Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen
Irgendwo in IRLAND
Joran:
Clive
Ich horche auf. "Dies alles hört sich nicht danach an, als ob Braddocks Warnung berechtigt wäre. Wenn mich Ayana auffordert, dieses Wesen zu töten, von dem die Hand stammt, erscheint sie mir eher als eine Verbündete ... jedenfalls wäre sie das wohl gewesen, wenn ich noch jünger wäre. Das Wesen, von dem die Hand stammt, erscheint mir nicht wirklich freundlich gesonnen, wenn es bei den Tcho-Tcho lebt. ... Ich wünschte mir, Matilde wäre hier und ich könnte mich mit ihr beraten ... aber sie ist fort."
Ein kleiner unvernünftiger Teil von mir ist allerdings auch mit der gegenwärtigen Situation ganz zufrieden. Auch wenn Ayana mich nicht berührt, spühre ich doch die Wärme ihres Körpers ... ganz zu schweigen von ihrem Duft. Auch wenn ich alt und krank bin, bliebt dies nicht ganz ohne Wirkung auf mich. Und seit jenem Tag in London bin ich ... hungriger ... eher bereit mir zu nehmen, was ich begehre ...
"Aber wenn Braddocks Warnung unbegründet war ... welcher Fraktion gehört er an? Welche Interessen verfolgt er? ... Ich würde Ayana gerne nach ihm befragen, aber dann kann ich morgen vermutlich nicht mehr mit Braddock reden. ... Braddock stand in Verbindung mit dem Brandstifter aus London ... nehme ich an. Warum und wie ist der Brandstifter gestorben? Warum wollte er verhindern, dass Mrs. Marquard die Hand erhält? ... So viele Rätsel bleiben ... Zumindest nach dem Brand kann ich Ayana fragen, ohne die Anwesenheit von Braddock im Dorf zu erwähnen."
Aber zunächst wende ich mich einer grundlegenderen Frage zu:
"Warum soll ich diese Kreatur töten? Mir jedenfalls hat sie nichts getan ...
Soviel ich weiß, lebt sie bei den Tcho-Tcho auf dem Plateau von Leng ... so berichtete es jedenfalls Mrs. Marquard bevor sie starb. Welche schreckliche Gefahr geht von der Kreatur aus, obwohl sie so weit abseits jeder Zivilisation lebt?
Und schließlich ... ich bin weit entfernt von der körperlichen Verfassung, den Himalaya zu besteigen. Ich würde die Hochebenen von Leng nicht einmal erreichen!"
Der Läuterer:
"Diese Kreatur ist ein Wesen aus den Tiefen des Universums. Eine uralte Kreatur, die alle Vorstellungskraft der Menschen sprengt. Du kannst sie nicht töten, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne. Du kannst sie bannen aber Du wirst es schwer haben, denn Du hast die sechs-fingerige Hand zerstört."
"Du wirst Deinen ganzen Mut und Deinen Einfallsreichtum brauchen, um zu bestehen."
"Und jetzt schlaf. Du musst morgen ausgeruht sein."
Der Läuterer:
Ove
"Schlaf gut." Kristine dreht sich zu Dir herüber und drückt Dir einen Kuss auf die Wange. "Morgen ist ein neuer Tag. Wir werden sehen, was dieser bringt. Vielleicht ist dann auch Matilde zurück. Sie würde ihren Luni doch niemals allein lassen."
Joran:
Clive
Ich schließe gehorsam die Augen und überlasse mich dem, was Ayana für mich geplant hat. Würde ich mich ihr überhaupt widersetzen können? Der Schlaf lässt auf sich warten und so denke ich über das Gesagte nach.
"Morgen werde ich mit Ove Braddock aufsuchen. Wir werden sehen, was er zu der Angelegenheit zu sagen hat. ... Aber vermutlich bin ich anschließend noch verwirrter als jetzt schon.
Kristine hat schon so viel durchgemacht. Ich wünschte, den beiden würde das hier erspart bleiben. Zumindest habe ich sie nicht in diese Misere gebracht, wenn Ayana die Wahrheit spricht. Es ist ein Trost, dass diese Hypothek nicht auch noch auf meinem Gewissen lastet."
Ich horche in die Dunkelheit und höre Ayanas Atem. Wieder nehme ich die Wärme ihres Körpers und ihren Duft nach frischem Gras und Sandelholz intensiv wahr. Ich würde sie gerne berühren. Ich versuche mich von diesen Gedanken abzulenken, indem ich Vermutungen darüber anstelle, woran sie gerade denken könnte. Aber es ist aussichtslos, Ayana durchschauen zu wollen. Und ich versuche mir einen Reim darauf zu machen, welche Bedeutung dem Kopfschmuck zukommen mag und warum sie ihn gerade jetzt angelegt hat. "Wartet sie nur darauf, dass ich eingeschlafen und ihr wehrlos ausgeliefert bin? Bin ich das nicht ohnehin schon? Warum sollte sie mich dann erst geweckt haben?" Aber unwillkürlich driften meine Gedanken schon wieder in andere Gefielde ab und ich frage mich, ob Ayana mich von nun an jede Nacht aufsuchen wird. Ich beschließe, mich dieser absurden Vorstellung hinzugeben ... zumindest für diese eine Nacht mich in der Vorstellung einer Zukunft zu ergehen, die nicht durch die Einsamkeit geprägt ist, die nun auch Matilde hinterlassen wird.
So gleite ich langsam in einen hoffnungsvollen Schlaf. ... Und das ist mehr, als ich nach diesem Tag hätte erwarten dürfen.
Und so gleite ich hinab in die eine erholsame Leere ...
Doch nach anfänglich ruhigem Schlaf kehren - wie meist - meine Träume zurück.
Ich befinde mich auf einer Insel. Es ist Herm. Ich folge der Bruchsteintreppe aus dem verwilderten Garten des Sanatoriums. Auf dem Boden liegt ein toter Vogel. Erneut durchschreite ich den Torbogen ohne Mauer und ohne Sinn.1
Als ich mich dem kleinen heruntergekommenen Hafen nähere, sitzen auf einer Mauer zwei Katzen. Eine Katze ist weiß wie Schnee und die andere Schwarz wie die Nacht. Die weiße Katze betrachtet mich aus kristallblauen Augen, kalt wie Eis und abgrundtief wie ein Aqaumarin. Die Augen der schwarzen Katze hingegen leuchten wie von einer inneren Glut erhellt, als wolle sie mich mit ihrem Blick verbrennen.
Die weiße Katze lässt sich hinter der Mauer in den Abgrund fallen. Ich frage mich, wie tief es dort wohl herabgeht und mache mir Sorgen. Die schwarze Katze streckt sich genussvoll in der Sonne und stolziert über die Mauer. Sie ist sich meines Blickes bewusst. Sie will gesehen werden. Sie weiß sich in Szene zu setzen. Gelassen springt sie in eine Mauernische mit einer Ikone. Ihr Gang wird eher noch aufreizender ... respektloser ... selbstsicherer. Dann springt sie auf meiner Seite der Mauer herab. Mir wird plötzlich bewusst, wie klein ich bin. Die Katze scheint hingegen immer größer zu werden. Als sie faucht und nach mir schlägt, versuche ich mich durch einen gewagten Sprung in Sicherheit zu bringen. Aber es gibt kein Entkommen. Sie spielt mit mir. Immer wieder fischt sie mich mühelos mit ihren Tazen aus der Luft. Sie will micht nicht töten ... noch nicht ... nicht ohne zuerst ihren Spaß mit mir gehabt zu haben. Die Jagd ist das Ziel ... der Tod nur der finale Höhepunkt.
Schweißnass erwache ich. Mein Herz pocht in meiner Brust. Die Schläge sind schwer und krampfhaft. Ich greife mir an die Brust.
"Wie lange wird Karims Mittel mich schützen?", überlege ich. "Vermutlich war es wirklich ein Fehler ihn fortzuschicken."
Ich rieche, wie sich der Duft von Sandelholz mit dem Geruch meines Schweißes vermischt. Wieder werde ich mir meines Alters und meiner Unvollkommenheit bewusst.
"Ob ich sie geweckt habe? ... Ob sie meine Träume sieht?"
Ich wage nicht, mich zu bewegen. Stattdessen horche ich in die Stille, bis sich behutsam mein Puls verlangsamt.
Ich nehme keine Regung wahr. "Liegt Ayana noch neben mir oder ist der Geruch nach Sandelholz nur eine Erinnerung? ... War Ayana überhaupt jemals in meinem Bett ... auf dem Manor? Oder ist das alles nur eine Einbildung ... ein Traum ... gewesen?" Für einen Moment bin ich verunsichert. Die Geschehnisse waren so absonderlich ... surreal ..., dass sie einem Traum entsprungen sein könnten. Erneut bin ich versucht, meinen Arm auszustrecken, aber fast fürchte ich, nur Leere vorzufinden.
Und so liege ich da und dämmere dem Morgen entgegen, denke über Matilde, Ayana und die Katzen nach, bis sich die Bilder in meinem Kopf zu vermengen beginnen und ich erneut in einen leichten Schlaf falle.
1 ein früherer Gang zum Hafen
Puklat:
Ove
Ich liege noch eine Weile wach, nachdem sich Kristine zum Schlafen umgedreht hat.
Ja, morgen ist ein neuer Tag... hoffentlich wird es ein besserer Tag. Aber wenigstens haben wir wieder alle Möglichkeiten etwas aus dem Tag zu machen.
Ich drehe mich schließlich auch auf die Seite, mache das Licht aus und übergebe mich dem Schlaf.
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