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Übersetzungsklopse
KWÜTEG GRÄÜWÖLF:
Interessant, und ich habe mir jetzt vorgenommen, "ihretwegen" öfters zu benutzen ;D
Und das alles Ihretwegen, Herr Korknadel!
Feuersänger:
Pfft, in archaischeren germanischen Sprachstufen gehen wohin-Sätze mit dem Genitiv. Noch zu erkennen an englischen Wendungen wie "go to the butcher's", aber im Isländischen ist es nach wie vor die einzig gültige Standardformulierung, also zum Beispiel "Ich gehe zu meines Freundes". Ich weiß jetzt nicht ob das z.B. im Althochdeutschen auch so war, aber im Urgermanischen auf alle Fälle.
Edvard Elch:
--- Zitat von: korknadel am 30.04.2015 | 08:12 ---Im Fall von "wegen" ist das nur die Rache dafür, dass der Genitiv irgendwann mal den Dativ getötet hat. Das mit dem Genitiv nach wegen hat sich nämlich erst in der Neuzeit entwickelt (hab gerade keine Lust, das noch mal exakt zu recherchieren, ich meine seit dem 17./18. Jhd.). Davor stand nach wegen nämlich der Dativ. Ist ja auch viel eingängiger und eleganter mit Dativ, weil man dann auch auf so bescheuerte Konstruktionen wie ihretwegen etc. verzichten kann (was sowieso niemand sagt, selbst die Bessersprecher werden in den allermeisten Fällen "wegen ihr" und nicht ihretwegen -- und schon gar nicht "wegen ihrer" -- sagen ...).
--- Ende Zitat ---
Nach allem, was ich weiß (und was meine beiden etymologischen Wörterbücher – Pfeifer und Kluge – sagen), hat sich wegen aus der Konstruktion von X Wegen entwickelt, in der X im Genitiv steht und Wegen der Dativ Plural von Weg ist. Der Verlust des von beginnt im Spätmittelalter. Trotz hingegen hatte ursprünglich den Dativ und der wurde tatsächlich vom Genitiv getötet.
Feuersänger:
Naja, heisst ja auch trotzdem und nicht trotzdessen.
Das mit dem "von xGen wegen" klingt auch logisch. Erinnert mich gerade über diverse Ecken an das schöne Nynorsk-Wort "korleis", welches eigentlich ein stark verschliffenes "hvor ledes" ~ "welchen Weges" darstellt und schlicht "wie" bedeutet. ^^
Aber das führt jetzt schon ziemlich vom Thema weg.
korknadel:
--- Zitat von: Feuersänger am 30.04.2015 | 09:41 ---Pfft, in archaischeren germanischen Sprachstufen gehen wohin-Sätze mit dem Genitiv. Noch zu erkennen an englischen Wendungen wie "go to the butcher's", aber im Isländischen ist es nach wie vor die einzig gültige Standardformulierung, also zum Beispiel "Ich gehe zu meines Freundes". Ich weiß jetzt nicht ob das z.B. im Althochdeutschen auch so war, aber im Urgermanischen auf alle Fälle.
--- Ende Zitat ---
Klar, auch in älteren deutschen Sprachstufen gibt es noch viel mehr Verwendungen des Genitivs als heute. Aber es kann, wie im Falle von "wegen" halt auch andersrum gehen. Das ist ja alles im Fluss. Nicht zuletzt deswegen (demwegen) bräuchte man das alles auch gar nicht so ernst nehmen, solange es um so willkürliche Setzungen (Dativ/Genitiv mit wegen, wie/als bei Vergleich/Komparativ) geht, die weder das Sprachverständnis erschweren noch für inhaltliche Konfusion sorgen. Anders ist es da zum Beispiel beim standardsprachlich falschen Gebrauch von "scheinbar", weil ich da tatsächlich nur aus dem Kontext erahnen kann, ob tatsächlich "scheinbar" (=nur dem Anschein nach, aber eben nicht wirklich) oder "anscheinend" gemeint ist ...
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