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[FATE Core] Fairnessproblem Advantages und Overcome, Frage und ein wenig Rant

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Haukrinn:
So, gleich vorneweg, ich habe Richard Bellinghams elendig langen Artikel auf FATE RPG zum Thema bereits gelesen und er bringt mich keinen Schritt weiter.

Mir geht's um Folgendes. Ich mag das jetzt erschienene FATE Core ja doch recht gern (nachdem ich mit dem ersten Draft von Dezember 2012 doch so meine argen Probleme hatte), aber es gibt da so eine Sache die bereitet mir ganz entschieden Kopfzerbrechen:

Wenn jemand einen Aspekt schafft (oder ein Situational Aspect bereits existiert), dann ist dieser Aspekt immer wahr. Beispiele dafür sind zum Beispiel "Temporary Blindness" oder "Aching Shoulder". So weit, so gut.

Ältere Inkarnationen von FATE haben in solchen Fällen je gesagt: Wenn Du willst das das wirklich eine Rolle spielt, dann mache einen Invoke oder ein Compel auf den Aspekt. FATE Core sagt jetzt dagegen: Du bist geblendet, also hat das Auswirkungen auf alle Deine Aktionen die dadurch behindert werden könnten. Mir werden also bestimmte Handlungen versagt oder ich bin gezwungen einen Overcome zu machen um meine eigentliche Aktion doch durchführen zu können. Meine beiden Probleme damit:

1. Je nachdem wie ich den Aspekt formuliere zwinge ich den Gegner zum Overcome oder eben nicht. Das ist totale Auslegungssache und damit superschwammig. Wozu soll das gut sein? Wer entscheidet das? Irgendwie scheint damit keiner ein Problem zu haben außer mir (aber ich hatte das Problem mit der extremen Schwammigkeit ja auch schon bei Dresden Files).

2. Wenn ich durch die Prämisse "Aspects are always true" die Möglichkeiten eines Charakters einschränke dann ist das meiner Meinung nach ein Compel. Laut Regeln ist er das aber nicht. Ich muss einfach damit leben. Es ist mal wieder ganz allein Auslegungssache des SL ob ich eine Aktion durchführen darf oder nicht und wenn ich mich daran halte habe ich auch nichts davon. Finde ich gelinde gesagt scheiße.


Und noch eine andere Sache, diesmal aber eher eine Verständnisfrage:

Ich kann ja ein Invoke machen um die Opposition die durch einen Aspekt zu Stande kommt um +2 zu verbessern. Gilt das nur einmalig oder ist die Erhöhung permanent? Ich würde ja sagen ersteres, aber genau diese Kleinigkeit finde ich nirgendwo in FATE Core vernünftig erklärt. Was aber gegen das einmalige anwenden spricht ist die Erwähnung dass wenn normalerweise kein Overcome nötig wäre ich durch den Invoke einen auf Fair provozieren kann. Also häh?

Und um jetzt den Kreis zu schließen: Wenn ich einen Situational Aspect habe dann kann der bestimmte Aktionen behindern, zum Beispiel Bewegungen. Die Schwierigkeit dafür wurde ja früher immer in FATE an den Zonengrenzen notiert. Jetzt werden sie adhoc festgelegt. Aber: Wieso soll ich dann überhaupt Invokes dafür ausgeben solche Schwierigkeiten zu schaffen? Da Aspekte immer wahr sind stellen sie doch eh immer ein Hindernis dar (dessen Schwierigkeit dann vom SL festgelegt wird) oder eben nicht. Es kann doch an dieser Stelle nicht sein dass der ganze Mechanismus nur dazu da ist dass mir der SL sagt "Nein, das ist kein Hindernis" und ich dann durch den FATE-Punkt erzwinge dass es doch eins ist - beziehungsweise dies ja eigentlich nicht erzwingen kann weil der SL ja sein Veto einbringen kann.

PS: Regel-0 Antworten kann ich an dieser Stelle nicht gebrauchen, spart euch die also bitte gleich.
PPS: Ich würde ja demnächst gerne mal FATE Core leiten. Aber das obige ist für mich ein totales Nogo. Ich habe ja noch einen Schimmer Hoffnung dass das nur daran liegt dass ich die Regeln nicht verstehe.
PPPS: Ebenso interessiert mich das Thema weil ich gern meine FATE-Adaptionen von Shadowrun und Eclipse Phase, gerade aus Lizenzgründen, auf FATE Core bringen will. Jetzt möchte ich aber wissen was mir da alles noch Erklärungsarbeit bevor steht. Solche Mechanismen wie die obigen kann ich nämlich überhaupt nicht gebrauchen und wenn die Leute aber denken dass das Spiel so funktioniert muss ich mich wohl an der Stelle auf einiges an Schreibaufwand einstellen.

LordBorsti:

--- Zitat von: Dr. Jan Itor am  1.06.2013 | 17:31 ---...
2. Wenn ich durch die Prämisse "Aspects are always true" die Möglichkeiten eines Charakters einschränke dann ist das meiner Meinung nach ein Compel. Laut Regeln ist er das aber nicht. Ich muss einfach damit leben. Es ist mal wieder ganz allein Auslegungssache des SL ob ich eine Aktion durchführen darf oder nicht und wenn ich mich daran halte habe ich auch nichts davon. Finde ich gelinde gesagt scheiße.
...

--- Ende Zitat ---

Ich glaube da hast du was missverstanden. Das "Always true" bezieht sich auf die narrative Ebene. Wenn mein Charakter einen Aspekt "Gefesselt" auf sich liegen hat, dann ist er gefesselt. Da brauch niemand FATE Punkte ausgeben oder kassieren damit das in der Geschichte war ist.

Regelmechanische ist klar definiert, was Aspekte außerhalb von Invoke und Compel bewirken können. Der SL kann sie als Begründung für passive opposition (obstacle) oder active oppostion hinzuziehen. Da steht nirgendwo, dass der SL einfach Aktionen verbieten darf. Er kann jedoch einen Wurf verlangen, wo vorher keiner hätte sein müssen.

Beispiele:

Du willst durch den Raum gehen. Kein Problem kein Wurf. Hat der Raum den Aspekt "Stockfinster" kann der SL eine overcome action fordern. Der Aspekt begründet das.

Dein Charakter möchte sich die Schuhe zubinden. Kein Problem. Dein Charakter ist aber "Gefesselt". Jetzt kann der SL eine overcome action fordern weil du gefesselt bist. Entweder passive opposition oder active opposition durch die Person die deinen Charakter gefesselt hat.

Du willst weglaufen. Kein Problem. Du bist aber "Im Schwitzkasten". Der SL fordert eine overcome action mit passive opposition durch die Person die deinen Charakter im Schwitzkasten hat.

Zum Thema Compels und Aktionen verbieten:
Ich glaube es war nie so gewollt, dass ein Compel eine Handlung verbieten kann (Spekulation meinerseits). Dennoch gaben vorherige Regelformulierung die Möglichkeit her.
Compels nach FATE Core sind dahingehend durch die Schablonen so präzisiert worden, dass man deutlich sehen kann, das Stagnation nicht gewollt ist. Ach ein Compel treibt die Handlung voran, aber zum schlechteren.

Da der Rest deines Posts auf diesem meiner Meinung Missverständnis aufbaut bin ich da erstmal noch nicht drauf eingegangen.

Könntest du eventuell auf Regelstellen verweisen die dich zu diesem (meiner Meinung) Missverständnis gebracht haben? Das würde mich sehr interessieren.

EDIT:
So ist klar es leider nicht definiert.

Haukrinn:
Vor allem die Beispiele auf Seite 171.

Auribiel:
Ich entschuldige mich vorweg dafür, dass ich das FATE Core nicht kenne, aber ich hoffe, dass ich mich dennoch zu dem "Aspect is always true" äußern darf. ;)

Mich hat es hingegen bei FreeFATE z.B. gestört, dass offenbar ein Aspekt nur dann vorhanden ist, wenn er mit FP "aktiviert" wird. Was bedeutet das dann aber für z.B. auf einem Raum liegende Dunkelheit? Alle ignorieren, dass es eigentlich stockdunkel ist, solange keiner FP dafür ausgibt, dass die Dunkelheit für ihn oder gegen die Gegner arbeitet? Hört sich für mich absolut unlogisch an und hat bei mir zu massiven Gehirnverknotungen geführt.
Mit dem "always true" hebt sich bei mir der Schleier bei der Dunkelheit (PUN!) und ähnlichen Situationen: Wenn ein NSC auf "glitschigem Boden" steht, dann hat er dadurch keine Nachteile, solange keiner den Aspekt aktiviert, dennoch würde ich mich als Spieler beschweren, wenn der einfach so losrennt. In Dunkelheit tastet man sich langsam voran und rennt nicht los. Wenn einer den Aspekt "gebrochenes Bein" hat, dann springt der nicht im Hürdenlauf mit usw.

Für mich ist das "always true" wie LordBorsti schreibt, die narrative Seite der Aspekte. Klar ist die Dunkelheit auch dann da, wenn gerade keiner den Aspekt triggert, klar ist der Beinbruch noch vorhanden, auch wenn keiner im Kampf einen Vorteil draus zieht usw.

Bei anderen Systemen würde das doch auch gehen? "Du bist gefesselt, du kannst jetzt nicht dein Auto aufschließen, außer dir gelingt es dich zu entfesseln!" Das würde niemand in Frage stellen. Für mich waren die Aspekte bei FATE eigentlich eine Befreiung, für mich hört sich das gerade an, als würdest du dich mit den Aspekten abseits des GMV fesseln lassen? (GMV bitte nicht als Beleidigung oder so verstehen... ich weiß nicht, wie ich das gerade sinniger ausdrücken soll...)

Scimi:

--- Zitat von: Dr. Jan Itor am  1.06.2013 | 17:31 ---Wenn ich durch die Prämisse "Aspects are always true" die Möglichkeiten eines Charakters einschränke dann ist das meiner Meinung nach ein Compel. Laut Regeln ist er das aber nicht. Ich muss einfach damit leben. Es ist mal wieder ganz allein Auslegungssache des SL ob ich eine Aktion durchführen darf oder nicht und wenn ich mich daran halte habe ich auch nichts davon. Finde ich gelinde gesagt scheiße.

--- Ende Zitat ---

Ja, finde das auch total scheiße, wenn mein Charakter ein Buch nicht lesen kann, nur weil er "Von Geburt an blind" ist. Steht ja nicht in den Regeln, dass das nicht geht. Und jetzt kann der SL einfach sagen, dass ich als Blinder nicht lesen kann? Sauerei das...

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