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Moralisch zwingende Herleitung des Kommunismus
Pyromancer:
Ich lese gerade Murray Rothbards "Die Ethik der Freiheit", in der er (bis jetzt) recht stringent von einfachen Axiomen ausgehend und an Hand idealisierter Beispiele die moralische Alternativlosigkeit einer libertären, anarchokapitalistischen Gesellschaftsordnung herleitet. So weit, so gut, aber halt recht einseitig und mit dem "richtigen" Ergebnis im Hinterkopf geschrieben.
Deshalb: Gibt es ein in verständlichem Deutsch (gerne auch als gute Übersetzung) geschriebenes, am besten halbwegs aktuelles Werk, das ähnlich anschaulich und stringent die moralische Alternativlosigkeit einer kommunistischen/sozialistischen/kollektivistischen Gesellschaftsordnung herleitet? Mir persönlich fallen ein paar Punkte ein, an denen man ansetzen könnte (am einfachsten natürlich am naturrechtlichen Axiom des Selbsteigentums), bin mir aber sicher, das haben andere schon vor mir durchexerziert.
Dr.Boomslang:
Ich hab Marx nicht gelesen, aber der schreibt ja angeblich nicht nur von einer moralischen, sondern einer absoluten Unausweichlichkeit des Kommunismus, so wie ich das verstanden habe. Sein moralisches Argument ist dann, dass man den unausweichlichen Kommunismus nicht verzögern dürfe (was man wohl kann), weil das nur die problematischen Phasen des Kapitalismus verlängert. Aber das kennst du wahrscheinlich schon.
Außerdem fand ich auch alles was ich von Marx mal überflogen habe unerträglich zu lesen.
Pyromancer:
Marx will ich mir nicht antun, gut lesbar sollte es schon sein. Da müssen doch in den letzten 20-30 Jahren verständliche Grundlagenwerke geschrieben worden sein? Sonst muss ich annehmen, dass sich der Kommunismus eben nicht moralisch sauber herleiten lässt, und man sich deswegen unter unlesbarem Geschwurbel verstecken muss... >;D
schwarzkaeppchen:
Ich glaube die wenigsten Kommunist*innen argumentieren (bewusst) moralisch. Eher moral- bzw ideologiekritisch, indem zB versucht wird herauszuarbeiten inwiefern moralische Axiome dafür da sind bürgerlich-kapitalistische Gesellschaftssysteme zu rechtfertigen. Marxistische Ideologie versteht sich meistens lieber als wissenschaftlich/materialistisch - zusammengefasst mit Brecht vielleicht: "Erst das Fressen, dann die Moral."
Oder gerade hier gefunden: "Moral ist die affirmative Stellung zu den Interessengegensätzen dieser Gesellschaft, geradezu die Alternative zu ihrer Kritik."
http://www.gegenstandpunkt.com/gs/11/1/gs20111c07h1.html
Marx z.B. verwehrt sich auch stark dagegen "Kommunismus" als moralisch begründete, idealistische Utopie wahrzunehmen:
„Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben wird. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt. Die Bedingungen dieser Bewegung ergeben sich aus der jetzt bestehenden Voraussetzung.“ K. Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3, 35.
Die Grundfrage wäre also vielleicht eher erstmal nicht "lässt sich Kommunismus moralisch herleiten" sondern "Nach welcher Moralvorstellung soll das versucht werden?"
Ich denke schon das es da trotzdem was gibt, ich verstehe mich zwar nicht als Kommunist, mich persönlich interessiert das Thema "Moral" zugegebenermaßen aber auch nicht so wirklich weswegen ich da wohl eher wenig hilfreich bin. ;)
Du könntest vielleicht mal schauen ob du da im Dunstfeld des Internationalen sozialistischen Kampfbundes fündig wirst (verstanden sich als ethische Sozialist*innen). Weitere Ansatzpunkte für Recherche finden sich vielleicht hier:
http://www.inkrit.de/e_inkritpedia/e_maincode/doku.php?id=e:ethik
http://www.inkrit.de/e_inkritpedia/e_maincode/doku.php?id=e:ethik_im_sozialismus
Vielleicht auch Karl Kautsky? Der gilt glaube ich mit als zentrale Figur eines ethischen Sozialismus.
Ich habe da zuletzt mit "Staat oder Revolution" (Wallat), einem Buch über kommunistische Bolschewismuskritik, eher Sekundärliteratur zu ihm gelesen - das war aber durchaus spannend.
Sollte mir was einfallen, schreibe ich das hier rein.
"Anarchokapitalismus" wird übrigens hier aus anarchistischer (und ich glaube auch durchaus ethisch begründeter) Perspektive abgefrühstückt: http://www.infoshop.org/AnarchistFAQSectionF
Pyromancer:
--- Zitat von: schwarzkaeppchen am 3.07.2013 | 15:42 ---Die Grundfrage wäre also vielleicht eher erstmal nicht "lässt sich Kommunismus moralisch herleiten" sondern "Nach welcher Moralvorstellung soll das versucht werden?"
--- Ende Zitat ---
Genau so etwas suche ich. Von welchen Axiomen muss man ausgehen, dass der Kommunismus hinten rauspurzelt? Bei den Milliarden an Seiten theoretischer Literatur zu dem Thema muss es da doch etwas brauch- und lesbares geben.
--- Zitat ---"Anarchokapitalismus" wird übrigens hier aus anarchistischer (und ich glaube auch durchaus ethisch begründeter) Perspektive abgefrühstückt: http://www.infoshop.org/AnarchistFAQSectionF
--- Ende Zitat ---
Danke für den Link.
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