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Moralisch zwingende Herleitung des Kommunismus

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Oberkampf:
Mich würde das Thema auch interessieren. Allerdings kann ich mir schwer vorstellen, dass es irgendwelche moralisch zwingenden Argumente dafür gibt, die politisch-ökonomischen Verhältnisse der real existierenden, historischen oder gegenwärtigen, sozialistischen Staaten (inkl. des heutigen kapitalistisch-sozialistischen Hybriden China) herbeiführen zu wollen. Insofern würde ich unter Sozialismus wohl eher einen sehr aktiven, demokratischen Sozialstaat verstehen wollen.

Was ich dagegen durchaus kenne, sind moralphilosophische Überlegungen, die einer politischen Gemeinschaft bestimmte Pflichten zum Nachteilsausgleich und der Herstellung von Chancengleichheit auferlegen. Das schließt auch eine aktive, sozialstaatliche Politik mit ein.

In dem Bereich finde ich John Rawls Theorie der Gerechtigkeit ganz lesenswert (obwohl ich dazu auch irgendwann mal eine sehr libertäre Interpretation gelesen habe).

Maarzan:
Sozialismus ist durchaus bewußt als Diktatur (des Proletariats) angelegt, nur eben mit umgekehrten Vorzeichen und durch "weise Führer" würde die sich nach Zerschlagung allen Widerstands wohlwollend in Richtung Kommunismus auflösen... . ::)

schwarzkaeppchen:

--- Zitat ---Sozialismus ist durchaus bewußt als Diktatur (des Proletariats) angelegt, nur eben mit umgekehrten Vorzeichen und durch "weise Führer" würde die sich nach Zerschlagung allen Widerstands wohlwollend in Richtung Kommunismus auflösen...
--- Ende Zitat ---

Es gibt an marxistischer/kommunistischer Theorie echt eine Menge zu kritisieren - aber so 'nen Käse ("weise Führer"/Einparteienstaat bzw "die Partei hat immer Recht") findest du nur bei  Realsozialist*innen/MLs/Stalinos die versuchen sich die eigene "bürgerliche Diktatur" (Rosa Luxemburg über die Bolschewiki) im Nachhinein zu rechtfertigen. ;)
Wenn wir von "Diktatur des Proletariats" reden wollen, kommen wir mal wieder nicht an Marx vorbei der diesen Begriff geprägt hat. Dessen Diktaturbegriff ist da aber schon 'ne Nummer komplexer (und umfasst recht ironisch die auf die eigene Überwindung angelegte "Diktatur" von 80-90% der Bevölkerung, die sich - Beispiel Pariser Kommune http://www.linksnet.de/de/artikel/25460 - räte- bzw radikaldemokratisch organisiert):
http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_d/diktatur.html

Da trifft SLFs Definition schon durchaus eher zu - und scheitert vielleicht aber am Staatsbegriff. Wenn Sozialismus das Hinarbeiten auf eine klassenlose, herrschaftsfreie Gesellschaft meint (und sonst ist es per Definitionem eigentlich keiner) bräuchte es imo nebendran eine demokratisierte Ökonomie, die von einer verdammt aktiven, in Räten, Syndikaten usw. organisierten (Zivil)Gesellschaft getragen wird die den Staat nach und nach ersetzt bzw auflöst. Und zu dieser Auflösung der Klassengesellschaft: Es ist vielleicht auch sinnvoll sich anzuschauen was die Klassenbegriffe bei Marx konstituiert. Das sind keine menschlichen Eigenschaften sondern ökonomische Verhältnisse. Kapitalist*innen sind Leute die im Besitz der Produktionsmittel sind und von der Arbeit anderer leben. Werden diese Produktionsmittel jetzt also theoretisch vergesellschaftet (und nicht eine neue herrschende Klasse, zB die der bolschewistischen Apparatschiks, etabliert) hat sich diese Klassentrennung evtl. recht schnell erledigt... es sei denn, jemand versucht sie gewaltsam wiederherzustellen.

Pyromancer:
Ich will mich halt nicht durch 150 Jahre Klassenkampf-Literatur wühlen, sondern EIN Buch lesen, dass verständlich und auf <300 Seiten die Frage "Wie müssen wir handeln?" aus kommunistischer Sicht fundiert beantwortet.
Autoren, die sich eine Traumwelt basteln, a la "wäre es nicht schön, wenn..." gibt es ja zu genüge (zuletzt gelesen: Christian Felber). Die haben aber beim theoretischen Fundament ihrer Forderungen einen Totalausfall.

Dr.Boomslang:
Kommunismus nach Marx und Engels ist ja bereits eine anarchistische Ideologie. D.h. da kennst du die Herleitung bereits. Vielleicht solltest du nach Leuten suchen die den zwingenden und reinen Antikapitalismus begründen, davon sollte es einige moderne Vertreter geben.
Der Schritt der dann zum Kommunismus noch fehlt ist auch der gleiche wie beim Anarchismus allgemein, nämlich der Übergang vom Staat zur Anarchie. Ich glaube da gibt es keine ernsthaften Versuche, weil das teilweise prophetisch wäre (was man ja auch Marx vorgeworfen hat).

Kommunismus in Reinform ist halt heute kein besonders sexy Thema, über das Leute Bücher schreiben. Ich weiß nicht hat Christopher Hitchens irgendwas darüber geschrieben? Der war doch Marxist soweit ich weiß.

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