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Degenesis - Post-Eshatonische Zivilisation
Mithras:
Kleidung
Der Mensch des ausgehenden 26. Jahrhunderts kleidet sich pragmatisch in Stoffe die im rauen Klima Europas wachsen. Hauptsächlich kommen Hanf, Leinen, Flachs oder Wolle zum Einsatz. Die Schnittmuster haben sich über Jahrhunderte erhalten, man bekommt T-Shirts, Hemden und Hosen aus den verschiedenen Tuchen und wärmende Pullover und Mützen aus Wolle. Stabile Jacken und Anoraks aus Leder mit abnehmbarem Pelzeinsatz gegen die Kälte. Schuhe, Mokassins und Stiefel werden genauso aus den verschiedenen Ledersorten gefertigt wie Gürtel. Auswahl gibt es genug: Schwein, Schaf, Ziege. Handschuhe und Mützen aus Kaninchenfell runden das Angebot ab. Bedingt Wasserdicht wird das ganze durch einfetten oder wachsen. Sipplinge und so manche Schrotter tragen auch mittelalterlich anmutenden Tuniken.
Knöpfe werden aus Knochen, Horn, Holz und Metall verwendet und Schnallen sind üblich, Reißverschlüsse sind jedoch den jeweiligen Kulten vorbehalten die ihre Kleidung Staubdicht verschließen müssen. Spitalier verwenden sie für ihre Neoprenanzüge und werden aus vorhandener Kleidung getrennt. Wer ein Kleidungsstück mit Reißverschluss trägt muss es abgeben und kann es einige Tage später beim Spital oder dem örtlichen Vorposten wieder abholen. Anschließend muss man sich Knöpfe anbringen lassen. Klettverschlüsse sind so gut wie unbekannt, viel zu kompliziert ist die Technik sie zu fertigen. Färbemittel werden hauptsächlich aus vorhandenen Pflanzen gewonnen und sind eher gedeckt. Die besten und Farbenfrohen Kleidungsstücke sind Festlichkeiten vorbehalten, da werden sie auch mal zusätzlich mit Seife ausgewaschen. Ansonsten kann man sie zur Wäscherin bringen oder sie selbst im Waschzuber ausschrubben. Sauber werden sie so nicht, aber wenigstens der Schweißgeruch und Rauchgestank wird weggespült.
Die begehrten Kleidungsstücke aus Baumwolle oder gar Seide werden aus Africa und dem südlichen Teil Hybrispanias importiert. Die Fabriken in denen in Marokko, Tunesien, Lybien, Ägypten und der Türkei zu Niedriglöhnen Jeans und Designerkleidung genäht wurden verrichten auch jetzt noch ihre Arbeit. Aber jetzt werden für die hochwertigen und robusten Hosen, Jacken, Mäntel und Hemden Höchstpreise verlangt. Die Sipplingseltern und Sklaven bauen die Baumwolle an, ernten sie, bringen sie zur Fabrik der Neolybier wo sie dann zur Rohware verarbeitet wird und von den Kindern zur beliebten Lion-Jeans vernäht wird. Beliebt bei Schrotter, Richter und Hellvetiker! Erhältlich in Blau, Schwarz oder Flecktarn, mit Vier Taschen, Zwei seitlichen Cargotaschen und einer Halteschlaufe für Hammer, Machete oder Schraubenschlüssel. Wer den Preis in Wechsel oder in Tauschware zahlen kann erhält schicke Blusen aus Seide, dazu passende Schals, Kopftücher oder, besonders begehrt bei den wohlhabenden, Reizwäsche. Für die Reichen darf es auch mal ein Kragenbesatz aus Löwenmähne oder Gepardenfell sein.
Verzierungen und Sicherheitsmarkierungen werden mit Farbe oder Mustern aufgebracht, reflektierende Leuchtstreifen oder Flecken sind rar. Arbeitshandschuhe sind entweder aus Leder, Kettengeflecht oder Plattenhandschuhe aus Metall. Kevlar aus alter Motorradkleidung wird gern in mehreren Schichten zu Rüstungen umgenäht, manchmal dienen auch die Knie- und Ellbogenschützer als Rüstungsteil. Bau- und Motorradhelme finden ihre Verwendung als schützende Kopfbedeckung, noch ein Metallvisier dran und schon kann man es in den Schmelzöfen in Justitian einsetzen. Überhaupt sind alte Schutzanzüge der Polizei, Feuerwehr oder von Motorradkleidung die wertvollste Ressource für Schutzanzüge. Noch eine Schicht
Gummi aus alten Reifen draufgetackert und schon kann man sich dem heranstürmenden Klans im Kampf stellen. Gegen Regen hilft nur ein besonders dichtgewebter Umhang oder Mantel aus Filz oder Tuch. Wer viel Glück hat nennt eine alte gelbe oder grüne Regenjacke samt Latzhose mit passenden Gummistiefeln eines Fischers, Seemanns oder Hafenarbeiters sein eigen. Oder die Tauchkleidung eines Hobbytauchers. Aber vermutlich sind sie längst von Spitaliern konfisziert und zu Schützanzügen umgenäht worden. Dann freut sich der Bleicher in seinem Bunker darüber dass kein Spitalier dahin kommt oder der Schrotter wenn er ein altes Ladengeschäft damit findet.
Mithras:
Tierwelt
Wenn man davon ausgeht, das die Zootiere nach dem Einschlag von Pflichtbewussten Tierpflegern und Tierschützer befreit wurden, könnte es auch über Fünfhundert Jahre später noch kleine Populationen von exotischen Wildtieren in Europa geben. Von Berlin, Hamburg und Stuttgart aus, mit ihren großen Zoos, und den vielen Wildtierparks aus konnten sie sich zunächst ungehindert vom Mensch ausbreiten. Hirsche, Wildschweine, Füchse, Dachse, Waschbären und Bären teilen sich nun den Lebensraum mit Warzenschweinen, Wildpferde und -esel, Bisons und Gazellen. Strauße dienen als Fleischlieferanten, ob auf einem Bauernhof als Zuchttier oder in freier Wildbahn als Jagdbeute. Rentiere und Elche sind mit dem zunehmendem schlechten Wetter in den Süden gewandert. Giraffen, Zebras, Flusspferde und Elefanten brauchten zu viel Futter als dass sie in der folgenden Eiszeit überleben konnten. Die großen Raubkatzen wie Tiger, Puma und Löwe konnten nur vereinzelt genügend Beute machen, die ihnen von Hyänen, Kojoten, Schakale und Wölfen streitig gemacht wurden. Eisbären haben sich im Jagdverhalten ihren Vettern angepasst. Pflanzenfresser sind nur in kleinen Herden anzutreffen, generell hat mit der Nahrungsknappheit durch die langen Winter und den Jagden zur Fleischbeschaffung der überlebenden Menschen der Wildtierbestand stark abgenommen.
Horden von Menschenaffen haben sich ihre eigenen Reviere erobert; sie sind intelligent, anpassungsfähig, können begrenzt Werkzeug benutzen und Allesfresser. Aber durch die genetische Ähnlichkeit zum Menschen auch anfällig für Psychovoren. In Paris lauern die Alligatoren statt in der Kanalisation in den Sümpfen, die sie sich mit Störchen, Fischreihern, Pelikane, Flamingos, Biber und Fischotter teilen. Dazu kommen Würge- und Giftschlangen die längere Kälteperioden in einer Winterstarre überstehen. Die größte Gefahr geht aber, von Gendos abgesehen, von Rudeln verwilderten Hunden aus. Sie haben sich nach dem Tod ihrer Besitzer in den Jahren nach dem Eshaton zusammengeschlossen und durchstreifen die Reviere nach Futter. Dabei schrecken sie auch nicht davor zurück einzelne Menschen anzugreifen. Die meisten Vogelarten konnten relativ Problemlos überleben, die Zugvögel fliegen weiterhin nach Africa in warme Gefilde, Tauben, Spatzen, Raben und Krähen überleben von dem was ihnen die Natur noch bieten kann. Raubvögel wie Adler, Falken und Bussarde machen weiterhin Jagd auf Nagetiere. Meerschweinchen, Wasserschweine und Nutrias werden ihnen von Mardern, Wieseln und Wildkatzen streitig gemacht. Geier fressen die Überreste der Jagdbeute von anderen Jägern.
Mithras:
Unterkunft
Von den modernen Baustoffen die im Bauwesen verwendet werden, können in 500 Jahren nur noch die wenigsten Verwendet werden: Beton, Kalksandsteine und Backsteine. Dazu Mineralwolle, Hart und Glasschaumstoffe als Dämmstoff. Sämtliche ökologischen Dämmstoffe wie Hanf und Holzwolle werden bis dahin durch Verrottung, Schimmel und Nässe unbrauchbar sein. Selbst das allgegenwärtige Styropor zerfällt in die einzelnen Kügelchen, wenn sich das eindringende Wasser in die Zwischenräume festsetzt und durch Frost und Eisbildung die Bindemittel zerstört. Da gleiche gilt für Porenbeton, Bimssteine, und die Lochziegel die zum Einsatz kommen. Oberputze an der Fassade können die Bausubstanz eine gewisse Zeit vor Witterung schützen, aber wenn sie nicht regelmäßig erneuert werden, dann bröckeln sie ab und geben das Mauerwerk für Wind und Wetter frei.
Das bedeutet für die Post-Apokalyptische Architektur die Verwendung von beständigen Baustoffen die sie aus alten Ruinen noch bergen konnten oder selbst herstellen. Betonbruchsteine und Kalksandsteine werden aus bestehenden Gebäuden herausgebrochen oder abgetragen und neu vermörtelt. Backsteine und Ziegelstürze aus eigener Herstellung kommen zum Einsatz wenn keine Ruinen da sind. Dachziegel werden ebenfalls selbst aus Ton gebrannt, können aber auch noch von vor dem Eshaton stammen. Türen und Fenster aus Stahl, Aluminium und Kunststoffen können noch geborgen werden, das Glas darin ist meist zerstört. Es muss entweder neu eingesetzt werden, mit einer schlechteren Qualität als die Industriell gefertigten wärmedämmen Scheiben von Früher, oder man verwendet intakte Plexiglas- oder Acrylglasscheiben. Die Bandbreite reicht über Butzenglas über klare Fensterscheiben oder sogar Doppelverglasung. Bruchsicher ist nichts davon, aber man kann ja Eisengitter davor befestigen.
Lichtkuppeln und Bitumenabdichtungen sind durch Bewitterung zerstört, die Polyurethanschaumdämmung mit Aluminiumbeschichtung darunter kann man aber och zur Isolierung der Neubauten gebrauchen, ebenso Styrodur, Mineralwolle wenn sie Nässegeschützt war und Glasschaumplatten. Mineralwolleplatten kann man aus Tiefgaragen von der Decke reißen, sie sind nicht nur wärmedämmend, sondern auch Feuerfest und Schallisolierend. Heizungs- und Wasserrohre sind in einer Wand liegend, genauso wie Kabel. Sie überstehen die Jahrhunderte meist gut, wenn sie nicht durch Frost angegriffen werden. Mörtel, Ziegel und Zement waren schon den Römern bekannt und im Mittelalter konnte man mit einfachen Holzkränen und großen von Hand behauenen Steinen riesige Kathedralen bauen, die auch heute noch stehen. Nach dem hochmauern wird die Wand mit noch mehr Mörtel verputzt.
Viele Gebäude die mit den abgetragenen Steinen errichtet werden sind Mehrgeschossig, die Zwischenböden aus Stahlstreben oder massiven Holzbalken, teilweise aus großen Betonträgern. Die Statik wird aus jahrlanger Erfahrung vom Mauerermeister an den Lehrling und Gesellen weitergegeben; mit gemauerten Wänden lassen sich allerdings nur begrenzt Hohe Häuser bauen. Die meisten haben Zwei oder Drei Stockwerke. Selten kommen Motorgetriebene Kräne zum Einsatz, das meiste ist Handarbeit unterstützt von Flaschenzügen und Zugtieren. Das Dach wird dann eingedeckt, manchmal werden Well- oder Trapezbleche statt Ziegel verwendet, und gegen die Kälte mit Überresten von Glas- oder Steinwolle gedämmt. Die faserigen Stoffe werden von der Unterseite mit einer Plane aus Stoff oder Leder bespannt, damit sie nicht zwischen den Balken rausrutschen. Tuch überlappen und festnageln, fertig. Das Fundament wurde vorher aus großen Bruchsteinen, Schotter und einer Schicht Zement eben gemacht.
Treppenhäuser aus ganzen Betontreppen sind selten, weil die Elemente zwar noch vorhanden sind, aber sehr schwer. Der Transport, das hochheben und Befestigen an den Stockwerken ist zudem schwierig. Meist werden Holz- oder Metallstufen verwendet. Für Licht gibt es nur selten Strom, die einfachen Häuser werden mit Kerzen oder Petrolampen erleuchtet. Nur Spitalier und Chronisten können sich die Generatoren oder Solarzellen leisten und deren Betrieb aufrechterhalten. Undenkbar sollte ein Terminal ausfallen oder eine Operation bei Kerzenschein durchgeführt werden müssen. Wasser muss man vom Brunnen holen oder der mobile Wasserträger mit seinen kleinen Wasserfässern, auf ein Fahrzeug geladen, bringt es vorbei und schleppt es in die Wohnung. Geheizt wird mit einem Kachelofen, gekocht auf einem Gusseisernen Herd. Manchmal ersetzt der gute alte Kanonenofen beider. In Gaststätten gibt es dagegen offene Kamine an denen man sich aufwärmen kann. Kühlschränke sucht man vergebens, man lagert die Lebensmittel im Erdkeller. Das Mobiliar ist robust, praktisch, aus Holz oder, seltener, aus Metall. Betten werden aus Balken und Brettern gezimmert. Matratzen sind aus mehreren Tuch oder Leder mit Wolle, Hanf oder Flachs gefüllt. Kissen gibt es auch mit Daunenfüllung, wenn man es sich leisten kann. Sofas, bespannte Stühle und Sessel sowie Diwane sind Luxusartikel die aufwendig von Hand hergestellt werden.
Fußboden sind im Erdgeschoss aus Steinplatten oder Fliesen und darüber aus Holzdielen. Wer sich einen Teppich leisten kann, hat ihn oft vom Neolybischen Tuchhändler. Dieser verkauft Wandteppiche, Vorhänge, Baldachine und Fußbodenläufer in allen erdenklichen Qualitäten, Farben und Ausführungen. Er hat sie bei den Sipplingen in Borca, Franka, Pollen, dem Balkhan, Africa, Purgare und Hybrispania erstanden oder in seiner eigenen Fabrik fertigen lassen. Je nach Kultur und Kult können Möbel mit Schnitzereien verziert oder mit bunten Mustern bemalt sein. Gemälde sind äußerst ungewöhnlich, das Streichen der Wand dagegen üblich. In der Regel gibt es auf jedem Stockwerk ein Plumpsklo, wenn man Glück hat sogar mit einer Keramikschüssel.
Schneller und billiger ist natürlich das errichten eines Fachwerks und das Verputzen der Zwischenräume, die mit Metall- oder Holzgittern versehen wurden. Noch einfacher ist ein Rahmenbau mit Holzbretter oder Wellblech daran festnageln. Wer es stabiler möchte baut sich eine Blockhütte aus ganzen Holzstämmen.
Nur in Häusern der Wohlhabenden oder offiziellen Bauten gibt es fließendes Wasser aus dem Wasserhahn, ein WC und eine Warmwasserheizung. Dafür braucht man Strom, Pumpen, eine Wasserquelle, Wasserleitungen und jemand der sich damit auskennt. Für das Spital und die Alpenfestungen ist das jedenfalls der Standard.
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