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[Ernst gemeinte Frage] Führt Pathfinder zum Munchkin-Gaming?

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ElfenLied:

--- Zitat von: Slayn am 30.01.2014 | 11:19 ---Im Grunde halt das Paradebeispiel für Munchkintum. Eine Option nicht (nur) deswegen nehmen weil sie das Power Niveau des Charakters Verbessert, sondern schlicht weil diese Option eine quasi-legale Abkürzung im System schaft, durch welche die Stufenbeschränkungen aufgehoben werden. Ich kann mich noch gut an eine Diskussion mit einem Spieler erinnern, der eine von diesen Mix-PKs haben wollte und es nicht eingesehen hat partout mehr als nur Wiz1 und dieses Feat zu investieren.

--- Ende Zitat ---

Man sollte an der Stelle mal anmerken, dass viele Mixklassen ohne solche Tricks gegen eine Einzelklasse klar abstinken.

Feuersänger:
Noch ein paar Silben zum Thema "High Floor, Low Ceiling" bei PF: dies hat seine Ursache in bestimmten Änderungen gegenüber 3.5.

Wo PF stärker startet:
+ bei vielen Klassen wurde das Chassis verstärkt; also v.a. HD und Saves, teilweise sogar BAB.
+ so ziemlich jeder bekommt mehr Klassenfeatures; inklusive der Klassen die das absolut nicht nötig hatten.

Auf der anderen Seite wurden vor allem Feats generft, und zwar HART. Ich rede hier nicht nur von Power Attack. Vor allem wurden Featketten so generft und auseinandergepflückt, dass man in PF für den gleichen Effekt fast doppelt so viele Feats benötigt wie in 3.5. Dies betrifft zum Beispiel die Kampfmanöver wie Trip etc., aber auch z.B. die Cleave-Kette. Um genauso cleaven zu können wie ein 3.5-Fighter mit Great Cleave auf Level 4 muss man in PF fünf Feats investieren und mindestens Level 6 erreichen! Nur so zum Beispiel.

Warum da so ist, dazu hatte ich gerade einen Sudden Clarity Clarence, da ich mehrere Charaktere für eine neue Kampagne entworfen habe. Allgemein subsummiert man das obige Phänomen ja gerne mit "Paizo hates feats". Der tatsächliche Grund dürfte eher sein: es soll möglichst schwer sein, seinen Charakter zu _verskillen_.
In 3.5 hat man mit geringer Systemkenntnis ja im Nullkommanix seinen Karren in den Dreck gefahren. Die Unterschiede zwischen einem irgendwie zusammengestöpselten und einem sorgfältig optimiertem Charakter sind _enorm_, weil die Wertigkeit der Feats so extrem weit auseinandergeht. Z.B. Weapon Focus vs. Dinge wie Shock Trooper oder Divine Metamagic.
Dadurch, dass in PF die schwachen 3.5er-Feats (wie Dodge) ein wenig aufgewertet und die starken Feats (wie Power Attack) kastriert (und auf Dummymodus programmiert) wurden, und der Großteil der PF-originären Feats generell nur auf 2/5-Sterne-Niveau rumdümpelt, ist es relativ egal, was man seinem Charakter angedeihen lässt.

_Natürlich_ wird ein System-Crack einem Noob im direkten Vergleich immer noch das Fell über die Ohren ziehen, aber der Unterschied wird nicht mehr solche Welten betragen, und tritt vielleicht im praktischen PvE-Spiel nicht mehr so oft zu Tage.

Man merkt das unterschiedliche Feat-Niveau übrigens auch, wenn man Handbooks für beide Systeme vergleicht. In der Regel werden da Optionen (Feats etc) farbkodiert oder mit Sternen bewertet. Und wo z.B. sowas wie Weapon Focus in typischen 3.5-Guides so bei 1-2/5 Sternen rumdümelt, wird er in PF-Guides oft mit 3-4 Sternen bewertet. Und in ebendiesen PF-Guides liegen die Paizo-Feats meist bei 2-3 Sternen (mti Ausnahme von seltenen Perlen wie Deadly Aim). Damit kann man wohl ungefähr erahnen, wie diese Feats in 3.5 bewertet würden.

Slayn:
Diese "neue Erkenntnis" bringt nur dann was, wenn du gewillt bist jetzt auch noch einen Schritt weiter zu gehen.
Die genannten Änderungen erhöhen den Wert von Synergie-Effekten innerhalb einer Gruppe um ein Vielfaches im Vergleich zur 3.5.

Feuersänger:
Dass das PF-Powerniveau im Vergleich zu 3.5 hart generft ist, ist für mich nichts Neues. Dass es darum vielleicht mehr auf jedes +1 ankommt, dass man hier und da (durch Synergien) abstauben kann, ist nachvollziehbar. Neu war für mich die Vermutung, dass das absichtlich aus dem Grund so implementiert wurde, damit sich jeder Depp mit seinem verskillten Mongo-Armbrustbarbaren toll fühlen kann, weil ihm alle wirklich wichtigen Schritte vom System aus der Hand genommen werden.

Das ist auch vielleicht der Zeitgeist, nach dem gleichen Muster wie heutzutage die meisten (nicht-PVP) Video/Computerspiele so furzeinfach sind, dass man gar nicht mehr verlieren kann, und bei PVP-Spielen Mechanismen eingebaut werden, die selbst dem allerletzten Noob noch die Illusion erlauben, sein Skill sei "vielleicht schlimmstenfalls knapp unterdurchschnittlich" oder seine Resultate wären nicht wegen seiner miesen Leistung, sondern nur rein zufällig so schlecht (WoT, I'm looking at you!).
Oder wie bei Wettkämpfen zwischen Kindern keine Punkte mehr gezählt werden und am Ende kriegt jeder einen Pokal fürs Mitmachen. Naja, ich schweife ab, aber du erkennst das Muster.

Thandbar:

--- Zitat von: Feuersänger am  1.02.2014 | 01:33 ---Das ist auch vielleicht der Zeitgeist,

--- Ende Zitat ---

Der Zeitgeist erlaubt es aber auch jedem, sich einen kaputten Build aus dem Internet zu ziehen und dann einfach nachzubauen. Was das mit Skill zu tun hat, erschließt sich mir nicht.

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