Medien & Phantastik > Sehen

[Film] Interstellar - neuer Film von Christopher Nolan

<< < (93/107) > >>

Sashael:

--- Zitat von: Alexandro am  9.01.2019 | 01:36 ---Schritt 1: Sonde runterschicken.
Schritt 2: Sonde zurückkehren lassen*
Schritt 3: Daten der Sonde auswerten
Schritt 4: Die eigentliche Rettungsmission starten
--- Ende Zitat ---
Ah. Ja. Nee.

Ich hab ja nicht geschrieben "Eine Sonde statt der Rettungscrew senden" sondern "Eine Sonde schicken".
So wie das aus sehr nachvollziehbaren Gründen heutzutage schon gemacht wird.

Und selbst wenn man damit argumentiert, dass die interstellare Distanz den Einsatz einer Sonde erschwert, weil keine vernünftige Kommunikation mit der Basis möglich ist, hätte die Crew, die dort als Erste hingeflogen ist, durch den Einsatz einer Sonde alle nötigen Daten bekommen, ohne Menschenleben zu riskieren und letztendlich zu verlieren. So war das einfach ne total dämliche und extrem(!) kostspielige Schnapsidee, bei der ich erwarte, dass eine Organisation, die interstellare Flüge hinbekommt, sie tatsächlich erst gar nicht in Betracht zieht.

First Orko:
Also erstmal danke für die ganzen geduldigen Antworten auf meinen Rant,wurde das ja hier z.T. schon durchexzerziert. Ich glaube ich habe eine Idee, wo die Diskrepanz in der Wahrnehmung so ungefährt herkommt. So ganz zufrieden bin ich mit der Erkenntnis aber noch nicht, ich muss da nochmal drüber nachdenken.
Vielleicht hole ich mir auch nochmal The Science of Interstellar und versuche herauszufinden, warum Forenphysiker die physikalischen Hintergründe besser beurteilen können, als ein renomierter theoretischer Physiker

[Kleiner Brainstorming-Einschub: Ich vermute mal, der Film möchte diesbezüglich von etwas weiter weg betrachtet werden. Immerhin wird hier einem breiten Publikum der Begriff der Zeitdilatation zugemutet ;) Darüberhinaus gibt es eine Menge Zugeständnisse, die man hinsichtlich Plotentwicklung und Dramaturgie aufgrunde der Blockbusterprämisse schlucken muss. Das kann für einige eine Hürde bedeuteten, ist aber aus meiner Sicht losgelöst vom grundsätzlichen physikalischen Hintergrund und der daraus hervorgegangenen SciFi-Idee zu betrachten. Beides zu vermischen ist da eventuell nicht zielführend]


--- Zitat von: YY am  9.01.2019 | 00:19 ---Der sollte dir gefallen - hat für seinen Plot ein paar halbwegs clevere erzählerische Kniffe, ist atmosphärisch gut gelungen und schafft es mMn auch, einem die paar Stellen gut zu verkaufen, wo er sich nicht ganz so ernst nimmt.

Ist natürlich nicht "Kerbel Space Program: The Movie", aber er holt aus seiner Prämisse gut was raus.

--- Ende Zitat ---

Also gemessen an Feuersängers Standards sollte es mich sehr wundern, wenn er über die ersten 10 Minuten herauskommt. Immerhin ist die ganze Grundprämisse des Films mit (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)dem Sturm, den es so auf dem Mars eben nicht geben kann und der überhaupt den der Auslöser für ALLES im Film ist! reinste Fiktion.  >;D
Darüber hinaus setzt er aber hohe Standards! Tendenziell würde ich aber tatsächlich eher zum Buch raten, welches in vielen Punkten detailierter ist und nicht soooo reißerisch rüberkommt. Die Dynamik der Ereignisse, die sich aus einer Verkettung von "Probenpatzern" ergeben und die Art, wie der Protagonist sich von Plotpunkt zu Plotpunkt rettet ähnelt der in Gravity, bleibt aber verdaulicher.

Wer Kerbel-Space-Programm haben will, dem kann ich nur nochmal  Europa Report empfehlen. Der zieht das Thema "Interplanetare Expedition" extrem konsequent, professionell... und eben auch streckenweise langweilig um. Als One-Trick-Pony fand ich den durchaus gelungen, aber außerhalb dieses Fadens kann ich den keinem empfehlen. Das war den Machern dann auch klar, weswegen er ja an der entscheidenen, dramaturgischen Stelle wieder in Fantasy abgleitet (Klicke zum Anzeigen/Verstecken)mit einen tiefen Griff in die "bedrohliches Alien-Klischeekiste".
Europa Report nimmt seine Prämisse also ernst und zahlt dafür m.E. mit Langeweile.

Man kommt wohl nicht umhin, die ein oder andere dramaturgische Kröte zu schlucken. Die Kunst ist nur, diese glaubhaft zu verpacken. Was wie glaubhaft ist hängt dann vom subjektiven Blick ab und wie sehr man sich auf die Prämisse einlassen kann oder will. Und gerade was Klischees in der Dramaturgie angeht hat vermutlich jeder so seine Grillen ;)

Feuersänger:
Wie gesagt, was die technisch-physikalische Seite angeht, ist mein größter Aufreger dieses eine Ultra-Logikloch, dass sie die ganze Expedition zum Schwarzen Loch unternehmen, um einen Antrieb fertigzustellen, den sie _nachweislich bereits haben_, weil ohne ihn Landung auf und Start von diesem Schweren Planeten mit dem gezeigten Raumfahrzeug überhaupt nicht möglich wäre.

Die meisten anderen Aufreger sind hauptsächlich hirnrissigen Entscheidungen der Figuren sowie lächerlich vorhersehbaren Plot Twists geschuldet.

6:
@First Orko: Vielleicht als Randnotiz. Diese Problematik begrenzt sich nicht unbedingt nur auf wissenschaftliche Fakten. Vor kurzem hat Adam Neely (studierter Bassist aus New York) in einem YT-Video  erklärt, wieso ihm beim Film Whiplash die Zehennägel hochgerollt sind (er hat allerdings die eigentliche Machart gewürdigt. Trotzdem war das Filmerlebnis nichts für ihn gewesen). Der YouTuber Cynical Historian (er meint mit Cynical die Philosophie, Geschichtsdozent/-student) nimmt regelmäßig Filme "Based on a true Story" auseinander.
Ich denke dass da viel mit dem eigenen (gefühlten?) Wissenstand zu tun und in wie weit man diesen Wissenstand ausblenden kann.

First Orko:

--- Zitat von: 6 am  9.01.2019 | 10:12 ---Ich denke dass da viel mit dem eigenen (gefühlten?) Wissenstand zu tun und in wie weit man diesen Wissenstand ausblenden kann.

--- Ende Zitat ---

Auf jeden Fall!

(Ich habe zBsp durch Mister Robot erst gemerkt, wie sehr ich mich schon an die grundsätzlich völlig an der Realität vorbeigehenden Darstellung von "Hacken" (das fängt ja schon mit dem Begriff an) in Filmen und Serien gewöhnt habe.
Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die Dramaturgie in Mister Robot eben auch konsequenterweise durch typische IT-Problemstellungen bestimmt wird und damit schon viele Zuschauer aussperrt. Parallel ist aber wiederum die Darstellung von Elliots psychologischer Erkrankung bestenfalls auf dem Stand von "Küchenpsychologie"...)

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln