Pen & Paper - Spielsysteme > Fate
Mindjammer 2nd Edition
Blechpirat im Urlaub:
--- Zitat von: Rumspielstilziel am 31.10.2013 | 12:36 ---Das ist halt so ein Grundproblem bei allen etwas avantgardistischeren SF-Settings: Da geht es dauernd drum, wie sich die Begriffe von Individualität radikal verändern. Einerseits ist das wunderbar reizvoll, andererseits halt im extrem von Klischees und klaren Figuren abhängigen Rollenspiel hirnverrenkend ...
Ich hoffe aber immer noch auf das Rollenspiel, dass durch irgendeine schlaue Settingsidee beides zusammenbringt. Mindjammer werde ich mir wohl ziemlich sicher zulegen, auch wenn ich jetzt schon prophezeien kann, dass ich es wegen der genannten Schwierigkeiten wohl nie spielen werde ...
--- Ende Zitat ---
Ja, aber es ist so SCHADE. Aber tatsächlich, wenn man sich z.B. Eclipse Phase Runden ansieht, dann wirkt das meist wie "Shadowrun in Space".
Slayn:
--- Zitat von: Blechpirat am 31.10.2013 | 13:10 ---Ja, aber es ist so SCHADE. Aber tatsächlich, wenn man sich z.B. Eclipse Phase Runden ansieht, dann wirkt das meist wie "Shadowrun in Space".
--- Ende Zitat ---
Weil sich mitunter niemand traut, die "harten Schnitte/harte Schritte" zu nutzen, die eigentlich benötigt werden würden.
Achamanian:
--- Zitat von: Slayn am 31.10.2013 | 13:04 ---Gerade du müsstest doch aber an der Quelle bzgl. gute Vorlagen sitzen, oder?
--- Ende Zitat ---
Eigentlich schon, aber ich stelle immer wieder fest, dass die passenden Romane als Rollenspielabenteuer bestenfalls komplexe One-Shots sein könnten, keine umfangreichen Kampagnen mit gleichbleibenden Protagonisten.
Ich überlege noch, was eigentlich die Struktur von Büchern wie "Consider Phlebas" (Iain Banks), "2312" (Kim Stanley Robinson), "Sundiver" (David Brin), "Altered Carbon" (Richard Morgan) oder "Natural History" (Justina Ronson) ist (um mal meine Hauptbezugspunkte zu nennen). Ich vermute, dass es in diesen Büchern zum größten Teil eben nicht um "Abenteurer" in irgendeinem Sinne geht, sondern um Figuren, die rund um ein entscheidendes Ereignis gruppiert sind, in dem irgendwie Kernaspekte des Zukunftssettings zum Ausdruck kommen. Das schließt meistens ein, dass die beteiligten Figuren sich innerhalb der Handlung eines Romans kennenlernen (manchmal nur flüchtig) und dass sie oft gegeneinander oder zumindest nicht zusammenarbeiten, weil sie nämlich stellvertretend für verschiedene Interessen und Ideologien stehen, die sich auf das zentrale Ereignis richten.
Kurz zusammengefasst: SF-Ideenromane mit "großen Konzepten" gehen eigentlich fast nie darum, dass alle Protagonisten zusammen gegen einen Gegner oder eine Gefahr agieren, sondern eher darum, dass die Figuren jeweils individuelle Haltungen zu einer Entwicklung/einem Ereignis einnehmen und dadurch dann in Konflikt miteinander geraten oder auch unerwartete Bündnisse eingehen. Und meistens sind diese Konstellationen so fest um ein Ereignis gruppiert, dass sich die Geschichte eben nicht mit dem gleichen Figureninventar fortsetzen lässt.
Möglich wäre es vielleicht, eine Kampagne in so einem SF-Universum tatsächlich um eine Reihe entscheidender Entwicklungen zu konstruieren, in denen das Setting zum Ausdruck kommt; Jedes neue Abenteuer hätte dann tendenziell auch ein neues Figureninventar, wobei auch immer wieder alte Bekannte auftauchen könnten. Dazu käme wahrscheinlich noch viel SC vs. SC und viele Situationen, in denen nicht alle SC an einer Szene beteiligt sind, sondern nur einer.
Das jetzt nur mal so aus der Hüfte geschossen. Auf die von mir genannten Romane trifft diese Beschreibung glaube ich mehr oder weniger zu, aber es ließen sich sicher auch Gegenbeispiele finden.
Achamanian:
--- Zitat von: Blechpirat am 31.10.2013 | 13:10 ---Ja, aber es ist so SCHADE. Aber tatsächlich, wenn man sich z.B. Eclipse Phase Runden ansieht, dann wirkt das meist wie "Shadowrun in Space".
--- Ende Zitat ---
Das ging mir auch so. Gerade die Ideen des Uploading/Forking/Sleeving zerschießen einem aber in der Praxis glaube ich einfach das Spiel. Ich kann mir das irgendwie nur als völlige Zerfaserung eben der Gruppenkontinuität vorstellen, die eben das ist, was man sich von einer Kampagne wünscht.
Immerhin macht das Mindjammer-Setting schon mal eine Sache deutlich anders als das Eclipse-Phase-Setting und kommt darin der rollenspielerischen Brauchbarkeit entgegen: Der Vorstellung, dass das Upload einer Persönlichkeit (bei MJ Eidolon genannt) tatsächlich eine Fortsetzung dieser lebenden Person mit ihrem Ich-Bewusstsein ist, wird eine klare Absage erteilt. So stellt sich mir das zumindest dar, nachdem ich Sarah Newtons Mindjammer-Roman angelesen habe, wo es gleich am Anfang heißt, es gelte als erwiesen, dass Kontinuität und Ich-Bewusstsein eines Wesens von der Gesamtheit seines körperlichen Seins abhängen und nicht nur vom Informationsgehalt des Bewusstseins. Das finde ich nicht nur erkenntnistheoretisch die glaubwürdigere These, es ist auch praktischer für's Rollenspiel, wenn weiterhin klar ist, dass die Charaktere einen Grund haben, den Tod zu fürchten.
Slayn:
Der Knackpunkt liegt doch aber eher im Vorhandensein des Charakters als direkter Avatar des Spielers. Die Notwendige Identitätsfrage kann also gar nicht erst aufkommen, weil da eine feste Konstante da ist.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln