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Shadowrun: Capital Files "Volume/01 - MetaHuman Poker"
Ludovico:
Herr Kaiser behielt weiterhin die Nerven und blieb nach außen hin ruhig, auch wenn er eine Mordswut im Bauch hatte. Ist das ein Witz.
Ganz ruhig begann er:
"Sie sind ein Decker.
Sie wollten schon am ersten Treffen mit Schmidt nicht persönlich teilnehmen.
Und nun soll das nicht mehr gehen?
Aber immerhin ist es Ihr Arsch, der in die Schußlinie gerät.
Was mir aber auch nicht gefällt, ist, daß in einer Tiefgarage auch mein Arsch und die Ärsche des gesamten Teams schnell geröstet werden.
Haben Sie schon darüber nachgedacht, daß unser Gegner über Magie en masse, taktische Einsatzkommandos, schweres Gerät und Schlimmeres verfügt und eine Tiefgarage nur begrenzte Fluchtmöglichkeiten besitzt, die ein FBV-Team ganz schnell dichtmachen kann.
Aber vielleicht haben wir ja Glück und während die Gang abgeschlachtet wird, können wir im Chaos ja entkommen."
So langsam hatte sich Herr Kaiser in Rage geredet.
Preacher:
"Komm mal wieder runter. Ich werde nicht über ein Telefon mit ihm kommunizieren, weil wir dann das ganze Treffen gar nicht hätten verabreden müssen. Wenn ich weiter mit ihm telefonieren wollte, dann könnte ich das auf dem bisherigen Weg tun, ohne daß auch nur einer von uns seinen Arsch riskieren muss.
Außerdem habe ich einem persönlichen Treffen zugestimmt, und ich neige dazu mein Wort zu halten - zumal es meiner Meinung nach besser wäre, diesem Big Eye ein wenig Vertrauen zu zeigen. Er sagte, er habe Aufträge für Schmidt erledigt. Das klingt nicht nach Angestelltem - wenn mich nicht alles täuscht, ist er ebenfalls ein Runner, der mehr oder weniger zufällig in diese Sache verwickelt wurde."
Er zündete sich eine Zigarette an - nur noch drei.
"Wir brauchen aber hier nicht lange zu diskutieren, weil ich in" - er blickte auf die Uhr - "25 Minuten verabredet bin. Und ich muss vorher noch mit den Moogs reden, damit sie uns und Big Eye unbehelligt lassen. Kaiser, wenn Du dich dann besser fühlst kannst Du gerne hierbleiben oder auch zusammen mit mir mit ihm reden, während Artemis und Nemesis uns Rückendeckung geben, aber ich muss da auf jeden Fall hin."
Er erhob sich.
"Und wir müssen jetzt los, wenn die, die Rückendeckung geben sollen sich noch eine gute Position suchen wollen und wir den Moogs bescheid geben."
Ludovico:
"Ich wollte es nur gesagt haben, für den Fall, daß es doch eine Falle ist.", sagte Herr Kaiser. Er war immer noch wütend und teilweise auch verzweifelt.
"Wenn das der Fall ist, dann können Sie darauf wetten, daß wir mehr als nur Können benötigen, um da wieder rauszukommen.
Dummerweise ist mein Schicksal leider irgendwie mit dem Ihrigen verbunden und deshalb komme ich mit.
Wenn ich wenigstens an das Zeug in meiner Wohnung rankommen könnte.
Das könnte zumindest etwas helfen."
Preacher:
"Danke für die Warnung. Ich bin mir der Gefahr durchaus bewußt, aber ich werde in diesem Fall meinem Instinkt vertrauen. Das Risiko müssen wir leider eingehen, da uns sonst wirklich die Optionen ausgehen."
Er erhob sich.
"Gehen wir."
Er steckte den Nahkampf- und den Taktikchip in seine Chipbuchse und verließ die Wohnung, um sich zum EInkaufszentrum zu begeben, in der Hoffnung, einem der Moogs zu begegnen.
Doc Letterwood:
Herr Kaiser, Messiah u.a.
>>05.06.2059-12:14:02<<
Das Record-Einkaufszentrum lag still und verlassen da. Der Regen der vergangenen Nacht hatte Pfützen in den tiefen Asphaltnarben hinterlassen, die den Parkplatz davor durchzogen. Öllachen schillerten in der trüben Mittagssonne, braun verbranntes Unkraut wucherte an ihren Rändern.
Nirgendwo in der Nähe war ein Geräusch zu hören. Nur von fern drang der Sound des Plexes an ihre Ohren, als sie sich dem Einkaufszentrum näherten.
Die Scheiben waren mit Stahlplatten vernietet, die riesigen automatischen Türen waren aber herausgerissen. Dreckige Reifenspuren von Motorrädern zogen sich über die ehemals weißen Platten ins Innere.
Das Einkaufszentrum war rechteckig mit eine T-förmigen Passage in seiner Mitte, an deren Rändern einst kleinere Geschäfte und Boutiquen lagen. Heute waren die meisten ausgebrannt, zerschlagen, voller Unrat und Schimmel.
Der große Supermarkt war so gut wie leer bis auf einige Regalreihen, die kurz vor dem Zusammenbruch standen. Sogar die Wursttheke existierte noch - irgend ein Scherzkeks hatte eine verendete Ratte in die Auslage gelegt.
Immer noch kein Geräusch - das Einkaufszentrum schien von allen Metamenschenseelen verlassen.
Big Eye
Der VW-Transporter bog vom Rheinschnellweg ab, der ein paar Kilometer nordöstlich in den Ruhrschnellweg mündete. Die Ausfahrt Düsseldorf-Zentrum war verstopft, doch erstaunlicherweise ging es nach zehn Minuten schnell wieder weiter. Ein Unfall in der Ausfahrt. Polizisten leiteten den Verkehr über die Standspur um.
Als er über die Rheinbrücke in das Stadtzentrum fuhr und nach Süden in Richtung des Einkaufszentrums abbog, war er laut ALI nur noch ein paar Minuten vom Treffpunkt entfernt.
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