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Übersetzungsklopse

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Dr.Boomslang:

--- Zitat von: Bluerps am  8.04.2010 | 21:19 ---In einer Folge Deep Space Nine redet ein Charakter über einen alten Film: "Burt Lancaster, standing there, in the middle of Pearl Harbor, machine gun blazing, shooting down those Zeros."
Deutsch: "Burt Lancaster, Frank Sinatra, die mitten in Pearl Harbor stehen, Maschinengewehrfeuer, und schießen alle diese Nullen nieder."

Gemeint war allerdings diese Null.

--- Ende Zitat ---
Das wäre wieder Kontext-Fail. Aber man muss auch bedenken dass solche Sachen in der Übersetzung manchmal absichtlich komplett geändert werden weil der Satz ja nachher für ein andere Publikum Sinn ergeben (oder Sinn machen ;)) muss. Das könnte hier auch so gewesen sein.
Der Fehler wäre ja hier nur dass man hätte wissen müssen das die "Nullen" Flugzeuge sind, also hätte man im Deutschen korrekterweise sagen müssen "schießen die Nullen runter" (anstatt down - nieder, down - runter). Das hätte aber kein Deutscher kapiert, d.h. man muss was ganz anderes sagen und die Abwandlung ist einfach ein nahe liegender Satz mit anderer Aussage. Das kommt aber bei Synchros häufig vor wo es nicht immer auf die Aussage, sondern auf Synchronität ankommt.

korknadel:
In dem Nuller-Beispiel hätte man sich vielleicht retten können, indem man den Begriff "Nuller" umschrieben hätte, sodass es jeder versteht, zum Beispiel die "japanischen Flieger/Bomber", keine Ahnung. Ist auch nicht so wichtig.

Nur dazu nebenbei gesagt etwas zu dem, was Jasper vor etlichen Posts zu den Arbeitsbedingungen von Übersetzern gemeint hat: Denn mit dem, was Dr. Boomslang hier angesprochen hat, haben wir ein gutes Beispiel für so etwas. Denn nicht nur wegen der Synchronität werden Bedeutungen manchmal geändert, sondern auch wegen des Publikums. Und da wird das dann eben auch in der Belletristik gemacht. Begriffe, Witze, Details, die in der Originalsprache jedem etwas sagen, die aber in der Zielsprache den meisten nicht  vertraut sind, werden von den Verlagen oft glattgebügelt, da die oberste Prämisse lautet, dem Leser keine Steine in den Weg zu legen. Und was auch total verboten ist, sind die "Anm. des Ü", die ich eigentlich sehr nützlich finde. Aber ganz gleich, welchen haarsträubenden Stuss der gemeine Konsument von Heyne, Goldmann, Bastei, Knaur, Lyx etc-Büchern zu sich nimmt, er darf um alles in der Welt nicht aus dem Text herausgerissen werden, indem man ihm klarmacht, dass da durch die Übersetzung eine zusätzliche Ebene in dem Quark drin ist. Deshalb hat man als Übersetzer gefälligst dafür zu sorgen, dass Verständnisbarrieren, die durch kulturelle Andersartigkeiten entstehen könnten, ausgeräumt werden. Deshallb könnte es auch in der Bellestristik durchaus vorkommen, dass man aus den "Nullern" lieber "Nullen" macht, bevor man sich die Mühe gibt, den Genossen zu erklären, dass so japanische Flieger hießen ...

Mittlerweile hat sich das teilweise gebessert, weil zumindest viele Amerikanisches zu uns durchgedrungen ist und sich mittlerweile die meisten etwas unter Letterman, Jock, QB u.ä. vorstellen können. (ich habe gehört, dass Letterman früher wohl mal als Gottschalk eingedeutscht worden ist, hihi.)

Bluerps:
Wegen der Synchronität ist vermutlich auch der gute Herr Sinatra in der deutschen Fassung in den Satz gerutscht, weil sonst nicht genug Text für den Sprecher dagewesen wär.

@korknadel: Ich kann mich erinnern schon Anmerkungen des Übersetzers gesehen zu haben, in einem alten Pratchett Buch (Die Nomen Trilogie, falls das jemandem was sagt). Da versuchten kleine Gnome was von den Menschen zu lernen und einer schließt aus einem Buch (sinngemäß) "Wir brauchen ein Gnu! Damit lassen sich alle Probleme lösen!". In der Anmerkung dazu stand dann, das der Gnom offensichtlich über einen Druckfehler gestolpert ist und in dem Buch eigentlich von einer "gun" die Rede war. Fand ich viel besser, als den Satz allein so stehen zu lassen, oder aber stattdessen "Wir brauchen eine Waffe!" zu schreiben.


Bluerps

Feuersänger:
Was ich eigentlich weiter oben zum Ausdruck bringen wollte: ich möchte vermuten, dass die meisten Zuschauer von Star Trek auch gewusst hätten, was mit "Zeros" gemeint ist. Übersetzung also unnötig.

Zu dem, was korknadel gesagt hat: ich find's auch schade, dass es nicht öfter einfach "Anm.d.Ü." gibt -- dass sie verpönt sind, wusste ich gar nicht. Ich habe z.B. letztens drei Bücher des Wächter-Zyklus von Lukianenko gelesen und die sind, soweit ich das halbwegs beurteilen kann, ordentlich übersetzt. (Ich kann kein Russisch und habe daher keinen Vergleich.) Aber da wird halt oft direkt auf die russische Kultur Bezug genommen, _ohne_ irgendeine Hilfestellung oder Anmerkung für ausländische Leser. Aber wenigstens wird nicht Baba Yaga durch Hänsel und Gretel ersetzt.

carthoz:

--- Zitat von: Feuersänger am  9.04.2010 | 10:09 ---Was ich eigentlich weiter oben zum Ausdruck bringen wollte: ich möchte vermuten, dass die meisten Zuschauer von Star Trek auch gewusst hätten, was mit "Zeros" gemeint ist. Übersetzung also unnötig.

--- Ende Zitat ---
Ich wage zu bezweifeln, dass hierzulande viele Leute etwas mit den Flugzeugtypen anfangen können, die den Amerikanern von den Japanern  im 2. Weltkrieg entgegengesetzt wurden. Da kannst du schon froh sein, wenn man überhaupt "Pearl Harbor" kennt. Der Pazifikkrieg dringt einem nicht so ins kollektive Bewusstsein, wenn man davon Tausende Kilometer entfernt ist. Ich wage sogar zu behaupten, dass Anspielungen auf deutsche oder englische Flugzeugtypen aus dem WK2 hierzulande nicht flächendeckend verstanden würden, mich eingeschlossen, wenn es nicht grad Fokker sind.

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