Pen & Paper - Spielsysteme > D&D4E
Was ist bei 4E falsch gelaufen...
Arldwulf:
Die Optik ist sicher ein wichtiges Thema. Vor allem die Vereinheitlichung wie man eine Fähigkeit optisch darstellt sorgt letztlich ja auch zum Teil für die Kritik des sich gleich anfühlens.
Unsichtbarkeit und ein Pfeilschuss machen völlig andere Dinge, auch am Spieltisch mache ich als Spieler völlig andere Dinge wenn ich sie einsetze. Ohne einen Blick auf die Optik des Buchs würde niemand auf die Idee kommen das da etwas vergleichbar ist, wenn er den Spielern am Spieltisch so zuschaut.
Aber schaue ich dann rein stehen die eben in kleinen bunten Kästchen. Solange ich sie nur kurz überfliege sehen sie gleich aus, ganz egal was da dann tatsächlich drin steht. Und der Hang zum benutzen von Schlüsselworten und Abkürzungen hilft da auch nicht, da dadurch auch große Unterschiede sich ab und an in einem kleinem Wort das irgendwo in der Power steht befinden.
Zur Benutzung ist das natürlich sehr praktisch. Ich kann sehr schnell und ohne großen Interpretationsbedarf oder ohne einen langen Text lesen zu müssen viele verschiedene Sachen machen. Nur merken tut man dass dann halt erst bei regelmäßigem Spielen, es ist für Spieler und Spielleiter ein Vorteil, und für Leute die die Bücher nur mal kurz überfliegen ein Problem. Und während man normalerweise sagen würde: "Das Spiel soll sich ja auch an seine Spieler richten, und den Nutzen für diese in den Vordergrund rücken!" ist dies natürlich für ein Spiel bei dem in der Diskussion in Foren nur so 10 bis 20% der Leute das Spiel regelmäßig spielen ein Problem.
Man hat eben viel mehr Leute die etwas nur überfliegen als Leute die die Dinge tatsächlich ausführlich anschauen.
gunware:
--- Zitat von: Arldwulf am 26.02.2014 | 09:34 ---Man hat eben viel mehr Leute die etwas nur überfliegen als Leute die die Dinge tatsächlich ausführlich anschauen.
--- Ende Zitat ---
Ich muss zugeben, dass ich dies auch wahrnehme.
(Wobei ich nicht weiß, ob es sich dabei nicht um "selbsterfüllende Prophezeihung" handelt - weil ich meistens nur dann nachschaue, wenn ich das Gefühl habe, dass es so ist - und dann bestätigt sich das Gefühl. Und da, wo kein Grund zum Nachschauen ist, schaut man nicht nach und nimmt es auch nicht so wahr.
Wer weiß, vielleicht ist es auch nur so ein Märchen wie das Märchen über die gute alte Zeit.)
kalgani:
"natürlich" überfliegt man erstmal dei dinge, wenn diese einem vom ansatz her schon nicht gefallen, dann bringt man auch kaum die motivation auf weitere 200 seiten zeugs zu lesen das man vom grundprinzip her doof findet. von daher ist dieser vorwurf nicht wirklich gerechtfertigt, sondern eher auch eines der probleme der 4e.
sie hat es meist nichtmal über den drüberfliegen status geschafft weil sie so dnd-untypisch präsentiert wurde.
wenn es wirklich an sowas gelegen haben sollte hat wotc mit der präsentation wirklich ins klo gegriffen!
Arldwulf:
Genau. Das war auch gar nicht allzusehr als Vorwurf an "Die Kritiker" gedacht, sondern sollte nur zeigen wieso es so schlimm war das WotC beim Marketing am Anfang erstmal so viele Spieler älterer Editionen aufregte.
Dadurch kamen viele Spieler die eigentlich keine neue Edition brauchten und wollten in die Diskussionen. Und überflogen dann ein System welches beim Überfliegen der Regeln nicht wirklich aussagt wie es am Ende am Spieltisch aussieht. Und von dem sie im Netz viel schlimmes gehört hatten - teils ja schon bevor die Regeln überhaupt draußen waren. Und so vorgeprägt geht man dann hin und sieht viele bunte Kästchen die so wirken als ob das alles wäre was man machen kann.
Hätte man die Powers einfach anders formuliert und inhaltlich gleich gelassen wäre viel weniger Ärger entstanden, einfach durch diesen "das sieht ja alles gleich aus" Effekt. Als Spieler des Systems hätte man dann weniger Vorteile davon - es wäre ein schlechteres System, da natürlich lange Textblöcke schlechter lesbar sind und der Platzbedarf die Vielfalt einschränkt. Und weil man dann wieder viel mehr Regeldiskussionen hätte wie der Text nun gemeint ist.
Aber für die Wahrnehmung des Systems von Außen, und beim reinem "ich schau mal kurz in die Regeln rein" wäre es eben deutlich besser gewesen wenn bei Feuerball ein langer Text dransteht statt eine kurze Box voller Schlüsselworte und Abkürzungen. Die 4E hat voll auf Spielbarkeit gesetzt, gerade für Spielleiter ist sie eine riesige Erleichterung. Wird auch wohl jeder bestätigen der mal hochstufige Kampagnen in 3.5 und 4E geleitet hat. Aber diese Optimierung auf Spielbarkeit geht eben auf Kosten der Leute die nur mal reinschmökern wollen.
Man kann niemandem vorwerfen dass er das System nur überfliegt und dann von solchen Dingen beeinflusst wird. Das ist der Fehler von WotC nicht von den Kritikern. Denen kann man höchstens vorwerfen dass sie nachdem Regeldetails erwähnt werden häufig ablehnend reagierten und anstatt auf die Details einzugehen und sich diese anzuschauen über die Personen sprachen die diese Regelinfos brachten (das ist doch ein Fanboy!) oder schlicht sagten: das steht da zwar, aber das macht doch keiner so! Sprich lieber an dem einmal gefasstem Eindruck festhielten als die tatsächlichen Regeln anzuschauen.
Und dadurch dann die oben angesprochenen 2 Systeme schufen, eines das im Regelwerk steht und eines das nirgendwo steht aber in Foren diskutiert wird. Dabei wurden dann auch zu diesem rein "empfundenem" System öfters mal auch Dinge angedichtet die das genaue Gegenteil des Regelwerks darstellten - aber eben negativ klangen und zu dem Image passten.
Archoangel:
Ich denke nach wir vor: Kommunikation. Die ist einfach gehörig falsch gelaufen, bereits im Vorfeld, aber auch und vor allem nach Erscheinen. Da wurden einige Fehleinschätzungen gemacht, die ja in letzter Konsequenz auch zu diversen Personalentscheidungen seitens Hasbro geführt haben. Zu recht.
Ich erinnere zum Beispiel an "Evolution not Revolution". Da hätte man wohl besser vorher eine Befragung gemacht, ob das auch so wahrgenommen wird, bevor man den Satz durch den Äther haut.
Auch die Herangehensweise die neue Edition quasi nur von Familienmitgliedern der Werksangehörigen testen zu lassen (die in ihrer Kritik ja wohl nicht ganz ehrlich sein können, wenn man die Idee des Chefs bewertet) stellte sich im Nachhinein als ziemlicher Dünschiss dar (da hat man ja für Next daraus gelernt).
Im Vorfeld wurde auch zu viel spekuliert und im Äther debattiert - da hat man einfach viel zu lange die Gerüchteküche unmoderiert dampfen lassen und als dann (endlich) fundierte Kritik kam ist man eben nicht konstruktiv, sondern destruktiv darauf eingegangen, da gab es zum Teil sogar von offizieller Seite Beleidigungen gegen die Unzufriedenen, was dann ja in der bekannten "Love It or Leave It" Geschichte seinen Gipfel fand.
Insgesammt eben wenig professionell, ich erinnere da nur an die Ulisses und die Lizenz Geschichte, die dem Markennamen "Das Schwarze Auge" wohl 8wenn man den Zahlen vertrauen kann) auch einen richtigen Bärendienst erwießen hat.
Mich persönlich (und das gilt von dem was ich weis, wohl für den Großteil der konstruktiven Kritiker der ersten Stunde) hat zudem die Reaktion des Fanatiker-Lagers in den Foren stark abgeschreckt, die ja keinen Unterschied gemacht haben, ob du ohne Wissen kritisierst, oder eben mit Eigenerfahrung. Alles was Kritik übte war der Feind, den es bis zum letzten Blutstropfen mit allen Mitteln zu bekämpfen galt. und dann eben entsprechend eines echten Fanatikers: dem "Gegner" Dinge vorhalten, die man selbst ständig benutzt. DAS war für mich in letzter Konsequenz der Grund die 4E komplett zu verkaufen und das Kapitel für mich zu schließen (und für viele andere auch).
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