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Star Trek Beyond

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Yerho:

--- Zitat von: YY am  1.02.2016 | 18:28 ---Das Problem daran ist, dass zwar der Anteil gestiegen ist, aber das Ganze handwerklich nie im 21. Jahrhundert angekommen ist.

In Sachen Konzept und Umsetzung ist das in meinen Augen kaum über Kirks Dropkick und Rikers Axe Handle Blow aus dem Weltraumkarate-Handbuch hinausgekommen.
--- Ende Zitat ---

Nun, die "Marines", die später an Bord der NX-01 dabei waren, waren als kämpfende Einheit, die *zusätzlich* zur eigentlichen Schiffsbesatzung mitgeführt wird durchaus glaubhaft ... und stießen vielen Zuschauern auf, die das einfach nicht mit "Star Trek" verbanden. Meines Erachtens passte es aber zu der "Besser haben und nicht brauchen als brauchen und nicht haben"-Politik der Erde, bevor es eine Föderation gab und natürlich zur besonderen Situation, dass es gerade einen Angriff auf die Erde gegeben hatte.

Ansonsten fände ich es aber auch wenig passend, wenn die Rumpfbesatzung eines irdischen (Prä-) Starfleet-Raumschiffs aus Kampfsäuen bestehen würde, die in sämtlichen Schlagetottechniken brillieren. Die Besatzung heutiger Militärschiffe (Und Starfleet ist noch nicht einmal eine rein militärische Institution ...) hat auch nur eine eher rudimentäre Infanterie-Kampfausbildung und im Prinzip *gar keine* Hand-to-hand-Kampfausbildung, sondern bedient die Bord(waffen)systeme und bekommt im Notfall (Durchführung oder Abwehr eines Entermanövers, Aufnahme Gefangener etc.) 'ne Knifte, 'nen Helm und 'ne Weste ausgehändigt.

Wenn also ein Starfleet-Offizier mit einem bösen Buben im Clinch liegt, *können* die angewendeten Techniken gar nicht wesentlich über das hinausgehen, was man bereits als Kadett in Kneipenschlägereien angewandt hat - es sei denn, man hat einen anderweitigen militärischen Background (Siehe Tuvok an Bord der Voyager, der ja auch ein paar Besatzungsmitglieder kampftechnisch ertüchtigen sollte ...) oder sich intensiv privat angeeignet hat.

Wenn es darum geht, Peinlichkeiten zu vermeiden, ist es dann besser, dass über die Inszenierung zu lösen und bei den Basics zu bleiben, also auf die ohnehin unglaubwürdige Darstellung von Nahkampf-Expertise zu verzichten und im Zweifelsfall einfach mal einen - anzunehmenderweise gesunden und halbwegs sportlichen - Offizier ganz ungeschult oder bestenfalls semiprofessionell zuhauen zu lassen, als wäre er in einer Kneipenschlägerei. Das macht sich auf jeden Fall besser, als 1.) die Story so zu verquirlen, dass eine Starfleet-Crew plötzlich aus Nahkämpfern besteht und 2.) sämtliche Kampfszenen perfekt, aber im Kontext unglaubwürdig zu choreographieren.

Einem Offizier und Gentleman wie Picard kauft man es ab, dass er fechten und diese Grundkenntnisse auch auf exotische (z.b. klingonische) Waffen anwenden kann und auch seine klassischen Boxeinlagen waren - abgesehen vom (für TNG typischen) lächerlichen, weil einfach nicht dazu passenden zweihändigen Finishing Move - durchaus akzeptabel. Auch Archer hat in entsprechenden Situationen einfach mal ganz unprätentiös zugelangt.

Mehr muss echt nicht sein. Die Schiffbesatzung muss wissen, wie herum man einen Phaser hält: die Hauptfiguren können zusätzlich noch eine durchmischte Profession im Handgemenge aufweisen und wenn man's modernsieren will, dann hat man zusätzliche Raum(lande)soldaten an Bord, deren hauptsächliche Aufgabe es ist, Leute unterschiedlicher Spezies möglichst effizient über den Jordan zu schicken. Zum Ausgleich müssen diese dann aber auch rein gar nichts über die Systeme des Schiffes wissen, auf dem sie stationiert sind - außer vielleicht, wie im Brandfall die Handfeuerlöscher funktionieren. ;)

Talasha:
Bei ENT gab es ja die Makos die Nasse Arbeit da waren.

YY:
Fantomas, das sind zwei verschiedene Baustellen - einmal, was die Leute tatsächlich in der Fiktion können oder auch nicht, und zum Anderen, wie die Actionszenen rein handwerklich umgesetzt sind.


Dass Hauen, Schießen und Co. bei Starfleet nicht gerade oberste Priorität haben, ist ja ok.
Von der Warte aus gesehen ist es sogar fast genial, was die Leute sich von Anfang an im ab und zu gezeigten Training so abhalten - das zeigt perfekt, wie daneben das institutionalisierte Training ist und wie parallel von privater Seite aus rumgestümpert wird.
War natürlich niemals die Absicht - sogar ganz im Gegenteil - aber das macht es um so schöner ;D

Den Ären Kirk und Picard kann man da noch zugute halten, dass das ganze Thema damals schon rein inhaltlich von unglaublich viel ungeeignetem Schrott geprägt war und man als Außenstehender kaum eine Chance hatte, die paar Perlen zu entdecken.


Aber was die Konzeption und die filmische Inszenierung von Actionszenen angeht, ist ENT mMn eben auch nicht sonderlich weiter gekommen - auch wenn ich da keine sonderlich große sample size habe.
Da gibt es z.B. immer noch ausufernde Gespräche hinter der Deckung oder es wird zwar mal im laufenden Gefecht gebeamt, aber in so lächerlicher Form, dass man sich nur noch mit der flachen Hand vor die Stirn schlagen möchte.
Oder es wird eben technisch "fortgeschrittener" Kram stümperhaft dargestellt.


Allerdings stellt sich mir jetzt die Frage, wie viele Film- oder Serienbeispiele es gibt, wo die Leute in der Fiktion nicht sonderlich gut sind, aber das filmisch formvollendet dargestellt wird (einzelne Szenen in Saving Private Ryan und die Endgegnermookhorde in Way of the Gun vielleicht...).
Meistens bekommt man ja nur dann eine ansehnliche Kampfszene hin, wenn man weiß, um was es geht - und dann ist sehr schnell die Tendenz da, dass die Charaktere "zu viel" können.

alexandro:

--- Zitat von: Talasha am  1.02.2016 | 21:50 ---Aber der eine ist ein eiskalter Richter, der andere ein Kind auf der Suche nach seinem Papa.
--- Ende Zitat ---

Naja, "Richter" würde ich Nomad nicht gerade nennen - bzw. er ist soweit ein Richter, wie Robin Arryn ein Richter ist ("He is a bad man. I want to watch him fly!" - könnte direkt von Nomad stammen). Nomad ist ein bockiges Kind, mehr nicht.

Yerho:

--- Zitat von: YY am  6.02.2016 | 18:45 ---Aber was die Konzeption und die filmische Inszenierung von Actionszenen angeht, ist ENT mMn eben auch nicht sonderlich weiter gekommen - auch wenn ich da keine sonderlich große sample size habe.
Da gibt es z.B. immer noch ausufernde Gespräche hinter der Deckung oder es wird zwar mal im laufenden Gefecht gebeamt, aber in so lächerlicher Form, dass man sich nur noch mit der flachen Hand vor die Stirn schlagen möchte.
Oder es wird eben technisch "fortgeschrittener" Kram stümperhaft dargestellt.
--- Ende Zitat ---

Okay, dann habe ich dich hauptsächlich deshalb falsch verstanden, weil das nun wirklich kein typisches Problem von Star Trek ist, sondern praktisch beobachtbarer Usus in Film und Fernsehen. Natürlich ist es ziemlich spezifisch für Star Trek (oder zumindest für Serien-SF), wenn man sich vor einem lichtschnellen Energiestrahl in Deckung wirft, allerdings ist das auch nur die Steigerung des Blödsinns, wenn man dies bei einem bereits abgefeuerten Projektil versucht. Und dass die Deckung meistens aus leeren Plastikfässern besteht, die sicherlich weder einem Energiestrahl noch einer Kugel standhalten würden, ist ebenfalls nicht spezifisch für Star Trek.

Sprich, daran liegt es sicherlich nicht, dass Star Trek trotz veränderlicher Action-Anteile im Niedergang befindlich ist, denn in anderen sowohl mehr als auch weniger action-orientierten Formaten werden die gleichen Mängel damals wie heute auch vom Publikum akzeptiert oder sogar begrüßt.

Streiten könnte man sich daher auch darüber, ob es wirklich Mängel oder nicht doch eher Konventionen für bestimmte Formate sind. Ich finde dein Beispiel mit den ausufernden Dialogen in der Deckung so schön, dass ich es gleich mal aufgreifen möchte: Natürlich ist das grundsätzlich unrealistisch. Die Frage ist nur, ob Realismus überall passt. In einem realistischen Kriegsdrama erwartet und/oder akzeptiert das Publikum die Leerstelle bzw. hat selber das nötige Hintergrund(halb)wissen um sich zu erklären, warum die Charaktere jetzt meinetwegen ohne viele Erklärbärismen (Die ja eher den Zuschauer vorbereiten sollen ...) in einer zugespitzten Situation so gehandelt haben, wie sie es eben taten. Sie wissen, was etwaige taktische Zeichen bedeuten oder auch nur, warum die Charaktere eben nicht allzu lange in einer Deckung geblieben sind, obwohl diese zumindest in der Zweidimensionalität des Bildschirms einer Festung gleichkam.

Aber nicht nur bei Star Trek sondern auch bei etlichen Agenten-, Krimi- und anderen SF-Serien weiß der größte Teil der Zielgruppe nicht einmal halb, was die sinnvollste Handlungsweise ist, wenn man in einer Deckung unter Beschuss steht. Wenn da Captain A sich nicht kurz mit seinem IO abspricht, versteht kein Aas, warum die jetzt TTV machen oder gun blazing den Durchbruch wagen müssen. Kurz gesagt, viele Zuschauer lieben Feuergefechte und ihre Helden unter Beschuss, aber die Wenigsten wissen, wie man sich in einem solchen befindlich verhält und welche Optionen ihre Helden haben, aus der Geschichte halbwegs intakt herauszukommen.

Und jetzt wird's ganz kompliziert: Wenn man im echten Leben Leute ohne Kampferfahrung oder wenigstens eine umfassendere theoretische Kampfausbildung in der gleichen Situation hat, werden sich diese in ihrer Deckung ziemlich viel falsch machen. Damit wird es schon fast wieder realistisch, wenn Starfleet-Offiziere in Deckung ausufernde Dialoge führen - ganz abgesehen davon, welche erzählerische Funktion das außerdem hat.

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