Tanelorn.net

Pen & Paper - Spielsysteme => Systemübergreifende Themen => Thema gestartet von: Crimson King am 18.01.2023 | 12:57

Titel: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 18.01.2023 | 12:57
Im vom HEXer eröffneten Gewöhnliche Fantasy-Settings-Thread (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,124779.0.html) wurde zum einen Kritik an der sehr engen Kriterienauswahl geäußert als auch angemerkt, dass der Begriff EDO Fantasy ungeeignet erschien, um ein Genre innerhalb der Fantasy zu beschreiben. Ich möchte mich an dieser Stelle bemühen, ausgehend meinem Verständnis des Standard EDO-Fantasy-Begriffs eine sinnvolle Kriterienauswahl zu erstellen, um Standard EDO Fantasy zu beschreiben.

Zu Beginn deshalb mein Verständnis von Standard EDO-Fantasy. Der Begriff beschreibt Fantasy-Settings, die bestimmte nichtmenschliche Völker beinhalten und in ihrer Gesamtkonstruktion so geschaffen sind, dass Spieler in der Lage sind, auf Basis ihrer Allgemeinbildung und einer grundlegenden Kenntnis der popkulturell verankerten Fantasy-Klischees in diesem Setting spielen zu können, ohne das Gefühl zu haben, gegenüber ihrem Spielercharakter einen erheblichen Nachteil beim Allgemeinverständnis dieses Settings zu haben. Mit anderen Worten: ich muss mich beim Bespielen des Settings auf meine Allgemeinbildung und auf die gängigen Fantasy-Klischees verlassen können, und in den Ausnahmefällen, wo mindestens eines dieser beiden Kriterien nicht erfüllt ist, muss das problemlos auch für die Allgemeinbildung und das Settingverständnis des Spielercharakters gelten. Dies bezieht sich nicht auf konkrete Details wie Personen oder politische und geographische Fakten.

Daraus ergibt sich für den Spieler eine hohe Zuverlässigkeit des Settings gegenüber den eigenen Kenntnissen und Erwartungen. Ich erkenne große Teile des Settings im Groben wieder und kann mich darauf verlassen, dass die Elemente des Settings, die ich wiedererkenne, sich so verhalten, wie ich es erwarte.

Was wären dafür geeignete Kriterien?

* Naturgesetze und Geographie funktionieren im Wesentlichen wie in unserer Welt. Tage haben 24 Stunden, es gibt Klimazonen, Jahreszeiten, Dinge fallen nach unten, wenn sie schwer genug sind etc.
* Kulturell bewegen wir uns im Wesentlichen im "Fäntelalter". Ich setze das in Anführungszeichen, weil ich hier keine saubere Definition des Begriffs liefere und diese auch nicht Bestandteil des Threadthemas sein soll. "Fäntelalter" beinhaltet ein Technologielevel, das im Wesentlichen zwischen Eisenzeit und früher Neuzeit angesiedelt ist. Monarchien und Feudalismus sind dominante Formen politischer Organisation. Anlehnungen an irdische Kulturen, speziell im Kontext der europäischen Geschichte zwischen Eisenzeit und früher Neuzeit sind absolut gängig, aber nicht unbedingt notwendig.
* Es kann anders organisierte und beherrschte Gemeinwesen geben, diese sind aber eindeutig Ausnahmen.
* Neben Menschen sind Elben, Zwerge, Orks (oder Äquivalente) und Halblinge die relevanten kulturschaffenden Spezies. Diese Spezies sind in Aussehen und Kultur eng an bedeutende Vorbilder aus der Fantasy-Popkultur angelehnt. Settings wie Eberron, Dark Sun oder Glorantha sind damit raus, weil nicht gewöhnlich genug.
* Es kann weitere Spezies geben, aber wie bei den kulturellen Abweichungen ist klar, dass es sich hierbei um Ausnahmen handelt.
* Es gibt Magie. Es benötigt eine besondere Begabung und/oder Ausbildung, um Magie wirken zu können.
* Es gibt Götter, die mittel- oder unmittelbar auf die Spielwelt einwirken. Geweihte der Götter sind potenziell in der Lage, unter Rückgriff auf die Macht der Götter übernatürliche Dinge geschehen zu lassen.
* Es gibt Monster und Kreaturen übernatürlichen Ursprungs. Diese können, müssen aber nicht, bekannten irdischen Vorbildern bzw. derer popkulturellen Bearbeitungen der Spieler entspringen. Tun sie das, entsprechen ihre Fähigkeiten und ihr Verhalten den Vorlagen.

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder ausreichende Präzision. Ich kann aber gerne ergänzen und nachschärfen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: takti der blonde? am 18.01.2023 | 13:04
Was sind denn Beispiele für "gewöhnliche EDO Fantasy" in deinem Sinne?
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Megavolt am 18.01.2023 | 13:05
Gehts vielleicht im Kern um Klischeetreue und Twistlosigkeit?

Dann müsste man halt gegebenenfalls noch vordefinieren, "welche" Klischees denn eingehalten werden sollen. Tolkieneske, gygaxianische, Gebrüder Grimm'sche, Michael Ende'sche, o.ä.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Waldviech am 18.01.2023 | 13:05
Würde ich eventuell noch ergänzen um: bei der Darstellung von Kulturen wird sehr oft auf Versatzstücke aus europäischen Kulturen zurückgegriffen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 18.01.2023 | 13:14
Was sind denn Beispiele für "gewöhnliche EDO Fantasy" in deinem Sinne?

Aventurien, Midgard, Mittelerde, Forgotten Realms (insbesondere zu AD&D-Zeiten), Trudvang. Bei Harnworld, Warhammer und Golarion bin ich nicht firm genug, um das gut beurteilen zu können.


Gehts vielleicht im Kern um Klischeetreue und Twistlosigkeit?

Klischeetreue ist definitiv ein Faktor. Es geht ja darum, dass Spieler sich ohne Einarbeitungsaufwände grundsätzlich im Setting zurechtfinden können. Klischees helfen da natürlich immens. Twists können dagegen grundsätzlich vorkommen, solange sie nicht im Widerspruch zu oben genannten Kriterien stehen. Es ist ja auch mehrfach benannt, dass Ausnahmen von den Klischees existieren können. Diese müssen nur eindeutig Ausnahmen sein.


Würde ich eventuell noch ergänzen um: bei der Darstellung von Kulturen wird sehr oft auf Versatzstücke aus europäischen Kulturen zurückgegriffen.

Da steht, irdische Kulturen können als Vorlage dienen, aber notwendig ist das nicht. Deinen Punkt sehe ich damit abgedeckt, nehme weitere Einwände aber gerne entgegen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Isegrim am 18.01.2023 | 13:19
Würde ich eventuell noch ergänzen um: bei der Darstellung von Kulturen wird sehr oft auf Versatzstücke aus europäischen Kulturen zurückgegriffen.

Würd noch weiter gehen: Da "Fäntelalter" sich Mittelalter/Renaissance zum Vorbild wählt, ist man immer bei einer Anlehnung an Europa. EDO ohne Anlehnung an die europäische Geschichte dürfte so viele Klischeebrüche enthalten, dass es gar kein EDO im Sinne des Eingangsbeitrags mehr ist.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 18.01.2023 | 13:23
Ich habe das jetzt mal umformuliert in "Anlehnungen an irdische Kulturen unter Einbeziehung des jeweiligen kulturellen Hintergrunds der Spieler sind absolut gängig, aber nicht unbedingt notwendig."

Eine Konkretisierung auf europäisches Mittelalter bzw. die popkulturelle Bearbeitung dieser Epoche ist mir da unnötig eurozentristisch. Wobei der Eurozentrismus bereits durch EDO recht deutlich gegeben ist.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: melkvie am 18.01.2023 | 13:26
Ich würde Magie und Götterwirken vielleicht etwas mehr zusammenfassen. Mal existiert beides parallel zueinander, manchmal wird Magie von den Göttern "geschenkt" oder Magier werden durch Ihre Magie quasi zu Göttern.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Isegrim am 18.01.2023 | 13:27
Na, was jetzt, Analyse oder nich.

Natürlich ist EDO eurozentristisch. Elfen, Zwerge und Orks entstammen halt der europäischen Sagenwelt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 18.01.2023 | 13:28
Ich habe noch einen Punkt zu übernatürlichen Kreaturen ergänzt.

Folgender Satz wurde vor den Kriterien an die Erläuterung angefügt:

"Daraus ergibt sich für den Spieler eine hohe Zuverlässigkeit des Settings gegenüber den eigenen Kenntnissen und Erwartungen. Ich erkenne große Teile des Settings im Groben wieder und kann mich darauf verlassen, dass die Elemente des Settings, die ich wiedererkenne, sich so verhalten, wie ich es erwarte."
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: schneeland am 18.01.2023 | 13:40
Natürlich ist EDO eurozentristisch. Elfen, Zwerge und Orks entstammen halt der europäischen Sagenwelt.

Der Ork ja jetzt nicht direkt - aber mit dem Troll steht natürlich schon etwas hinreichend Nahes zur Verfügung. Als Tendenz würde ich das aber auf jeden Fall so unterschreiben und nach meinem Empfinden passen zusätzliche Fantasyvölker/-spezies umso besser in ein klassisches EDO-Setting, je besser sich ein Bezug zur europäischen Sagenwelt herstellen lässt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 18.01.2023 | 13:46
Ich würde sagen, "es gibt Götter und Geweihte, die Wunder geschehen lassen können" ist nicht zwingend. Gerade der Klassiker Mittelerde glänzt ja fast schon durch eine regelrechte Abwesenheit von sichtbarer Reliosität, und das, obwohl wir da dank Silmarilion definitiv wissen, daß die Welt durch einen göttlichen Schöpfungsakt zustande gekommen ist und quasi-göttliche Wesen selbst im dritten Zeitalter noch hier und da aktiv durch die Gegend streifen.

"Es gibt Priester mit ihrer ganz eigenen Magie, die sich von der der 'gewöhnlichen' Zauberer noch mal prinzipiell unterscheidet" ist aus meiner Sicht primär eine Erfindung von D&D. Das kann man so stehen lassen, wenn man's möchte, aber müssen muß man nicht.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 18.01.2023 | 13:48
Ich würde sagen, "es gibt Götter und Geweihte, die Wunder geschehen lassen können" ist nicht zwingend. Gerade der Klassiker Mittelerde glänzt ja fast schon durch eine regelrechte Abwesenheit von sichtbarer Reliosität, und das, obwohl wir da dank Silmarilion definitiv wissen, daß die Welt durch einen göttlichen Schöpfungsakt zustande gekommen ist und quasi-göttliche Wesen selbst im dritten Zeitalter noch hier und da aktiv durch die Gegend streifen.

Guter Punkt, wobei glaube ich nirgends in Tolkiens Werk Geweihte beschrieben sind. Die Formulierung oben besagt erst mal nur, dass Geweihte bestimmte Dinge können, aber nicht, dass sie zwangsläufig existieren, wobei das eine Spitzfindigkeit ist. Ich überlege mal, wie ich das klarer fomuliere.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 18.01.2023 | 13:59
Der Ork ja jetzt nicht direkt - aber mit dem Troll steht natürlich schon etwas hinreichend Nahes zur Verfügung. Als Tendenz würde ich das aber auf jeden Fall so unterschreiben und nach meinem Empfinden passen zusätzliche Fantasyvölker/-spezies umso besser in ein klassisches EDO-Setting, je besser sich ein Bezug zur europäischen Sagenwelt herstellen lässt.

Wir reden ja über Standard EDO Fantasy. Insofern passt die Fokussierung auf Pseudomittelalter hier. Ich habe das entsprechend angepasst. Grundsätzlich ließe sich das Ganze aber problemlos auf andere Kulturkreise anwenden. Dann haste halt kein Fäntelalter und EDO, sondern irgendwas äquivalentes. Die Idee, Settings, die auf der zuverlässigen Widergabe gängiger Stereotypen aufbauen, gesondert zu klassifizieren, weil sie besonders leicht zugänglich sind, ist davon unberührt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Jiba am 18.01.2023 | 14:04
Guter Punkt, wobei glaube ich nirgends in Tolkiens Werk Geweihte beschrieben sind. Die Formulierung oben besagt erst mal nur, dass Geweihte bestimmte Dinge können, aber nicht, dass sie zwangsläufig existieren, wobei das eine Spitzfindigkeit ist. Ich überlege mal, wie ich das klarer fomuliere.

Ich fände grade im Sinne von Tolkien den Aspekt, dass es göttliche Wesenheiten gibt, die sichtbar auf der Welt wirken wichtiger, als die Frage, wie deren sterbliche Kirchen nun genau organisiert sind. Das Erstere muss gegeben sein, das Zweitere ist Nebensache.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 18.01.2023 | 14:06
Ich fände grade im Sinne von Tolkien den Aspekt, dass es göttliche Wesenheiten gibt, die sichtbar auf der Welt wirken wichtiger, als die Frage, wie deren sterbliche Kirchen nun genau organisiert sind. Das Erstere muss gegeben sein, das Zweitere ist Nebensache.

Hab ich auch ergänzt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: unicum am 18.01.2023 | 14:29
Ich finde es gibt Aspekte die EDO haben kann aber nicht muss. Glaube gehört da wohl mit dazu, egal ob er an Götter oder sonst etwas ist (Schamanismus, Druidentum, "das Gute"etc).

Man kann die Definition auch Schärfen in dem man sagt ab wann etwas eben keine "gewöhnliche-Standard" EDO mehr ist.
Definieren würde ich so etwas derart das ich sage ABC muss enthalten sein XYZ darf nicht drin sein und dazwischen gibt es dann "kann, muss aber nicht,..." Siehe das obige bezüglich Gaube.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Achamanian am 18.01.2023 | 14:45
Es gibt zwar eine ziemlich breite Gruppe von Merkmalen, die gewöhnliche EDO-Fantasy kennzeichnen, die ich im Eingangsbeitrag auch ganz gut zusammengefasst finde; aber letztendlich gibt es auch in so ziemlich jedem Standardsetting irgendetwas, dass man je nachdem, mit welchem Setting genau man solche Fantasy kennengelernt hat und assoziiert, als störenden Twist empfinden kann.

Wenn man sehr Tolkien-eingeschossen ist, findet man vielleicht Kleriker und Geweihte total daneben (die haben mir tatsächlich anfangs auch bei DSA ein bisschen Probleme bereitet - ich fand das zwar interessant, als es aufkam, es war aber erst mal eher ein Fremdkörper für mich). Oder man findet es komisch, wenn die Orks ein barbarische Steppenvolk sind anstatt ein frühindustriller Kriegsapparat. Wenn man zufällig mit Shannara eingestiegen ist, findet man Postapokalypse-Elemente im EDO-Setting vielleicht total normal. Und wenn David Eddings der erste große Fantasy-Kontakt war, findet man vielleicht, dass in Standard-Fantasy überhaupt keine Elfen, Zwerge Orks usw. reingehören ...

Standard-Fantasy ist zwar schon ein relativ eng definiertes Genre, aber dann doch schwammig genug, dass man immer etwas finden kann, was nicht passt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 18.01.2023 | 15:03
Wie im Ausgangsfaden schon mal angesprochen, braucht "EDO-Fantasy" meiner Ansicht nach primär eben Elfen, Zwerge, und Orks sowie genügend magische Elemente (nicht unbedingt Zauberer mit spitzen Hüten!), um als Fantasy durchzugehen. Alles andere, mit den Menschen gleich angefangen, ist im Prinzip optional. :)

(Tatsächlich kamen ja gerade bei Opa Tolkien die Menschen eigentlich erst später, die ersten großen Schlachten zwischen Gut und Böse wurden noch ohne sie ausgefochten -- spätestens ab der Zeit des ersten Kontakts zwischen Elben und Zwergen und der Erschaffung der Orks durch Morgoth war eigentlich auch das Silmarilion-Setting schon "komplett EDO".)

Natürlich gehören für die meisten von uns Menschen und ein paar andere Elemente (wie z.B. ein mehr oder weniger klar definiertes Fäntelalter-Quasieuropa natürlich mit Quasiasien im Osten und Quasiafrika im Süden) eben irgendwie doch noch zusätzlich zum "EDO-Standard", und das ist auch in Ordnung so. Ist ja niemand gesetzlich verpflichtet, ausdrücklich nur der absoluten Minimalst-Settingdiät zu frönen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Gunthar am 27.01.2023 | 22:36
Der Ork ja jetzt nicht direkt - aber mit dem Troll steht natürlich schon etwas hinreichend Nahes zur Verfügung. Als Tendenz würde ich das aber auf jeden Fall so unterschreiben und nach meinem Empfinden passen zusätzliche Fantasyvölker/-spezies umso besser in ein klassisches EDO-Setting, je besser sich ein Bezug zur europäischen Sagenwelt herstellen lässt.
Orks soll es schon in der Beowulf-Saga gegeben haben. Somit dürfte das schon passen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Fonzman am 31.01.2026 | 09:10
Wofür stehen die Buchstaben "EDO" eigentlich?
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Eismann am 31.01.2026 | 09:30
Elves, Dwarves, Orcs
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Boba Fett am 31.01.2026 | 09:55
Wo ich das Thema mal wieder wahrnehme:

Was ist eigentlich mit grundsärtzlicher Polarisierung von Gut & Böse?
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: caranfang am 31.01.2026 | 10:21
Was ist eigentlich mit grundsärtzlicher Polarisierung von Gut & Böse?
Wie meinst du dies?
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 31.01.2026 | 11:13
Wo ich das Thema mal wieder wahrnehme:

Was ist eigentlich mit grundsärtzlicher Polarisierung von Gut & Böse?

Ich würde sagen, die gehört zumindest zu meiner Vorstellung von "Standard-EDO" ein Stück weit dazu -- einfach, weil schon Tolkien damit angefangen hat (Elben zumindest nominell weitgehend auf der "guten" Seite, Orks auf der "bösen", Zwerge mal mehr und mal weniger neutral dazwischen) und seitdem reichlich abgekupfert worden ist. Wie nuanciert die Darstellung dabei ausfällt, kann schwanken, aber daß insbesondere Elfen und Orks quasi "einfach schon immer von Natur aus" verfeindet sind, hat seine Tradition, und wenn man von der zu sehr abweicht, dann ist man halt nicht mehr so recht im "Standard"bereich drin.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: caranfang am 31.01.2026 | 11:22
Genau. Es geht sogar noch weiter. Diese Einteilung nach Gut und Böse ist absolut. Alle Elfen sind gut, alle Orks sind böse, und daher ist ein guter Ork genauso unbekannt wie ein böser Elf, obwohl letzteres deutlich eher voirkommt als ersteres.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 31.01.2026 | 11:37
Die Teleri, Galadriel, Glorfindel, Elrond , Earendil usw wollen ein Paar Worte sagen
Angefangen mit dem Sippenmord von Aglaronde und dem Marsch über die Halcaraxe
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: caranfang am 31.01.2026 | 11:46
Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es eher böse vertreter von guten Völkern als das es gute Vertreter von bösen Völkern gibt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Boba Fett am 31.01.2026 | 11:55
Wie meinst du dies?

Bei Tolkien gibt es zwei grundsätzliche Lager. Orks sind per Definition immer böse. Elfen sind immer gut. Ohne Ausnahme.
Es gibt also zwei klare Lager, nennen wir sie mal Gesinnungspole. Und diese sind auch verfeindet und liegen im ewigen Konflikt gegeneinander.
Menschen sind ambivalent, meistens aber grundsätzlich auf der Seite des Guten - die Ausnahmen sind "vom Bösen beeinflusst", "verführt", "schlechte Kindheit" oder andere Besonderheiten, die sie auf der Gut-Böse Skala vom "Gut"-Pol entfernen und näher zum "Böse"-Pol bringen.

Bei D&D gibt auch das Gesinnungs-Konstrukt, um die Weltbewohner einzuordnen. Drow sind per se chaotisch und böse, Elfen grundsätzlich gut. Tieflinge haben Probleme, weil sie eigentlich als "vom bösen abstammend" eingeschätzt werden und ihnen misstraut wird. Orks sind böse, in späteren Versionen wurden Halb-Orks dann plötzlich auch ambivalent, damit sie spielbar sind. Zwerge sind immer rechtschaffend, fast immer im guten Lager, Duerger waren früher zumindestens eigentlich böse (soweit mein D&D Settingwissen zurückreicht). Drow und Duergar sind gewissermaßen die Gegenpositionen zu Elf und Zwerg.
Bei Warhammer Fantasy sind Elfen und Zwerge auch grundsätzlich (so) gut (wie man es auf der Warhammer Welt sein kann), Dunkelelfen und Chaoszwerge grundsätzlich böse. Da gibt es auch keine Drizzt Ausnahmen.
In Aventurien galten Orks anfangs auch mal als "böse", wurden schnell aber zu "unkultivierten" aber "moralisch nicht grundsätzlich böse". Dafür kamen dann Borbarad und die Dämonen in der G7 Kampagne als neues Böse hinzu. Und hier waren es auch wieder die Menschen, die ambivalent diverse moralische Positionen beziehen konnten, sich aber eigentlich stets auf feste Lager einließen.

Oft gibt es Götter, die auch diese Gesinnung vertreten. Sieht man besonders gut bei Tolkien und auch bei den D&D Welten.
In Dragonlance gibt/gab es sogar den Krieg der Götter um die Vorherrschaft über die Dragonlance-Welt.
In/seit Planescape gibt es bei D&D auch den Blood-War, wo rechtschaffenböse Teufel gegen chaotisch böse Dämonen im ewigen Konflikt liegen und Krieg führen.
Warhammer hat seine bösen Chaosgötter...

Schema ist da auch oft, dass die Menschen als ambivalenter Spielball die Wahl treffen können, wie sie dazu stehen (sich für das Gute entscheiden, oder eben für das Böse oder meinen sich raushalten zu wollen).

Sword & Sorcery hat das in den wenigsten Welten. Bei Conan gibt es nur böse Personen, die sich bewusst dafür entschieden haben, moralisch fragwürdig zu agieren und es gibt da auch nicht den strahlenden guten Helden. Bei Elric beispielsweise gibt es einen Ordnung / Chaos Konflikt, aber beide Lager sind nicht in gut/böse aufgeteilt, lassen sich diesbeszüglich nicht kategorisieren.

Insofern meine Frage: Ist Gut/Böse Konflikt und die Existenz dieser Pol-Konstellation ein typisches Element der EDO Fantasy?
Und ist es ein so hinreichendes Genre Trope, dass man es als Bedingung definieren kann?
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: caranfang am 31.01.2026 | 12:04
Jein, der Konflikt zwischen Gut und Böse ist typisch für High Fantasy, aber EDO Fantasy muss nicht unbedingt High Fantasy sein. D&D hatte ursprünglich sogar mehr mit Sword & Sorcery (AKA Heroic Fantasy) gemein als mit High Fantasy.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 31.01.2026 | 12:24
"Heroic" ist imo nur ein anderes Wort für "gut".

Gut / Böse Polarität gehört für mich klar dazu, ja.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 31.01.2026 | 12:32
Insofern meine Frage: Ist Gut/Böse Konflikt und die Existenz dieser Pol-Konstellation ein typisches Element der EDO Fantasy?
Und ist es ein so hinreichendes Genre Trope, dass man es als Bedingung definieren kann?

Ich würde da tatsächlich noch mal ein wenig zwischen "EDO allgemein" und dann "Standard"- oder auch "Klischee"-EDO unterscheiden wollen, auch wenn man sich über die genaue Plazierung der Trennlinien immer streiten kann. Ersteres setzt primär schlicht die einigermaßen prominente Existenz seiner wiedererkennbaren "Standardvölker" voraus, kann mit denen dann aber immer noch spielen (beispielsweise wäre ein Setting, in dem die Orks die gutmütig-naturverbundenen Barbaren und die Elfen die hintertückischen magischen Trickser geben, immer noch einigermaßen klar als EDO erkennbar), letzteres geht dagegen weiter und steckt sie auch gleich weitgehend wieder in ihre klassisch-tolkienesken Rollen (Elfen sind "gut" und Orks sind "böse", und während die einen frei in ästhetisch ansprechenden Gegenden herumleben, wohnen die anderen in "harten" Verhältnissen unterirdisch oder in so was wie einer unwirtlichen Vulkanlandschaft und dienen wahrscheinlich auch gleich wieder irgendeinem fiesen Overlord-Typen a la Sauron/Morgoth/Gruumsh...).
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: caranfang am 31.01.2026 | 12:36
"Heroic" ist imo nur ein anderes Wort für "gut".
Damit stehst Du aber ziemlich alleine da, denn die Hauptpersonen der Heroic Fantasy sind oft nun nicht die strahlenden Helden, die wir aus der High Fantasy kennen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 31.01.2026 | 12:55
Damit stehst Du aber ziemlich alleine da, denn die Hauptpersonen der Heroic Fantasy sind oft nun nicht die strahlenden Helden, die wir aus der High Fantasy kennen.

Heroic Fantasy ist nach meinem Verständnis nicht dasselbe wie Sword & Sorcery, sondern lediglich eine Spielart.

Der Unterschied zwischen High Fantasy und Heroic Fantasy ist die Skala des Konflikts zwischen Gut und Böse. Kosmisch oder zumindest global und oft immerwähend im einen Fall. S&S hat auch gut gegen böse, aber im Kleinen und oft mit unklaren Grenzen. Der Protagonist kann "Held" sein und kämpft aus Prinzip gegen "das Böse". Oder er kann Antiheld sein und kämpft mehr aus Opportunismus gegen augenscheinlich böse Kräfte (wie z.B. Conan). In jedem Fall ist der Konflikt eher lokal und klein ohne kosmischen Background.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Skaeg am 31.01.2026 | 13:14
Ich würde sagen: Ein heldenhafter Gut/Böse-Konflikt gehört nicht unbedingt zum Archetypen des "Standardfantasy-Genres". Wohl aber die Existenz von als solchen definierten bösen Urkräften und ihren Manifestationen. Conan oder auch Fafhrd und der Mausling sind sicher nicht in einem moralischen Sinne gut, aber sie haben es des öfteren mit absolut verderbtem, übernatürlichem Bösen zu tun.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: 1of3 am 31.01.2026 | 13:35
Eine typische Fantasywelt, wie sie in Rollenspielen meist genutzt wird, ist:

A - Eine andere Welt. Keine Portalfantasy. Nicht unsere Welt.
T - Tolkien-Wesenheiten
E - Experten können Magie. Tolkien ist da tatsächlich eher atypisch. Da gibts im Grunde keine gelernten Magier.
K - Es gibt Ritter und Ritterrüstungen und Burgen und sowas.
/
K - Die Protagonisten gewinnen durch Kickassitude.
A - Die Figuren bekämpfen Ancient Spirits of Evil und andere Monster.

Mittelerde ist ATOK/GA - Magie nur für Gottheiten und Overlords. Und gewinnen tut man durch die Güte des Herzens oder so.

Den vollständigen hervorerragenden Standard findet ihr hier. https://docs.google.com/document/d/1SsjR6hQtNIFVqj4QNBy-Lb63WYUwCKf8bV_W_o3NQPk/edit?usp=sharing
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 31.01.2026 | 13:44
Ich denke, in Sachen "Moral" hat 08/15-Standardfantasy generell einfach recht klare Freund-oder-Feind-Linien -- wer mich umbringen oder mir anderweitig vergleichbar drastisch schaden will, ist der Feind, und meistens merkt man das auch recht schnell. ;) Ob daneben dann auch noch großes kosmisches Gut-und-Böse-Theater gespielt wird, ist dagegen eher nebensächlich, denn Feinde finden sich auf praktisch jeden Fall genug.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: caranfang am 31.01.2026 | 13:44
Heroic Fantasy ist nach meinem Verständnis nicht dasselbe wie Sword & Sorcery, sondern lediglich eine Spielart.
Und das ist ein Trugschluss. Low Fantasy, Sword & Sorcery, Heroic Fantasy u.ä. beschreiben alle das gleiche Genre.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Raven Nash am 31.01.2026 | 13:54
Und das ist ein Trugschluss. Low Fantasy, Sword & Sorcery, Heroic Fantasy u.ä. beschreiben alle das gleiche Genre.
Nö.
Heroic Fantasy setzt zuerst mal Helden voraus. Und die wiederum orientieren sich stark an mythologischen Archtypen. Helden sind demnach immer Larger-than-life: sei das durch besondere List (Odysseus), Kampfkraft (Achilleus), Wissen oder Führungsstärke. Ob sie dann noch Schwächen haben, ist "Geschmackssache".
Andererseits sind die Bedrohungen, denen sich Helden stellen müssen, auch immer von weit größerem Ausmaß als nur "Monster XY". Dinge, an denen sich davor schon eine Menge anderer die Zähne ausgebissen haben.

Low Fantasy bezeichnet einfach nur den Grad an phantastischen Elementen eines Settings. Das kann mit Heroic vermischt sein (David Gemmell z.B. macht das), muss aber nicht. High Fantasy ist das Gegenteil. Und dann kommt noch High/Low Magic in die Klassifizierung rein.

S&S ist da eher das, was nicht wirklich definiert ist. Es ist Pulp, mit allem, was Pulp eben ausmacht. Die "Helden" sind moralisch verkommen, die Frauen alle nymphomanisch und die Gegner einfach noch niederträchtiger, als die Helden.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Galatea am 31.01.2026 | 19:56
Ich würde sagen, "es gibt Götter und Geweihte, die Wunder geschehen lassen können" ist nicht zwingend. Gerade der Klassiker Mittelerde glänzt ja fast schon durch eine regelrechte Abwesenheit von sichtbarer Reliosität, und das, obwohl wir da dank Silmarilion definitiv wissen, daß die Welt durch einen göttlichen Schöpfungsakt zustande gekommen ist und quasi-göttliche Wesen selbst im dritten Zeitalter noch hier und da aktiv durch die Gegend streifen.
Tolkien würde ich auch nicht als EDO-Fantasy ansehen. Es ist zu großen Teilen die Vorlage für alle EDO-Fantasy-Settings, aber hat diverse Sachen, die so überhaupt nicht ins EDO-Fantasy-Klischee passen.

Es ist kein traditionelles Fäntelalter, es gibt keine klassische Fantasy-RPG-Magie (die Istari nutzen kaum Magie und wenn sie es tun läuft die auf einer GANZ anderen Ebene ab als das was Zauberer bei D&D und DSA tun), und was fundamental gute Elfen angeht, äh ja... ich sag da mal nur Feanor, der was Fanatismus und Greultaten angeht nur GANZ knapp hinter den beiden dunklen Lords rangiert (und ja, auf den wird in HdR referriert, der gehört also zum Kontext dieses Buches, selbst ohne das Silmarillion).
Auch entsprechen Tolkiens Elben generell so überhaupt nicht dem gängigen EDO-Fantasy-Klischee (und die Orks ehrlich gesagt auch nicht, zumindest wenn man sich mal ein bisschen in ihre Fähigkeiten einliest, besonders was Technologie angeht - die haben auf erschreckende Weise mehr mit Warhammer40k Orks gemein als mit barbarischen Holzkeulenschwingern).
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 31.01.2026 | 20:39
Tolkien würde ich auch nicht als EDO-Fantasy ansehen. Es ist zu großen Teilen die Vorlage für alle EDO-Fantasy-Settings, aber hat diverse Sachen, die so überhaupt nicht ins EDO-Fantasy-Klischee passen.

Es ist kein traditionelles Fäntelalter, es gibt keine klassische Fantasy-RPG-Magie (die Istari nutzen kaum Magie und wenn sie es tun läuft die auf einer GANZ anderen Ebene ab als das was Zauberer bei D&D und DSA tun), und was fundamental gute Elfen angeht, äh ja... ich sag da mal nur Feanor, der was Fanatismus und Greultaten angeht nur GANZ knapp hinter den beiden dunklen Lords rangiert (und ja, auf den wird in HdR referriert, der gehört also zum Kontext dieses Buches, selbst ohne das Silmarillion).
Auch entsprechen Tolkiens Elben generell so überhaupt nicht dem gängigen EDO-Fantasy-Klischee (und die Orks ehrlich gesagt auch nicht, zumindest wenn man sich mal ein bisschen in ihre Fähigkeiten einliest, besonders was Technologie angeht - die haben auf erschreckende Weise mehr mit Warhammer40k Orks gemein als mit barbarischen Holzkeulenschwingern).

Also, um's mal klipp und klar zu sagen: die "klassische Fantasy-RPG-Magie" ist eh ein eigenes Gewächs, die mit der in der Fantasyliteratur und anderen Medien aus der Vor-Rollenspielzeit ganz allgemein bei genauerem Hinsehen wenig gemeinsam hat. Mit demselben Argument ließe sich auch "belegen", daß Howards Conan-Geschichten gar keine Sword & Sorcery sein können, weil's an der "Sorcery" ja so offensichtlich hapert. ::)

Daß Tolkiens Werk nicht einfach bloß ein müder Klischeeabklatsch seiner selbst ist -- unbenommen. Das erste und seine Nachahmer weitgehend prägende EDO-Urgestein bleibt es trotzdem.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: D. M_Athair am 1.02.2026 | 00:35
Genau. Es geht sogar noch weiter. Diese Einteilung nach Gut und Böse ist absolut. Alle Elfen sind gut, alle Orks sind böse, und daher ist ein guter Ork genauso unbekannt wie ein böser Elf, obwohl letzteres deutlich eher voirkommt als ersteres.
So einfach ist es dann doch nicht. Gegenbeispiele: The Old World (WH), Faerun, Kreijor (Arcane Codex) oder auch Barsaive (Earthdawn) scheren da aus. Wahrscheinlich noch jede Menge weiterer Welten.

Drum würde ich das Kriterium "Gut & Böse" v.a. als Absolutum nur jenen Spielwelten zugestehen, die neben "EDO Standard" gleichzeitig auch sog. Epic Fantasy ist. Sonst nicht.


Bei Warhammer Fantasy  [...]
Ne, sorry. Deine Lore funktioniert nicht. Weil Du einfach u.a. die sehr dominanten Moorcock-Einflüsse aus WH rausstreichst (sh. Solkan) und nen Standard-Filter über das Ganze legst.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Fonzman am 1.02.2026 | 07:47
Würde Shadowrun eigentlich auch zu EDO zählen? Es gibt Elfen, Zwerge, Orks, Drachen, Magie,...
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Skaeg am 1.02.2026 | 08:50
Ich würde sagen, der ganze Clou bei Shadowrun war, dass es EDO-Fantasy mit Cyberpunk gemischt hat. Klassischer Fall eines Genremix.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2026 | 10:13
Würde Shadowrun eigentlich auch zu EDO zählen? Es gibt Elfen, Zwerge, Orks, Drachen, Magie,...

Aber keinen Fantelalter Background. Also nix Ritter mit Schwertern oder Burgen etc. Es ist halt "EDO" aber Near Future.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2026 | 10:41
Genau. Es geht sogar noch weiter. Diese Einteilung nach Gut und Böse ist absolut. Alle Elfen sind gut, alle Orks sind böse, und daher ist ein guter Ork genauso unbekannt wie ein böser Elf, obwohl letzteres deutlich eher voirkommt als ersteres.

Das ist m.E. Fokus auf der falschen Ebene. Wie im anderen Post auch schon gesagt, spielt sich das absolute Gute bzw. Böse mehr auf kosmischer Ebene ab. Wir reden bei Mittelerde also über Morgoth als "das große Böse". Die Elfen kämpfen doch über alle Zeitalter hinweg gegen Morgoth und seine Kreaturen, sind also grundsätzlich auf der guten Seite. Sie sind aber imo nicht "absolut gut" in dem Sinne. Im Übrigen widersprichst du dir in dieser Aussage ja auch selbst im letzten Teil.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 1.02.2026 | 11:15
Tolkiens Elfen als grundgut anzusehen, halte ich auch für falsch. Die kämpfen im ersten Zeitalter nicht gegen Morgoth, weil er böse ist, sondern weil er elfisches Eigentum geklaut hat, folgen dafür einem König mit eingeschränkter Zurechnungsfähigkeit, verweigern sich den Valar und begehen Massenmord an anderen Elfen. Die grundsätzliche Arroganz, die Elfen in den allermeisten EDO-Settings haben, legen sie auch bis ins dritte Zeitalter nicht ab. Sie sind halt die Erstgeborenen, sie sind was besseres.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 1.02.2026 | 13:37
Mal ganz abgesehen davon, daß selbst bei Tolkien nicht so recht klar ist, wo "das Böse" eigentlich konkret herkommt. Okay, wir haben mit Melkor/Morgoth eine klassische gefallene Engelsfigur a la Luzifer oder Satan -- aber jemand, der erst nachträglich rebellisch wird und gegen seinen großen Boß anstänkert, kann doch eigentlich gar nicht so recht in der Das-Urböse-Schlechthin-(TM!)-Klasse mitboxen! (Natürlich ließe sich da wiederum ein Stück weit argumentieren, daß das "Böse" halt dem "Guten" von vornherein letztendlich nicht das Wasser reichen kann, und das schwingt auch bei Tolkien teilweise durchaus mit...nur, einen anständigen Dualismus zwischen zwei einigermaßen ebenbürtigen Parteien kriegen wir auf diese Weise auch wieder nicht.)

Tatsächlich, denke ich, würde der Professor letzten Endes auch Morgoth höchstselbst nicht als komplett verloren einstufen. Selbst der könnte prinzipiell noch Vergebung finden und auf die "helle" Seite zurückkehren...und daß vermutlich eine ganze Reihe von Valar bei dem Gedanken gehörige Magenschmerzen bekämen, sagt uns allenfalls auch nur, daß die ihrerseits nicht einfach nur "rein gut" sein können. Selbst hier ist die Moral also nicht einfach nur platt schwarzweiß -- und das finde ich persönlich für einen überlebensgroß geschriebenen Familienstreit auch nur angemessen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Galatea am 1.02.2026 | 17:36
Das Schöne bei Tolkien ist ja, dass er zwei dunkle Lords hat, die absolut gegensätzlich sind.

Morgoth in seiner Frustration über seine Unfähigkeit selbst Leben zu schaffen, mit dem Resultat, dass er aus Wut die gesamte Schöpfung einreißen und zerstören will, und Sauron der Perfektionist, der die Schöpfung wie eine Maschine betrachtet, die man rücksichtslos "optimieren" kann.
Die wenigsten Geschichten schaffen es zwei so fundamental inkompatible Charaktere auf einer Seite zu vereinen, ohne dass die sich früher oder später an die Gurgel gehen.

Ich denke es ist auch beabsichtigt, dass es nicht das "Ur-Böse" gibt, das böse ist weil es böse ist, sondern dass die dunklen Lords die Schattenseiten menschlicher Schaffenskraft repräsentieren.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2026 | 19:41
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Wie auch immer: imo gehört ein Gut-Böse-Konflikt zu EDO dazu.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Fonzman am 1.02.2026 | 20:10
Viel spannender: wer entscheidet, wer "gut" bzw. "böse" ist? Es entscheidet immer der Sieger. Wenn Sauron gewonnen hätte, wären dann die Menschen, Elben und Zwerge die Bösen gewesen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: D. M_Athair am 1.02.2026 | 21:02
Wie auch immer: imo gehört ein Gut-Böse-Konflikt zu EDO dazu.
Da möchte ich nachhaken und fragen: Bei welchen SF/Fantasy-Genres gehört das gar nicht dazu?
(In meinen Augen kann man nämlich ais Elric als Gut/Böse-Geschichte framen, mit der Mäßigkeit als das gute Prinzip und einseitig Chaos oder Ordnung als böse.)

Schließlich muss ja für ein Abgrenzungsmerkmal nachgewiesen werden, dass es definitorischen Stellenwert hat ... und nicht einfach bloß da ist oder als vorliegend verstanden werden kann.


Wo stehen da eigentlich Midgard (das ich quasi nicht kenne), Mystara & Hârnworld (die ich je nicht genug kenne)? 
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2026 | 21:22
Da möchte ich nachhaken und fragen: Bei welchen SF/Fantasy-Genres gehört das gar nicht dazu?
(In meinen Augen kann man nämlich ais Elric als Gut/Böse-Geschichte framen, mit der Mäßigkeit als das gute Prinzip und einseitig Chaos oder Ordnung als böse.)

Schließlich muss ja für ein Abgrenzungsmerkmal nachgewiesen werden, dass es definitorischen Stellenwert hat ... und nicht einfach bloß da ist oder als vorliegend verstanden werden kann.


Wo stehen da eigentlich Midgard (das ich quasi nicht kenne), Mystara & Hârnworld (die ich je nicht genug kenne)?

Ich meine, dass der Konflikt schon eine gewisse Rolle im Setting haben muss. Harn hat z.B. klar böse Götter, aber es spielt eher eine Nebenrolle. Da ist allenfalls Agrik vs Larani nennenswert, was sich aber nur in einem religiös-politischen Konflikt zwischen zwei Reichen niederschlägt. Das könnten auch einfach zwei beliebige Religionen sein.

Auch z.B. in Eberron spielt es keine wirkliche Rolle, obwohl das D&D ist. Da geht es auch mehr um politische oder soziale Konflikte, auch wenn es natürlich so Dinge wie den "Dragon Below" etc. gibt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: 1of3 am 1.02.2026 | 21:27
Viel spannender: wer entscheidet, wer "gut" bzw. "böse" ist? Es entscheidet immer der Sieger. Wenn Sauron gewonnen hätte, wären dann die Menschen, Elben und Zwerge die Bösen gewesen.

Mistborn, The Final Empire. Wer da böse ist, ist ziemlich klar. Und es ist nicht die umtriebige Diebestruppe, die eine Revolution anzettelt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Skaeg am 1.02.2026 | 21:49
Viel spannender: wer entscheidet, wer "gut" bzw. "böse" ist?
Der Settingautor.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 1.02.2026 | 21:50
Wo stehen da eigentlich Midgard (das ich quasi nicht kenne), Mystara & Hârnworld (die ich je nicht genug kenne)?

Also, Mystara ist zumindest zur "klassischen" Zeit vor dem AD&D2-Umbau die Basiswelt für BECMI-D&D schlechthin, und da gibt's formell keine Gut/Böse-Gesinnungsachse. (Letztendlich sind zwar tendenziell meist die "Rechtschaffenen" die Netteren und die "Chaotischen" irgendwo die Schurken, aber es gibt auch ausdrückliche Gegenbeispiele.) Natürlich gibt es absolut Konflikte zwischen den Unsterblichen und den verschiedenen Sphären und sonstigen Fraktionen, denen sie angehören, aber wenn man sich die richtigen Produkte zur Brust nimmt, dann klingt schon ein bißchen durch, daß selbst die mehr schlichte Begleitmusik zu den großen kosmischen Zyklen des Multiversums als irgendwas sonst sind.

Wie schon gesagt: den Großen Moralischen Stinkefinger braucht's zumindest meiner unbescheidenen Meinung nach normalerweise auch in der Fantasy nicht. Hauptsache, der Konflikt, um den es geht, ist selbst einigermaßen eingängig und klar verständlich -- und "Mindestens zwei Seiten haben Zoff miteinander!" ist ein so grundlegendes Basiselement der menschlichen Psyche, da muß man gar nicht erst metaphysisch-philosophisch werden, um die Idee für ein Setting oder auch nur ein einzelnes Abenteuer ans normalerweise nun mal menschliche Publikum zu bringen. :)
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Skyrock am 1.02.2026 | 22:09
Wo stehen da eigentlich Midgard (das ich quasi nicht kenne), Mystara & Hârnworld (die ich je nicht genug kenne)?
Midgard hat objektiv böse höhere Mächte in Form von Chaosgöttern und Dämonen der Finsternis, sowie ihren menschlichen Dienern Chaospriestern, schwarzen Hexern und Finstermagiern.

Die Götter und insbesondere ihre Priesterschaft sind nur insofern "gut", als dass sie sich diesen finsteren Mächten entgegenstellen.
Die Druiden und die mit ihnen verbundenen magischen Heiler (die man auch als "gut" lesen könnte) haben eine sehr eigene Weltsicht, nach der die Welt in Balance gehalten werden muss und Götterkult nur als Opium für die unerleuchteten Massen geduldet wird.
Viele der gängigen SC-Klassen wie Spitzbuben, Händler, Grauhexer oder Söldner sind eher grau ausgerichtet und auf den eigenen materiellen Vorteil bedacht.

Natürlich gibt es in 40 Jahren Publikationsgeschichte auch einige publizierte Abenteuer, wo die SCs irgendeinem schurkischen Oberschurken das Handwerk legen, weil er so ein schurkischer Oberschurke ist, aber selbst da ist der Weg meist mit einem Auftraggeber mit zugesicherten materiellen Belohnungen gepflastert. (Was auch den Midgard-Regeln geschuldet ist, wo ein ständiger Geldzufluss für die Charakterverbesserung notwendig ist.)
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2026 | 22:15
Wie schon gesagt: den Großen Moralischen Stinkefinger braucht's zumindest meiner unbescheidenen Meinung nach normalerweise auch in der Fantasy nicht. Hauptsache, der Konflikt, um den es geht, ist selbst einigermaßen eingängig und klar verständlich -- und "Mindestens zwei Seiten haben Zoff miteinander!" ist ein so grundlegendes Basiselement der menschlichen Psyche, da muß man gar nicht erst metaphysisch-philosophisch werden, um die Idee für ein Setting oder auch nur ein einzelnes Abenteuer ans normalerweise nun mal menschliche Publikum zu bringen. :)

Das ist aber ja auch gar nicht die Frage. Ein Setting braucht überhaupt kein EDO, um interessant zu sein. Hier geht es um die Frage, ob es zu EDO typischerweise dazugehört.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 1.02.2026 | 22:28
Das ist aber ja auch gar nicht die Frage. Ein Setting braucht überhaupt kein EDO, um interessant zu sein. Hier geht es um die Frage, ob es zu EDO typischerweise dazugehört.

Sagen wir mal: es gehört zu EDO klassischerweise schon dazu, daß die Orks irgendwie zu den wie auch immer definierten "Bösen" zählen (und auch mindestens mit den Elfen eine fröhliche Erbfeindschaft pflegen). Ob sie dabei jetzt zur Gefolgschaft eines übernatürlichen bösen Overlords gehören oder einfach nur ganz unabhängig von sich aus als stereotyp raubende und plündernde Horden "barbarischer Wilder" auftreten...ich denke, das ist dann eher gehupft wie gesprungen.

Damit kann man immer noch locker spielen, ohne das EDO-Konzept als Ganzes gleich kaputtzuhauen; nur, der ohne weitere Informationen anzunehmende Standardfall ist es eben doch.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: korknadel am 2.02.2026 | 10:54
Es ist kein traditionelles Fäntelalter, ...

Diese Aussage finde ich bemerkenswert, denn wenn Du mich fragst, ist die Mittelerde aus dem HdR die Blaupause für Fäntelalter. Da existieren mittelalterliche Schwerter (und noch nicht mal Schwarzpulver) und Vorstellungen von Herrschaft und Königtum, die teilweise extrem stark nach mittelalterlichem Königsheil riechen, neben britischer Landlebenidylle und Ausbrüchen von Industrialisierung. Genau diesem Schema folgen doch die ganzen Aventuriens und Faeruns dieser Welt in unterschiedlichen Ausprägungen.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 2.02.2026 | 11:04
Diese Aussage finde ich bemerkenswert, denn wenn Du mich fragst, ist die Mittelerde aus dem HdR die Blaupause für Fäntelalter. Da existieren mittelalterliche Schwerter (und noch nicht mal Schwarzpulver) und Vorstellungen von Herrschaft und Königtum, die teilweise extrem stark nach mittelalterlichem Königsheil riechen, neben britischer Landlebenidylle und Ausbrüchen von Industrialisierung. Genau diesem Schema folgen doch die ganzen Aventuriens und Faeruns dieser Welt in unterschiedlichen Ausprägungen.

Das "traditionelle Fäntelalter", wie wir es im Rollenspiel kennen, ist halt zumindest insgesamt näher am Spätmittelalter bis gleich hinein in die Renaissance, während Mittelerde im Großen und Ganzen mMn mehr frühmittelalterliche Atmosphäre verströmt -- und das sind dann doch zwei recht unterschiedliche Epochen. Immerhin sind sich die heutigen Historiker einigermaßen einig, daß der Begriff "Mittelalter" so zirka die tausend Jahre von 500 bis 1500 speziell im europäischen Dunstkreis umfaßt (plus/minus je nach individuellem Geschmack und einzelnen Detailkriterien), da liegt also zwischen Anfang und Ende mehr Zeit als zwischen besagtem Ende und uns.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Raven Nash am 2.02.2026 | 11:27
Das "klassische" Fantasy-Setting ala D&D ist ein Produkt der US Renaissance-Fairs und der SCA*. Da hat man dann die tolkienschen Fantasy-Spezies reingepfriemelt und fertig war die Blaupause.
Ich find's auch bemerkenswert, wie viele Fantasy-Autoren irgendwann mal Mitglied bei der SCA waren und u.a. ihre Vorstellungen vom Schwertkampf daher haben.

*)Society for Creative Anachronism
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: korknadel am 2.02.2026 | 11:53
Das "traditionelle Fäntelalter", wie wir es im Rollenspiel kennen, ist halt zumindest insgesamt näher am Spätmittelalter bis gleich hinein in die Renaissance, während Mittelerde im Großen und Ganzen mMn mehr frühmittelalterliche Atmosphäre verströmt -- und das sind dann doch zwei recht unterschiedliche Epochen. Immerhin sind sich die heutigen Historiker einigermaßen einig, daß der Begriff "Mittelalter" so zirka die tausend Jahre von 500 bis 1500 speziell im europäischen Dunstkreis umfaßt (plus/minus je nach individuellem Geschmack und einzelnen Detailkriterien), da liegt also zwischen Anfang und Ende mehr Zeit als zwischen besagtem Ende und uns.

Huch, aber wo verströmen Shire, Geburtstagsfeuerwerk und The Prancing Pony frühmittelalterliche Atmosphäre?
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 2.02.2026 | 12:16
Huch, aber wo verströmen Shire, Geburtstagsfeuerwerk und The Prancing Pony frühmittelalterliche Atmosphäre?

Die nun gerade weniger, aber darin sind sie halt auch die große Ausnahme vom Rest der Welt. In gewisser Hinsicht hat der Herr der Ringe da durchaus was von der klassischen Heldenreise -- das Auenland ist die den Hobbits (und dem einigermaßen "modernen" englischen Leser) vertraute Heimat, aus der er dann aufbrechen muß, um seine Abenteuer und Prüfungen zu bestehen, und in die er letztendlich auch wieder zurückkehrt, während der ganze Rest Mittelerdes für die gefährliche "Anderswelt" steht.

Auf der anderen Seite ist die Tatsache, daß die Hobbits überhaupt weitgehend friedlich ungestört vor sich hinexistieren können, ohne in irgendeine größere Hierarchie eingebunden zu sein, mMn zumindest tendenziell auch schon wieder eher "frühzeitlich". Kleine weitgehend unabhängige Lokalreiche vertragen sich nun mal nicht so recht mit einer "fortgeschritteneren" Zentralisierung von Regierung und Staatsgewalt -- die das Setting ja so auch gar nicht hat, selbst der eine definitive König kehrt ja erst gegen Ende wieder zurück.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Galatea am 2.02.2026 | 12:29
Viel spannender: wer entscheidet, wer "gut" bzw. "böse" ist? Es entscheidet immer der Sieger. Wenn Sauron gewonnen hätte, wären dann die Menschen, Elben und Zwerge die Bösen gewesen.
An dieser Stelle sei kurz darauf hingewiesen, dass Sauron sowohl (sehr sehr viele!) Menschen (Easterlings, Umbar, Harrad, Black Numenorians und noch einige mehr) unter seinem Banner hatte, sowie einige Gruppierungen der Zwerge.
Auch Sarumans Armee bestand zur Hälfte aus Menschen (größtenteils Dunlandings, die mit Rohan seit Jahrhunderten Streit hatten).
Die einzigen von Erus Kindern, die nie auf der Seite der dunklen Lords gekämpft haben (zumindest nicht direkt) sind die Elben.

Auch konnte Sauron die Orks nicht wirklich leiden - sie waren eher ein notwendiges Übel, ein grober Vorschlaghammer, um seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Wenn es aber ans walten und schalten geht, sind Orks viel zu gewalttätig, unberechenbar und unzuverlässig. Saurons Lieblingsspezies waren seit jeher die Menschen, weil sie moralisch verdorben und gleichzeitig penibel organisiert sein können - genau das richtige Werkzeug für seinen großen Plan.

Das vierte Zeitalter wäre in jedem Fall das Zeitalter der Menschen geworden, egal welche Seite gewonnen hätte. Die Frage ist, ob sie dieses Zeitalter als freie Wesen bestreiten oder als Rädchen in der Maschinerie eines dunklen Gottimperators.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: korknadel am 2.02.2026 | 13:09
Die nun gerade weniger, aber darin sind sie halt auch die große Ausnahme vom Rest der Welt. In gewisser Hinsicht hat der Herr der Ringe da durchaus was von der klassischen Heldenreise -- das Auenland ist die den Hobbits (und dem einigermaßen "modernen" englischen Leser) vertraute Heimat, aus der er dann aufbrechen muß, um seine Abenteuer und Prüfungen zu bestehen, und in die er letztendlich auch wieder zurückkehrt, während der ganze Rest Mittelerdes für die gefährliche "Anderswelt" steht.

Auf der anderen Seite ist die Tatsache, daß die Hobbits überhaupt weitgehend friedlich ungestört vor sich hinexistieren können, ohne in irgendeine größere Hierarchie eingebunden zu sein, mMn zumindest tendenziell auch schon wieder eher "frühzeitlich". Kleine weitgehend unabhängige Lokalreiche vertragen sich nun mal nicht so recht mit einer "fortgeschritteneren" Zentralisierung von Regierung und Staatsgewalt -- die das Setting ja so auch gar nicht hat, selbst der eine definitive König kehrt ja erst gegen Ende wieder zurück.

Ich habe den HdR nie so gelesen wie Narnia oder Alice, wo Leute wie durch ein Tor in eine andere Welt reisen, die mit der eigenen nichts zu tun hat. Ich bin wirklich kein Experte, was den HdR angeht, da ich ihn nur zwei- oder dreimal gelesen habe, aber schon bei der ersten Lektüre als Teenager konnte ich ihn nicht als Frühmittelalter lesen, sondern als ein für Fantasy typisches Gemisch aus allem, was halt gerade gebraucht wird. Ich ahne inzwischen, warum manche Lesende im Mittelerde des HdR (und des Hobbit) kein Fäntelalter sehen, aber für mich war es quasi die erste Begegnung mit dieser für Fantasy typischen Nicht-Epoche, und das kriege ich nicht mehr aus mir raus.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Swanosaurus am 2.02.2026 | 13:15
Ich habe den HdR nie so gelesen wie Narnia oder Alice, wo Leute wie durch ein Tor in eine andere Welt reisen, die mit der eigenen nichts zu tun hat. Ich bin wirklich kein Experte, was den HdR angeht, da ich ihn nur zwei- oder dreimal gelesen habe, aber schon bei der ersten Lektüre als Teenager konnte ich ihn nicht als Frühmittelalter lesen, sondern als ein für Fantasy typisches Gemisch aus allem, was halt gerade gebraucht wird. Ich ahne inzwischen, warum manche Lesende im Mittelerde des HdR (und des Hobbit) kein Fäntelalter sehen, aber für mich war es quasi die erste Begegnung mit dieser für Fantasy typischen Nicht-Epoche, und das kriege ich nicht mehr aus mir raus.

Empfinde ich auch so. Gerade auch mit den Andeutungen von Technologie bei Saruman und Sauron. Ich finde es sehr schwer, Mittelerde im HdR irgendwo historisch analog zu verorten.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: nobody@home am 2.02.2026 | 13:33
Empfinde ich auch so. Gerade auch mit den Andeutungen von Technologie bei Saruman und Sauron. Ich finde es sehr schwer, Mittelerde im HdR irgendwo historisch analog zu verorten.

Na ja -- rein zeitlich findet die ganze Chose halt auch nominell vor unserer bekannten Geschichte statt, da ist eine "historische" Einordnung logischerweise auch schwierig und kann es auch gar nicht nicht sein. ;)

Was denn wohl auch noch einen Unterschied zwischen "Standard-EDO" einer- und speziell Mittelerde andererseits ausmacht: 08/15-Standardfantasy spielt gerne in einer komplett eigenen Welt ohne direkte Verbindung zu unserer, während Tolkien eine Fantasievergangenheit gerade unserer eigenen Erde beschreibt.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Crimson King am 2.02.2026 | 13:34
Empfinde ich auch so. Gerade auch mit den Andeutungen von Technologie bei Saruman und Sauron. Ich finde es sehr schwer, Mittelerde im HdR irgendwo historisch analog zu verorten.

Kann man auch nicht wirklich. In dem Sinne ist es klassische Fantasy. In Rollenspielsprech ist das Mittelerde des dritten Zeitalters auch eher ein Points of Light Setting.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: 1of3 am 2.02.2026 | 13:57
... eher ein Points of Light Setting.

Ich denke Mittelerde stand bei der Begriffsbildung direkt Pate.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 2.02.2026 | 15:10

Auf der anderen Seite ist die Tatsache, daß die Hobbits überhaupt weitgehend friedlich ungestört vor sich hinexistieren können, ohne in irgendeine größere Hierarchie eingebunden zu sein, mMn zumindest tendenziell auch schon wieder eher "frühzeitlich".
das Auenland war IIRC Teil von Arthedain die Hobbits haben das Auenland vom König zugesprochen bekommen und folgten seinen Gesetzen
An dieser Stelle sei kurz darauf hingewiesen, dass Sauron sowohl (sehr sehr viele!) Menschen (Easterlings, Umbar, Harrad, Black Numenorians und noch einige mehr) unter seinem Banner hatte, sowie einige Gruppierungen der Zwerge.
man sollte nur nicht vergessen das in es auch Menschen in Saurons Hinterland gab, die ihm Widerstand leisteten



Mit den Ringen wollte Sauron eigentlich die Elben unterwerfen, hat sie dann aber an Menschen und Zwerge verteilt, als das nicht klappte
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 2.02.2026 | 19:03
Drow sind per se chaotisch und böse, Elfen grundsätzlich gut.
Elistraee will ein Wort

Zitat
Orks sind böse, in späteren Versionen wurden Halb-Orks dann plötzlich auch ambivalent, damit sie spielbar sind.
du meinst in AdnD 1e von 1970
"Heroic" ist imo nur ein anderes Wort für "gut".
Achilles war bestimmt nicht gut und bei Herakles würde ich das auch mit Vorsich genießen.
Heroisch waren beide und Nein Midgard ist low aber weder heroisch noch SnS  und das ist vieles andere auch.
Nein tun Die Elfen nicht sondern die Noldor ggf mit Hilfen von Waldelfen, äh nö nur die Noldor die Feanor folgten und Galadriel

@nobody@home

Nichtmal Sauron war von Anfang an böse

btw Manwe fängt ziemlich viel Flak weil er Melkor IIRC 2 mal eine Chance gibt und ihn nach Busse, Sühne und Strafe wieder frelässt .
Der Prof hat die Richtigkeit mal kommentiert
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 2.02.2026 | 19:10
Achilles war bestimmt nicht gut und bei Herakles würde ich das auch mit Vorsich genießen.

Helden im antiken Sinne, ja. Im modernen Sinne sind sie dann doch eher Antihelden.
Titel: Re: Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?
Beitrag von: Galatea am 2.02.2026 | 23:53
Bei Tolkien sollte man auch beachten, dass es nicht die Aufgabe der Götter ist, das Böse zu bekämpfen.

Die Aufgabe der Valar ist zu allererst die Welt selbst zu beschützen und zu erhalten.
Das ist eine völlig andere Dynamik als in den meisten Fantasy-Settings und stellt auch die Valar teilweise vor ziemlich große Probleme und Fragen (u.a. ob sie überhaupt eingreifen dürfen).

Und schaut man sich mal an was passiert ist als die Valar nach Mittelerde kamen um Melkor zu stürzen (die komplette Westküste wo die Elben lebten wurde so verwüstet, dass sie im Meer versunken ist), dann kann man ihre Hemmungen direkt gegen Sauron vorzugehen absolut nachvollziehen. Wenn die in ihrem Kampf mit Sauron auch noch alles östlich der Misty Mountains versenken, dann wird es auf Mittelerde verdammt eng.