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[SERIE] Marco Polo (2014)

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scrandy:
Hi habe gerade die Netflix-Eigenproduktion von Marco Polo durch und würde euch gerne etwas davon erzählen und anschließend mit euch darüber diskutieren.

Zum Trailer

Zusammenfassung:
"Marco Polo ist eine recht harte, erwachsene, ernste Historienverfilmung die den Aufenthalt Marco Polos in China am Hofe des Mongolischen Khans zeigt. Die Reise Marcos wird dabei nur im Pilotfilm thematisiert. Die restliche Serie spielt in China und behandelt den Aufstieg Polos im Dienste des Khans im Kontext des Krieges zwischen dem Khan und dem restlichen China. Es werden dabei sowohl Charaktere aus dem Hof des Khans als auch die des chinesischen Hofs gezeigt und viele kleinere Geschichten rund um viele Nebencharaktere erzählt. In dieser Hinsicht ähnelt der Erzählstil Game of Thrones. Darüberhinaus gibt es zahlreiche Schlachten, spektakuläre aber bodenständige Kung Fu Kämpfe und unverbrauchte intrigante Charaktere, die einen immer wieder überraschen können. Man könnte den Stil durchaus als "Game of Thrones" meets Kung Fu meets Kingdom of Heaven beschreiben.

Review:
Also ich bin generell sehr kritisch was Marco Polo als historischer Stoff betrifft, weil ich im Geschichtsstudium mal eine Hausarbeit über Marco Polo geschrieben habe und vergleichsweise viel über ihn weiß. Dass die Serie ursprünglich vom Softporno/Gewalt-Sender Starz in Auftrag gegeben wurde und erst später von Netflix übernommen wurde, hat mich ursprünglich zögern lassen die Serie zu schauen. Letztendlich wurde ich extrem positiv überrascht. Warum?

Zunächst mal: Ja die Serie versucht so ernsthaft und authentisch wie möglich zu wirken, was sie natürlich nicht ist. Der Teil der hauptsächlich erzählt wird, die Zeit die Marco Polo in China selbst verweilt, ist kaum irgendwo überliefert. Man muss sich also auf chinesische Aufzeichnungen stützen, in denen er selbst explizit nicht vorkommt (warum sollte man auch über einen Fremden was überliefern). Das heißt, sie müssen letztendlich nur den groben Rahmen und die Gebräuche bzw. das Visuelle glaubhaft zeigen ud haben in Detailfragen große Freiheiten.
Was erst mal seltsam wirkt ist der Platz, den Kung Fu in dem Film einnimmt und dass viel nackte Haut gezeigt wird. Das ist um so erstaunlicher, weil der restliche Film durch und durch ernsthaft wirkt. Dazu muss man sagen, dass es weder fliegende Kämpfer noch irgendwas wirklich unglaubwürdiges gibt. Die Choreografie der Kämpfe ist schlichtweg verdammt gut. Und ich muss insbesondere in späteren Folgen sagen, dass mir die Kung Fu Szenen ernsthaft gefehlt hätten, wenn man sie weniger spektakulär gemacht hätte. Was die Erotik betrifft muss man bedenken, dass dies erstaunlicherweise aus dem Tagebuch von Marco Polo entnommen wurde und der Khan tatsächlich einen bedeutenden Harem hatte und es zur Kultur gehörte dass dieser genutzt wurde (bzw. werden musste - Stichwort Männlicheitsbeweis). Es ist also nicht wie in anderen Starzserien, dass die Erotik aufgesetzt wirkt, sondern lediglich wenn angebracht auch ausgiebig gezeigt wird. Das ist letztendlich Geschmackssache, aber es hat mich zumindest nicht gestört.

Die Stärken der Serie:
Die Stärken sind ganz klar die Intrigen des Hofes, der sich immer weiter steigernde Plot, die hervorragenden Kulissen und natürlich der Kung Fu. Man wird hier ähnlich fiese Intrigen finden wie bei Game of Thrones, top of the Art Kämpfe und generell ein unheimlich geniales, detailverliebt gestaltetes Setting. Interessanterweise tritt Marco Polo selbst oft hinter den Nebencharakteren zurück und sowohl die sympatischen als auch die unsympatischen Charaktere blühen auf, entwickeln sich von Folge zu Folge und zeigen immer neue Facetten.

Die Schwächen:
Es gibt nicht viele. Was die Serie wie viele Komplexere Serien braucht ist definitiv eine längere Startphase. Wer die Serie nach dem Pilotfilm ablehnt, sollte mindestens zwei weitere Folgen weitersehen. Auch die Mischung aus Kung Fu und Historiendrama wirkt zunächt ungewöhnlich, weil es bisher kaum gemacht wurde. Man hat das Gefühl, entweder zu anspruchsvolle Story oder zu guten Kung Fu zu sehen (weil man es so nicht erwartet). Nach einer gewissen Eingewöhnung ergänzt es sich aber hervorragend. Vielleicht liegt es auch daran, dass hier westliche Drehbuchautoren auf östliche Choreographen treffen, dass es zunächst neu und fremd wirkt. Kung Fu Filme haben an sich ja eine andere Erzählweise.

Ich würde mir wirklich weitere Staffeln wünschen aber glücklicherweise ist der Hauptplot nach 10 Folgen abgeschlossen und es gibt nur einen kurzen Ausblick um was es denn in Staffel 2 gehen könnte. Somit macht die Serie auch dann Sinn wenn sie z.B. aus Kostengründen nicht fortgeführt werden würde. Ich hätte mir inhaltlich mehr zur Hinreise nach China gewünscht, vermute aber, dass das das sehr hohe Budget von 90 Milionen noch weiter gesprängt hätte, weil man für wenige Folgen neue Kulissen gebraucht hätte.

Fazit:
Unbedingt schauen wenn man:
- Kung Fu mag
- Intrigen mag
- Asiatische Historienfilme mag
- Anspruchsvolle Plots mag.

Alle 10 Filgen sind aktuell bei Netflix zu sehen (je 55 min). Die deutsche Synchro ist sehr gut gelungen.

Eure Meinungen und Kommentare:

Nocturama:
Als Sinologin bin ich ja bezüglich der Serie recht skeptisch, deshalb die Frage, ob mein absolutes No-Go getroffen wird: sind die Westler cooler und kompetenter als die Asiaten, vor allem im Martial Arts-Bereich?

scrandy:
Nein. Es gibt aber eigentlich nur drei absolute Kung Fu Meister: Einen blinden Mann, der Marco trainiert (mehr schlecht als recht), eine Frau aus dem Norden und erstaunlicherweise den Kanzler der Chinesen. Die übrigen sind zwar durchaus Kampfkompetent, drehen aber nicht so auf.

Marco Polo ist neben seinem Vater und Onkel (die nur zeitweise dabei sind) eher inkompetent, was das kämpfen betrifft und wird eher ausgebildet, damit er auf der Straße überhaupt überleben kann. Er arbeitet sich eher durch seine Schläue, Ehrlichkeit als neutraler Beobachter und seine Gabe akkurat und bildlich zu beschreiben seinen Weg nach oben, hat aber immer wieder Rückschläge einzustecken.

Die Asiaten rocken also. Und das sowas von.

Ich denke als Sinologin wirst du nicht so viel zu beanstanden haben (wenn du nicht den Anspruch wie im Interstellar Thread hast). Wie gesagt: Ich war sehr skeptisch und wurde sehr positiv überrascht. Insbesondere die späteren Folgen wurden immer besser. Abgesehen vom persönlichen Geschmack bewegt sich die Serie vom Niveau her auf Game of Thrones Ebene und ist Storytechnisch als auch vom Kung Fu her besser als mancher hoch gehandelter Film. Es haben immerhin Leute von "Tiger and Dragon" an den Kostümen gearbeitet und ein absoluter Marco-Polo-Narr hat das Drehbuch geschrieben.

Nomad:
Mir hat die Serie auch gut gefallen. Überrascht war ich, dass da tatsächlich praktisch nur asiatische Schauspieler durch die Gegend laufen. Auch wenn offiziell Marco Polo der einzige Europäer am Hof ist, hat mich das für eine amerikanische Serie doch sehr überrascht. Vor allem sind viele wohl auch keine englisch native speaker, zumindest haben einige einen doch sehr starken Akzent.

Ja, ja, die gute alte Zeit. ~;D


(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Das ist Yul Brynner als König Mongkut, ich habe nur kein besseres Foto gefunden.

scrandy:
Ich finde es ehrlich gesagt faszinierend wie wenig interesse es an der Serie gibt trotz dieser hohen Qualität. Ich hab sogar einige negative Kritiken gefunden, die der Serie Unentschlossenheit bzw. Unoriginalität vorwerfen. Das kann ich kaum nachvollziehen. Ich hatte nach den zehn Folgen eher das Gefühl, dass ich unbedingt weitergucken möchte.

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