Medien & Phantastik > Sehen

[SERIE] Marco Polo (2014)

<< < (2/5) > >>

Sin:
Ich habe zwar nur die ersten beiden Folgen gesehen, aber die fand ich so schlecht, und zwar in jederlei Hinsicht, dass ich sicher nicht weiterschauen werde. Die Kampfchoreographie ist mir als einziger Aspekt positiv aufgefallen - allerdings wirkten die bisherigen Kampfszenen genauso deplatziert wie die Erotikszenen. Ich kann Marco Polo auf keinen Fall in einer Reihe mit den hochwertigen Serien der letzten Zeit a la Gotham und GoT sehen, weit davon entfernt.

Die Dramaturgie der ersten Folge fand ich nahezu verstörend, Marco Polo erreicht nach einer Reise um die halbe Welt durch die tödlichsten Wüsten und am Himalaya entlang die Hauptstadt der größten Zivilisation der Welt und das erste was was dem Khan einfällt, ist Marco Kung-Fu beibringen zu lassen, damit er auf sich aufpassen kann und nicht im wilden China unter die Räder gerät - natürlich beim größten Klischee eines Kung-Fu-Meisters, das man seit den 70ern gesehen hat. Und das einzige was man von der Hauptstadt (das berühmte Xanadu? Hab schon vergessen, ob uns überhaupt gesagt wird, wie die Stadt heißt, müsste aber Kublais Sitz zu dieser Zeit sein, denke ich) überhaupt zu sehen bekommt, ist dann Kublais Harem: als Höhepunkt und Abschluss der Pilotfolge beeindruckt der größte Herrscher der Welt den venezianischen Sklaven und den Zuschauer mit einer geradezu lächerlichen Erotikszene. Wer aber mit der Darstellung der Hauptstadt Chinas nicht glücklich ist, soll unbedingt bis zur zweiten Folge warten, wenn die Hauptstadt des mongolischen Reichs, Karakorum, gezeigt wird...

Mir fällt auf, dass die Pilotfolge von GoT ebenso wie die von MP mit einer Sexszene endete: In GoT offenbart uns diese Schlussszene eins der größten Geheimnisse des Reichs, das allein das Potenzial besitzen könnte, das Reich ins Chaos zu stürzen. Die kurze Szene endet mit einem versuchten Kindsmord und legt den Grundstein für weitere große Entwicklungen (Konflikt und Hass zwischen Starks und Lannisters, sowie der Wendepunkt in Brans Leben, der ihn langfristig in seine spezielle Rolle führt), wie man es vom Abschluss einer ersten Folge erwarten mag; die Abschlusszene ist ein ziemlicher Schock, am Ende einer Folge, die bis dahin im Wesentlichen die Ruhe vor dem Sturm zeigen sollte.
In MP haben wir eine merkwürdige, nichtssagende Haremszene, vermischt mit einer Szene vom Kung-Fu-Meister der mit seiner Schlange spielt und Bildern von einer bevorstehenden Schlacht, die uns wohl verdeutlichen soll, warum es in der Serie geht: Sex, Pseudomystik und Kung-Fu, und tolle Schlachten, die uns aus Budgetgründen nicht gezeigt werden können.

Tele-Chinese:
Bin durch die erste Staffel durch. Mir hats zwar gefallen, aber wirklich gut ist die Serie nicht. Ich bin dabei geblieben, wegen dem Khan Thema

Quill:
Erstmal isses imho natürlich lobenswert, dass Netflix ein so großes Budget in die Hand nimmt, um eine weitere eigene Serie zu machen. Und dann auch noch mit einem historischen Thema - sehr gut.

Und vieles ist auch gut gelungen: Die Schauspieler sind durch die Bank gut bis sehr gut, die Musik ist großartig, die Optik beeindruckend, die Kampfchoreografien toll, die Ausstattung opulent ... und leider nützt das alles nix, wenn es am Drehbuch mangelt.

Es ist nicht so, dass die Serie schlecht wäre. Und ich werd mir auch die zweite Staffel angucken. Aber die Geschichte ist einfach nicht so gut erzählt, wie sie es hätte sein können. Es mangelt an der Dramaturgie, sowohl staffelübergreifend als auch in den einzelnen Folgen. Man versucht krampfhaft, in jeder Folge alle Figuren unterzubringen, so dass oft von Szene zu Szene gesprungen wird und nie wirklich eine Schwerpunktsetzung entsteht. Mit den vielen Personen am Hofe und der Handlung in der chinesischen Stadt, die parallel erzählt wird, hat man sich ganz klar bei Game of Thrones inspirieren lassen, dabei aber nicht den Mut gehabt, auch mal bestimmte Schauplätze oder Figuren wegzulassen, wenn eine Folge sonst zu überfrachtet wäre. So ist es leider so, dass die Folgen oft ein wenig dahinplätschern, wichtige Ereignisse werden entweder nicht gut vorbereitet oder zu schnell abgehandelt, nachdem man ewig drauf hingearbeitet hat. Ein paar Ereignisse sind auch ziemlich unrealistisch und undurchdacht, z. B.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Marcos und Thousand Eyes' erster Attentatsversuch auf den Kanzler. Klar, schickt den blinden Mönch und den einzigen Europäer im Umkreis von tausend Meilen, um unauffällig in eine Stadt einzudringen.
Auch die Charaktere wirken zu Beginn der Staffel alle gut durchdacht und gut gezeichnet, teilweise nehmen sie aber seltsame Entwicklungen, die ich nicht so ganz nachvollziehen kann.

Die ersten Folgen sind noch ziemlich gut, weil viel erklärt und aufgebaut wird, außerdem gibt es einige Folgen, die auch vom Aufbau her gut sind, z. B.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)die Folge mit dem Zweikampf zwischen Kublai und seinem Bruder am Ende.
Gegen Mitte der Staffel wird es dann langatmig bis absurd, die letzte Folge konnte mich dann wieder eher überzeugen, zumal man hier gesehen hat, wohin das Budget geflossen ist. Am Ende werden noch einige Weichen für Staffel 2 gestellt - die legt dann hoffentlich mehr Wert auf gute Drehbücher, denn alles andere wäre angesichts der tollen Schauspieler und der grandiosen Ausstattung der Serie ein Jammer.

Tele-Chinese:
Deiner Einschätzung würde ich folgen. Mir fehlt einfach das Drama zwischen den Charakteren. Optik und Schauspieler sind interessant bis gut. Aber es mangelt eindeutig an einer guten Story und noch besseren Drehbuchschreibern. Auch die Issues der einzelnen Protagonisten ist zu schwach bzw. nimmt dann seltsame Züge an. Das ist schade, weil es verschenkt ne Menge Potential. Vielleicht wird es in einer zweiten Staffel besser, aber im Augenblick denke ich nicht dass sie eine produzieren werden.

Quill:
Doch, doch, tun sie: http://www.serienjunkies.de/news/marco-polo-staffel-erhlt-64902.html

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln