Das Tanelorn spielt > Albtraum in Norwegen
Irgendwo in IRLAND
Der Läuterer:
"Doktor, Sie sind ein intelligenter und gebildeter Mann. Sie sind weit gereist und haben viel erlebt. Und Sie machen sich Sorgen. Das kann ich verstehen. Ich kann auch verstehen, dass Sie verschnupft sind, weil Ihnen Informationen vorenthalten werden."
"So weit so gut." Braddock zieht an seiner Pfeife, "Dieser Pall Mall Tabak ist wirklich starkes Kraut. Ich sollte mir das Rauchen abgewöhnen."
"Hören Sie. Ich habe mehr über die Hand, die Frau Marquard ersteigern wollte, herausgefunden. Henry, mein Kollege, hat die Frau beobachtet. Leider wurde die Hand gestohlen und Frau Marquard verstarb bei dem Hotelbrand. Mein Kollege wurde ermordet. So weit das, was Ihnen bekannt ist. SAVE ist der Ansicht, dass diese Hand kein Katalysator des Bösen ist, sondern vielmehr ein Mittel zur Vernichtung eben dieses Bösen darstellen könnte. Ich selbst bin sogar fest der Ansicht, dass dem so ist."
Braddock schaut Euch abwechselnd in die Augen. "Sie wirken nicht überrascht, Doktor. Wohingegen Ihr Kollege sich unwohl zu fühlen scheint."
Braddock faltet die Hände. "Meine Herren, Sie wissen anscheinend mehr, als Sie zugeben wollen. Wenn ich hier auspacken soll, dann sollten auch Sie die Karten auf den Tisch legen."
"Mir ist hier im Dorf einiges aufgefallen. Ich habe noch ganz gute Ohren und mein Blick ist auch noch recht gut." Braddock lehnt sich in seinem Stuhl zurück. "Diese Fremden, die gestern hier im Dorf erschienen sind, waren zumindest sehr eigenartig. Sie zeigten Interesse an Ihnen, Doktor, nicht wahr?"
Joran:
Clive
"Ja, das ist richtig. Die Fremden waren eigenartig ... und sie kamen zu uns auf das Manor. Sie sagten über die Hand in etwa das Gleiche wie Sie. ... Aber wir haben die Hand nicht. Wie Sie sagten: Die Hand wurde gestohlen, bevor das Büro 'Kilmister & Stratton' sie für Mrs. Marquard ersteigern konnte. Ich denke, die Hand ist verloren.
Ich habe Zweifel, ob die Einschätzung, die Hand sei ein Mittel gegen das Böse, zutreffend ist. Bisher habe ich als Begründung lediglich einen Hinweis auf eine alte Legende erhalten. Aber solche Legenden sind vieldeutig und meist im Laufe der Jahre durch Ausschmückungen und vergessene Teile auch verfälscht.
Alles was wir über die Hand erfahren haben ist, dass sie Krankheit und Tod über ihre früheren Besitzer gebracht hat.
Ich denke nicht, dass man das Böse überhaupt verwenden kann, um das Böse zu vernichten. Das ist nicht, als würde man Feuer mit Feuer bekämpfen. Das Feuer lässt sich kontrollieren; es ist nicht böse oder gut; erst der Einsatz durch den Menschen gibt dem Feuer ein gutes oder böses Ziel. Böse bleibt böse. Das Böse fordert seinen Tribut. Und es findet seine Nahrung in uns Menschen. Man kann sich des Bösen nicht bedienen und danach weitermachen, als sei nichts geschehen. Es schwelt im Inneren weiter und bricht irgendwann aus einem hervor ... Das Böse gewinnt letztendlich immer, wenn man zu solchen Mitteln greift."
Ich denke an 'Mkubwa Mkongwe Moja Mchinjaji', General Douglas Haig. Ich denke an die Zauber, die ich kenne und doch nie verwende ... fast nie ... "Ich habe Matilde auf Herm zurückgeholt ... aber habe ich ihr damit geholfen? Ich weiß es heute wenigen denn je. Würde Cainnech heute noch leben, hätte ich auf Herm anders gehandelt? ... Aber da ist Marie ... immerhin Marie. Es kann nicht ganz falsch gewesen sein."
"Um ehrlich zu sein: Wir vermuten, dass es gerade Ihr Kollege war, der den Brand in dem Hotel damals gelegt hat. Ich glaube, dass wir ihn im Fahrstuhl getroffen haben, als wir Mrs. Marquard besuchten. Wenn das stimmt, dann verließ er das Hotel unmittelbar bevor der Brand ausbrach und beobachtete alles von der anderen Straßenseite. Und dann wurden wir von eben diesen Häusern aus von einer Person unter Beschuss genommen, als wir uns zu retten versuchten. DAS war der wirkliche Grund, warum Mrs. Marquard gestorben ist.
Beschwören könnte ich selbstverständlich nicht, dass der Mann, der zu uns in den Lift stieg, der Mann auf dem Photo war, welches Sie mir gestern gezeigt haben. Aber ich glaube schon, dass es Joseph Henry war. ... Vielleicht wollte er ja verhindern, dass Mrs. Marquard die Hand ersteigert? ... Oder dass sie uns zu viel über die Hand erzählt?
Wir wurden damals in London von dem Tag an bedroht, an dem ich aus dem Zug gestiegen bin. Und diese Personen vermuteten in mir einen 'Spezialisten' ... für was genau auch immer. Aber die Männer irrten sich schon darüber, wer der Grund meines Besuchs in London war. Sie glaubten, ich sei als 'Spezialist' für irgendetwas nach London gerufen worden. Aber das war nicht richtig. Ich bin damals aus einem ganz anderen Grund nach London gereist."
Der Läuterer:
"Jaaa. Die HAND wuuurde gestooohlen." Braddock kaut den Satz wie zuvor sein Frühstück. "Aber von wem? Und zu welchem Zweck? Der Rufpreis der Hand für die Auktion war nicht hoch angesetzt. Weshalb also stehlen? Das sind Fragen, die mir das Hirn zermartert haben. Beweisen kann ich bislang aber noch nichts."
"Und..." Braddock breitet seine Arme aus. "...es gibt weitere Fragen. Der Detektiv, Herr Stratton, ist kurz vor dem Auktionstermin aus London abgereist. Weshalb? Momentan weilt er wohl in Süd-Ost Asien. Und seine Frau? Frau Stratton, geborene Visconti, ging zu Ihnen nach Irland. Weshalb? Flüchtet sie vor etwas? Interessant ist noch etwas anderes. Frau Stratton war am Abend des Diebstahls im Auktionshaus und ist gesehen worden. Das ist gesichtert. Ein paar Professoren haben sich an sie erinnert. In dieser Nacht verbrannten zwei unbekannte Personen im Auktionshaus und die Hand wurde gestohlen. Das macht alles wenig Sinn. Eigentlich gar keinen und recht mysteriös ist es zudem."
"Zuerst glaubte ich, dass Frau Visconti die Hand gestohlen haben könnte, das Feuer im Hotel legte, um die Auftraggeberin zu beseitigen und dann noch den Zeugen, meinen Kollegen, aus dem Weg räumte, und dann zu Ihnen nach Irland floh." Wieder faltet Braddock seine Hände. "Aber ich hatte mich geirrt. Sie, Herr Doktor, waren ja bereits dort. Der Liftboy des niedergebrannten Hotels konnte sich an Sie und an Frau Stratton, sowie eine drive Person erinnern." Er lächelt schwach. "Auch das ergab für mich keinen Sinn. Aber jetzt fällt mir auf, dass die Beschreibung der Personen im Hotel auf Ihren Begleiter passt" Erneut lächelt Braddock. "Ove Ecklund, nicht wahr?"
"Und jetzt diese Fremden. Das ist ja fast wie bei den heiligen drei Königen, die zum Jesuskind in der Krippe pilgern." Er lacht. "Welch ein Unsinn."
Puklat:
Wieder ein Pfeiferaucher... diese Pfeiferaucher scheinen immer dann aufzutauchen wenn kurz danach etwas furchtbares passiert.
Die jüdische Schlägertruppe, als ich gerade erst bei Kilmister und Stratton angefangen hatte... haben die nicht auch Pfeife geraucht? Und der andere Bewerber auf die Stelle als Fotograf... rauchte er nicht auch? Und dann war dort der Raucher im Hotel von Mrs. Marquard. Gut... hier im Dorf gibt es auch einige Raucher... aber das sind keine so ungewöhnlichen Typen, die plötzlich irgendwo auftauchen. Ich sah sie auch häufig ohne Pfeife und die anderen Leute hier kannten sie bereits. Aber diese zugereisten Typen, sind schon sonderbar.
Bei dem Gedanken, dass Kristine vielleicht wieder etwas zustoßen könnte; dass wieder etwas schlimmes passiert; dass nun die Geschehnisse und Personen aus England uns wieder erreicht haben, machen mich nervös, doch noch kann ich es verbergen - mich zusammenreißen.
Als Braddock davon spricht, dass wir die Hand als Waffe gegen DAS oder ETWAS Böses verwenden könnten... hätten verwenden können, macht mich nun aber wirklich nervös. So ein verdammter Mist! Wie kann das sein? Warum haben wir es zerstört?
Oder ist das alles nur eine falsche Fährte? Und warum juckt meine Hand wieder so?!
Es ist zum Haare ausreißen, dieses Jucken, dieses Spannen der Haut.
Auf meine Unruhe angesprochen, ärgere ich mich über mich selbst. Ich zeige zu deutlich, wie ich mich fühle. Schnell bemühe ich mich wieder Kontrolle über mich und meine Erscheinung zu erlangen. Es gelingt mir und kurz denke ich: Vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass meine Hand vielleicht DIE Hand ist... oder wird. So kann es meine Hand sein, die das Böse besiegt.
Ich reiße mich nicht darum das BÖSE kennenzulernen, mich ihm zu stellen. Aber es scheint mir auf lange Sicht unausweichlich. Da beruhigt es mich etwas, dass ich vielleicht nicht so wehrlos und unbewaffnet bin, wie ich mich ohne meine Pistole oder eine andere Waffe fühle.
Ein kurzer Gedanke: Ich sollte Kampftraining nehmen.
Als Braddock auf das Hotel und die dritte Person, mich, zu sprechen kommt, bleibe ich weitgehend ungerührt. Ich verbessere lediglich seine Aussprache:
"Der Name ist: Eeeklund. Langes 'E'..."
Sein letzter Satz passt nun sogar in mehrfachem Sinne, sowohl als Kommentar über die absurde Pilgerreise unserer "Huldiger" und den "Zufall", dass sie alle gleichzeitig ankamen... und auch zu meiner unsinnigen Verbesserung seiner Aussprache, doch ich hielt es für Ratsam seinen selbstgefälligen Monolog zu stören und ihn auf wenigsten EINEN offensichtlichen Fehler anzusprechen. Dieser kleine Fleck auf der Fassade seines Wortgebäudes könnte vielleicht der erste Hinweise auf einnen Riss, einen grundlegenden Fehler in seinen Worten und seinem sicheren Auftreten sein.
Da er allerdings zu Clive und weniger zu mir zu reden scheint und es der Anstand gebietet, schweige ich weiter. Ich bin ja nur Clives "Anwalt"... besser wohl ... sein Journalist.
Joran:
Clive
"Ja, ganz erstaunlich, dass so viele Fremde hierher pilgern ... und sich in meinen 'Stall' schleichen." Dabei sehe ich Braddock unverwandt an.
Ich habe den Eindruck, dass Braddock überwiegend spekuliert und Behauptungen ins Blaue hinein aufstellt, um uns aus der Reserve zu locken und so an Informationen zu gelangen.
"Nun, es waren wohl viele Menschen im Auktionshaus, um die Objekte zu begutachten. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu. Ich habe das Auktionshaus nicht betreten. Ich hatte auch nie die Absicht, die Hand zu erwerben.
Meiner Erinnerung nach fand der von Ihnen erwähnte Vorfall im Auktionshaus sogar einen Tag vor meiner Anreise statt. Zu der Zeit dürfte ich mich auf einem Schiff mitten auf dem Muir Bhreatan ... oder wie Sie sagen würden: dem St. George's Channel ... befunden haben. Gleichzeitig gab es in der Straße einen Banküberfall, wenn ich mich recht entsinne. Ich habe einen Artikel darüber in der Zeitung gelesen, als ich mit dem Zug in London eintraf.
Die Hand könnte jeder genommen haben. WENN sie überhaupt jemand entwendet hat. Soviel ich weiß, wurde die Maske als das Prunkstück der Versteigerung doch in einem Schrank im Auktionshaus wiedergefunden, nicht wahr? Vielleicht hat auch die Hand damals in Wahrheit garnicht das Haus verlassen. Ich habe keine Ahnung. Vielleicht gab es noch mehr Menschen, die Ihre Quellen kannten und der Hand einen besonderen Wert beigemessen haben. Was bedeutet dann schon das Startgebot, wenn man überboten werden kann?
Wo Mr. Stratton geblieben ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Dass er sich in Süd-Ost-Asien aufhalten soll, ist mir neu. Und auch Matilde wusste nichts davon. Sie hätte es mir gesagt. Ich kannte Mr. Stratton nur flüchtig, bin ihm zweimal begegnet. Und wir mochten uns nicht, wenn ich das so sagen darf! ... Hugh Stratton war ... SPEZIELL. Ich denke es ist schwer, eine neutrale Haltung gegenüber einem solchen Menschen einzunehmen. Da gibt es wohl nur SCHWARZ und WEISS ohne viele Zwischentöne ... Wir waren uns sehr unähnlich in unseren Ansichten, unserer Lebensweise und unseren Umgangsformen. Aber Sie werden sich selbst eine Meinung gebildet haben.
Ich kann Ihnen aber sagen, WARUM er abgereist ist: Weil sich Matilde von ihm getrennt hat. Huge Stratton ist nicht der Typ, der mit einer solchen Zurückweisung gut umgehen kann ... Ich denke, er hält sich eher für unwiderstehlich.
Und ich versichere Ihnen, dass Matilde die Hand nicht gestohlen hat. Wenn dann schon eher Hugh Stratton ... Wurde nicht ein blonder Mann, dessen Beschreibung auf Mr. Stratton passte, in einem Zeitungsartikel erwähnt? ... Ich bin mir nicht mehr sicher."
Ich überlege, ob ich gerade Matildes Sohn in Gefahr bringe. Aber diesen kleinen Seitenhieb konnte ich mir nicht verkneifen. "Wenn Braddock den Aufenthaltsort von Hartmut kennt, dann verfolgt er ihn ohnehin bereits. Daran kann ich nun auch nichts mehr ändern."
Auf die Bemerkungen über Ove gehe ich nicht ein.
"In London begleitete mich ein ... Angestellter und Schüler ... hier aus dem Dorf. Ich glaube, ich erwähnte ihn bereits. Er wurde von der Polizei übel misshandelt und verschleppt. Seither fehlt von ihm jede Spur. DAS war dann auch der Grund MEINER Abreise. Ich war Englands Gastfreundschaft für Iren überdrüssig, wenn ich es einmal so formulieren darf!"
Ich blicke Braddock fordernd an.
"So, nun habe ich meine 'Karten auf den Tisch gelegt', wie Sie wollten. Jetzt ist es an Ihnen, 'auszupacken'!"
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