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[eclipse phase] praktische Erfahrungen mit dem Setting

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Haukrinn:
Vielleicht weil das Setting noch genügend andere interessante Facetten bietet?

Ucalegon:

--- Zitat von: Dr. Jan Itor am  5.11.2014 | 20:42 ---Vielleicht weil das Setting noch genügend andere interessante Facetten bietet?

--- Ende Zitat ---

Absolut. Wenn ich ein postapokalyptisch angehauchtes SF-Setting wollte, wäre z.B. die post-fall Erde ziemlich weit oben auf meiner Liste. Außerdem gibt es ja genug Leute, die alle möglichen Probleme mit dem EP Setting as written haben (besonders politische ;D) und trotzdem lieber so lange basteln, bis es passt, als etwas anderes zu spielen. Ist im Rollenspielbereich insgesamt ja wohl alles andere als ungewöhnlich.

Achamanian:

--- Zitat von: Ucalegon am  5.11.2014 | 16:51 ---

Aber sorgt die Variante: Uploading als allerletzte Möglichkeit, als dramatische Entscheidung, als Sonderfall etc. nicht gerade dafür, dass der Horror und die existenziellen Fragen, die damit verbunden sind eher in den Hintergrund rücken? Allzuoft kann ich das Thema dann ja in Bezug auf die SCs nicht bringen, weil ich ansonsten ständig neue Charaktere mache oder wieder bei EP lande. In einem solchen Setting (Beispiel Mindjammer) kämpfen die Charaktere aus meiner Sicht eben nicht um ihre Identität, sondern wie in allen anderen Settings gegen den Tod als "das Schlimmste was mir passieren kann".

Ein großer selling point an EP als Horror-Setting ist für mich der Zynismus mit dem die Frage "wer oder was bin ich eigentlich?" behandelt wird:

Bin ICH an meinen Körper gebunden?
Wenn ja, dann Herzlichen Glückwunsch, DU bist tatsächlich draufgegangen als DU auf der Flucht vor mordbrennerischen AI Kriegsmaschinen den Egocast als einzigen Ausweg gewählt hast.
Wenn nein, dann darfst du dir im Morph-Shop einen neuen holen, aber nur wenn du deine Knechtschaft für die Hypercorps abgeleistet hast. Und klar kannst du Forks erstellen, mit denen du dir die Arbeit teilst. Diese ANDEREN solltest du aber wieder löschen, damit du nicht zuviel über DICH nachdenken musst.

Bin ICH mein Ego?
Wenn ja, dann pass gut auf deine Backups auf. Sonst landest DU am Ende auf irgendeinem Server der Wahnsinnigen von Legba. Aber hey, wenn es DIR mal schlechtgeht, geh einfach zum Psychosurgery-Doc. Der schneidet DIR bei der Gelegenheit gleich noch dieses lästige soziale Gewissen raus.
Wenn nein, mit wem rede ich dann hier?

--- Ende Zitat ---

Die Beispiele für Stories mit Identitäts-Thema sind alle enorm interessant. Mein Problem mit EP: Wenn Egocasts bereits als Reisemethode mehr oder weniger Routine sind, dann gäbe es im Verlauf eines normalen Szenarios so viele Punkte, an denen man sich über diese Identitätsprobleme den Kopf zerbrechen müsste, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass man noch dazu kommt, andere Elemente des Settings/des SC anzuspielen, wenn man das Thema halbwegs ernst nehmen will.
Da hätte ich das Ego-Thema lieber gelegentlich und dann richtig im Spotlight, und das geht eben besser, wenn es in dem Setting nicht Common Sense ist, dass man dauernd castet, forkt und zu Backups zurückgeht. Es ist ja nicht gesagt, dass man in einem Setting, wo der Morph-Wechsel kritisch betrachtet und von den meisten nicht unbedingt als direktes Fortleben des eigenen Ich verstanden wird, deshalb niemals auf ein Backup zurückgehen oder Forken würde. Aber für die meisten wäre es halt keine leichtfertige Entscheidung, so was zu tun. Und wenn dann der gleiche (selbe?) SC vom Backup in einem Klonkörper zurückkehrt, gäbe es für ihn und die anderen SC halt zumindest den Anlass, sich zu fragen, ob er jetzt die selbe Person, die gleiche oder nur eine ähnliche ist. Das scheint mir bei EP halt nach der offiziellen Settingbeschreibung erst mal nicht so zu sein - da wäre es für die meisten ganz normal, davon auszugehen, dass die Kontinuität der anderen Person gewährleistet ist, auch, wenn ihr vielleicht zwei Wochen fehlen und sie in einem völlig anderem Körper auftritt.

Ich stelle mir halt vor, dass man sich, wenn man diese Setting-Prämisse annimmt, im Spiel entweder in diesem Identitätskram verzettelt oder dann doch dabei landet, die Körper wirklich nur als Ausrüstung zu behandeln und die Implikationen des Forking, Morph-Wechsels und Backups wenn überhaupt viel seltener anspielt, als es durch das InGame-Geschehen eigentlich angezeigt wäre.

Ucalegon:

--- Zitat von: Rumspielstilziel am  7.11.2014 | 11:39 ---Die Beispiele für Stories mit Identitäts-Thema sind alle enorm interessant. Mein Problem mit EP: Wenn Egocasts bereits als Reisemethode mehr oder weniger Routine sind, dann gäbe es im Verlauf eines normalen Szenarios so viele Punkte, an denen man sich über diese Identitätsprobleme den Kopf zerbrechen müsste, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass man noch dazu kommt, andere Elemente des Settings/des SC anzuspielen, wenn man das Thema halbwegs ernst nehmen will.

--- Ende Zitat ---

Klar. Das Setting beabsichtigt sicher nicht, dass jeder Egocast/Resleeve zu einer existenziellen Krise wird. Man spielt (Biokon-SCs mal ausgenommen) transhumans, für die all das zumindest in die Nähe von Routine rückt, wenngleich immer noch unangenehm und mit verdrängten Ängsten besetzt (Alienation/Continuity-Tests). So wie das Setting geschrieben ist, hatten die meisten transhumans ohnehin keine Wahl als während des Fall zu egocasten, d.h. die Frage "Egocasting: Ja oder Nein" steht AF10 natürlich nicht mehr im Mittelpunkt. Es geht stattdessen um die Implikationen dieser Spielwelt-Realität - und da wird es dann dunkel bis zynisch.

Wenn man seiner Runde/sich selbst nun aber den Zwang auferlegt, Egocasting immer (quasi aus der Biokon Perspektive) als existenzielle Bedrohung zu behandeln, spielt man gegen Eclipse Phase as written und kommt nicht mehr zum Rest des Settings. Dass das allerdings, wie du sagst, unbedingt notwendig ist, um dem Thema gerecht zu werden, es "halbwegs ernst [zu] nehmen", sehe ich nicht. Vielleicht verstehe ich dich da auch falsch.


--- Zitat von: Rumspielstilziel am  7.11.2014 | 11:39 ---Da hätte ich das Ego-Thema lieber gelegentlich und dann richtig im Spotlight, und das geht eben besser, wenn es in dem Setting nicht Common Sense ist, dass man dauernd castet, forkt und zu Backups zurückgeht. Es ist ja nicht gesagt, dass man in einem Setting, wo der Morph-Wechsel kritisch betrachtet und von den meisten nicht unbedingt als direktes Fortleben des eigenen Ich verstanden wird, deshalb niemals auf ein Backup zurückgehen oder Forken würde. Aber für die meisten wäre es halt keine leichtfertige Entscheidung, so was zu tun. Und wenn dann der gleiche (selbe?) SC vom Backup in einem Klonkörper zurückkehrt, gäbe es für ihn und die anderen SC halt zumindest den Anlass, sich zu fragen, ob er jetzt die selbe Person, die gleiche oder nur eine ähnliche ist. Das scheint mir bei EP halt nach der offiziellen Settingbeschreibung erst mal nicht so zu sein - da wäre es für die meisten ganz normal, davon auszugehen, dass die Kontinuität der anderen Person gewährleistet ist, auch, wenn ihr vielleicht zwei Wochen fehlen und sie in einem völlig anderem Körper auftritt.

--- Ende Zitat ---

Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, was du meinst bzw. sehe nicht, wie sich EP da groß von unterscheidet.

Bei deinem Backup Beispiel fragen sich die SCs vielleicht, ob Klaus in seinem neuen Körper auch noch der echte Klaus ist. Aber am Ende wird doch auch weitergespielt, solange Klaus nicht plötzlich diesen merkwürdigen Glanz in seinen Augen hat. Dasselbe Spotlight hast du bei EP, wenn ein Backup von Karla sich plötzlich an merkwürdige Dinge "erinnert" oder Heinz nach dem Merge mit einem Alpha-Fork "ganz komisch wird". Continuity als offizielles Szenario befasst sich sehr intensiv mit der Backup-Problematik und im Settingmaterial wird angeregt, gerade Forking zu problematisieren. Wenn man Aussagen von Jack Graham oder Adam Jury berücksichtigt, ist es eher die "Shadowrun in Space mit Savepoints"-Fraktion, die das Setting nicht so ausschöpft, wie es beabsichtigt ist. Das Ganze ist also aus meiner Sicht eine Frage der Umsetzung im Spiel und nicht grundlegender Setzungen des Settings. Deswegen habe ich ja auch gefragt, was die Leute in ihren EP Runden in praktischer Hinsicht aus den Themen machen (würden).


--- Zitat von: Rumspielstilziel am  7.11.2014 | 11:39 ---Ich stelle mir halt vor, dass man sich, wenn man diese Setting-Prämisse annimmt, im Spiel entweder in diesem Identitätskram verzettelt oder dann doch dabei landet, die Körper wirklich nur als Ausrüstung zu behandeln und die Implikationen des Forking, Morph-Wechsels und Backups wenn überhaupt viel seltener anspielt, als es durch das InGame-Geschehen eigentlich angezeigt wäre.

--- Ende Zitat ---

Ich würde das umdrehen und sagen: Morphs sind (verdammt teure!) Ausrüstung, Backups macht jeder, Forks jeder Dritte. Die (oftmals nicht schönen) Implikationen eines solchen Settings im Spiel umzusetzen (unter der Prämisse eines roleplaying game of transhuman conspiracy and horror) ist die (auch regeltechnisch unterstützte) Aufgabe einer Eclipse Phase Runde [as written - wer das Ding anders spielen will, auch super].

Was du mit "durch das InGame Geschehen angezeigt" meinst, verstehe ich nicht. Wie gesagt, wenn ich einen Scum-Morphdesigner oder einen Oversight Auditor spiele, der nebenbei auch noch für Firewall arbeitet, zeigt mir das InGame Geschehen doch an, dass ich resleeven und forken sollte bis der Arzt kommt. Dass das Implikationen hat und nicht "Friede, Freude, Eierkuchen - wir leben in einer geilen transhumanen Zukunft und unsere Technologie ist auch ganz bestimmt nicht gefährlich oder so" herrscht, kann man, glaube ich, erwarten, wenn man EP gelesen hat.

Ucalegon:
Beim Rumblättern in Gatecrashing bin ich auf einen Absatz gestoßen, der mir bisher entgangen war. Themenrelevant, weil ein tolles offizielles Beispiel dafür, zu welchen Problemen die Backup-Praxis in EP führen kann. Könnte man glaube ich ohne weiteres auch praktisch einsetzen. Mit der Gruppe als ahnungslosen Backups oder ?angeblichen? Forks.


--- Zitat ---Templeton’s World (Terrestrial/M0V/Fissure and
Martian): Originally a Pathfinder colony thought
lost when the cavern housing it collapsed, the survivors
here defected to the Titanian Commonwealth
after regaining contact over a year later and finding
that under Pathfinder policy, their resleeved backups
were considered their legal selves and they, now
considered aberrant forks, had no civil rights and
were legal non-entities.

--- Ende Zitat ---

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