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[eclipse phase] praktische Erfahrungen mit dem Setting
YY:
--- Zitat von: Dr. Jan Itor am 25.09.2014 | 18:31 ---Ich hab das mit den Forks jetzt in dieser Form noch nicht ausprobiert, aber was spricht dagegen verschiedene parallel agierende Forks eines Charakters vom Spieler führen zu lassen?
--- Ende Zitat ---
Das Selbe, was in einem anderen Rollenspiel dagegen spricht, einen Spieler beliebig viele Charaktere führen zu lassen, unabhängig von deren Relation zueinander.
Je nachdem, was man spielen will, kann das natürlich auch gar nichts sein ;)
In einigen Systemen hat man sowieso nicht sonderlich viel davon, viele zu sein, da ist das weniger problematisch.
I.d.R. ist es bei EP aber so, dass die ganzen von einem Spieler geführten Forks agieren wie ein Borg-Kollektiv oder sonstwie wüsterlichstes Powergaming betrieben wird (es sei denn, der Spieler hat Spaß daran, sich selbst in die Scheiße zu reiten...), und gerade das verkauft die ganze Fork-Thematik weit unter Wert.
GustavGuns:
--- Zitat von: Fairy Tale am 25.09.2014 | 18:58 ---Lässt sich beim Forken eigentlich feststellen, was das ursprüngliche Ego ist und was die Forks, oder sind das wirklich alles zu 100% identische "Kopien"?
--- Ende Zitat ---
Kommt letztlich auf den Fork an - es gibt Forks verschiedener Qualität: Alpha, Beta, Delta und Gamma. Nur Alpha ist eine eins-zu-eins Kopie, Beta und Delta sind "abgespeckte Versionen", und Gamma ist der Begriff für eine Version mit Kopierfehlern. Man kann sich natürlich entschließen, in die Kopie irgendein distinktes Merkmal oder eine Versionsnummer oder was auch immer einzubauen/einbauen zu lassen, es würde aber schon aufgrund der Vielseitigkeit und Größe des Settings gar keinen Sinn machen, das grundsätzlich immer und überall passieren zu lassen. Alpha-Forks sind nebenbei auch in vielen Gesellschaften illegal.
YY:
--- Zitat von: Fairy Tale am 25.09.2014 | 18:58 ---Lässt sich beim Forken eigentlich feststellen, was das ursprüngliche Ego ist und was die Forks, oder sind das wirklich alles zu 100% identische "Kopien"?
--- Ende Zitat ---
Wie oben gesagt: Es sind nicht alle zwingend 100% identische Kopien.
Aber es gibt die technischen Möglichkeiten, ununterscheidbare Kopien zu erstellen. Je nach Situation, in der die Kopie entsteht, können es auch die Betroffenen selbst nicht sagen.
Ucalegon:
--- Zitat von: GustavGuns am 25.09.2014 | 18:35 ---Meine Erfahrung ist, dass der Hintergrund (und EP im Allgemeinen) mir zwar sehr gut gefällt, aber vom SL mindestens so viel Arbeitszeit wie oWoD Mage braucht, um überhaupt irgendwie gangbar gemacht zu werden. Extrem viele Dinge, die ein ganzes Quellenbuch rechtfertigen (wie zum Beispiel die "Facebook-Ökonomie" der Anarchisten), werden zu holzschnittartig ausbuchstabiert, um sich die realen Lebensumstände einer Person in so einem System vorzustellen.
Für die Spieler ist das auch eine ziemliche Zumutung, falls man nicht exklusiv begeisterte Transhumanisten und Sci-Fi-Leser am Tisch sitzen hat - nicht nur benötigen die massiven Umwälzungen viel Energie des SL, um sich dann auch praktisch am Tisch in alltäglichen Kleinigkeiten widerspiegeln zu können, die Spieler haben es oft mindestens genau so schwer, sich ernsthaft in ihre Charaktere hineinzudenken, und werden von den Möglichkeiten und Grenzen des Systems manchmal zu einer gewissen Passivität verleitet.
--- Ende Zitat ---
Du scheinst da aber auch sehr hohe Ansprüche an dich und die Spieler(innen) zu stellen. Vom Settingmaterial habe ich für meinen Teil ein vollkommen anderes Bild. Ich kenne eigentlich gar kein anderes Rollenspielsetting, das einen so komplexen, dichten und authentisch wirkenden Hintergrund wie den von eclipse phase in dermaßen knapper und ansprechender Form präsentiert. Ich bin aber auch generell kein Freund von informationsüberfrachteten Quellenbüchern und würde mal vermuten, dass die meisten Spielrunden mit der Rep-economy wunderbar zurecht kommen, ohne sich große Fragen stellen zu müssen, wie das Ganze denn im Einzelnen funktioniert. Im Zweifelsfall ist es wichtiger, dass ich mir über einen Favour einen Morph, eine Waffe oder Informationen besorgen kann. Dass das Setting zweifellos dazu einlädt, einzelne Themen (sogar wissenschaftlich) anzugehen ist super und für Interessierte sicher auch ein Pluspunkt von EP.
Um das mal mit tatsächlicher Spielerfahrung zu untermauern. Die wunderbare Actual Play Kampagne Know Evil (geleitet vom Autor von Devotees) zeigt, dass der Hintergrund auch ohne Transhumanisten am Tisch wunderbar funktionieren kann. Und die Kampagne war von den behandelten Themen her alles andere als leichte Kost.
Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich zwar schon sagen, dass Eclipse Phase sich mit Kennern am Tisch anders spielt, habe aber wie oben beschrieben auch erlebt, dass absolute Neulinge sehr gut damit zurecht kommen.
Es hängt aus meiner Sicht bei EP alles davon ab, wie man es für Leute didaktisch aufbereitet und schmackhaft macht, die weder mit dem Material aus den Büchern noch mit dem Genre vertraut sind. Und da macht man es sich glaube ich eher schwieriger, wenn man versucht jeden der vielen Denkanstösse, die das Setting gibt, konsequent bis zum bitteren Ende durchzudenken.
Das klingt vielleicht etwas nach Fanboy, aber ich finde es einfach schade, wenn EP als unspielbar oder hyperkomplex gehandelt wird, was es imho überhaupt nicht ist. Ganz im Gegenteil.
Haukrinn:
Ich hatte bis jetzt bei meinem diversen One Shots noch nie Probleme damit dass die Leute sich nicht zurecht gefunden haben, und die hatten größtenteils überhaupt nicht die Gelegenheit sich vor dem Spiel mit der Materie auseinander zu setzen. Man muss ja auch nicht sofort alles auf die Mitspieler einstürzen lassen. Es gibt ja genügend isolierte Thematiken in denen man sich austoben kann, sei es in technischer Hinsicht (wir machen mal was mit Resleeving - ihr seid vor zwei Wochen spurlos verschwunden. Eure Backups müssen rausfinden was passiert ist), in sozialer Hinsicht (wir spielen heute in der Jovian Republic - stellt euch eine Mischung aus der DDR und der Alliance von Firefly vor), sei es fremdartig (Wir machen heute Tombraider-Alien-Stargate, sprich ihr seid ein Rettungsteam das durch ein wenig Gatecrashing macht), sei es sehr Settingspezifisch (eine Heimat für eine Barke voller Lost finden) - um da nur einige Beispiele zu nennen die ich jetzt schon hatte.
Das Setting ist in seiner Gänze sehr komplex, aber die einzelnen Elemente kann man jedem halbwegs nerdigen Mitspieler mittels einfacher Referenzen auf irdische (Pop)Kultur problemlos und eingängig vermitteln. Wenn man natürlich lieber stundenlang darüber diskutieren möchte welche Munition jetzt mit der Cornucopiamaschine auf der Scum-Barke hergestellt werden kann, dann braucht man dafür eine Menge Wissen und dann soll man das natürlich tun - das hat zumindest für mich dann aber nichts mehr mit Rollenspiel zu tun.
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