Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen
Irgendwo in IRLAND
Puklat:
Ich setze mich auf den mir gewiesenen Platz nahe an Clives Seite und fühle mich wie vor einem Tribunal.
Die Anspannung hat mich völlig im Griff und ich muss mich bemühen mich zu entspannen. Die Blicke, die auf mich gerichtet werden, als Clive von Mr. Collins berichtet, fühlen sich alles andere als gut an. Sie wirken auf mich bohrend und nachforschend ... ergründend.
Ich versuche weiter mich zu entspannen und bin dankbar für den Tee, den Clive mir gibt. Ich nehme einen Schluck und stelle erleichtert fest, dass der Tee sehr heiß ist. Der Schmerz zwingt mich, mich auf etwas anderes zu konzentrieren als diese Situation hier im Raum. Dann schaue ich die Leute der Reihe nach an und warte ab, was sie uns zu berichten haben.
Der Läuterer:
Die zwei blonden Arier melden sich zuerst zu Wort. Kajo und Hugo antworten wie gewohnt abwechselnd. "Wir haben einen Traum gehabt, Herr."
"Azathoth hat zu uns gesprochen."
"Er spricht nicht oft zu uns..."
"Eigentlich hat er noch nie zuvor zu uns gesprochen."
"Wir sind also sofort seinem Ruf gefolgt."
"Gefolgt ohne zu fragen."
"Wann spricht auch schon mal ein Gott zu einem."
"Wir haben Geld von der Bank geholt und sind dann nach Hamburg gefahren."
"Mit einem Frachter sind wir dann weiter nach England."
"Und in London nahmen wir einen Zug gen Norden."
"In Blackpool setzten wir dann nach Irland über."
"Und hier sind wir."
"Was können wir für Sie tun, Auserwählter?"
"Doktor..."
"Doktor? ... Genau, Doktor."
"Spielen Sie die Flöte, Auserwählter."
"Doktor."
"...Doktor."
Puklat:
Ich muss immer wieder zur dunkelhäutigen Frau schauen.
Ja, sie muss es sein. Aber ich kann dunkelhäutige Menschen so schlecht auseinander halten. Vielleicht sieht sie ihr auch nur sehr ähnlich. Die ganze Situation damals war sehr strapaziös. Wir waren alle sehr angespannt und es ist schon eine ganze Weile her. Die Zeit ist wie ein Weichzeichner über den Erinnerungen. Und die Erinnerungen sind veränderlich.
Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Zwillinge anfangen zu reden. Es überrascht mich auch, dass beide so gut abgestimmt aufeinander abwechselnd reden können.
Bei der Flöte muss ich an die Flöte denken, von der Collins berichtet hat. Aber vielleicht hat Clive ja auch eine Flöte, von der ich nichts weiß.
Geht es beim Flötenspiel um die Zerstreuung, die man Azatoth gewähren soll? Oder um das Instrument an sich?
Ich weiß es nicht.
Noch bevor Clive auf die Frage nach der Flöte antworten kann, drängt es mich so sehr eine Frage zu stellen, dass ich unhöflich dazwischen frage:
"Entschuldigung. Aber woher kommen sie ursprünglich? Kommen Sie aus Deutschland oder war Deutschland nur ein Etappenziel? Und wann war das als Azatoth mit ihnen gesprochen hat?"
Ich komme mir wieder vor wie vor etlichen Jahren, als ich noch aktiver Journalist war. Ich entrücke etwas in die objektivere Haltung des Journalisten, des Beobachters. Ich bewege mich weg von der sehr beteiligten und persönlichen Haltung des direkt Betroffenen.
Es fällt mir überraschend leicht diese Fragen zu stellen. Doch wandel ich jetzt auf dem sehr schmalen Grat zwischen journalistischer Neugier und persönlicher Neugier - Neugier herauszufinden, was mit mir und meiner Hand los sein könnte.
Der Läuterer:
Ayana schaut leicht missbilligend und gleichzeitig amüsiert zu den Zwillingen herüber. Sie bildet einen starken Kontrast zu den Deutschen. Schwarz : Weiss. Eins : Zwei. Frau : Mann. Afrika : Europa. Yin : Yang. Weich : Hart. "Ich bin eine Frau. Die Männer Zuhause nennen mich Hexe. Ich bin natürlich geflogen. Was sonst." Sie lächelt.
Joran:
Clive
Ich glaube ihnen nicht.
"Die Zwillinge weichen Oves Fragen aus. Bislang hat auch keiner gesagt, ob er Collins kennt. Sie scheinen nicht einmal verwundert, dass es mehrere 'Auserwählte' geben könnte.
Die Behauptungen der Zwillinge über die Anreise vermögen nicht zu erklären, warum alle Fremden gleichzeitig hier aufgetaucht sind. Das kann kein Zufall sein. Und Braddock scheint das sogar vorhergesehen zu haben, wenn man seiner Karte Glauben schenken kann.
Ayana lügt zwar vielleicht nicht, es sei denn sie will behaupten, sie sei mit einem Flugzeug hierher gelangt. Letzteres würde ich ihr kaum abnehmen. Aber sie spielt mit Andeutungen, anstatt eine klare Auskunft zu erteilen. Sie sagt auch nicht, woher sie kommt und in wessen Auftrag.
Das alles erklärt nicht, warum Karim aus der Dorfkirche kam und warum Ayana plötzlich auf der Straße erschien.
Die Tatsache, dass die Ankunft der Fremden mit Pauls Erscheinen zusammentraf, lässt den Vortrag ebenfalls unglaubwürdig erscheinen.
Und keiner sagt, was sie von mir ... oder Ove ... erwarten."
Ich verberge meine Skepsis und Verärgerung nicht. Meine Stirn runzelt sich. Aber noch unterbreche ich die Fremden nicht in ihren Berichten.
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