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Eine Keule für Uneinheitliche Regeln!

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Edvard Elch:
Ich habe mir nur mal schnell den Charakterbogen angeschaut, dabei ist mir eine Sache ins Auge gefallen: Was möchtest du damit bezwecken, dass tendenziell (wenn man keinen Gebrauch von der Sonderregel macht) alle Attribute außer einem auf 2 sind?

First Orko:
Und wieder wird nicht unterschieden zwischen "komplex" und "kompliziert". Als Fan von eher schnelleren Spielen mag ich es auch gerne _mal_ etwas verregelter. Nur bitte keine vorgetäuschte Komplexität! Wenn nach dem Durchwälzen mehrere Regelbücher am Ende rauskommt, dass es sowieso nur eine handvoll Optionen gibt, die sinnvoll sind und der Rest ist schmückendes Beiwerk, nett zu lesen, aber unnütz im Spiel wenn der Charakter wenigstens ein bißchen was können soll - dann ist das Ding Schrott, egal wie viel unglaublich kreative Subsysteme und Spezialregeln drin sind.
Und das ist die Erfahrung, die ich mit DSA gemacht habe und als "Beobachter" bei DnD-Threads so wahrnehme: Bei kompliziert geschriebenen Systemen liegt der Spielspass in der Sytem Mastery - oder kurz: Wer viel Zeit reinsteckt, wird belohnt - weil er die Subsysteme miteinander kombiniert, Sonderregeln gezielt ausnutzt, eventuell Synergien erkennt, die man beim ersten Durchlesen einfach nicht sehen kann. Sowas hat mich schon immer beim Onlinespielen angeätzt, wenn einfach reiner Zeiteinsatz ohne spielerischen Mehrgewinn (Online: Grinden, Tischrollenspiel: System lernen außerhalb des Spielabends) dazu führt, dass man dann wiederum mehr vom "echten" Spiel hat.
Ein System kann komplex im Spiel sein, einfach weil vermeintlich simple Regeln zu vielen Optionen führen, die situativ ständig neu bewertet werden müssen! Savage Worlds ist da ein super Beispiel, vor allem weil es zu oft falsch (=nicht) verstanden wird: Die Regeln sind für sich genommen einfach und geradlinig - aber die Anwendung kann komplex werden, wenn man zBsp im Kampf abwägt: Umgebung nutzen (Bonus durch Deckung)? Oder besser verstecken und abwarten, was die anderen machen? (Initiativekarte zurückhalten), rücksichtsloser Angriff (Parade gegen Schaden tauschen), Fahrzeug nehmen (Bewegung vergrößern + Panzerung, ggf wechseln zu Fahrzeugregeln) - und das sind nicht mal alle Optionen! Und vor allem: Beim nächsten Kampf können sich die Gegebenheiten völlig geändert haben und andere Optionen sind sinnvoller.
Die Crux ist nur: Das lernt man bei SaWo am Spieltisch oft erst durch Schmerz, bzw Wunden, wenn ein SL mal die Möglichkeiten des Systems nutzt und man als Spieler gezwungen ist, sich die Optionen die man hat mal vor Augen zu führen und erkennt, wie die paar Regeln dann doch in erstaunlich komplexe Bewertungen der Situation ausarten können....

Und wie oft habe ich es in DSA gehabt, dass "realistisch" gesehen eine bestimmte Aktion sinnvoll wäre, aber die ganzen Spezialregeln mal wieder brechen und man es besser doch lässt weil man vor 25 Spielabenden bei der Charaktererschaffung nicht jede Situation und jede Sonderregel bedacht hat, die in den halben Dutzend Bücher verteilt sind - ach ja, und weil man den NoBrainer nicht erkannt hat, den man als Klasse Soundso nehmen _muss_ weil man sonst Dasunddas nicht kann... nee, lass mal.
Ich will einfach diesen Zeiteinsatz _vor_ dem Spiel _nicht_ liefern müssen, ich will am Spieltisch gefordert werden und dass meine Entscheidungen in der jeweiligen Situation gewichtig sind und nicht durch Planung über Jahre hinweg auf dem Charakterblatt eingemeißelt wurden. Und weil das eine Nebelkerze ist, wenn am Ende rauskommt, dass man die funktionellen Kombinationen _herausarbeiten_ muss, um am Tisch Spass zu haben. Und für mich ist Spielspass nunmal, keine regeltechnische Niete als Charakter zu haben und ich unterstelle mal, dass das für die meisten Spieler gilt.

Zusammengefasst: Komplex am Tisch - gern! Zeit reinstecken außerhalb, damit man überhaupt erstmal herausfindet, was das System will: Nee danke.

YY:

--- Zitat von: Orko am 15.04.2015 | 10:33 ---Sowas hat mich schon immer beim Onlinespielen angeätzt, wenn einfach reiner Zeiteinsatz ohne spielerischen Mehrgewinn (Online: Grinden, Tischrollenspiel: System lernen außerhalb des Spielabends) dazu führt, dass man dann wiederum mehr vom "echten" Spiel hat.

--- Ende Zitat ---

Grinden ist eine andere Baustelle - auch bei Onlinespielen gibt es "System Mastery" in der Form, dass man wissen muss, was die guten Optionen sind. "Verskillen" kann man sich da ja genau so bzw. noch viel schlimmer, weil dann obendrauf noch Zeit drin hängt, in der man diese untauglichen Sachen hochgegrindet hat.

Viele MMORPGs tragen dem mittlerweile Rechnung in der Form, dass a) die meisten Optionen ziemlich gleichwertig sind oder man wenigstens b) zu geringen Kosten jederzeit umskillen kann.

Und Letzteres wäre vielleicht auch ein guter Ansatz für ähnlich geartete P&P-Spiele...

Mein Problem mit solchen strategischen "System Mastery"-Ansätzen ist der Umstand, dass man damit genau einmal Spaß am Reinfuchsen hat (nämlich bei neuen Editionen oder Erweiterungen) und der Rest nur noch banale Ausführung ist.
Um so ärgerlicher ist das dann, wenn die Autoren selbst keinen Überblick (mehr) haben und die absurdesten Sachen dabei rauskommen.

First Orko:
Stimmt, die Skilltrees sind da der deutlich bessere Vergleich!

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)...mit schmerzhaft-melancholischer Erinnerung an meinen Diablo2-Barbaren (Stufe 79- Single/LAN) mit Hieb8 + Amok 12 oder so. Was halt dabei rauskommt, wenn man voher nicht Diablo gespielt hat, das erste Mal mit sowas wie nem Skilltree konfroniert wird und stoisch den ersten Charakter hochzieht  ;)

YY:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Da fällt mir auf:
Diablo 2 liegt lustigerweise genau zwischen meinen genannten Lösungsansätzen ;D
In Diablo 1 gab es keinen Skilltree und man konnte somit kaum was falsch machen außer das falsche Attribut zu steigern.
Diablo 3 lässt freies Umverteilen zu und hat gar keinen strategischen Spielereinfluss - Attribute werden automatisch gesteigert und Skills einfach je nach Stufe zur Nutzung freigeschaltet, nur die taktische Anwendung obliegt dem Spieler.
Aber bei Diablo 2 ist man total geratzt, wenn man nicht weiß, dass nur einige wenige, sehr spät erreichte Skills in irgendeiner Form zu gebrauchen sind...was bei Erscheinen natürlich auf alle Spieler zutraf  ~;D

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