Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen

Irgendwo in IRLAND

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Der Läuterer:
Clive

"Du bist spassig, alter Mann. Und Du hast seltsame Ansichten, weisst Du das? Wenn jene, die die Strassen bauen, dann auch deren Namensgeber würden, dann gäbe es in England viele John Smith Strassen, in Irland wäre jeder Dorfplatz ein Jack Murphy Platz und in Deutschland wäre jede Brücke nach Hans Schmidt benannt." Ayana lacht herzlich.

"Du hast einen Pakt geschlossen. Der Pakt ist ein Vertrag. Du hast dich dafür entscheiden, die Hand haben zu wollen. Du wolltest sie. Du hast sie bekommen. Du bist der Meister der Rechten Hand."

Joran:
Clive

Das Adjektiv 'spaßig' wirkt mir in Bezug auf meine Person etwas deplatziert. Aber Ayanas samtenes Lachen hüllt mich ein, wie eine warme Decke. Ich genieße es zu sehr, als dass ich mir hierüber länger Gedanken machen würde.

"Würde man den Menschen, die eine Brücke bauen mehr Achtung entgegen bringen, wäre die Welt sicher ein besserer Ort. Ich hätte nichts dagegen", denke ich. Aber es würde nur von den aktuell wichtigen Fragen ablenken, wollten wir dies jetzt diskutieren.

Kurz bin ich versucht, darauf hinzuweisen, dass Ove die Hand an sich genommen hat, dass er sie wollte und dass dann vielleicht Collins als einziger den 'Auserwählten' korrekt identifiziert hat. Aber etwas hält mich davon ab. Natürlich will ich Ove nicht wieder in den Fokus rücken und in Gefahr bringen. Um seine Verfassung steht es auch so schon nicht zum besten. Und er und Kristine haben ihr Leben noch vor sich. Aber das ist es nicht alleine ... das ist nicht der entscheidende Grund, wie ich mir eingestehen muss. Tatsächlich fasziniert mich Ayana zu sehr, um sie jetzt schon zu vertreiben.

"Nun ... ich war kurz im Besitz der Hand. Das ist korrekt. Aber ich WOLLTE sie nie besitzen und habe sie nie berührt. Ich habe mich nur bereit erklärt, sie zu nehmen, um sie zu zerstören. Und ich habe sie zerstört. Wenn Du recht hast, bin ich der Meister von NICHTS.

Wenn das einen Pakt bedeutet, müssen schon viele Menschen vor mir ihn bereits geschlossen haben:

Da wären zum Beispiel Elisa Marquard. Ich kann nicht sicher sagen, ob sie dieses Kuriosum jemals in ihren Händen gehalten hat. Sie war Mitglied der Expedition; darum erscheint es naheliegend, dass sie den Fund auch begutachtet hat. Sie hat damals auch einige Fotos von der Tulcu-Hand angefertigt. Und ... wenn ich sie recht verstanden habe ... glaubte sie wohl, durch die Hand krank geworden zu sein. Jedenfalls wollte sie später die Hand besitzen ... wie schon ihr Vater, Gotthilf von Höllsang, vor ihr. Von Höllsang wollte die Hand zurück bringen, Mrs. Marquard erhoffte sich von ihr die Heilung ihrer Krankheit.

Und natürlich wäre James Mac Mannaman zu nennen, der die Hand ursprünglich mitgebracht hat und in seinem Labor bei einem 'Unfall' ums Leben kam."

An das von Frau Marquard berichtete Detail der Chlorgasvergiftung kann ich mich noch gut erinnern, rief sie doch Erinnerungen an den Krieg in mir wach.

"Mac Mannaman gabe die Hand zur Untersuchung an verschiedenen Spezialisten.

Und nach seinem Tod wechselte der Besitzer der Hand vermutlich noch mehrmals, bevor sie wieder in dem londoner Auktionshaus als Teil einer ... ungewöhnlichen ... Sammlung auftauchte.

Was ist mit all diesen Besitzern? Waren auch sie alle auserwählt?

Jedenfalls die mir bekannten Personen sind eines unnatürlichen Todes gestorben. Das wirft für mich die Frage auf, ob ich Karim überhaupt dafür dankbar sein sollte, dass er mir heute sein Mittel verabreicht hat. Vielleicht wäre es besser gewesen, er hätte mich dort auf der Dorfstraße liegen lassen!"

Ich denke kurz darüber nach, wie sich all dies sinnvoll zusammenfügen könnte. Die neuen Puzzle-Teile scheinen sich nirgendwo in das Bild einzufügen, das ich nunmehr seit über drei Jahren zusammenzusetzen versuche.

"Warum bist Du also hier? Ich verstehe es noch immer nicht. ... Du sagst, Du willst mich beschützen, weil ich der 'Auserwählte' sei. ... Dabei scheint den Auserwählten der Tod bestimmt zu sein. ... Bist Du also nur hier, um darüber zu wachen, dass ich auf die rechte Weise sterbe? Oder willst Du mich vor anderen Menschen schützen, die mich vor dem Schicksal eines Auserwählten bewahren wollen, indem sie mich töten? ... Erkläre es mir!"

Der Läuterer:
Ayana's glockenhelles Lachen ist entwaffnend. "Du warst der Letzte, der die Hand wollte und an sich nahm, bevor die Sternenkonstellation am Himmel erschien."
"Und Du hast sie vernichtet? Du hast DIE HAND vernichtet?"

"Also zerstört. Sie ist demnach weg? Und kommt nicht wieder?"

"Die Wege des Herrn sind wahrhaftig unergründlich. Du bist wahrlich der Auserwählte, Doktor. Nur der Auserwählte würde es wagen, sich eines derartig mächtigen Gegenstands zu berauben und seinen einzigen Vorteil wegzugeben."

"Du bist ein Mann voller Überraschungen."

"Und Du bist ein Mann mit Überzeugungen. Vielleicht nicht klug, aber mit Überzeugungen."

Joran:
Clive

Das Lachen mag trügerisch sein. Aber es ist trotzdem Balsam für meine Seele, in dieser Situation überhaupt ein offenes Lachen zu hören. Ein Sinnbild für die Kraft des sich ständig erneuernden Lebens, das in der Dunkelheit auflodert ... wie ich es in meinem Leben schon wiederholt erlebt habe. Ich bade förmlich in diesem Lachen. Ich sehe die Gefahr, aber ich verdränge die Gedanken ... an die Katze und das Rotkehlchen1 ... an Merlin und Nimue ... Nur die Zeit kann zeigen, wer hier tatsächlich welche Rolle spielt! Und was habe ich schon zu verlieren?

"Ich habe nie behauptet, klug zu sein. Und ja, die Hand ist vernichtet. Ich denke nicht, dass sie wiederkehren kann. ... Vielleicht wird man sich also DOCH künftig meiner erinnern, .... als eines alten Narren, der eine so leichtsinnige Entscheidung getroffen und sich selbst damit ins Verderben gestürzt hat? Dann hätte ich mir letztendlich doch noch ein Denkmal gesetzt, indem ich zerstöre, statt erbaue. Zwar leider nicht so gloreich wie der listenreiche Odysseus, der Zerstörer Trojas, aber immerhin ..."

Was hatte ich als Reaktion auf die Offenbarung der Vernichtung der Hand erwartet? Jedenfalls nicht ihre Belustigung! Es hätte mich nicht überrascht, wäre sie bestürzt gewesen, weil sie der Hand eine rituelle Bedeutung beigemessen hätte ... im Sinne es einer heiligen Reliquie oder eines anbetungswürdigem Totems. Ich hatte befürchtet, dass Ayana wütend geworden wäre, etwa wenn sie selbst hierher gekommen wäre, um sich in den Besitz der Hand zu bringen. Die Leichtigkeit, mit der sie die Zerstörung der Hand akzeptiert, nimmt mich wieder ein Stück mehr für sie ein. Es stellt sie in dieser Sache 'auf meine Seite'.

Wieder versuche ich, aus Ayanas Worten mehr über diese Frau zu erfahren:

"Die Wege des Herrn sind wahrhaft unergründlich?", frage ich zweifelnd ins Dunkel. "Du bist eine Frau voller Überraschungen. Im einen Moment willst Du noch das Blut der Hölderlin-Zwillinge trinken und im nächsten preist Du den Herrn? Wenn Du Christin bist, dann bin ich wohlmöglich ein 'Narr um Christi willen'2 ..."

1 Clives Traum auf Herm
2 1 Kor 4, 10

Der Läuterer:
"Ich zitiere gerne, Doktor. Und eine Christin bin ich nun wirklich nicht. Deine Kirche würde mich bestimmt als Heide und Barbar einstufen. In früheren Jahrhunderten bestimmt sogar als Hexe." Wieder lacht sie, als hätte sie einen Witz gemacht.

"Nun, Doktor, die Hand soll einer Kreatur gehört haben, so sagt es zumindest die Legende, die durch nichts zu verletzen ist, als durch sich selbst. Die Hand wäre somit die perfekte Waffe gegen diese Kreatur gewesen."

Sie kichert wie ein kleines Mädchen. "Aber wie alle Legenden, so ist auch diese etwas verrückt. Wie soll die Kreatur diese Hand verloren haben, wenn sie nur durch sich selbst zu verletzen ist? Entweder hat sie sich die Hand aus Langeweile abgenagt, oder an der Erzählung stimmt wohl etwas nicht."

"Wie auch immer. Du wirst diese Kreatur töten, Doktor, denn Du bist der Auserwählte."

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