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Ghost in the Shell-Realverfilmung

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Thandbar:

--- Zitat von: Babo Phet am 25.05.2016 | 11:36 ---
Wenn Asiaten ihre Figuren gerne europäisch erscheinen lassen, dann "deal with it".


--- Ende Zitat ---

Anime-Figuren sehen aber nicht europäisch aus, sondern wie Anime-Figuren. Unterschiede in den Gesichtsformen dienen in der Regel auch gar nicht der individuellen oder ethnischen Markierung, sondern sollen den Stil des Künstlers bzw. der Serie zeigen. in Vision of Escaflowne haben zB alle Figuren - recht untypisch - sehr lange und spitze Nasen. Das soll aber nicht zeigen, dass sie Langnasen, also Europäuer sind, sondern einfach ein besonderes Stilelement sein, woran man Escaflowne-Figuren sofort erkennt.
Umgekehrt haben Manga und Anime Mittel, Individualität zu kennzeichnen, die der normale, durch den Realismus geprägte Film so nicht hat: grüne Haare, blaue Schnurrbärte, violette Augen, graue Haare selbst bei Kindern etc. 
Man kann Mangas natürlich auch so verfilmen, indem man all diese Stilelemente 1:1 übernimmt. Das wird aber in der Regel nicht so gemacht, und ich vermute, dass auch Ghost in the Shell ein 'realistischer' Film sein will. 

Greifenklause:
Das ist halt von Anime zu Anime verschieden, das habe ich vielleicht nicht genügend unterstrichen.
Aber gerade bei Ghost in the Shell fällt der "europäische Stil" mancher Figuren insbesondere zu eher "asiatisch wirkenden" Figuren im gleichen Film halt auf.

Und gerade in diesem Anime (in anderen unter Berücksichtigung deiner Argumente uU nicht, klar) halte ich es dann für vertretbar, dies zu übernehmen, da diese "Pseudo-Multi-Ethnizität" gewollt zu sein scheint.

Zumal Ghost in the Shell ja am Rande Rassismus durchaus thematisierte, scheint es mir möglich (nicht zwingend), dass der Autor ein pseudo-multi-ethnisches Japan durch seinen Stil darstellen wollte oder zumindest in Kauf nahm.

Und man kann den Spieß ja auch provokativ umdrehen:
Wäre ein Anime, der in der Zukunft spielt, bei dem aber nur Japaner asiatischer Herkunft auftreten, nicht vielleicht ebenfalls rassistisch?

Eine zukünftige Gesellschaft ist grundsätzlich "gemischt".

Thandbar:
Die Originalvorlage soll ja im Jahr 2029 spielen, so weit weg ist diese Zukunft ja gar nicht.
Rein technisch gesehen könnte Kusanagi - weil: Cyborg - auch im selben Film von drei verschiedenen Darstellern gegeben werden, wenn mal ein Körper kaputt geht oder ein indisches Wirtschaftsunternehmen unterwandert werden soll.

Diese Rechtfertigungen auf der faktischen Ebene können aber ja nicht verschleiern, dass es am Ende wohl ein Film sein wird, der in einem asiatischen Land spielt und wo die Hauptfigur einen japanischen Namen trägt, diese aber von einer weißen Schauspielerin verkörpert wird und man asiatische Darsteller nur in Rollen von Nebencharakteren und komischen Personen sieht. Und das sehe ich von der Außenperspektive her (also ohne die innere Glaubwürdigkeit und ästhetische Geschlossenheit des Filmes zu beachten) schon als problematisch an.

Bei dem Dr. Strange-Film sehe ich das insofern ein bisschen anders, weil da die Rolle des "Ancient One" ja selber schon ein rassistisches Klischee ist, so eine asiatische Version des 'Magical Negro.'
Dass sie unter diesem Gesichtspunkt die Figur neu erfunden haben, finde ich insofern gar nicht schlecht; aber die Swinton-Lösung finde ich persönlich nicht so befriedigend. Ich müsste aber erst den fertigen Film sehen, um das richtig beurteilen zu können.

Irian:
Ich denke nicht, dass man Whitewashing als Thema betrachten kann, indem man sich jeden einzelnen Film ansieht, dann schaut, ob es irgendwelche Gründe gibt, warum es ausgerechnet bei diesem Film noch akzeptabel ist, nur um dann Whitewashing als Problem zu verneinen. Denn mit dem Argumentationsschema steht man am Ende da, hat z.B. 100 Filme, bei denen asiatische Charaktere mit weißen Schauspielern besetzt wurden, aber keinerlei Whitewashing-Problem, weil es ja in jedem Fall irgendwie rechtfertigbar war.

So ist es halt hier: Klar KANN man begründen, warum nun hier eine weiße Schauspielerin gecastet wurde, keine Frage. Aber es gibt keinen Grund, warum das zwingend notwendig gewesen wäre. Dementsprechend ist halt wieder so ein Film, wo das passiert. Das mag für den einen Film nicht schlimm sein, aber das große Bild macht es trotzdem nicht besser.

Anders herum: Wenn entsprechende Rollen von Hollywood besser verteilt würden und nicht die Mehrzahl der Protagonisten für internationale Filme weiße Kerle wären, wäre ein einzelner Film, bei dem es halt so ist, auch kein Problem mehr.

Wulfhelm:

--- Zitat von: Babo Phet am 25.05.2016 | 11:58 ---Aber gerade bei Ghost in the Shell fällt der "europäische Stil" mancher Figuren insbesondere zu eher "asiatisch wirkenden" Figuren im gleichen Film halt auf.
--- Ende Zitat ---
Wem?


--- Zitat ---Und man kann den Spieß ja auch provokativ umdrehen:
Wäre ein Anime, der in der Zukunft spielt, bei dem aber nur Japaner asiatischer Herkunft auftreten, nicht vielleicht ebenfalls rassistisch?
--- Ende Zitat ---
Hm, nö?


--- Zitat ---Eine zukünftige Gesellschaft ist grundsätzlich "gemischt".
--- Ende Zitat ---
Unwahrscheinlich, insbesondere in diesem Falle. (Also, natürlich werden auch im Jahre 2029 oder 2056 Weiße in Japan leben... aber aller Voraussicht nach ungefähr im gleichen Maße wie heute, d.h. praktisch keine.)

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