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Plausible SF-Utopie

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Minne:

--- Zitat ---Was ich meinte, war, dass man eine Utopie im Sinne der Fiktion einer besseren Gesellschaft/Welt nicht schreiben kann ohne deutlich zu zeigen, was besser in diesem Kontext heißt. Da wird man sich unweigerlich mit Leuten anlegen ob das nun tatsächlich die eigene politische Meinung ist oder nicht.
--- Ende Zitat ---

Ich denke, dass du damit vollkommen recht hast, dass du damit sogar das wesentliche Merkmal utopischer Literatur triffst, nämlich, dass Utopien dazu dienen, den Maßstab zu thematisieren, anhand dessen wir unsere Gesellschaft bzw. deren Entwicklung beurteilen. Insofern: Entweder du schreibst eine Utopie und setzt dich damit der Kritik derer aus, die deinen Maßstab nicht teilen, oder du schreibst halt keine.

Eulenspiegel:
Man kann ja ein Werk schreiben und dabei offen lassen, ob es sich um eine Utopie oder Dystopie handelt.

Das bekannteste Beispiel dafür ist wohl Starship Troopers. (Den Roman! Nicht den Film!)
Es gibt Fans, die halten das für einen herrlichen utopischen Roman.
Und es gibt Fans, die halten das für einen herrlichen dystopischen Roman.

Ich glaube, Heinlein selber hat sich bedeckt gehalten und nie erläutert, ob es sich um eine Utopie oder eine Dystopie handeln soll.

Oder nehmen wir das Computerspiel Mass Effect: Ist Cerberus gut oder böse? Die Produzenten stellen zwar diese Frage, aber sie verzichten darauf, sie zu beantworten. Das muss der Spieler selber entscheiden.

blut_und_glas:

--- Zitat von: Ucalegon am 11.12.2014 | 17:42 ---Was ich meinte, war, dass man eine Utopie im Sinne der Fiktion einer besseren Gesellschaft/Welt nicht schreiben kann ohne deutlich zu zeigen, was besser in diesem Kontext heißt.

--- Ende Zitat ---

Eben dies. Deshalb ist meine erste Überlegung zu solchen Welten auch immer die, welche (gesellschaftliche) "Vision" dahinter stehen soll.

Und, um bei dem Beispiel zu bleiben, "eine Zukunft mit mehr Gentechnik!" taugt erst einmal als Vision nicht viel. "Eine Zukunft in der niemand Hunger leiden muss!" schon eher. Da kann meinethalben Genreis dann vielleicht Mittel zum Zweck sein, aber mehr eben auch nicht.

mfG
jdw

Galatea:

--- Zitat von: Eulenspiegel am 11.12.2014 | 21:44 ---Oder nehmen wir das Computerspiel Mass Effect: Ist Cerberus gut oder böse? Die Produzenten stellen zwar diese Frage, aber sie verzichten darauf, sie zu beantworten. Das muss der Spieler selber entscheiden.
--- Ende Zitat ---
Mass Effect beantwortet so einiges nicht, u.a. auch nicht ob die Reaper wirklich böse sind oder was mit einer Spezies passiert die zu Reapern wird (und ob das auf längere Sicht letztlich eine gute Sache ist oder nicht). Oder ob die Reaper nur intelligente Speicherplatformen sind oder doch transhumanistische Enitäten, die das Wesen und Wissen einer ganzen Rasse reflektieren.

Mal ganz abgesehen davon, dass der DLC über die Erschaffung der Reaper total bekloppt ist.
"Wir haben Probleme die KIs in unserer Gesellschaft zu integrieren, weil sie immer anfangen gegen ihre Erschaffer Krieg zu führen, was können wir tun?" "Hey, ich hab da ne Idee... lass uns eine riesige superintelligente Über-KI bauen, die wird das Problem schon lösen..."
Geeeeenau. Wer sich den Teil erdacht hat, sollte besser nie wieder irgendeine Story zu irgendwas schreiben.

Dabei liefert das Universum selbst schon so tolle Ansätze. Wo kommt die Biotik her. Wohin entwickeln sich die Spezies? Und was haben die Reaper damit zu tun? Mir würden da eine paar echt nette Auflösungen für den Gesamtplot einfallen, die den Spielern am Ende die "tolle" Wahl zwischen 3-4 echt fiesen Übeln lassen.

Eulenspiegel:
@ blut_und_glas
Man könnte halt auch visionslos einfach eine Extrapolation schreiben. Das heißt, der Autor stellt sich die Frage: "Was passiert, wenn sich Gentechnik überall durchsetzt?"

Und dann beschreibt der Autor halt positive Effekte der Gentechnik, aber auch negative. Er beschreibt diese Effekte nicht, weil er sie für gut oder für schlecht hält. Er beschreibt sie, weil er es für plausibel hält, dass diese Effekte entstehen.

@ Galatea
Ob die Reaper gut oder böse sind und ob es gut oder schlecht ist, zu einem Reaper zu werden, ist eine moralische Frage. Hier finde ich es gut, dass die Hersteller keine moralische Vorgabe geben, sondern es dem Spieler selber überlassen, dies moralisch zu bewerten.

Nach dem Motto: "Das ist der Status Quo! Ob er gut oder schlecht ist, entscheide selber."

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