Medien & Phantastik > Sehen

Star Trek: Discovery - 2017[SPOILER!]

<< < (41/346) > >>

Mann mit Ukulele:
Eine Sache, die mir noch aufgestoßen ist, v.a. weil ich grad erst die entsprechende TNG-Folge gesehen habe: Klingonische Leichen sind doch eigentlich wertlose Hüllen.
Und jetzt gibts da plötzlich so einen Totenkult? Das hat mich fast am meisten gestört.

Was Inkosistenzen in der Handlung angeht muss ich mich mal ganz offen outen:
Mir fällt in 8 oder 9 von 10 Fällen nicht auf, wenns unlogisch ist. Mir wär z.B. die Inkonsistenz mit dem Brunnen nicht aufgefallen.
Wenns hier jemand schreibt, kann ich das schon nachvollziehen. Aber während es läuft, lass ich mich einfach mitreißen und denk über sowas nicht nach.
Und es fällt mir auch nicht einfach ins Auge.
Ich nehme mal an, dass ich da nicht der einzige bin; vielleicht spekulieren Drehbuchautoren da drauf? ^^

Ansonsten lässt sich - nach den zwei Folgen - sagen: Es gibt Licht und Schatten. Die Diskussion hat hier eigentlich alles genannt, was mir auch positiv oder negativ aufgefallen ist.
Ich werde in jedem Fall weiter kucken.
Und die ganzen Unker, die meinten "The Orville wird 100 mal mehr Star Trek sein als Discovery!" haben m.E. auch nicht wirklich recht behalten.

Niniane:
Die Klingonen fand ich komplett daneben. Die Maske erinnerte an Ferengi (sind den Klingonen zwischen Discovery und TOS in einer spontanen Mutation Haare gewachsen?), die Aussprache war grottig (und ich meine mich zu erinnern, dass die Klingonen von sich selbst nicht als "Klingonen" sprechen, so wie die Romulaner sich ja auch als "Rihannsu" bezeichnen. Kann aber sein, dass das Roman-Kanon ist) und die Optik war Stargate meets Warhammer 40k. Und die klingonische Mythologie wurde doch in TNG nun genug ausgeschlachtet.

Der Rest der Serie war cool.

Holothuroid:
Das klingonische Wort für klingonisch ist /thlIngan/. "Ich bin Klingone" heißt "thlIngan jIH".

Tatsächlich können wir davon ausgehen, dass die Romulaner Romulaner heißen, weil Klingonen sie "romulgnan" nennen. Einziger Grund für diese Koinzidenz kann sein, dass Hoshi in ENT:Minefield mit den Romulanern Klingonisch als lingua franca teilt.

Achamanian:
Mir hat's insgesamt gut gefallen; gestört hat mich, ähnlich wie YY, ein bisschen die Pseudodramatik von Michaels Entscheidung zur Meuterei - Burnham fliegt ihre Position ja einfach von Sareks Seite her zu, deshalb gibt es da keine nachvollziehbare Entwicklung eines Konflikts oder eines Dilemmas bezüglich des richtigen Vorgehens. Vom Pacing her fand ich die Schlacht mit den vielen Unterbrechungen auch etwas holperig.

Die neuen Klingonen finde ich klasse - so etwas hätte ich mir schon bei Enterprise gewünscht, dass die Klingonen endlich als das Auftreten, was sie nie (auch in TOS) nicht waren, als was sie im Rückblick von TNG aber immer wieder dargestellt werden: als gleichsam furchterregendes und kulturell schillerndes Kriegervolk. Da ich in Sachen Make-Up bei Star-Trek einer absoluten Laissez-Faire-Haltung anhänge und für Unterschiede bei Garderobe und Darstellung der Kultur nur zu gerne die Erklärung hinnehme, dass die Klingonen eben eine über mehrere Planeten verteilte und außerordentlich vielfältige Kultur sind, von der wir noch längst nicht alles gesehen haben (wer sagt also, dass es da im Totenritus nur eine Interpretation zum Status des Leichnams gibt) - ehrlich gesagt finde ich sie sogar einleuchtender als das Gefühl aus der TNG-Ära, dass alle Klingonen die gleiche Alu-Fell-Kombination tragen, die gleiche Frisur haben und (mit Ausnahme vielleicht von Worf) in Sachen Persönlichkeit die gleiche Mischung aus Wikinger-Suffkopp, Samurai und Teddybär sind.

YY:

--- Zitat von: Mann mit Ukulele am 28.09.2017 | 09:53 ---Eine Sache, die mir noch aufgestoßen ist, v.a. weil ich grad erst die entsprechende TNG-Folge gesehen habe: Klingonische Leichen sind doch eigentlich wertlose Hüllen.
Und jetzt gibts da plötzlich so einen Totenkult? Das hat mich fast am meisten gestört.

--- Ende Zitat ---

Ist mir auch recht deutlich aufgefallen, weil ich die Folge vor nicht allzu langer Zeit gesehen habe :)
Gar keine Form von Totenkult oder Begräbnisritus finde ich einerseits schon ziemlich fremdartig und andererseits passt es mMn gut dazu, dass die Klingonen u.A. Weltraumsowjets sind.
Das ist schon ein netter Kontrast zum sonstigen ritualisierten und tradierten Gedöns, das die so mit sich rumschleppen.


Jedenfalls sind die Klingonen einer der Punkte, wo man ziemlich deutlich merkt, dass es eben doch ein Reboot ist.
Die Erklärung mit den verschiedenen Klingonenkulturen ist bis jetzt ziemlich hanebüchen und wird es auch bleiben, weil man mbMn in der ganzen Serie keine "originalen" Klingonen sehen wird. Weder ihre Schiffe noch ihre Haltung noch ihr Aussehen.

Die Mischung aus religiösem Gedöns und Kulturprotektionismus als Motivation der Klingonen finde ich bislang eher missraten, zumal man für die Glaubwürdigkeit so einer Opferrolle ein armes unterdrücktes Volksstämmchen sein muss und kein souveränes Sternenreich. Aber da sich ja auch nicht alles nur um den Krieg mit den Klingonen drehen wird, soll es mir erstmal egal sein.


--- Zitat von: Mann mit Ukulele am 28.09.2017 | 09:53 ---Ich nehme mal an, dass ich da nicht der einzige bin; vielleicht spekulieren Drehbuchautoren da drauf? ^^

--- Ende Zitat ---

Die spekulieren da nicht nur drauf, sondern arbeiten beim neuen Serienstil ganz gezielt damit, solche Sachen mit entsprechenden Schnitten, künstlicher Hektik und schnell herbeigezauberten Nebenschauplätzen zu überdecken.

Ich bin da blöderweise relativ "empfindlich" in dem Sinne, dass mir so was ziemlich leicht auffällt* und bei den o.g. Erzähltechniken dann auch direkt die Warnlampe angeht und ich noch mehr aufpasse.

Das ist einer der Gründe, warum ich auf viele neumodische Serien so gereizt reagiere. Die ganze Welt überschlägt sich vor Begeisterung, wie clever die doch gemacht wären und wie gut alles zusammenpasst, was für ein Planungsgenie den Plot entworfen hat usw. und ich denke mir alle fünf Minuten "so ein hirnverbrannter Schwachsinn".
Richtig nervig ist das dann, wenn man die gleichen Plotverläufe mit geringstem Denkaufwand auch ohne das ganze Blendwerk hinbekommen kann.


*im Großen wie im Kleinen. So bin ich auch direkt über Sareks Satz gestolpert: "Der halbe Quadrant kann den neuen Stern sehen". Am Arsch :P Die Geschichtsinteressierten der nächsten Jahrzehnte und Jahrhunderte können sich irgendwann mal den neuen Stern ansehen  ;)



Dazu auch:

--- Zitat von: Rumpel am 28.09.2017 | 11:51 ---gestört hat mich, ähnlich wie YY, ein bisschen die Pseudodramatik von Michaels Entscheidung zur Meuterei - Burnham fliegt ihre Position ja einfach von Sareks Seite her zu

--- Ende Zitat ---

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Daran sieht man schön, wie sehr man der neuen Erzählweise schon verhaftet ist.
Da muss Frau Burnham auf einmal gaaanz dringend von der Brücke abtreten, um schnell mal mit dem Ziehvater zu reden und kommt dann auf der Brücke ganz steil mit dessen Aussage aus der Kurve, ohne zu erwähnen (oder ernsthaft gefragt zu werden), woher sie das auf einmal hat. Es ist doch kein Geheimnis, wie sie zu Sarek steht und es wäre überhaupt nichts dabei, das offenzulegen.
Stattdessen fängt sie ohne Not mit irgendwelchem "Vertrau mir!"- und "Wie oft habe ich in den letzten 7 Jahren falsch gelegen?"-Scheiß an, dreht dann unter vier Augen mit dem vulkanischen Nervengriff voll auf, zieht es dann aber wenige Sekunden später nicht mal richtig durch.
Das weiß die doch selbst, was diese Aktion für Folgen hat; wenn man so eine Entscheidung trifft, dann muss man auch alles daransetzen, dass man sie durchgedrückt bekommt.
Aber dann fängt sie auf der Brücke halbgares Verschleiern an in die Richtung "ich will nur vorbereitet sein, falls es nötig wird", statt viel mehr Druck zu machen.
Und am Ende kommt dann eben auch nichts dabei rum, obwohl es doch wesentlich dramatischer gewesen wäre, wenn sie den Angriff tatsächlich durchgeführt hätte. Dann hätte man nämlich die Frage offen gelassen, ob sie den Krieg angefangen hat und ob es eine bessere Lösung gegeben hätte.
So wird auf der Shengzhou alles eingefroren, der weitere Verlauf wird komplett von den Klingonen bestimmt und unterm Strich wird auf diese Weise ganz viel Potential mit dem Holzhammer herbeipostuliert und im nächsten Zug direkt wieder verschenkt.

Das sind genau die Erzählmuster, von denen ich auch weiter oben im Thread spreche.
Drama als Selbstzweck, aber nie richtig durchgezogen, sondern immer nur Hü und Hott in ständigem Wechsel.


Das Gespräch mit Sarek hätte man genau so in einer etwas unaufgeregteren Situation einbringen und den anderen Charakteren offenlegen können und wenn die Klingonen dann noch ein, zwei ambivalente Signale gesetzt hätten, hätte sich die Diskussion um die Vorgehensweise völlig nachvollziehbar ergeben und die Eskalation hätte wesentlich organischer gewirkt.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln