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Moralisch zwingende Herleitung des Kommunismus
schwarzkaeppchen:
--- Zitat ---es gibt/gab da auch einige Vertreter die die ökonomische Basis als das Nonplusultra sehen
--- Ende Zitat ---
Ökonomismus ist eigentlich in der Tendenz generell die Schwäche der sich als "kommunistisch" verstehenden Richtung. Währen Anarch@s meistens hauptsächlich auf den Staat gucken, was dazu führt das eine Menge komischer Schlüsse gezogen werden (zB die Repressionshypothese, Menschen sind ja eigentlich gut, werden aber halt böse unterdrückt) und sowas die "Ancaps" erst andockfähig macht. Die bisher erfolgreichste anarchistische Strömung (Spanien '36, CNT war die größte Gewerkschaft der Welt) verstand sich übrigens als "libertär kommunistisch". :D
Was Anarchismus angeht kann ich dieses Buch hier empfehlen, das rockt sehr viel weg was mir zuvor in der Richtung untergekommen ist (behandelt auch 1-2 kritische Punkte bei Graeber, aber eher nebensächlich) - http://www.edition-assemblage.de/triple-a-anarchismus-aktivismus-allianzen/
Vorzüge des spanischen Anarchismus stellt noch mal Augustin Souchy heraus, die Nachteile (die auch nicht ohne waren) gibt es bei Michael Seidmann.
Nettes Buch zu Ethik (und antikapitalistischer Emanzipation) ist vielleicht die Minima Moralia von Adorno. Ist zwar ein Aphorismenband, und eher ein Steinbruch, aber dafür eben auch ganz gut lesbar.
Wenn es primär um Antikapitalismus gehen soll und dazu was aktuelles, ist vielleicht "Nach dem Kapitalismus" von Raul Zelik ganz brauchbar.
Wer nicht Marx lesen mag, aber irgendwo dann doch. http://www.amazon.de/bücher/dp/3896575937
Vielleicht quergelesen hiermit: http://www.polyluxmarx.de/home.html
Urias:
Das mit dem Ökonomismus stimmt schon, das ist vor allem bei mehr oder weniger klassischen MarxistInnen ziemlich ausgeprägt. Aber da darf man nicht verschweigen, dass es, eben hauptsächlich ausgehend von der Theorie Antonio Gramscis, eine Spielart gibt, die die kulturellen Phänomene mehr in den Vordergrund rückt und ihnen auch eine (nicht unwichtige) Wirkungsmacht zuschreibt. Das ganze wurde vor allem in den britischen Cultural Studies aufgenommen. Das ganze führt aber auch dazu, dass man sich anhören muss, dass man die Produktionsverhältnisse nicht genügend beachtet usw.
Und weil der gute Herr grade erwähnt wurde: Bin kein Fan von Adorno, da er in meinen Augen ein sehr... sagen wir mal elitäres Verständnis von Kunst und Kultur hat (er hat ja auch seine Ästhetik von Kant übernommen).
schwarzkaeppchen:
Nee, Gramsci fällt da raus, das gilt auch für Staatstheoretiker*innen wie Poulantzas (der ein paar Gegenpositionen zu Gramsci einnahm, ich finde die beiden ergänzen sich eigentlich ganz gut). Kritische Theorie, Neo- /Postmarxismus, Eurokommunismus, Autonomia Operaia, Situationist*innen und wie sie alle heißen mögen - die fallen ja alle nicht wirklich unter Hauptwiderspruchs-Verdacht. :)
--- Zitat ---in meinen Augen ein sehr... sagen wir mal elitäres Verständnis von Kunst und Kultur hat
--- Ende Zitat ---
Ja, auf jeden Fall. Aber das ist ja zum Glück längst nicht alles wozu er sich so geäußert hat. :)
Kriegsklinge:
Dietmar Dath: Maschinenwinter.
Bini Adamczak: Gestern-Morgen. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster.
Michael Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie.
Letzteres kann ich besonders empfehlen, weil es a) wirklich die beste und lesbarste Überblicksdarstellung der marxschen Theorie ist, diese b) um die Bewegungsgeschichte des 20. Jhdts. erweitert und dabei c) mit Kritik an den real existierenden Marxauslegungen, insbesondere auch der deutschen Linken, nicht spart. Und das alles in einem recht schmalen Bändchen.
Mit Moral hat das alles freilich nichts zu tun; keiner der Autoren behauptet, es müsse moralisch zwingend Kommunismus geben (das wäre ja, aus meiner und wohl auch ihrer Sicht, Unfug). Sie stehen aber zu unterschiedlichen Graden auf dem Standpunkt, dass er politisch wünschenswert wäre.
schwarzkaeppchen:
Super Auswahl!
Gestern Morgen wird auch im bereits erwähnten "Staat oder Revolution" noch mal aufgegriffen. Ich glaube für Leute die nach linker Bolschewismuskritik suchen, ein ziemliches Standardwerk. :)
Und bzgl Bini:
Kommunismus, kleine Geschichte wie alles anders wird
http://redblog.twoday.net/stories/4465710/
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