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Ghostbusters 2016

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D. M_Athair:
Wollte ich zuerst dort kommentieren. Mache ich nun doch lieber hier.
ACHTUNG: Zum größten Teil ist es ein "soziologisch begründeter Rant" geworden!


Liest sich so, als ob der Film genau gar nichts richtig macht!

Jedenfalls scheint nichts davon vorhanden, was das Original besonders machte:
Die Hauptfiguren gehörten zur gesellschaftlich marginalisierten Gruppe der Nerds. Die Witze entsprangen einem launig-schiefen Humor, der zu keiner Zeit laut, schrill oder durchgeknallt war, sondern gerade in seiner scheinbar harmlos-massenkompatiblen Art zu treffen vermochte. Arbeiter-, Dienstleistungs und universitäre Welt der 80er wurden auf krude, bodenständige Weise verbunden. Lächerliche Romanzen, flach-kreative Science Fiction, schnodderige Action und die Persiflage der Esoterik und ihrer hysterischen Gegner wurden auf kreative Weise verbunden.

... an vielen Stellen wirkt das, was ich von dem Ghostbusters-Remake gesehen und gelesen habe, wie ein langweiliger Anachronismus, der nichts vom Geist des Originals in die heutige Zeit transportieren kann.

Die Idee die Ghostbusters durch Frauen und die Sekretärin durch einen Mann zu ersetzten wirkt komisch.
Mehr durch die Umsetzung der Idee als grundsätzlich. Rollenbilder und Stereotypen werden schlicht geschlechtgewandelt.
Das wirkt so, als ob sich der Film irgendwo einen winzigen Pin an die Brust heftet "Feminismus - find ich gut", davon aber inhaltlich nichts rüber bringt, weil es auf der Vorderseite vom Fanboy/girl-ismus für den alten Film geprägt ist und auf der Rückseite groß die Werbeanzeige "Sony beglückt". Problematisch an der Geschichte: Die Ghostbusters waren Identifikationsfiguren für eine Generation von (auch marginalisierten) jungen, v.a. weißen Männern und Jungs. Insofern wirkt die Entscheidung, sie durch Frauen zu ersetzen, irgendwie auch bzgl. des "Geschlechter- und Kultur-Kriegs" wie "Öl-ins-Feuer-Gießen". Oder besser: Es scheint keinen nachvollziehbaren Grund für die "Geschlechtervertauschung" zu geben. Gerade deswegen wirkt es irgendwie auch wie Hohn. Wären die Hauptfiguren Kinder oder Verwandte der originalen Ghostbusters und der Plot eine Art "Deja-Vu"-Erlebnis, wären viele Probleme umschifft worden - auch jenes, dass die "Hautfarben-Frage" der Hauptfiguren im Film für heutige Verhältnisse unglücklich gelöst ist. (4 Weiße, eine Schwarze - quasi wie im Original. Hispanics, Native American, American Asian - Fehlanzeige!)


Anders gesagt:
Der Film wirkt wie eine harmlose, unterhaltsame Popkorn-Kino-Veranstaltung und spielt dabei dumm-naiv mit Fettnäpfchen, wie ein kleines Kind mit Pfützen.


Fazit:
Lieber Doctor Who schauen. Die Serie und die Kinofilme haben mMn in jeder Hinsicht mehr zu bieten als dieser Remake.
Dieser Film wirkt seinem Kontext entwurzelt und verzichtet vor lauter Huldigung des Originals auf eigene gute Ideen.

You may discuss. Aber bitte nicht in den SC schießen! Danke.
Gerne lese ich auch euere Einschätzungen hier.

Teylen:
Wo konntest du den Film sehen? Nach meiner Info startet er erst in zwei Wochen.
Hatte es vor kurzem erst nachgesehen weil ich den Film. Hauptsächlich weil ich ihn, nach den bisher überwältigend positiven Berichten aus meiner fB Timeline, gerne sehen würde.

Hinsichtlich des Rant erscheint er mir nicht soziologisch begründet sondern persönlich, emotional.
Es ist korrekt das der erste Film eine für solche Filme eher untypische Wahl an Schauspielern traf sowie Charakterisierungen. Die Schauspieler waren von der Figur her keine Actionhelden und die Charaktere waren eher untypisch. Das heißt man hatte Ingenieure, Wissenschaftler, jemand mehr oder weniger normalen und halt Venkman. Innerhalb einer unterhaltsamen, actionreichen Geschichte rund um Geister.

Daneben hatte der Film allerdings durchaus ein paar Herausforderungen an den Zuschauer.
Nicht nur das Venkmans Verhalten gegenüber den weiblichen Figuren mitunter auf der Geschmacks/"In Ordnung"-Skala eher grenzwertig ist. Der Film bietet eine Projektionsfläche für männliche Zuschauer die sich eher in der Nerd, Geek, Normalo oder Außenseiterrolle sehen ignoriert dabei weibliche Zuschauer jedoch weitestgehend vollständig.
Das heißt wo der von dir verlinkte Comic "Darker Dungeons" von Jack T. Chick durchaus Menschen weiblichen Geschlechts zugesteht aktive Nerds, Geeks zu sein und sogar mehrere weibliche Figuren mit Namen hat die miteinander sprechen, blendet Ghostbusters weibliche Charaktere als Handlungsträger weitestgehend aus. Die Figuren sind entweder schmückendes, humoristisches Beiwerk, das Ziel von mehr oder weniger sexistischen Avancen Venkmans oder die besessene Damsel in Distressed.

Ich finde es da durchaus gut das man bei einem neuen Film auf die Idee kommt das auch Frauen Nerds, Geeks und Normalos sein können.
Wenn man dort erneut wieder ein rein männliches Team zusammenstellen würde, würde es einerseits keine wirkliche Nischenkultur mehr bedienen. Andererseits wäre es konservativ und uninspiriert. Von der Verhärtung von Klischees einmal abgesehen. Den "Geschlechter- und Kultur-Krieg" als Argument anzuführen weshalb man kein rein weibliches Ghostbuster-Team machen sollte wäre wie in Bezug auf den ersten Ghostbuster-Film zu argumentieren das man den lassen soll weil er Gruppen wie "One-Million Moms", extreme Christen und Konservative aufregen könnte.
Ich denke auch das es hier durchaus gut ist das man kein gemischtes Team gemacht hat. Hauptsächlich weil ich glaube das es bestenfalls awkward geworden wäre und man im schlechtesten Fall so ein Quoten Gefühl mit Klischees kriegt.

Davon abgesehen finde ich es auch gut das man mal:
-) ein Team weiblicher Aktionhelden hat
-) die weiblichen Charaktere normale Berufe haben
-) die weiblichen Charaktere keine Klischee-Charaktere haben
-) die weiblichen Figuren nicht in hautengen Bodysuits stecken
-) die weiblichen Figuren normal, durchschnittliche Körper haben

Daneben das man wohl weiterhin die wichtigen Elemente: Geister, Spannung, Action, Bunte Jagd hat.
Neben, den Berichten nach, halbwegs unaufdringlicher, gesellschaflicher Kommentierung.

Ich denke das es durchaus passt das man den Film auf eigene Beine stellt, anstelle das man eine Triologie aufmacht. Was imho eher beschränkend, unsicher und unkreativ wäre. Nach allem was ich so gehört hat klebt der Film schon so unerquicklich viel am Bein des Vorgängers.

Hinsichtlich des Tipps zu Doctor Who. Meiner persönlichen Meinung nach ist Doctor Who in der New Series was die Einbindung von weiblichen Figuren betrifft, zum Großteil, echt schlecht. Von dem (deutschen) Fandom einmal ganz abgesehen. Mit etwas Glück wird es besser wenn Moffat endlich das Staffelholz weiter gibt.

D. M_Athair:

--- Zitat von: Teylen am 21.07.2016 | 16:25 ---Daneben hatte der Film allerdings durchaus ein paar Herausforderungen an den Zuschauer.
Nicht nur das Venkmans Verhalten gegenüber den weiblichen Figuren mitunter auf der Geschmacks/"In Ordnung"-Skala eher grenzwertig ist.
--- Ende Zitat ---
Das ist absolut richtig. Hier wird Macho-Gehabe allerdings mehr persifliert als verherrlicht. Die Dame ist Venkman in den meisten Situationen überlegen. (Das heißt trotzdem nicht, dass sich die Figur als weibliche Identifikationsfläche eignet.)


--- Zitat von: Teylen am 21.07.2016 | 16:25 ---Ich finde es da durchaus gut das man bei einem neuen Film auf die Idee kommt das auch Frauen Nerds, Geeks und Normalos [Hauptfiguren] sein können.
--- Ende Zitat ---
Ja, das ist die einzige Sache, die der Film gegenüber dem Original deutlich besser macht. Das geht mir aber nicht weit genug.
Bei Ghostbusters erwarte ich zusätzlich, dass die Hauptfiguren marginalisierten Milieus angehören. Anders gesagt: Ich finde die Idee ein reines Frauenteam zu machen OK (mit dem Potential zu toll!), aber der Grund dafür "weil wir ein reines Frauenteam haben wollen" ist unzureichend.


--- Zitat von: Teylen am 21.07.2016 | 16:25 ---Wenn man dort erneut wieder ein rein männliches Team zusammenstellen würde, würde es einerseits keine wirkliche Nischenkultur mehr bedienen. Andererseits wäre es konservativ und uninspiriert.
--- Ende Zitat ---
Absolut! Ich sehe auch die Gefahren bei einem gemischten Team. (Wobei man das durch eine Hauptrolle mit Behinderung ebenfalls relativ leicht hätte umgehen können.)

Der Hinweis mit dem Culture War hat den Hintergrund, dass das ein aktueller Konflikt ist, mit dem der Film nicht rechnet und auch nicht gut damit umgeht. Identifikationsfiguren für die "alte Klientel" fehlen vollständig. Das ist einfach nicht gut gemacht.


Anders gesagt:
Der alte Film hat einen viel weiteren Kontext, den zu aktualisieren der neue Film verpasst hat.
"Nur Frauen als Hauptfiguren" ist mMn der eine Trick, der dem Film gelingt.


Addenum: Wie gesagt, den Film habe ich nicht gesehen - nur die Trailer - und dazu etliche wohlwollende und weniger wohlwollende Rezensionen dazu gelesen. Ich denke, es ist nicht verboten sich aufgrund dessen eine vorläufige Meinung zu bilden.

Selganor [n/a]:

--- Zitat von: Teylen am 21.07.2016 | 16:25 ---Nach meiner Info startet er erst in zwei Wochen.

--- Ende Zitat ---
Das ist mal wieder nur Deutschland.

Im nahegelegenen Ausland ist der meistens (mit Ausnahme von Belgien und Frankreich) schon vor Deutschland draussen.

http://www.imdb.com/title/tt1289401/releaseinfo

Ein Dämon auf Abwegen:

--- Zitat von: Teylen am 21.07.2016 | 16:25 ---Hatte es vor kurzem erst nachgesehen weil ich den Film. Hauptsächlich weil ich ihn, nach den bisher überwältigend positiven Berichten aus meiner fB Timeline, gerne sehen würde.

--- Ende Zitat ---
Die Kritiken die ich so gesehen hab lagen zum Großteil irgendwo zwischen Naja-geht-so und totaler Mist.


Und ich muss ehrlich sagen, dass ich die Entscheidung eines komplett Weiblichen Casts (der nicht in Hautengen body suits steckt  >;D) bei einem Franchise (und Genre) mit (vermutlich) mehrheitlich männlichen Fans ziemlich merkwürding finde (gilt für Ghostbusters wie auch die momentanen Star Wars Filme). Zu mal es in Ghostbusters wohl auch so sein soll das so ziemlich jeder männliche Character in dem Film ein Arsch oder ein Idiot ist.

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