. Viele der heutigen Angreifer benutzen fertige Hacker-Anwendungen, ohne dazu viel Sachkenntnis zu brauchen, das war vor zehn Jahren noch anders.
Das ist natürlich auch ein guter Plotaufhänger: Sag mal, ich muss auf den Server der Firma XY, wer kann mir da weiterhelfen? - Ich weiß, dass Hackmaster76 da ein Backdoor zu hat, aber seit der FBI-Razzia letzten Monat ist der untergetaucht. Nein, seinen Namen kenne ich nicht, aber ich habe gehört, dass er irgendwo in Wanne-Eickel wohnt.
Auch interessant: Viele Unternehmen und Behörden haben Systeme, die sehr gut gegen Angriffe von außen abgesichert sind, aber intern sehr leicht zugänglich. Es ist zum Beispiel viel einfacher, in irgendeinem Kaff in den USA in ein Sheriffbüro nachts einzubrechen und da einen Rechner zu schnappen, als die Verbrecherdatenbank direkt zu hacken. Auch Bankdaten, auf die jeder Mitarbeiter Zugriff hat, sind von außen gut geschützt. Auch große Datenmengen lassen sich 2000 sinnvollerweise meist nur direkt am Rechner oder lokalen Netzwerk kopieren.
Physischen Zugang zu einem System bekommen zu müssen ist natürlich auch viel spannender als alles übers Internet erlegen zu können. Ich würde mich sogar zu der Behauptung versteigen, dass Shadowrun auf dem Konzept und Spielarten davon ein komplettes Rollenspiel aufbaut.
Und es ist ohne exakte Kenntnisse eines Systems eigentlich unmöglich, zu wissen, welche Aktivitäten und Zugriffe in einem Log irgendwo erfasst werden. Nur weil man an Daten und Systeme herankommt, heißt das lange nicht, dass sich das nicht zurückverfolgen lässt. Ein echter Hack auf ein System ist darum ein wenig analog zu einem Banküberfall oder dem Diebstahl von Museumsschätzen: Wie komme ich rein, wo sind die Wertsachen, wie komme ich raus? Wo sind die Kameras? Wie funktioniert die Sicherheit? Welche Protokolle und Automatismen werden in dem und dem Fall ausgelöst? Und wenn alles geklappt hat, kann es dann nicht immer noch sein, dass sie mich ein Jahr später aufgrund von irgendwelchen Spuren fassen?
Das "Casing", also das Sammeln von Informationen über die Aktion findet auch nicht nur am Computer statt, sondern ist wieder was für die ganze Gruppe.
Die Schwierigkeit eines Angriffs sollte auch sehr unvorhersehbar sein: In der wirklichen Welt kann es auch durchaus sein, dass eine egale private Website extrem gut abgesichert ist, während Systeme großer Organisationen teilweise klaffende Sicherheitslücken haben. Daher ist es legitim, da für Überraschungen zu sorgen und nicht immer davon auszugehen, dass größer automatisch besser bedeutet.
Saffron:
--- Zitat von: Ein Dämon auf Abwegen am 21.05.2013 | 09:23 ---Prinzipiell könntest du dir das alles deutlich erleichtern in dem du die Ganze Kampagne 5 bis 10 Jahre nach vorne verlegst, da waren Handys und Internet noch eine Seltenheit und Google, Wikipedia und Facebook gabs noch nicht (wobei es die letzten Beiden auch erst seit 2001 bzw. 2004 gibt).
Wobei das natürlich ja nach Standpunkt auch den Nachteil haben kann, das die Spieler dann ewig mit irgendwelchem Langweilen Kram verbringen den man heute mit ein paar Klicks online erledigt.
--- Ende Zitat ---
Hi,
korrekt, genau das habe ich aber auch im Sinn gehabt, als ich mir die Zeit ausgesucht habe: Ich wollte den Charakteren bewusst die Möglichkeit geben, moderne Kommunikationstechnik einzusetzen, mir aber mit der (hoffentlich) lang laufenden Kampagne ein bisschen Luft nach oben lassen: Selbst wenn zwischen zwei Abenteuern mal ein 3/4 Jahr vergeht, ist nicht so schnell zu befürchten, dass die Kampagne die Echtzeit "überholt".
@ alle: sehr nette Ideen und Hinweise :d
Saffron
Eliane:
In meinen V:tR-Runden (in einer bin ich Spieler, in der anderen SL) sind auch immer Hacker mit dabei, die grundsätzlich mit genug Ausdauer auch an so ziemlich alles dran kommen – das dauert dann eben auch in-time. Da wir 2010 bzw. 2011 spielen, haben wir mit der technischen Seite weniger Probleme.
Wir verwenden die folgenden Regeln:
- 1 Wurf auf Hacken dauert eine bestimmte Zeit, meistens eine halbe oder ganze Stunde. Je nachdem wie viele Erfolge notwendig sind oder der Hacker ansammeln will kann das schon mal dazu führe, dass er außer Hacken nichts anderes mehr machen kann (hatten wir schon mehrfach). Hier kann man über die Dauer, die ein Wurf abdeckt, ganz gut die Schwierigkeit darstellen.
- Gelegentlich gibt es auf der Gegenseite jemand, z.B. einen Admin, der den Hack bemerkt. Dann wird der Zusammenstoß, entweder als Teil des Hacks oder als eigene Aktion, als Contested Action abgehandelt. Seit dem ersten Admin mit einem glücklichen Händchen sind die Spieler in beiden Runden extrem vorsichtig geworden.
- Nur weil man irgendwo reinkommt heißt das ja noch lange nicht, dass die gesuchte Information auch verfügbar ist. Das macht natürlich nicht immer Sinn, aber gelegentlich hilft das (Beispiel: nach drei Tagen wollten wir den Weg eines Wagens über Verkehrskameras verfolgen – blöd, dass die größtenteils nicht über Archive verfügten)
- Tja, und dann wäre da noch das Thema Ausrüstung, die (für beide Seiten) als Modifikator genutzt werden kann.
--- Zitat von: Nin am 20.05.2013 | 18:49 ---(da haben ja auch tendenziell mehrere AntagonistInnen ihr Gehirnschmalz investiert (-4 bis -5).
--- Ende Zitat ---
Die Anmerkung finde ich ziemlich zutreffend – da an einem großen Sicherheitssystem viele Köpfe gearbeitet haben, können da auch relativ viele Erfolge zum hacken notwendig sein.
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