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Star Trek Beyond

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Talasha:

--- Zitat von: Lichtschwerttänzer am 31.07.2016 | 12:04 ---Bei Krall  muss ich an die TOS Tradition von Gary Mitchell, Garth von Izarr, Kodos dem Henker etc. denken deren Motivation auch eher seltsam ist.

--- Ende Zitat ---
Ja, aber in den Filmen ist das nun schon der dritte Bösewicht hintereinander mit so einer merkwürdigen Motivation. Wenn wir Nemesis mit ein beziehen der vierte.

Yerho:

--- Zitat von: Kowalski am 31.07.2016 | 01:02 ---Damit ihn dann keiner mehr versteht???
--- Ende Zitat ---

Das dürfte so ziemlich auf die Zielgruppenproblematik hindeuten, die ich schon mehrfach (nicht nur) im Bereich Star Trek angesprochen habe: Offenbar sind Produzenten der Ansicht, dass man heutzutage das Publikum nicht überfordern darf - auch nicht mit Dingen, die ein Publikum mit deutlich weniger Informationsmöglichkeiten und kulturellem Abstraktionsvermögen bereits vor einem halben Jahrhundert problemlos verstanden hat.

Einfacher ausgedrückt: Bis um die Jahrtausendwende herum gingen die Produzenten von Star Trek noch davon aus, dass ihre Zuschauer die gleiche Auffassungsgabe haben wie sie selbst und durchaus nachvollziehen können, dass sich Menschen in der Zukunft und erst recht außerirdische Spezies anders verhalten könnten als heutige Menschen. Mehr noch, sie gingen davon aus, dass genau *das* ihre Geschichten interessant macht und sie haben lustvoll damit gespielt, die Menschen der Zukunft und/oder Aliens mit Situationen des heutigen Lebens zu konfrontieren oder ihnen heute gängige Charakterzügen verleihen - um aufzuzeigen, wie es anders sein kann und wo es gleich bleibt, obwohl man etwas anderes erwarten würde.

Inzwischen scheint es, dass die Umerziehung soweit fortgeschritten ist, dass sich selbst ganz normale, mindestens (!) durchschnittlich intelligente Rezipienten mit dem fiktiven und vermutlich gar nicht (in allzu großer Zahl) tatsächlich existenten "dümmsten anzunehmenden Zuschauer" solidarisieren und sich angewöhnen, auch die gröbste Vereinfachung zu akzeptieren und sogar noch zu verteidigen.

Sicherlich war es manchmal schräg, wenn beispielsweise ein Jean-Luc Picard auch in eindeutigster Lage noch seine höchsten, selbst für extreme Moralisten noch übertriebenen Prinzipien angelegt hat, die ein heutiger Captain eines (quasi-militärischen) Schiffs weder in dem Maße haben, noch in vergleichbaren Situationen anlegen würde. Es war aber auch immer die Frage, wie weit man mit diesen Prinzipien kommt und vor allem gab es eine Unzahl anderer Charaktere, deren Vorstellungen mit berücksichtigt wurden; beispielsweise wenn Worf doch eher einer aggressiven, militärischen Lösung zuneigte. Manchmal wurde er dafür abgewatscht, manchmal stellte es sich aber auch als richtig heraus, ein gesundes Misstrauen an den Tag zu legen und das Problem mit atavistischen Mitteln zu lösen.
Selbst die letzte Iteration des "alten" Star Trek in Gestalt von Captain Archer und seiner Crew war im Konflikt zwischen einem Menschen der Zukunft und einem Menschen von heute; und sie repräsentierten eine Zeitpunkt, der noch vor Kirk und Co. angesiedelt ist. Da wurde nachvollziehbar noch etwas häufiger "gehemdsärmelt" und der Maßstab einer Menschheit angelegt, die ihre ersten Schritte außerhalb ihres eigene Biotops wagt. Aber selbst hier wurde versucht, sich über das Begriffsvermögen und die Vorstellungen hinaus zu bewegen.

Das neue Star Trek lässt das alles vermissen. Gut, bisher sind es Kinofilme, keine Serien, und auch die früheren Kinofilme haben Situationen, Sachverhalte und das Gefühlsleben der Figuren gestrafft, um eine möglichst große Zielgruppe anzusprechen. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, denn schließlich muss sich eine Sache auch verkaufen, damit man sie fortführen kann. Trotzdem haben sich frühere Filme (Selbst diejenigen, die schon recht deutlich auf Action getrimmt waren ...) immer noch die Zeit genommen, wenigstens kleine Momente des Abwägens aufzuwerfen und die unterschiedlichen Charaktere Dinge so machen zu lassen, wie es ihrem Wesen entspricht. Das neue Star Trek wägt nichts ab und die Crewmitglieder bringen nur ihre spezifischen Fertigkeiten, nicht aber unterschiedliche Sichtweisen ein - wie auch, sie haben ja keine mehr.

Um ein zuvor gebrachtes Argument einmal anders anzubringen: Es ist Science Fiction. Da darf man erwarten, dass Dinge anders sind, nicht aber, dass sie so sind wie bekannt oder erwartet. Wenn etwas nicht sofort verständlich ist, dann hat Science Fiction schon einmal eine ihrer Zwecke erfüllt, nämlich den, Fragen aufzuwerfen. Diese auch zu beantworten ist nicht Aufgabe der Science Fiction, sondern die des Zuschauers. Es ist eine Herausforderung an das handwerkliche Geschick des Erzählers, dem Publikum das Verständnis der Frage zu ermöglichen und eventuell ein paar Lösungswege anzubieten, nicht aber die Frage zu beantworten - denn auf dem Gipfel dessen, was Science Fiction ausmacht, kennt der Erzähler die Antwort selbst nicht.

Generell sollte sich jeder genau überlegen, ob er damit argumentieren möchte, dass etwas Science Fiction ist. Wenn man eigentlich die Integrität dessen verteidigen möchte, was über die Leinwand geht, könnte man sogar zu dem Schluss kommen, dass es gar keine Science Fiction ist, sondern - beispielsweise - Fantasy mit Raumschiffen. Das macht es nicht schlecht, aber das Argument hat sich selbst ad absurdum geführt. Das nur allzu oft fahrlässig vergebene Label "Science Fiction" taugt weniger zur Rechtfertigung von Implausibilitäten, als dass es zu einer Tiefe verpflichtet, die das fragliche Werk allzu oft gar nicht besitzt, ungeachtet dessen, ob das so gewollt ist oder nicht.

Wulfhelm:

--- Zitat von: Antariuk am 30.07.2016 | 12:57 --- eine schlechte Sprachleistung als "es ist SciFi!" abzutun ist ja wohl die billigste Ausrede ever.
--- Ende Zitat ---
In der Tat, und nicht nur billig, sondern auch alt. Schon vor 30 Jahren haben u.a. Rollenautoren ihre verunfallte Fremdsprachenbenutzung in SF-Werken mit dieser lahmen Ausrede (die eigene Muttersprache ist übrigens auch Jahrhunderte in der Zukunft immer noch die gleiche) zu erklärifizieren, indem sie sich für ihre schlechte Recherche quasi zum legitimen Nachfolger von Anthony Burgess ernannt haben... 

Lichtschwerttänzer:

--- Zitat von: Nilpferd am 31.07.2016 | 13:02 ---Ja, aber in den Filmen ist das nun schon der dritte Bösewicht hintereinander mit so einer merkwürdigen Motivation. Wenn wir Nemesis mit ein beziehen der vierte.

--- Ende Zitat ---
Also ich kann Abrahams Khan viel besser verstehen, als Rodenberrys

@Buddy Fantomas

Picard war Entdecker und Diplomat, Soldat war er nicht.

Holothuroid:

--- Zitat von: Lichtschwerttänzer am 31.07.2016 | 13:20 ---@Buddy Fantomas

Picard war Entdecker und Diplomat, Soldat war er nicht.

--- Ende Zitat ---

Das dürfte der Punkt sein. So jemand würde heute nicht ranghoher Offizier im Militär.

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