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Herr der Ringe, Nationalsozialismus
6:
--- Zitat von: ChaosAmSpieltisch am 14.01.2015 | 17:32 ---Aber du reißt nicht nur dich damit in den Abgrund, sondern eventuell deine Geschwister an der selben Schule auch.
--- Ende Zitat ---
Kommt auf die Lehrerin drauf an. Ich hatte zumindest eine Deutschlehrerin gehabt, die wäre regelrecht verzückt gewesen, wenn mal Gegenwind bei den Interpretationen gekommen wäre.
ChaosAmSpieltisch:
Und mein Bruder wurde in Mathe von meinem ehemaligen Musiklehrer fertig gemacht, weil er bei mir eine Note von 5 auf 2 ändern musste, weil meine Antwort objektiv korrekt war, nur eben nicht das war, was er hören wollte.
Belphégor:
Ja, die Aufgabenstellung "interpretier dieses Buch und komme zu dem Ergebnis" ist vollkommen sinnlos. Entweder ich interpretierte ein Buch, dann komme ich aufgrund meines Hintergrunds zu einer bestimmten Lesart. Oder ich versuche Nachweise für eine bestimmte Auslegung zu finden, aber das ist dann keine Interpretation. Aber solche Deutschlehrer kenne ich auch, die nur die einzig wahre Interpretation zulassen - Enzensberger hat da mal eine bitterböse Kritik zu geschrieben. Aber das hilft dir im Augenblick nicht weiter, weil Lehrer ja von Berufs wegen immer Recht haben.
Meine Ansätze wären:
Saruman züchtet Orks, um einen überlegenen Ork zu züchten. Die Nazis versuchten ebenfalls, Übermenschen zu züchten.
Degeneration im Zeitverlauf durch Vermischung: Je mehr elfisches / numenorisches Blut jemand intus hat, desto mehr magische Macht wohnt ihm inne. Je dünner das Blut, desto weniger magische Macht. Das ist jedenfalls der "typische" Rassismus-Vorwurf gegenüber Tolkien.
Die Macht großer Führer: das Auge Saurons "sieht alles", darin kann man eine totalitäre Überwachung erkennen, wenn man möchte.
Ich vermute, deine Lehrerin bezieht sich auf Stephen Shapiro, der nach der Premiere der Filme genau diese Vorwürfe erhob, etwa im Spiegel: Rassismus im Herrn der Ringe?
--- Zitat von: Pyromancer am 14.01.2015 | 17:02 ---Eomer und seine Reiter, die einen hoffnungslosen Kampf gegen Sarumans Orks kämpfen = Polnische Kavallerie gegen deutsche Panzer zu Beginn des 2. Weltkriegs.
--- Ende Zitat ---
Argl, bitte lass dieses alte Gerüchte weg - beim Gefecht bei Krojanty griff die polnische Kavallerie keine Panzer, sondern Infanterie an.
HEXer:
Leute, dem Jungen rennt die Zeit davon, also bitte
:btt:
Etwas vage, aber immerhin:
- Der Dunkle Herrscher (Deutschland) wurde bereits einmal besiegt (1. WK), ist aber wieder erstarkt und muss erneut bekämpft werden (2. WK).
- Er hat seine volle Stärke noch nicht wieder erreicht (er kann nur "sehen", Saruman ist der nächste Schritt, der ihm eine Stimme verleiht). Er baut aber erneut armeen auf (vgl, Saruman und Uruk-Hai.
- Es gelingt dem Dunklen Herrscher, Saruman auf seine Seite zu ziehen (den Vorstand des "Clubs der toten Halbgötter") ebenso wie Hitler eine Audienz beim Papst bekam.
Jaja, ich weiß - alles an den Haaren herbeigezogen, aber das Thema hatten wir ja schon - und es ist ja fast 5 vor 12...
Skele-Surtur:
--- Zitat von: 6 am 14.01.2015 | 17:25 ---Mal ne blöde Frage: Was hat Tolkien und der Herr der Ringe mit dem Deutschuntericht zu tun? :o
--- Ende Zitat ---
Die gängige deutsche Übersetzung dieses englischen Buches ist sprachlich besser, als viele im Original deutsch verfassten Bücher?
Ich würde mal folgendes Gedankenkonstrukt in den Raum werfen:
Das Auenland und die Hobbits stehen als eine idealisierte Form des englischen Bürgertums und der englischen Landbevölkerung, als brave, gemütliche und fleißige Leute (mit kleinen, menschlichen Schwächen). Die Übername durch Saruman und Grima Schlangenzunge kann als eine Aufarbeitung der Invasionsangst Englands durch Hitlerdeutschland gewertet werden, in dem die Folgen einer solchen Invasion durchgespielt werden.
Das idyllische Auenland wird durch Sarumans Herrschaft zu einem trostlosen Ort, in dem die Hobbits ein angsterfülltes Leben im Arbeitsdienst fristen, stetig unter der Fuchtel von Kollaborateuren und Profiteuren, die in Zusammenarbeit mit dem fremden Besatzer ihre Landsleute unterdrücken.
Das zeigt natürlich, wenn man es unbedingt will, Parallelen zu den Zuständen im besetzten Frankreich.
Besonders clever ist das zwar nicht, aber was Besseres fällt mir gerade nicht aus dem Stehkragen.
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