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Auflösung von Engel [SPOILER!]; war: Geheimnisse im Setting
Turgon:
--- Zitat von: Shevek am 24.06.2013 | 14:32 ---Seit wann fördert Kirchenmoral wildes herumvögeln?
--- Ende Zitat ---
Die Angelitische Kirche tut das.
Zur Technik:
Insbesondere wird die Technik ja gar nicht ganz aus der Welt geschafft. Sie ist nur nicht mehr für alle verfügbar.
Im Engel-Metaplot gab es mehrere Veitstanzwellen, mit etlichen Jahren dazwischen. Das wirft das Niveau schon um einiges zurück. Und dann kommen noch die Technikpogrome der Kirche dazu.
Außerdem bezweifle ich, dass einfach so Dokumentation greifbar ist für technische Dinge jenseits der Komplexität eines Toasters, so dass man sie "einfach so" nachbauen kann.
Scimi:
--- Zitat von: Shevek am 24.06.2013 | 15:38 ---Diese Kinder sind mit Technik aufgewachsen und Technik ist gut dokumentiert.
Ne, alle Erwachsene weg ist kein brauchbares Mittel um die Technik aus der Welt zu schaffen.
--- Ende Zitat ---
Wenn alle Erwachsenen weg sind, ist ziemlich schnell auch der Strom weg. Und ohne Strom keine Informationssysteme, Kommunikation, Heizung, Gas, Wasser... Bei einem plötzlichen Verlust von 2/3 der Weltbevölkerung und dem Wegfall aller Autoritäten, Hierarchien und Fachkenntnisse dauert es nicht lange, bis von Zivilisation nicht mehr viel übrig ist.
Und Technik ist nicht sicher dokumentiert. Know-How ist ein Wettbewerbsvorteil, der meist eifersüchtig gehütet und gut geschützt ist. Auch sind viele Dokumente elektronisch gespeichert und mit einem Dieselgenerator bekommt man keinen Serverraum mit Kühlung ans Laufen. Viel von dem, was in Lehrbüchern steht, beschreibt nur allgemeine Prinzipien (wenn es nicht einfach falsch ist), ohne auf praktische Anwendung oder spezielle Umsetzung einzugehen. Viele Dokumentationen sind so speziell, dass sie ohne Fachkenntnisse nicht zu verstehen sind.
Und wenn ein kalter Winter kommt, werden die Leute mit Büchern heizen. Und wenn das Essen knapp wird, werden die Klugen zuerst von den Starken gefressen.
Waldviech:
--- Zitat ---Wenn alle Erwachsenen weg sind, ist ziemlich schnell auch der Strom weg. Und ohne Strom keine Informationssysteme, Kommunikation, Heizung, Gas, Wasser... Bei einem plötzlichen Verlust von 2/3 der Weltbevölkerung und dem Wegfall aller Autoritäten, Hierarchien und Fachkenntnisse dauert es nicht lange, bis von Zivilisation nicht mehr viel übrig ist.
Und Technik ist nicht sicher dokumentiert. Know-How ist ein Wettbewerbsvorteil, der meist eifersüchtig gehütet und gut geschützt ist. Auch sind viele Dokumente elektronisch gespeichert und mit einem Dieselgenerator bekommt man keinen Serverraum mit Kühlung ans Laufen. Viel von dem, was in Lehrbüchern steht, beschreibt nur allgemeine Prinzipien (wenn es nicht einfach falsch ist), ohne auf praktische Anwendung oder spezielle Umsetzung einzugehen. Viele Dokumentationen sind so speziell, dass sie ohne Fachkenntnisse nicht zu verstehen sind.
Und wenn ein kalter Winter kommt, werden die Leute mit Büchern heizen. Und wenn das Essen knapp wird, werden die Klugen zuerst von den Starken gefressen.
--- Ende Zitat ---
Mag alles richtig sein, allerdings thematisiert Engel eine andere Phase, die weit nach dem eigentlichen Zusammenbruch liegt. Sofern man nicht von den Thesen irgendwelcher Extrem-Apokalyptiker ausgeht, kann es passieren, dass sich neue Ordnungen, Hierarchien und Autoritäten bilden und das der Staub sich legt. Wenn dann das Schlimmste überstanden ist, kann sich auch wieder neues Fachpersonal bilden. Und das braucht nicht völlig von vorne anzufangen. Irgendwas an brauchbaren Informationen aus unserer Epoche wird sehr wahrscheinlich überdauern und auch zukünftige Menschengenerationen werden die Gabe der Neugier und die Gabe des Nachdenkens besitzen. D.h. würden sie wohl die bruchstückhaften Dinge, die übrig geblieben sind, als Basis nehmen und die Lücken durch eigene Forschungen füllen. Das wird je nach Schwere der Katastrophe sicher nicht in einer Generation die Schäden auswetzen. Vermutlich nicht mal in drei oder vier Generationen. Aaaaber ich denke mal, es gibt aus den meisten, denkbaren Katastrophen auch einen Weg der wieder aus dem Loch herausführt (und wenns nur halb ist).
Ähnliches thematisiert ja auch Engel. Die Menschheit ist nach dem Fall nicht völlig liegen geblieben sondern hat sich teilweise wieder berappelt. Die Apokalypse ist bei Engel nur ein Teil des Problems. Der andere Teil ist die Kirche...die ist nämlich den Weg einer eifersüchtigen Elite gegangen, die die technologische Entwicklung eindämmt, damit die eigene (auf Hightech basierende) Macht nicht flöten geht. Die Katastrophe erklärt insofern "nur", unter welchen Umständen die angelitische Kirche an die Macht kam. Das die Welt (bzw. Europa) auch 600 Jahre nach dem großen Knall noch ein neomittelalterliches Höllenloch ist, ist eher der angelitischen Ideologie und der militärischen Macht der Kirche geschuldet. Andere Kulturkreise wie die Bretonen haben die 6 Jahrhunderte ja weit besser genutzt und hatten ein weit höheres Niveau erreicht. Doof nur, dass die Britonen so blöde waren, erst einmal "rituell" Krieg zu führen und zu wenig Manpower hatten. (Nicht, das die britonische Zivilisation jetzt besonders utopisch gewesen wäre, aber verglichen mit den Ländern der angelitischen Kirche....wenigstens durfte man in Britannien Zeitung lesen und Zug fahren ;D)
Scimi:
Sage ich ja auch gar nichts gegen. In 600 Jahren haben wir uns trotz Kriege, Krankheiten und Katastrophen ja auch von spätmittelalterlichen Ignoranten zu mobiltelefonbenutzenden Fernsehzuschauern entwickelt. Und wenn es Artefakte einer hoch entwickelten Technologie gegeben hätte, wäre das vielleicht auch schneller gegangen.
Ich halte es nur für naiv, zu glauben, dass unser heutiger Stand der Alltagstechnik (den übrigens nicht viele Leute auf der Welt genießen) uns nie wieder abhanden kommen kann, nur weil jeder Fünfjährige mit seinem Handy herumflippert. Kambodscha unter Pol Pot etwa ist ein zeitnahes, grausliges Beispiel, wie schnell ein zivilisiertes Land an der Schwelle zur Moderne wieder in die Steinzeit fliegen kann. Technik ist nichts was, was einfach "da" ist, sondern etwas, das von unserer Gesellschaft aktiv erhalten werden muss.
Waldviech:
Da sag ich nicht "Nö". :). Ich wollt halt nur einwerfen, dass die Problemlage bei Engel ne etwas andere ist. Das die Menschheit Wissen auch wieder verlieren kann, ist klar. Das tragische ist, dass es im Szenario eine Macht gibt, die sie aus "niederen Motiven" daran hindert, den Wiederaufbau der Zivilisation über ein gewisses Maß hinaus zu betreiben. Im Engelszenario ist es ja durchaus nicht so, als wäre die Kirche irgendwie alternativlos oder potentiell das einzige, was zwischen Mensch und Traumsaat stünde. Gut ausgerüstete Diadochentruppen können das Viehzeug auch ganz gut in Grund und Boden stampfen und die Britonen haben es auch geschaft, die Brut unter Kontrolle zu halten. Die Angeliten wären also so gesehen nicht mal ein "notwendiges Übel", sondern sie sind einfach nur eine Diktatur (wenn auch eine mit mehreren Schattierungen).
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