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Blade Runner von Philip K. Dick.

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Kowalski:
Sowohl im Film wie im Buch steht offen ob Deckard nicht auch ein Androide ist.
Das deckt sich z.B. mit Total Recall wo auch offen ist ob Douglas Quaid nur Urlaub in der Traumkabine macht oder tatsächlich Hauser ist und auf den Mars zurück kommt.

WAs für mich eine der Faszinationen ausmacht ist das seine Bücher immer sehr subjektiv sind und Interpretationsspielraum nicht nur zulassen sondern als eine Grundprämisse haben.

Urias:
Also ich kann die Bewertung irgendwie nachvollziehen aber teile sie garnicht. Ich bin persönlich großer PKD Fan und hab dementsprechend einiges von ihm gelesen. Den Schreibstil hab ich dabei als herrlich unkompliziert empfunden ohne auf der inhaltlichen Ebene schwach zu werden.

Was man halt bei ihm echt merkt ist, dass seine Ideen stark durch seine Drogenerfahrungen geprägt sind. Das macht für mich auch einen der Reize an seinen Büchern aus. Ein weiterer Punkt der ihn für mich besonders stark macht ist seine Beeinflussung durch die Philosophie, was sich besonders in den grundlegenden Thematiken seiner Bücher welche von anthropologischen Fragestellungen zu abstraktester Metaphysik reichen. Die Science Fiction Elemente und die Welten um die herum das eingebettet ist sind für mich da wenig zentral. Gerade was die Welten in welchen die Romane spielen betrifft ist er zeitweise irgendwie wirr oder erklärt wenig genaueres. Da muss man sich viel selber zusammenreimen oder einfach mal hinnehmen (Hab grad "Die drei Stigmata des Palmer Eldritch" gelesen wo mir das wiedermal stark aufgefallen ist). Macht mir aber wenig.

In meinen Augen dienen die Charaktere bei PKD primär dazu Dinge zu hinterfragen und der Plot fungiert dementsprechend als Katalysator für diese Fragestellung, welche über den Charakter dann auch den Leser beschäftigen soll. Demnach denk ich auch, dass man eine gewisse philosophische Ader haben muss um das ganze wertzuschätzen. Und genau hierin seh ich auch die vielen offenen oder verwirrenden Enden bei Dick erklärt: Die aufgeworfenen Fragen kann man nicht gänzlich beantworten. Was natürlich nicht heißt, dass sie es nicht wert sind gestellt zu werden. Ganz im Gegenteil. Nur weiß Dick das. Deswegen weiß Deckard auch nicht ob er jetzt Android ist oder nicht. Gleichzeitig wissen weder Aktor (oder wie der Hauptcharakter aus "Scanner Darkly" nochmal hieß) noch der Leser am Ende gänzlich bescheid über die Identität des Protagonisten.

Zu Blade Runner selbst kann ich jetzt grad leider wenig sagen, da es schon einige Zeit her ist. Ich persönlich finde aber die aufgeworfene Fragestellung nach der Natur des Menschen und den Bedingungen des Menschlichseins sehr interessant. Gleichzeitig seh ich das im Universum aufgestellte Theorem, dass es Empathie gegenüber dem Leben ist als eine, die durchaus eine potentiell teilbare ist (ob dem so ist ist eine andere Frage).

Kurz und knapp: Es gibt sicherlich Gründe warum man PKD und seine Bücher nicht mag aber schlecht sind sie definitiv nicht. Sie sind halt sehr speziell. MIr jedenfalls ist sein Stil lieber als jede "harte" Science Fiction die mich mit wissenschaftlichen Fakten erschlägt.

Dreamdealer:
Vielen Dank an alle für die ausführlichen Antworten, ich hatte schon befürchtet einen Ausbruch von NerdRage TM auf mich zu ziehen.
Kust ist einfach vielseitig und muss nicht von jedem gemocht werden. Meine Erwartungshaltung war halt einfach eine andere und
habe es mit den Augen der jetztigen Zeit gesehen, was früher visionär war, kann ich heute nicht mehr sagen. Was andere gut finden
(ist er zeitweise irgendwie wirr oder erklärt wenig genaueres) finde ich eher störend. Aber vielleicht hat das Buch durch euch nun
doch noch ein zwei Pünktchen wett gemacht.

LushWoods:
Man darf manche Autoren oder Regisseure nicht nur nach ihren handwerklichen Qualitäten beurteilen.
PKD, Tolkien, Lovecraft ... das waren nicht unbedingt qualitativ herausragende Schriftsteller, aber man muss bei solchen Leuten immer bedenken was sie da geschaffen haben.
Manche Werke gehen einfach über "das ist jetzt gut geschrieben" hinaus.
Desweiteren sollte man immer die Zeit im Auge behalten in der etwas geschaffen wurde. Oder ob etwas das erste seiner Art ist.
Manche "Erschaffer" stehen einfach über normalen Betrachtungsmethoden.
Ich liebe Lovecraft, aber er war nicht unbedingt ein besonders guter Schriftsteller. Andere Mythosautoren waren/sind rein handwerklich besser.
Aber das spielt eigentlich gar keine große Rolle.

Köstlich immer wieder diese Hobbykritiker (hier und woanders) die mit Phrasen kommen wie:
"Lovecraft, so ein Scheiß, das is ja gar nicht gruselig."
"Tolkien, was soll denn der langweilige Mist, wo sind die Feuerbälle, das is ja gar keine richtige Fantasy."
"Alien 1? Boah is der lahmarschig, der 4. Teil is doch viel besser gemacht. Mehr Aliens, bessere Tricktechnik."
usw

Solche Leute haben's einfach nicht kapiert und werden das auch nicht.
Was nicht heißt das ich jetzt den Eingangspost falsch oder schlecht finde.
Wenn ich mir Bladerunner ansehen und das Buch rein nach schriftstellerischer Qualität beurteilen sollte, dann würde ich auch nicht viele Punkte vergeben.
Wenn ich mir das Buch als Gesamtkunstwerk ansehe und mich an seine Bedeutung erinnere, dann kommt da ganz was anderes dabei heraus.

Boba Fett:

--- Zitat von: LushWoods am 12.05.2016 | 12:34 ---"Alien 1? Boah is der lahmarschig, der 4. Teil is doch viel besser gemacht. Mehr Aliens, bessere Tricktechnik."
--- Ende Zitat ---

Vorsicht! Alien 4 ist von Joss Whedon und die Crew des Transportschiffes ist eine Rohfassung der Firefly-Crew...
;)


--- Zitat ---Solche Leute haben's einfach nicht kapiert und werden das auch nicht.
--- Ende Zitat ---

Naja...
Die Romane sind immer noch Unterhaltungslektüre - und damit sollten sie als allererstes unterhaltsam sein.
Wenn sie das für die meisten Konsumenten nicht oder nicht mehr sind, dann sind sie es nicht.
Sicherlich kann und sollte man ihren visionären Charakter und die Einflüsse auf vergangene Zeiten und den früheren Unterhaltungswert hinweisen,
das macht das Buch aber nicht unterhaltsamer oder zeitgemäßer.

Der Sony-Walkman war auch ein Quantensprung, aber deswegen hole ich ganz bestimmt nicht die alten leiernden Kassetten vom Speicher und lausche dem auf dem Weg zu Arbeit.
Da ist mir mein Smartphone und mein Bluetooth Kopfhörer einfach unterhaltsamer.
Die Kassetten hab ich eh längst entsorgt und den Walkman auch.

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