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Übersetzungsklopse
korknadel:
Nochmal zum "Sinn machen". Es ist ja vollkommen wahr, dass diese Formulierung ein Anglizismus ist, und dass es ursprünglich "Sinn ergeben" hieß. Aber das ist eine willkürliche Konvention, dass es ursprünglich "ergeben" hieß und nicht "machen". Deshalb würde ich mich darüber nicht sonderlich aufregen. Im Gegenteil, ich begrüße "Sinn Machen" sogar, weil es eine viel griffigere, elegantere Formulierung als dieses umständliche "ergeben" ist. Wir sagen ja schließlich auch nicht, dass Rollenspielen Spaß ergibt, sondern es macht Spaß. Und genauso kann eine Sache auch Sinn machen.
Im übrigen wünsche ich mir Lessings Zeiten tatsächlich zurück, wo es noch keine Standardisierung gab, die letztlich dazu führt, dass man sich so schön abheben kann, wenn man den Standard drauf hat, dass man ein deutsches Sprach-Reinheitsgebot pflegen und die Blicker von den Nichtblickern unterscheiden kann und dabei aber den ganzen Reichtum an Grammatik und Vokabular zunichte macht, den unsere vielen Dialekte bieten. Kein Wunder schrumpft unser Wortschatz, da die Lektorate alles auf Einheitsbrei trimmen. Vor allem die Schweizer tun mir leid, die diesem Wahnsinn ja auch irgendwie unterliegen und belächelt werden, wenn sie "größer wie" sagen, bloß weil irgendjemand mal dachte, das müsse man vereinheitlichen und man dürfe nur noch "größer als" sagen. Freilich braucht die Schriftsprache mehr Regulierungen als die gesprochene Sprache, aber ich finde, wir übertreiben da viel zu sehr. Solange ein Text verständlich und gut lesbar bleibt, sollte man sich nicht an Dudenregeln aufhängen (und viele, mit denen ich zu tun habe, gehen ja noch weiter als der Duden, da wird dann auch realisieren im Sinne von begreifen als "böser Anglizismus" verdammt, auch wenn das selbst laut Duden und dem Kluge längst in die ach so verehrte Standardsprache eingegangen ist. Oder man darf nicht mehr schreiben: "der Zeitpunkt, wo ...", was laut Duden ausdrücklich erlaubt ist.)
Tanderadei ....
Karl Lauer:
Film: Blood and Chocolate
"Graphic Novel" als "gezeichneter Roman"
Teylen:
--- Zitat von: korknadel am 31.03.2010 | 14:08 ---Vor allem die Schweizer tun mir leid, die diesem Wahnsinn ja auch irgendwie unterliegen und belächelt werden, wenn sie "größer wie" sagen, bloß weil irgendjemand mal dachte, das müsse man vereinheitlichen und man dürfe nur noch "größer als" sagen.
--- Ende Zitat ---
Hm, die Schweizer sprechen doch eh kein Deutsch sondern Schwitzerdütsch.
Insofern sind die Frotzeleien der Deutschen ueber das Schweizerdeutsch fuer die Schweitzer so relevant als wenn sich die Deutschen ueber das niederlaendische lustig machen wuerden.
--- Zitat ---Freilich braucht die Schriftsprache mehr Regulierungen als die gesprochene Sprache, aber ich finde, wir übertreiben da viel zu sehr.
--- Ende Zitat ---
Du willst nich in das flaemische Belgien oder in die Niederlande.
Die machen naemlich, wenn ich meinen Sprachlehrer richtig verstand, etwa alle vier Jahre Rechtschreibreform. Wo dann alte Sachen eher raus fallen [alles auf ji anstelle auf gij - beides heisst "du"] oder veraendert werden oder eher merkwuerdiges eingefuehrt [a.u.b. als valide Abkuerzung fuer alstublieft auf deutsch "bitte"].
Woodman:
Schwitzerdütsch sprechen nur ein Teil der Schweizer, im französisch und itallienischsprachigem Teil lernen und sprechen die Hochdeutsch und verstehen ihre Eidgenossen genauso schlecht wie wir.
Minne:
--- Zitat ---Wir sagen ja schließlich auch nicht, dass Rollenspielen Spaß ergibt, sondern es macht Spaß. Und genauso kann eine Sache auch Sinn machen.
--- Ende Zitat ---
Vor allem sagen wir imho signifikant öfters x + y "macht" z als x + y "ergibt" z. Aber egal. Manche Leute müssen halt irgendwie ihre anale Fixierung ausleben oder zumindest ihrer Umwelt beweisen, dass ihr Germanistikstudium zumindest den Nutzen hatte, dass man damit seinen Mitmenschen mit Klugscheißereien auf die Nerven gehen kann.
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