Pen & Paper - Spielsysteme > Pathfinder/3.x/D20

Reiche des Guten bzw Bösen

<< < (36/51) > >>

Feuersänger:

--- Zitat von: Tudor the Traveller am  9.07.2013 | 17:59 ---Neuer Gedanke: Verfassung.

Imo ist jeder Staat mit einer Verfassung o.ä. bereits Lawful bzw. je nach Umfang und Präzision wenigstens in der Tendenz so.
--- Ende Zitat ---

Allerdings haben in der Historie kodifizierte Verfassungen erst in der Neuzeit weitere Verbreitung gefunden. Im Mittelalter bzw noch davor gab es gelegentlich Gesetzestexte, die man mit relativ viel Wohlwollen als Verfassung bezeichnen kann, aber diese waren doch sehr die Ausnahme.

edit:
Dann fällt mir da noch die Verfassung der DDR ein, so in etwa das verlogenste Schriftstück der Weltgeschichte. Liest sich alles ganz utopisch und wunderbar und ist in der Praxis keinen Pfifferling wert gewesen.


--- Zitat --- (das kommt imo nur daher, weil man eine "Elf-Queen" oder einen "Elf-Prince" haben will).

--- Ende Zitat ---

Da geb ich dir völlig recht.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass z.B. die Elfen etwaige Fürstentitel alle naselang rotieren lassen - "jeder darf mal".
Und ein netter Gag wäre, wenn jeder einzelne wehrfähige Elf sich als "General" oder dergleichen bezeichnen dürfte. =D
(So wie laut der Kirche von Discordia jeder Mensch ein vollwertiger, authorisierter Papst ist.)

Nebenbei: nicht D&D-Elfen mit Tolkien-Elben verwechseln. Letztere sind mit dem Gesinnungssystem kaum zu fassen, da sie _sowohl_ persönliche Freiheit und Unbekümmertheit (C) als auch Tradition und Pflichtgefühl (L) sehr hoch schätzen, und es dort auch zwar flache, aber dennoch klare Hierarchien gibt (der König ist seit ikstausend Jahren König usw).

Falke359:

--- Zitat von: Feuersänger am  9.07.2013 | 18:31 ---Allerdings haben in der Historie kodifizierte Verfassungen erst in der Neuzeit weitere Verbreitung gefunden. Im Mittelalter bzw noch davor gab es gelegentlich Gesetzestexte, die man mit relativ viel Wohlwollen als Verfassung bezeichnen kann, aber diese waren doch sehr die Ausnahme.

--- Ende Zitat ---

Auf den Punkt wollte ich auch noch eingehen: Nicht nur das Rechtsystem, auch unsere Vorstellung davon, was gut ist, weicht ja von mittelalterlichen Vorstellungen in vielen Punkten stark ab, die zu Anfang genannt wurden.

Alles was individuelle Freiheit, Selbstverwirklichung, Menschenrechte, demokratisches Prinzip (und nein, die antiken Demokratien funktionierten anders als unsere heute), Unschuldsvermutung, usw. angeht, lässt sich doch gar nicht so einfach auf mittelalterliche Rechtsmodelle übertragen, in denen z.B. Ehre eine große Rolle spielte, in denen körperliche Strafen normal waren, Folter als legitimes und "gutes" Mittel usw.

Insofern finde ich es fraglich, wie einfach wir moderne Vorstellungen auf mittelalterliche Fantasy-Settings übertragen können.

Falke359:
Und das Thema "Lawful - chaotic" auf Staatsebene ist für mich relativ einfach:

Je mehr (schriftlich verfasste) Regeln, je mehr Bürokratie, je mehr Institutionalisierung, je mehr Staatlichkeit, desto lawful.
Je mehr Eigenständigkeit, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung und an Personen geknüpfte Einzelfallentscheidungen, desto mehr chaotic.

Beispiel Mundraub: Ist das rechtlich geregelt (und damit kein Mund"raub" mehr) -> lawful
Ist die Frage, wie man mit Mundraub umgeht, nicht festgeschrieben, aber in der Bevölkerung gibt es die unausgesprochene moralische Vereinbarung, dass man armen Menschen den Mundraub durchgehen lässt (Händler erstatten keine Anzeige, die Stadtwache, falls vorhanden, weigert sich jemanden festzunehmen, es wird als Bagatelle angesehen), ist der Staat eher chaotic verfasst, allerdings CG

Feuersänger:

--- Zitat von: Falke359 am  9.07.2013 | 18:48 ---Insofern finde ich es fraglich, wie einfach wir moderne Vorstellungen auf mittelalterliche Fantasy-Settings übertragen können.

--- Ende Zitat ---

Stimmt. Aber da haben wir Glück:
Einerseits müssen wir unseren eigenen moralischen Kompass auf das Fantasy-RPG übertragen, weil sonst der Bruch im Vorstellungsraum zu groß wird. Wir können die mittelalterliche Denkweise gar nicht nachvollziehen, weil wir in einer anderen Welt aufgewachsen sind.
Andererseits DÜRFEN wir unsere Werte aber auch übertragen, weil wir schließlich nicht realhistorisches Mittelalter-Reenactment betreiben, sondern _Fantasy_.

Zitat (leicht out of context) OotS: "Tell me, what is this 'feudal Japan' you speak of?"

Dazu passt auch die Schwarz-weiss-Malerei durch das Gesinnungssystem.

Falke359:

--- Zitat von: Feuersänger am  9.07.2013 | 19:00 ---Stimmt. Aber da haben wir Glück:
Einerseits müssen wir unseren eigenen moralischen Kompass auf das Fantasy-RPG übertragen, weil sonst der Bruch im Vorstellungsraum zu groß wird. Wir können die mittelalterliche Denkweise gar nicht nachvollziehen, weil wir in einer anderen Welt aufgewachsen sind.
Andererseits DÜRFEN wir unsere Werte aber auch übertragen, weil wir schließlich nicht realhistorisches Mittelalter-Reenactment betreiben, sondern _Fantasy_.

Zitat (leicht out of context) OotS: "Tell me, what is this 'feudal Japan' you speak of?"

Dazu passt auch die Schwarz-weiss-Malerei durch das Gesinnungssystem.

--- Ende Zitat ---

Beide Male stimme ich dir voll zu, allerdings heißt das auch, dass wir unsere moderne Vorstellungswelt auch nicht zwanghaft in allen Details übersetzen müssen, um sie unserer Vorstellung von "gut" und "böse" anzupassen. Zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, ob es für einen guten Staat zu rechtfertigen ist, ein als definitiv böse erkanntes Wesen umzubringen. In dem Streitfall tun wir uns in unserer Vorstellung vielleicht leichter, wenn wir davon ausgehen, dass die bespielte Welt damit kein Problem hat, weil die Bedeutung der körperlichen Unversehrtheit nicht absolut gesetzt wird - insbesondere weil der Tod selbst in solch einer Fantasywelt alles andere als endgültig ist.
 :)

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln