Medien & Phantastik > Lesen
Moralisch zwingende Herleitung des Kommunismus
Pyromancer:
--- Zitat von: Dr.Boomslang am 4.07.2013 | 10:59 ---Kommunismus nach Marx und Engels ist ja bereits eine anarchistische Ideologie. D.h. da kennst du die Herleitung bereits. Vielleicht solltest du nach Leuten suchen die den zwingenden und reinen Antikapitalismus begründen, davon sollte es einige moderne Vertreter geben.
--- Ende Zitat ---
Wenn du da einen Literaturtipp für mich hast, nur her damit!
Dr.Boomslang:
Da ich nur das empfehlen kann was ich auch gelesen habe empfehle ich mal Debt: The first 5000 years von David Graeber (weil ich das grundsätzlich empfehle), obwohl es nicht wirklich theoretisch und auch nicht offen antikapitalistisch ist. Allerdings glaube ich Greaber selbst ist Antikapitalist und womöglich auch Kommunist, auf jeden Fall aber Anarchist. ;)
Greaber ist jedenfalls Anthropologe, und deshalb ist das Buch auch nicht theoretisch, philosophisch, sondern beschreibt kulturelle Grundlagen von Geld und Schulden und wie diese Konzepte reale Gesellschaften in den letzten 5000 Jahren geprägt haben.
Mit Antikapitalismus hat das insofern zu tun, als dass er recht eindrücklich zeigt, dass eine bestimmte Art von (Geld)Märkten in der Vergangenheit immer dazu dienten und geschaffen wurden Kriegsmaschinerien zu finanzieren, und dass der Zusammenbruch bestimmter kapitalistischer Gesellschaften quasi eingebaut ist. Nebenbei zeigt er auch wo Kommunismus her kommt, wo und wie er in realen Gesellschaften funktioniert, und eben was das mit Schulden zu tun hat. Es geht allerdings nie um Kommunismus als Ideologie oder Bewegung, sondern um "natürlichen" Kommunismus also den wirklichen "real existierenden" im Alltag jedes Menschen, seit es Zivilisation gibt.
Eines der interessantesten Bücher die ich in letzter Zeit gelesen habe. Für mich waren da einige neue Sachen drin.
Pyromancer:
--- Zitat von: Dr.Boomslang am 5.07.2013 | 12:31 ---Mit Antikapitalismus hat das insofern zu tun, als dass er recht eindrücklich zeigt, dass eine bestimmte Art von (Geld)Märkten in der Vergangenheit immer dazu dienten und geschaffen wurden Kriegsmaschinerien zu finanzieren
--- Ende Zitat ---
Spannend.
Von libertären Kapitalisten hört man ja häufig das Argument, dass die großen Kriege der Neuzeit nur durch das Drucken von Geld = Inflation = Enteignung = Sozialismus möglich gewesen wären, häufig verbunden mit der Forderung nach "Marktgeld" und der Abschaffung des staatlichen Zentralbanken-Systems.
Urias:
Mir würd hier auch nur Nozicks "Anarchie, Staat und Utopie" einfallen, aber das geht eben in die libertäre Richtung und da hast schon was...
Ich glaub das Grundproblem liegt hier wirklich, wie schon von einigen hier gesagt, dass es bei Marx eben nicht um eine moralische Fundierung geht. Er leitet ja das ganze Konzept aus seinem historischen Materialismus ab, also aus seinem Verständnis der Geschicht als Klassenkämpfe. Moral und Ethik und so weiter sind für ihn ja, soweit ich das verstehe, nur Epiphänomene des Überbaus, welcher im Verhältnis zur ökonomischen Basis relativ unwichtig ist. Da gibts innerhalb der marxistischen Theorie auch tausende verschiedene Ansätze wie das Verhältnis Basis-Überbau zu denken ist und was jetzt wie wichtig ist usw. Ich hab da für mich persönlich die von Gramsci gewählt, aber es gibt/gab da auch einige Vertreter die die ökonomische Basis als das Nonplusultra sehen. Auch die Frage, wie zwangsläufig die Geschichte der Klassenkämpfe in den Sozialismus führt und ob das quasi ein Naturgesetz ist oder auch verhindert werden kann, wurde in der marxistichen Theorie ewig diskutiert. Aber das geht schon zu weit.
Wenn du dich nicht durch ewig viele Werke des Klassenkampfs arbeiten willst hilft dir vielleicht Eric Habsbawms Wie man die Welt verändert: Über Marx und den Marxismus. Habs jetzt selbst nicht gelesen, sondern nur mal in der Buchhandlung ein wenig reingeguckt. Scheint ein guter Überblick über die Entwiclung der marxistischen Theorie zu sein und auch nicht allzu schwer zu lesen. Und Habsbawm hat in die Richtung schon einiges auf dem Kasten wenn man mich fragt.
So long,
SSK
Dr.Boomslang:
--- Zitat von: Pyromancer am 5.07.2013 | 12:53 ---Von libertären Kapitalisten hört man ja häufig das Argument, dass die großen Kriege der Neuzeit nur durch das Drucken von Geld = Inflation = Enteignung = Sozialismus möglich gewesen wären, häufig verbunden mit der Forderung nach "Marktgeld" und der Abschaffung des staatlichen Zentralbanken-Systems.
--- Ende Zitat ---
Bei Graeber geht es eher um den Unterschied zwischen Geld als Wertgegenstand und Geld als menschliche Beziehung (Kredit). Er zeigt dass die Zeiten großer Eroberungskriege mit den Zeiten zusammenfallen in denen Geld als Gold im Umlauf war.
Münzen sind demnach ein Verwaltungsinstrument des Staates um Kredit in eine unpersönliche, vom Menschen unabhängige Form zu bringen, um damit Soldaten bezahlen zu können. Soldaten sind nämlich nicht wie andere Menschen in ein soziales Gefüge eingebunden, das für Kreditwirtschaft notwendig ist. Außerdem kann man Geld als Gegenstand erobern, Kredite nicht.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln